FrauenLeben/Im Blickpunkt Marianne Resetarits (Kunst ist Güssing)

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In ihrem Garten mit dem Panorama zur Güssinger Burg fühlt sich Marianne Resetarits ganz besonders wohl. In der Ruhe dieser Region hat sie ihre Seele getroffen und auch die Kräfte der Kindheit für Kunst und Theater in die Gegenwart aktiviert. In ihrem Garten mit dem Panorama zur Güssinger Burg fühlt sich Marianne Resetarits ganz besonders wohl. In der Ruhe dieser Region hat sie ihre Seele getroffen und auch die Kräfte der Kindheit für Kunst und Theater in die Gegenwart aktiviert.

Welch eine Frau! Mit dem Süd-Ost Journal-Herausgeber Hannes Krois auf Seelenlänge. Die Marianne „konsumierte“ ebenso über 70 Bände von Karl May. Das war in den Zeiten ohne Handy und Internet eine Art Wissensprägung. Zudem spielten beide an verschiedenen Orten über lange Jahre Theater. Marianne Resetarits spielte in der Kindheit ihre Indianer-Spiele und dann bereits im zarten Alter von 11 Jahren Theater. Wer einmal Theaterluft gerochen hat, der kann sich nicht mehr davon entfernen. Theaterluft ist wie eine Sucht. Die Endorphine spielen vor dem Auftritt wie verrückt. Und dann steht man im Rampenlicht der Bühne. Dahinter im Verdunkelten 100erte Menschen. Das Lampenfieber bringt die Kreation und das Charisma ein. Und dann läuft alles. Das Glas Sekt vor dem Auftritt hat die Lebenszellen zudem in Schwung gebracht. Marianne Resetarits kam dann zum Glück der Güssinger ins Südburgenland. Alles drehte sich in diesen Zeiten um Bücher und ihren Mann Frauenarzt Dr. Kurt Resetarits. Dann die Hingabe für das „Musical Güssing“ . Als Regisseurin für bislang 33 Welt-Musicals. Marianne Resetarits vernetzte sich in Theaterkunst vollauf. Dazu immer die Einbindung von Kinder-Talenten. Welch große Talente schlummern da im Dunkeln. Man muß diese talentierten Kinder ins Licht bringen und fördern. Marianne Resetarits ist nach dem Studium Theaterpädagogik ein „Theaterprofi“ im Südburgenland. Als künstlerischer „Menschenfreund“ hat Marianne mittlerweile in ihren großen Produktionen gut 80 Ensemble-Mitgieder. Im Alter gemessen von 6 bis 75 Jahre. In Sachen „Musical Güssing“ spielt Marianne Resetarits auch in der Familie die Regie. Ihr Mediziner-Gatte Kurt ist ein leidenschaftlicher Theaterspieler und muß zumindest in Sachen Theaterkunst Marianne`s Regieanweisungen folgen. Auch Sohn Florian, der mittlerweile Profi-Theaterspieler ist, folgt der Mutter zumindest in Güssing sehr perfekt. Und weil Geld in der „brotlosen Theaterkunst“ immer wichtig ist, unterstützt Tochter Caroline mit ihrer Firma das „Musical Güssing“. Bravo!!!

Regiearbeit ist Knochenarbeit. Aber mit Freude und Einsatz geschieht es....

von Marianne Resetarits
Neckenmarkt Anfang der 1960er-Jahre: Ein kleiner Ort, viele Kinder, aber kein Fernseher, kein Computer, Telefon nur beim Greissler und bei der Postfiliale. Genug Zeit für mich, um die Fantasie spielen zu lassen. Genug Raum, um Leidenschaften zu finden. Und ich kann heute mit Stolz sagen, dass ich all diese Leidenschaften im Laufe meines Lebens nicht zu einem einzigen, sondern gleich zu mehreren Berufen gemacht habe: Kindergärtnerin, Bibliothekarin, Supervisorin und Regisseurin. Aber der Reihe nach.
Meine erste große Leidenschaft waren Bücher. Sie waren mein Tor zur Welt. Vor allem die Literatur, die auch mein drei Jahre älterer Bruder gerne gelesen hat – die Bände von Karl May. Und über diese Bücher erschlossen sich mir fremde Welten, die ich nach Neckenmarkt bringen wollte. Man könnte sagen, dass ich so meine zweite Leidenschaft gefunden habe: die zum Theater. Denn in einem aufgelassenen Steinbruch inszenierten wir die ganzen Schulferien über die ersten Rollenspiele mit Marterpfahl und Zelten. Die Pferde mussten wir uns vorstellen. Einmal nahmen wir das Spiel etwas zu ernst und banden einen Burschen aus dem Dorf den ganzen Tag an einen Baumstamm... pardon... Marterpfahl, bis die Eltern mit uns schimpften.
Ich konnte mich in Geschichten verlieren. Es war also nur mehr eine Frage der Zeit, bis ich vom Steinbruch auf die Bühne strebte. Mit elf Jahren spielte ich das erste Mal Theater, meine Mentorin wurde die vor kurzem verstorbene burgenländische Dichterin Gertrude Zelger Alten, die mich in die Stücke Nestroys einführte.
Meine großen Leidenschaften konnte ich dann in meinen ersten Beruf als Kindergarten- und Hortpädagogin in Wien mitbringen. Ich liebte die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Vor allem konnte ich mit pädagogischem Wissen Geschichten erzählen oder inszenieren, sei es im Rollenspiel, beim Kasperltheater oder beim Schattenspiel. Die Kinder waren für mich die besten Lehrmeister: Sie hinterfragen alles, sie verlieren das Interesse schnell, wenn sie die Geschichte nicht verstehen, sie fordern. Dass mir genau das später bei meiner Arbeit als Regisseurin helfen sollte, habe ich damals wahrscheinlich noch nicht geahnt.
Nach meinem Umzug von Wien nach Güssing beschloss ich, den Beruf zu wechseln. In meinem zweiten Beruf kehrte ich quasi zu meiner ersten großen Liebe zurück: Bücher. Ich machte eine Ausbildung zur Bibliothekarin und arbeitete in der Stadtbücherei Güssing. Es dauerte nicht lange, bis mir klar wurde, dass ich in eine ganz außergewöhnliche Stadt gekommen war. Eine Stadt voll von kreativem Potenzial, voller Schauspieler.

Der Kraftpunkt aller Dinge ist die Familie. Höchst erfreuliche Momente mit Enkerl Enie und Ehemann Kurt.
Der Verein „Musical Güssing“ hat emsige Mitarbeiter und ein Büro. Auf dem Foto Marianne Resetarits mit Karin Jandrisevits und Anita Paul.

Ich gab meinen zweiten Beruf nach einigen Jahren auf und arbeitete von da an als Ordinationsgehilfin in der Praxis meines Mannes, während wir unsere drei Kinder großzogen. Habe ich mich der Familie zuliebe von meinen Leidenschaften entfernt? Vielleicht. Aber sie sollten mich bald wiederfinden.
Und zwar an einem Dienstagnachmittag Anfang der 1990er, als ich meine zwei jüngeren Kinder zu einem Chor, geleitet von dem Musiklehrer Josef Naray, brachte. Es waren Dutzende Kinder in dem kleinen Raum in der Musikschule, auf und unter dem Klavier. Ich dachte mir, dass es schwer werden könnte, diese große Gruppe alleine zu unterrichten, deshalb bot ich Josef Naray an, ihm dabei zu helfen und mit den Kindern Bewegungen und Szenen einzustudieren. Das war der Beginn von Musical Güssing. Einige Jahre später inszenierten wir das erste Mal mit Jugendlichen und Erwachsenen das Musical „Elisabeth“. So kam ich allmählich zur Regie. Mein nächster Beruf. Seither habe ich 33 Musicals  inszeniert und an 20 Kabarettabenden in Güssing mitgewirkt, habe mich mit großen Werken der Musicalgeschichte wie „Jesus Christ Superstar“, „Hair“, „Evita“, „Cabaret“, „Saturday Night Fever“ oder zuletzt „Aida“ von Elton John auseinandergesetzt und sie auf die Bühne des Kulturzentrums Güssing gebracht. 2010 zog sich Josef Naray zurück und ich übernahm auch die Leitung von Musical Güssing. Im selben Jahr gründete ich die Musical Kids als Talentschmiede für den musikalischen Nachwuchs. Seither arbeite ich auch wieder viel mit Kindern — wie damals, in meinem ersten Beruf.
Um meine Leidenschaft für die Regie mehr zu professionalisieren, habe ich weitere Ausbildungen gemacht. Ich wollte verstehen, was es bedeutet, als Regisseurin Teil des Stücks, aber zugleich Beobachterin von außen zu sein. Wie es ist, manchmal einzugreifen und sich dann wieder im richtigen Moment zurück zu ziehen. Aus diesem Grund habe ich eine Ausbildung zur akademischen Supervisorin und Coachin gemacht. Außerdem habe ich Theaterpädagogik studiert.
Heute arbeite ich in großen Produktionen mit bis zu 80 Ensemblemitgliedern im Alter von sechs bis 75 Jahren auf, vor, hinter und neben der Bühne, Profis und Amateuren. Als Intendantin von Musical Güssing blicke ich auf 26 erfolgreiche Jahre zurück. Und ich bin noch nicht am Ende angekommen. Ich habe ein motiviertes Team um mich und Kinder und Jugendliche, die wie ich damals auf die Bühne streben — und jede Menge Leidenschaft.
Meine Familie ist diesen Weg mit mir gegangen und wird auch weiterhin ein Teil davon sein. Mein Mann Kurt, der als Arzt in führender Position tätig ist und trotzdem jedes Jahr aufs Neue seiner Leidenschaft als Schauspieler unter meiner Regie nachgeht; mein Sohn Florian, der mit sechs Jahren bei Musical Güssing begonnen hat und nun als Profi-Darsteller die großen Bühnen in Österreich, Deutschland und China bespielt; die Tochter Valentina, an die ich meine Leidenschaft für Geschichten weitergeben konnte, die sie heute als Journalistin in Deutschland auslebt; und meine älteste Tochter Caroline, die mein Herzensprojekt Musical Güssing nicht nur mit ihrem jährlichen Besuch, sondern auch einem Sponsoring ihrer Firma unterstützt. So haben alle ihren Platz ums Theater und meiner Leidenschaft gefunden.

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