Frauenleben/Im Blickpunkt: Sabine Felgitsch (Leidenschaftliche Lebens-Schreiberin und Menschen-Freundin)

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Das Lächeln von Sabine macht   ihrem Hannes größte Freude. Das Lächeln von Sabine macht ihrem Hannes größte Freude.

Der Verbrauch von Papier und Schreibwerkzeug ist bei Sabine Felgitsch bemerkenswert. Schlussendlich hat Sabine aus St. Margarethen/Raab immer ein Notizbuch bei sich. Darin verankert sie die Dinge des Tages, die wichtigen und wesentlichen Bemerkungen und Ansichten von Menschen. Tiefgründig, humorig und auch traurig. So wie das Leben eben spielt. Spätestens dann, als ihre Freundin Barbara gleichzeitig den Mann und die beiden Kinder durch einen grauenhaften Unfall verloren hatte, erkannte Sabine die kostbare Wertigkeit des Lebens. Immer voller Mut und Zuversicht, die Lebensstiege von Stufe zu Stufe zu erklimmen. Dabei die Schwierigkeiten zu überwinden. Mit dem Schreiben sich zu ermutigen und mit dem Singen Negatives zu übertauchen. Sabine, die Schreibende aus der hügeligen Oststeiermark wurde erst kürzlich beim „Wortschatz-Literaturwettbewerb” im Kulturmarkt Hartmannsdorf von Peter Simonischek und Brigitte Karner geehrt.
Sabine ist eine Menschen-Freundin. Vertrauen, Liebe, Leidenschaft und Gleichklang verbindet sie mit ihrem Künstler-Ehemann Hannes. Mit dabei eine noch überschaubare Kinderzahl in ausgeprägter familiär-harmonischer Lebensform. Mit Kindern haben Sabine & Hannes allergrößte Freude. Diese noch kleinen Menschen, die täglich dazulernen und von den Großen sich eini­ges abschauen wollen. Sabine denkt sehr gerne an ihre Kindheit zurück. Damals bei Oma und Opa in Gleisdorf mit all den für Kinder wichtigen Dingen und speziell der Überportion Zuneigung. Die Freiberuflerin Sabine und auch ihr Mann Hannes sind individualpsychologisch-pädagogische Berater. Die Ausbildung erfolgte in Deutschland. Bei ihren Vorträgen und Gesprächen erzählt sie die Geschichten des Lebens. Nicht die Theorie, sondern das Leben und wie die Menschen in all den Tiefen durch Mut und Zuversicht wieder Höhen erreichen können.

Beim gemeinsamen Familientisch wird geplaudert und mit Freude gegessen und getrunken. Weil gutes Essen „Leib und Söl zsammhalt“.
Texte und Lieder gehören zum Leben von Sabine dazu.

von Sabine Felgitsch
„Was schätzt du an mir?“, fragte ich vor einigen Jahren meine Freundin Barbara. „…dass du das Leben so zelebrierst“ sagte sie. „Du feierst das Leben.“ Dessen war ich mir bis zu jenem Tag nicht bewusst. Ich denke, ich bin jemand, der andere Menschen ermutigen kann. Das hat wohl damit zu tun, dass ich in meinem Leben selbst schon in vielen unangenehmen und entmutigenden Situationen war. Es gab viele gute Zeiten, und es gab traurige und schmerzvolle Zeiten. Immer waren andere Menschen da, die mir geholfen haben, den nächsten Schritt zu gehen, wenn mir selbst der Mut fehlte. Es geht im Leben vor allem darum, Mut zu finden, Mut, den nächsten Entwicklungsschritt zu machen oder Dinge, die unangenehm sind beim Namen zu nennen. In einer Welt, die wenig Anerkennung und Ermutigung bietet, weil sie immer unsicherer und unübersichtlicher wird, brauchen wir alle Mut: zum jeden Tag Aufstehen, zum Arbeiten, zum Lieben, zum Streiten, zum Leben.
Meine frühen Beispielsmenschen
Geprägt haben mich als Tochter eines Fotografen und Gewerbetreibenden die Großmutter aus der bäuerlichen Familie, die in Gleisdorf ihren Stadtgarten pflegte, und der Großvater, Elin-Arbeiter und Künstler, und viele politische Diskussionen mit meinem Vater am Küchentisch bei uns daheim. Ich erinnere mich gern an diese Kindheit in der kleinen Wohnung der Großeltern, mit Geigenmusik, Gedichten, Grieß­brei, Buchteln und Hans Moser Filmen. An den Wochenenden am Hof der Pflegeeltern mütter­licherseits war Natur pur, ständig arbeitende Menschen, und immer auch Genießen beim gemeinsamen Mahl. Ich habe dort gelernt, dass Menschen viel schaffen können, wenn man ihnen viel zutraut, dass sie viel aushalten können und dass gutes Essen in liebevoller Gemeinschaft „Leib und Söl zsammhalt“.
Lebenssinn und Lebensziel
Als junge Frau war ich lebenslus­tig, zweifelnd und suchend: Woher kommen wir, wohin gehen wir, wozu leben wir? Wirklichen Lebenssinn habe ich immer nur im Lesen, Schreiben, Mitgestalten, Mitfühlen  finden können. Und durch meine Kinder: als sie geboren wurden, wurde ich neu geboren. Ich liebe es, mit Kindern und mit Erwachsenen zusammen zu sein und ich bin sehr gern allein mit mir. Gelingt diese Balance im Alltag, dann schöpfe ich Kraft. Gelingt sie nicht, dann fühle ich mich entmutigt und fremdbestimmt.
Meine Freundin Barbara hat ihren Mann und ihre beiden Kinder durch einen Unfall verloren und viele Abschiede und Verluste in der Zeit danach haben meinem Leben 2008 eine Kehrtwende gegeben. Der Tod erinnert mich daran, wie kostbar das Leben ist. Dankbarkeit, Achtsamkeit, Mitgefühl und die Überzeugung, dass wir „den Himmel in uns tragen“, haben mich gelassener und ruhiger werden lassen. Trotzdem kann ich auch zornig sein: wenn ich soziale Ungerechtigkeiten erlebe, oder wenn ich die menschliche Würde bedroht sehe durch ausbeuterische Arbeitsbedingungen oder eine „Verbetriebswirtschaftlichung“ des Menschen.
Arbeit „im Patchwork“
Ich bin eine Frau, die ihre Arbeit über alles liebt und war, mit wenigen Unterbrechungen, immer Freiberuflerin. Manchmal bringen mich die Rahmenbedingungen als berufstätige Mutter an meine Grenzen. Das Bild der Mutter und der Frau wird sehr idealisiert. Aus meiner Tätigkeit als Erwachsenenbildnerin weiß ich, dass das viele Frauen belastet. Alles unter einen Hut zu bringen, das ist eine Herausforderung, vor allem in unserer Familienkonstellation. Ich lebe gemeinsam mit meinem zweiten Ehemann Hannes im Patchwork mit vier schulpflichtigen Söhnen im oststeirischen Hügelland, die Stieftochter lebt mit ihrem Partner in der Nähe. Wir sind eine bunte Familie, mit allen Höhen und Tiefen, die so eine zusammengesetzte Stieffamilie mit sich bringt. Liebe, Ehe, Kinder großziehen, das sind besondere und schwierige Herausforderungen, neben all den anderen Aufgaben, wie sich im Beruf zu bewähren und in der Gesellschaft unseren Platz zu finden. In meiner Praxis für Familien- und Erziehungsberatung begegnen mir diese Themen in großer Vielfalt.

Die Hochzeit von Sabine und Hannes. Eine Riesenfreude für die Kinder.
Sabine geht intensiv, tiefgründig und glücklich durchs Leben.
Literatin Sabine mit Peter Simonischek, Brigitte Karner und „Sonni“.

Texte, Lieder, Schreibelust
Als mein Mann Hannes und ich in Deutschland die Ausbildung zum individualpsychologischen Berater absolvierten, entwickelte ich ein Bühnenstück mit dem Titel „Liebe. Ehe. Liebe Ehe?“. Wir erzählen von Liebesbeziehungen, von gebrochenen Herzen, vom Ehe-Alltag, von der Sehnsucht nach Nähe. Mein Mann Hannes komponiert und textet, ich singe und schreibe. Schreiben ist eine Tätigkeit, ohne die ich nicht leben könnte. Ich schreibe immer und überall, und ich trage immer ein Notizbuch mit mir. Briefe, Leserbriefe, Kolumnen, Notizen, Gedanken, Geschichten, Träume, Ideen für Seminare und Vorträge, Dinge, die ich irgendwo aufschnappe, die mir gefallen oder mich ermutigen... schreibend meine Meinung äußern ist mein Beitrag für gelebte Demokratie.
Die wirklich schwere Arbeit tun
Eine Zeitlang war ich alleinerziehend. Darum habe ich sehr viel Verständnis für berufstätige Mütter, für Alleinerziehende, für Frauen, die nicht so auf die Butterseite gefallen sind. Als sozialpä­dagogischer Coach im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen habe ich viele Schicksale kennen gelernt. Am meisten beeindruckt bin ich von den Menschen, Frauen wie Männer, die fast unbemerkt und selbstverständlich jahrzehntelang ihre Arbeit tun für die Gesellschaft: Fabrikarbeiterinnen, Straßenbauer, Reinigungskräfte, Verkäuferinnen, Handwerker…
Dazugehören
Besonders interessieren mich Menschen, die scheinbar nirgendwo dazugehören oder die irgendwie „anders“ sind. Wenn es gelingt, dem anderen wirklich zuzuhören, wird plötzlich jeder Mensch interessant – und schön. Das liebe ich an der Arbeit mit Menschen: ich muss jeden Tag lernen, meine eigene Insel zu erweitern. Birkenbihl, die bekannte Managementtrainerin, mit der mein Mann Hannes eng zusammenarbeitete, nannte das in ihren Vorträgen „bedingungslose Liebe üben“. Es ist eine schwierige Übung, sie erfordert Mut. In meiner Arbeit begegnen mir manchmal Menschen, die Kriegstraumata, Gewalt oder schwere Übergriffe erlebt haben. Es gibt da keine Worte mehr, keinen Trost. Da hilft mir das Vertrauen für das Wir-Gefühl: alles ist miteinander verbunden. Das entlastet mich und hilft mir, mich nicht für alles verantwortlich zu fühlen. Dem Leiden will ich aber nicht aus dem Weg gehen. Leiden braucht genauso viel Raum wie Freude, Spiel und Genuss. Widerstandsfähig sein und ein erfolg­reiches Leben zu führen bedeutet nicht, Dinge zu verleugnen oder zu beschönigen.
Liebe, Freude, Wut und Zorn
Als Frau will ich glaubwürdig und lebendig sein, zu meinen Gefühlen stehen lernen, auch zu den unangenehmen. Liebe, Freude, Trauer, Wut, wir hätten doch all diese Gefühle von der Evolution gar nicht bekommen, wenn sie nicht sein dürften! Überlebenswichtig für unsere Gesundheit ist, das erlebe ich auch in meiner Praxis als psychologische Beraterin und Supervisorin, diese Gefühle in der vollen Bandbreite anzunehmen und als Teil von uns anzuerkennen und lieben zu lernen. Dabei hilft mir die Welt der Märchen, der Mythen und der Träume. Schon als Kind war ich gern in diesen Welten: sich zurückziehen mit einem Buch und einer Decke über dem Kopf, Langeweile aushalten, sich Geschichten ausdenken… gut, wenn Kinder das noch können. Kindheit und ihren Zauber als Wert zu achten in unserer Gesellschaft, das ist mir beruflich und politisch ein Anliegen. Das kann ich gut einfließen lassen in meine Tätigkeit als Aus- und Fortbildnerin im pädagogischen Bereich und in der Elternbildung. Ich bin eine Praktikerin und erzähle gern Geschichten, die das Leben schreibt.

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