Ortsreportage Kirchberg an der Raab

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Florian Gölles leitet seit 20 Jahren die Geschicke der Marktgemeinde Kirchberg an der Raab. Am 16. November übergibt er sein Amt an Helmut Ofner. Florian Gölles leitet seit 20 Jahren die Geschicke der Marktgemeinde Kirchberg an der Raab. Am 16. November übergibt er sein Amt an Helmut Ofner.

Nach 20 Jahren im Amt tritt der Kirchberger Bürgermeister Florian Gölles nun mit 16. November 2018 seinen letzten Arbeitstag an. Gölles prägte die Gemeinde wie kein anderer. Während seiner langen Amtszeit erlebte Kirchberg/Raab einen beispielhaften wirtschaftlichen und sozialen Aufschwung.

SOJ: Stolze 20 Jahre bist du Bürgermeister von Kirchberg an der Raab. Vor welchen Herausforderungen stand die Gemeinde zu deinen Anfängen, vor welchen steht sie heute?
Florian Gölles: Vor 20 Jahren wurde mit dem Bau des Gemeindezentrums begonnen. In diesem inkludiert waren die Räumlichkeiten der Gemeinde, der Standesamts- u. Staatsbürgerschaftsverband, der Polizeiposten, die Freiwillige Feuerwehr Kirchberg, das Rote Kreuz - Ortstelle Kirchberg und der Musikverein. Hier galt es ein großes gemeinsames Projekt mit allen Beteiligten zu erarbeiten und zu finanzieren. Das ist uns durch die gute Zusammenarbeit sehr gut gelungen. Ein wichtiger weiterer Schritt war der Beginn der Ortsgestaltungen in allen Ortsteilen, vorrangig im Ortszentrum Kirchberg. Heute sehe ich als wichtigste Aufgabe im Zeitalter der Globalisierung die Erhaltung und den Ausbau der regionalen Versorgung (Nahversorgung) in allen Bereichen aber auch die Digitalisierung.
SOJ: Was waren deine schönsten Erlebnisse als Bürgermeister?
Florian Gölles: Die schönsten Erlebnisse waren die Eröffnungsfeiern vieler für die Gemeinde Kirchberg an der Raab wichtiger nachhaltiger Projekte und die positive Resonanz. Auch meine Geburtstagsfeiern (50 Jahre, 60 Jahre), bei denen mir sehr viele Gemeindebewohner und Freunde die Ehre erteilten, sowie die große Zustimmung bei den Gemeinderatswahlen gaben immer wieder neue Kraft für die Gemeinde zu arbeiten.
SOJ: Was waren die größten Herausforderungen der letzten Jahre?
Florian Gölles: Die größte Herausforderung war die Gemeindestrukturreform. Kirchberg wurde mit den ehemaligen Gemeinden Fladnitz i. R., Oberdorf a.H., Oberstorcha (Teil) und Studenzen zu einer Gemeinde vereint. Vor allem die Umsetzung dieser Strukturreform war eine Kraftanstrengung. Aber durch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten ist es gelungen, die vom Land Steiermark vorgegebenen Veränderungen umzusetzen.
SOJ: Wie wichtig war dir das Projekt „Kirchpark“?
Florian Gölles: In den meisten Gemeinden sterben die Ortskerne, weil es keine zentrale Entwicklung des Ortes gibt bzw. möglich ist. Diese Gefahr besteht auch in Kirchberg. Zu wenig Parkplätze im Zentrum, kein richtiger Ortskern (Dorfplatz), daher keine nennenswerten Neuansiedelungen von Dienstleistern und Nahversorgern. Aus all diesen Gründen ist das Kirchparkprojekt das derzeit wichtigste Vorhaben der Gemeinde. Es wurden rund 50 Parkplätze errichtet, ein Dorfplatz geschaffen und in Zusammenarbeit mit der Pfarre Kirchberg ein Kinderspielplatz im Zentrum ermöglicht. Zudem wird auf dem Kirchpark im nördlichen Bereich ein zweigeschossiger Aufbau errichtet. Ein Teil dieser Räumlichkeiten wird für eine Ordination und für einen Gastronomiebetrieb genützt. Weitere Dienstleister werden noch gesucht. Mit der Verwirklichung dieses Projektes soll die Belebung des Ortskernes vorangetrieben werden.
SOJ: Welche Projekte stehen noch an?
Florian Gölles: Wichtig ist der Bau eines Kultursaales, die Digitalisierung in allen Bereichen und auch der damit verbundene Ausbau des Breitbandnetzes sowie die Weiterentwicklung der Gemeinde auf den verschiedensten Ebenen. Aus Sicht der Gemeinde ist vom Land Steiermark der Ausbau der B 68 als Verkehrs- verbindung zur Autobahn nach Gleisdorf und die damit verbundene Verbesserung der Wohnqualität endlich umzusetzen.
SOJ: Wie schwierig war es nach 20 Jahren einen Nachfolger fürs Bürgermeister-Amt zu finden?
Florian Gölles: Eigentlich gar nicht. Durch die Zusammenlegung der 5 Gemeinden gab es zuerst einige Bewerber. Nach mehreren Gesprächen hat sich dann Gemeinderat Helmut Ofner als Nachfolger herauskristallisiert, der fast 25 Jahre Gemeinderat ist, davon 5 Jahre Vizebürgermeister und mit seiner Familie sehr viel Öffentlichkeitsarbeit macht.
SOJ: Wenn man das Zeitrad 20 Jahre zurückdrehen könnte. Würdest du wieder Bürgermeister werden?
Florian Gölles: Wahrscheinlich schon, aber ich könnte mir auch einen Job in der Wirtschaft vorstellen.
SOJ: Worauf freust du dich nun in der Pension?
Florian Gölles: Eigentlich bin ich ein Familienmensch, nur durch meine Bürgermeistertätigkeit kam die Familie in vielen Belangen zu kurz. Aber dies ist bei nahezu allen Politikern, die ihre politische Tätigkeit ernst nehmen, der Fall. Deshalb freue ich mich schon auf viele gemeinsame Stunden zu Hause, und auf gewisse Hobbys, denen ich, so es mir die Gesundheit erlaubt, nachgehen möchte (Tennisspielen, Kegeln, Wandern) – einfach einmal ausspannen.

Bürgermeister Florian Gölles mit seinem Nachfolger Helmut Ofner.

Im Rahmen der Gemeinderatssitzung wird Helmut Ofner am 16. November als Bürgermeister der Gemeinde Kirchberg an der Raab angelobt werden. Der erfahrene Kommunalpolitiker ist seit 23 Jahren durchgehend für die ÖVP im Gemeinderat tätig. In den letzten fünf Jahren vor der Gemeindestrukturreform war er außerdem Vizebürgermeister von Kirchberg/ Raab. Helmut Ofner wohnt in Berndorf und ist von Beruf Landwirt. „Es hat mich schon immer bewegt, für öffentliche Institutionen und Vereine etwas zu bewegen und mich einzubringen“, so Ofner über seine damalige Motivation, politisch tätig zu werden. „Im Gemeinderat in Kirchberg steht die Idee im Vordergrund und nicht die politische Denkweise“, so der Bürgermeister in spe über die parteiübergreifende Zusammenarbeit in Kirchberg. „Wir haben das so gelebt und ich möchte das auch in Zukunft so beibehalten. Es gibt nichts schlimmeres als gute Ideen im Keller zu lassen, nur um Parteipolitik hervorzuheben”. Seine erste Amtshandlung sei mit dem Spatenstich des Aufbaues am Kirchpark schon passiert. Ofner sieht das ganze Projekt als sehr wichtige Kommunikationsstädte für die Gemeinde. Der Breitbandausbau hat für Ofner Priorität, die Internet-Versorgung erfolgt derzeit teilweise über Funk, als auch über Glasfaserkabel. „Wir müssen ein klares Konzept aufstellen, den Ist-Stand erheben und die Möglichkeiten und nächste Vorgangsweise den Gemeindebürgern kommunizieren“, so Ofner.

Der Kirchpark kann für sämtliche Veranstaltungen genutzt werden.
Bürgermeister Florian Gölles bei der Begrüßung der Festgäste.
Spatenstich für den zweigeschossigen Aufbau am neuen Kirchpark.

Am „Kirchpark“ können Fest- lichkeiten und Veranstaltungen aller Art abgehalten werden. Dabei wurden mit dem 2,7 Millionen Euro Projekt, das vom Land mit 40 % gefördert wurde, auch 48 überdachte Parkplätze geschaffen, davon zwei mit Schnellladestationen für Elektroautos. Die Infrastruktur wurde so geplant, dass die Garage bei Schlechtwetter ebenfalls für Veranstaltungen genutzt werden kann. Bürgermeister Florian Gölles konnte beim großen Fest- akt zahlreiche Ehrengäste und Bürgerinnen und Bürger von Kirchberg an der Raab begrüßen. Im Rahmen der Eröffnung wurde auch der Spatenstich für den zweigeschossigen Aufbau im nördlichen Bereich des Bauwerkes durchgeführt.
In einem Teil des Erdgeschosses wird Dr. Patrycja Mödritscher ihre Arztpraxis einrichten. Für eine gewerbliche bzw. soziale Nutzung sind noch Räumlichkeiten frei. Die Fertigstellung ist für 31. März 2019 geplant. Die Gemeinde Kirchberg an der Raab setzt somit einen Schritt zur Ortskernstärkung und zur regionalen Versorgung.
Bürgermeister Florian Gölles bedankte sich für das 20-jährige Vertrauen
Am Freitag, 19. Oktober, lud die Gemeinde Kirchberg an der Raab zum Festakt in die Sport- und Kulturhalle, wo Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer der Gemeinde das neue Wappen offiziell verlieh. Bürgermeister Florian Gölles ehrte den Landeshauptmann daraufhin mit der Ehrenbür- gerschaft der Gemeinde und bedankte sich bei den Gemeindebür- gerinnen und Gemeindebürgern für ihr 20-jähriges Vertrauen. Florian Gölles stellte außerdem offiziell seinen Nachfolger Helmut Ofner vor und präsentierte sein Bürgermeisterbuch, das an jeden Haushalt der Gemeinde verteilt wird.

Beste Stimmung unter den zahlreichen Gästen.
Helmut Ofner mit Ärztin Dr. Patrycja Mödritscher.
Die Garage bietet 48 überdachte Parkplätze und zwei E-Ladestationen.
Letzte Änderung am Dienstag, 23 Oktober 2018 12:37

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