FrauenLeben/Im Blickpunkt Birgit Berger (Faszination Rock`n`Roll Akrobatik)

Artikel bewerten
(0 Stimmen)
Georg & Birgit. Beim Reisen zu den schönen Plätzen dieser Welt sind sie ein perfektes Paar. Es muss ja nicht immer getanzt werden! Georg & Birgit. Beim Reisen zu den schönen Plätzen dieser Welt sind sie ein perfektes Paar. Es muss ja nicht immer getanzt werden!

Birgit Berger: Eine Frau, die durch die Lüfte wirbelt

Sehr nett, gescheit und völlig unkompliziert ist die Gleisdorferin Birgit Berger. Nur wenn es ums Tanzen geht, dann ist die Tanz-Wertungsrichterin höchst streng, aber gerecht. Birgit Berger ist in Sachen Tanzen ein Voll-Profi. Schlussendlich ließ sich Birgit gut 30 Jahre als Rock`n`Roll-Akrobatikerin durch die Lüfte wirbeln. Zusätzlich zum Berufsleben somit ein Wochentraining in der Turnhalle von zehn bis zwanzig Stunden. Birgit ist von dem Kick und der gewaltigen Adrenalin-Power dieser Tanz-Sportart höchst fasziniert. An die Verletzungsgefahr hat die gelernte Kindergärtnerin nicht gedacht. Mit dieser bis ins kleinste Detail einstudierten Sportart und der damit verbundenen höchsten Konzentration macht man sich Kopf und die Gedanken frei. Mit dem Eintritt von Georg in das Eheleben und der Geburt von Sohn Jakob stellte sie die Familie an die allererste Stelle. Ihren Georg hatte Birgit jedenfalls nicht übers Tanzen kennengelernt. Schlussendlich hat Georg zahlreiche Talente. Das Tanzen gehört aber nicht dazu. Durch die extreme Körperbelastung bei der Rock`n`Roll Akrobatik kamen dann nach Jahren die Probleme mit den Gelenken und dem Rücken auf. So war es Zeit, die Turnschuhe an den sprichwörtlichen Nagel zu hängen. Birgit möchte aber keine Stunde ihrer langen aktiven Laufbahn missen. Jetzt bleibt mehr Zeit zum Reisen. Außerdem möchte die Vollbluttänzerin doch noch die Ausbildung zur Internationalen Wertungsrichterin angehen. Seit einem Jahr hat Birgit als selbständige Fußpflegerin in Gleisdorf ihren Traumberuf gefunden. Weil eben jeder Tanz „g`scheite Füße“ braucht...

Mit Sohn Jakob vor dem Eiffelturm in Paris. Romantik und Geschichte sowie gutes Essen & Trinken gehören zur gemeinsamen Freizeit.
Spektakulär ließ sich Birgit viele Jahre durch die Lüfte wirbeln.

von Birgit Berger
Geboren wurde ich als Zweite von drei Töchtern, an einem schönen Augusttag. Schon in meiner Kindheit machte sich der Löwe in mir bemerkbar. Ich war die Wildere von uns drei Mädchen, hatte meinen eigenen Willen, war schon als Kind risikofreudig. Selbst würde ich mich als lernbereiter Sturkopf, der manchmal seine eigenen Erfahrungen machen musste, bezeichnen. Das Wörtchen „Nein“ machten und machen noch Dinge für mich um Einiges interessanter. Ich wollte schon als Kind sehr viel auf eigene Faust erkunden und hab vieles mit mir selbst geklärt, was für meine Mutter nicht immer einfach war.
Die Volkschule besuchte ich in Gleisdorf, wo ich am liebsten mit den Jungs spielte, weil da war immer mehr Action, als bei den Mädchen (zumindest damals). Mein Papa arbeitete als Monteur und war immer wieder auf Montage, was für meine Mama sicher nicht einfach war und ich glaube, das war mit unter anderem ein Grund, warum sie uns versuchte, zum Sport zu motivieren. Schließlich soll Sport Kinder ja auch ein wenig ausgeglichener und müder machen.
Begonnen hat meine sportliche Karriere beim Judo, welche aber nicht lange gedauert hat. Nach dem ersten Sieg bei meinem ersten Turnier, beschloss ich, das wäre nicht der richtige Sport für mich. Ruhig stehen, wenn der Trainer etwas erklärt, warten bis man an der Reihe ist und beim Turnier „nur mit Mädchen kämpfen“, war eindeutig nicht mein Ding.
Als nächstes versuchte ich mich beim Voltigieren. Für mich war das schon mehr mit Action verbunden. Schließlich war das Pferd höher, als die Judomatte und ich musste mich mehr anstrengen, um Erfolge zu erreichen. Das ging einige Zeit richtig gut und war für mich auch sehr lus­tig, aber dann ...
Dann kam der Moment, wo ich meine Sportart gefunden habe, die mich bis heute schon fast 30 Jahre lang durch mein Leben begleitet. Es war auf der Hochzeit meines Onkels, wo ich das erste Mal in meinen Leben (mit 9 Jahren) den sogenannten „WOW- Effekt“ erlebte. Freunde meiner Verwandten gestalteten die Mitternachtseinlage und da war es um mich geschehen: Frauen, die durch die Lüfte fliegen, Saltos, ein Hauch von Glitzer und coole Musik. Action pur in tollen Kostümen. Rock`n`Roll Akrobatik von der Formation 88 hat damals mein Leben auf den Kopf gestellt. Meine Schwes­tern und ich waren, neben ein paar anderen Kindern (in ganz Österreich) die ersten Kinder, die mit diesem Sport begonnen haben. Die Erwachsenen stellte diese Aufgabe, mit Kindern zu trainieren, vor so manche Herausforderungen, denn schließlich war diese Sportart in Österreich noch neu und die „Großen“ mussten auch erst von vorne beginnen.
Mit der Zeit hatte sich so manches Problem ergeben, wie zum Beispiel: Ab wann dürfen Kinder Akrobatik machen, und welche Akrobatik ist für Kinder zu gefährlich? Sollen Kinder gleich lang tanzen wie Erwachsene, oder reicht eine kürzere Tanzzeit? Im Nachhinein betrachtet bin ich stolz, bei etwas dabei gewesen zu sein, das gerade im Entstehen war, obwohl ich das als Kind nicht so empfunden habe. Als Kind war es einfach nur toll und mega cool und die Probleme, die man mit einer Vereinsgründung in einer neuen Sportart hat, haben mich als Kind nicht interessiert.
Nach der Volkschule in Gleisdorf besuchte ich das Gleisdorfer Gymnasium. Während meiner Schulzeit dort, gab es auch in meiner Freizeit nur das Tanzen. Die Trainings wurden intensiver und anstrengender und dann stand ich mit 13 nicht mehr zweimal in der Woche in der Halle, sondern schon dreimal. Und hin und wieder auf Trainingslager ein ganzes Wochenende. Meine Eltern waren damit einverstanden, solange meine schulischen Leistungen nicht darunter leiden würden und wir unsere Mitfahrgelegenheiten selbst organisierten.
Da die Trainings in erster Linie am Wochenende stattfanden, war Fortgehen in meiner Jugend für mich nicht wirklich ein Thema. Toll fand ich auch, die wegen eines Turniers versäumten Schulstunden (ja, ich bin schon so alt; wir hatten samstags noch Schule).
Als Kind wusste ich schon immer, dass ich mit Menschen (bevorzugt Kinder) arbeiten wollte und so kam es, dass ich nach dem Gymnasium in Gleisdorf nach Hartberg in die Kindergartenpädagogik wechselte, um Kindergärtnerin zu werden.
Zugegebenermaßen war dieses ziemlich anstrengend, denn neben den ganzen Vorbereitungen, Basteleien und das Lernen für die Schule, waren da noch die zwei Stunden Fahrzeit täglich, und dann eben noch mein geliebtes Training.
Sportlich konnte ich so einiges erreichen. Neben zahlreichen Turnier­siegen durfte ich Österreich auch bei internationalen Turnieren vertreten. Auch begann ich während meiner aktiven Tanzzeit im Jahre 2000 mit der Ausbildung zum Übungsleiter und zur Wertungsrichterin.
So kam es, dass ich in den späten 90igern im Berufsleben stand und zusätzlich zur Arbeit im Kindergarten noch 10 bis 20 Stunden in der Turnhalle verbrachte. Das ging so lange gut, bis sich meine Prioritäten im Leben verschoben haben. Ich habe meinen jetzigen Mann Georg getroffen, ein keineswegs begnadeter Tänzer. (Ich habe schon immer gewusst, dass mein Mann fürs Leben nicht dieselbe Sportart machen darf, wie ich. Er hätte mich beim Training nur abgelenkt.) Auch zahlt man körperlich seinen Preis, wenn man jahrelang Spitzensport macht. Probleme mit den Gelenken und dem Rü­cken haben mich veranlasst, kürzer zu treten. Schließlich wird man im Tanzsport nicht reich und man hat nur einen Körper, auf den man achten sollte.
Mit 26 Jahren kam unser Sohn Jakob auf die Welt und mit dem ersten Kind verändern sich nochmals die Prioritäten, zumindest bei mir und meinen Mann. Von nun stand meine Familie an erster Stelle. Nach mehr als 14 aktiven Jahren in der Turnhalle habe ich schließlich meine Turnschuhe an den Nagel gehängt und seit mehr als 16 Jahren darf ich Tanzpaare mit meinen strengen Bewertungen Freude oder Leid bringen. Als Wertungsrichterin muss ich sehr konzentriert sein und sollte ein geschultes Auge haben. Fortbildungen stehen daher regelmäßig in meinen Terminkalender. Ich muss bewerten, ob die Paare im Takt tanzen, gleichmäßig tanzen, einen guten Grundschritt haben, die Ausführung der Akrobatik stimmt, die Körperhaltung passt, die Schwierigkeit des Pro­gramms beachten, Fehler beurteilen und noch ein paar andere Dinge. Es ist klar von Vorteil, wenn man als WertungsrichterIn schon selbst getanzt hat.
Toll ist es auch zu sehen, wie sich die Tanzpaare im Laufe der Zeit entwickeln. Was der Sport ihnen bringt.
Neben Disziplin, Ausdauer, Körpergefühl, Taktgefühl, Konzentra­tion, der Freude an der Bewegung, lernt man auch das Miteinander, das Verlieren und das Gewinnen. Man kommt aus seiner gewohnten Umgebung und lernt so manchen inte­ressanten Menschen kennen. Meiner Meinung nach gehört mehr Bewegung in den Schulalltag der Kinder integriert, da Sport nicht nur körperlich fit hält, sondern auch die geis­tige Entwicklung fördert.
Ich bin froh darüber, im Sport viele Dinge für mein Leben gelernt zu haben. So hat mir meine körperliche Ausdauer und die Geduld viel bei der Arbeit mit Kindern geholfen. Bewegung und gesunde Ernährung stand bei meiner Arbeit mit Kindern im Vordergrund. Auch hat mir, als ich vor einigen Jahren die Ausbildung zur Fußpflegerin gemacht habe, die Zeit als Trainerin viel im Umgang mit Menschen gebracht.
Weiters schätze ich sehr, immer wie­der neue Menschen kennen zu lernen . So durfte ich bei der WM der Formationen in Graz, die Wertungsrichter, die aus ganz Europa kamen, betreuen. So viele unterschiedliche Charaktere in einer angespannten Situation zu betreuen, war toll und ich habe viel gelernt.
Sportlich möchte ich nächstes Jahr meine Ausbildung als Observer (schaut auf die richtige Ausführung der Choreografien) abschließen und in zwei bis drei Jahren die Ausbildung zum Internationalen Wer­tungs­­richter machen. Da unser Sohn mich zu Hause nicht mehr so braucht, sollte es in der Zukunft kein Problem sein, zu internationalen Turnieren zu fahren.
Seit circa einem Jahr bin ich nunmehr selbstständige Fußpflegerin und habe darin meinen Traumberuf gefunden. Der Sport hilft mir nach wie vor, Stresssituationen gut zu bewältigen. Bedanken möchte ich mich bei meiner Familie, die mich immer unterstützt hat. Vor allem aber bei meinem Mann und bei meinem Sohn, die eine große Stütze und Freude in meinem Leben sind.

soj gewinnspiel button

soj reisen button

Süd Ost Journal online lesen (e journal)

soj buch vom plattensee bis zur mur von paul puntigam

nostradamus praesentation

zeitreise

Süd-Ost Journal

"Für die Menschen, für die Region"