Steir. Almwirtschaft ist in großer Sorge!

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Agrarlandesrat ÖR Johann Seitinger spricht Problemfelder an. Agrarlandesrat ÖR Johann Seitinger spricht Problemfelder an.

Klimawandel, Prädatoren und umfassende Bewirtschaftungsauflagen für Hüttenbetreiber drücken den Bauern die Sorgenfalten heraus. Anlässlich des großen steirischen Almtages rief Agrarlandesrat Johann Seitinger zu einem großen gemeinsamen Schulterschluss zur Aufrechterhaltung der Almen auf.

Die Steiermark ist mit rund 40.000 Hektar Almfläche das größ­te zusammenhängende Almgebiet Österreichs. Die knapp 2.000 stei­rischen Almen sind nicht nur ein wertvoller Natur-, Erholungs- und Kulturraum, sondern vor allem auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Landwirtschaft und vor allem den Tourismus.
Der Klimawandel sowie seine Aus­wirkungen ma­chen auch vor der heimischen Berg- und Almlandschaft nicht halt. Ganz im Ge­genteil: Ein An­steigen der Tempe­ra­turen in Folge des Klima­wandels um nur einen Grad Celsius würde bedeuten, dass die Waldgrenze um 180 Meter nach oben wandert und damit große Almflä­chen einnimmt. Hält dieser klimatische Druck an, ist davon aus­zugehen, dass große Almgebie­te nicht nur massiv an Trockenheit leiden, sondern Was­ser­quel­len versiegen und so gro­­ße Weideflächen verloren gehen.
Rund 100 Wolfsrudel leben zur­zeit im gesamten Alpenraum und geschätzte 30.000 Wölfe in ganz Europa. Im Vergleich: Ca. 10.000 Wölfe gibt es gegenwärtig in den Vereinigten Staaten von Amerika bei doppelter Landesfläche! Das Potential, dass sich Wölfe auch in der Steiermark rasant vermehren, ist bei einer Reproduktionsrate zwischen 30 und 37 Prozent ge­ge­ben. Mehr als hundert, durch Wölfe gerissene Nutztiere nur in den letz­ten drei Jahren, sorgten bei den steirischen Almbauern für massive Verunsicherung und einen enormen Sachschaden. Als Konsequenz daraus haben bereits zahl­reiche Almbauern angekündigt, ihre wert­vol­len Zuchttiere keinesfalls mehr auf Almen aufzutreiben. Die Herausforderung in der Alm­wirtschaft be­steht darin, die Bejagung von Wöl­fen zur Bestandsre­gu­lierung zu ermöglichen sowie eine Beweislast­umkehr bei vermu­teten Wolfsrissen sicherzustellen. Ein Einzäunen von Hochalmen und hochalpinen Gebirgszügen so­wie ein Behirten mit Hirtenhunden ist weder technisch möglich noch finanziell leistbar. Auch die steirische Kulinarik ist eng mit der Almwirtschaft verbunden, so möchte kein Wanderer auf Almkäse oder vie­le­rei Speziali­täten ver­zichten. Jedoch ist ein besorgniserregender Trend zu mehr Auflagen in den verschiedenen Be­reichen von der technischen Betriebsausstattung bis hin zu erfor­derlich  kurzzeitigen Kontrolluntersuchungen zu erkennen. Die jahr­hundertealte Tradition der Bewirt­schaftung von Almen, steht daher unter enormen Druck. Kommt es zu keinen Umkehr­schub, wird die steirische Schatzkammer früher oder später verschwinden.

Süd-Ost Journal

"Für die Menschen, für die Region"