Philip Borckenstein-Quirini ist der neue Kapitän für das Flaggschiff Loipersdorf

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Der 38-jährige gebürtige Burgauer Philip Borckenstein-Quirini übernahm nach zahlreichen internationalen Aufgaben mit 2. Jänner das Steuer von Österreichs größter Therme. Der 38-jährige gebürtige Burgauer Philip Borckenstein-Quirini übernahm nach zahlreichen internationalen Aufgaben mit 2. Jänner das Steuer von Österreichs größter Therme.

Interview: Dorian Krois
SOJ: Sie haben ja die Kaderschmiede „Tourismusschule Bad Gleichenberg“ besucht. War damit der Weg in die internationale Hotellerie schon vorgegeben?
Philip Borckenstein-Quirini: Jein. Bad Gleichenberg war für mich sicherlich eine sehr wichtige Station. Und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen inhaltlich, wobei ich weiterhin der Meinung bin, dass man für den Tourismus schon ein wenig geboren sein muss. Eine gute Ausbildung hilft, aber man sollte schon einen speziellen Charaktertypus haben. Ich war ein relativ schlechter Schüler und auch schlimm pubertierend. Von dem her war Bad Gleichenberg sehr wichtig, weil die Schule mich als Mensch sehr geformt hat. Betten machen, Zimmerputzen und Anzüge tragen gehörten zum täglichen Ablauf. Die Tourismusschule war sicher das Fundament meiner Karriere. Dann hat mich meine Mutter mehr oder weniger in das Ausland gedrängt. Sie hat mit Freunden telefoniert, die in einem Luxushotel in der Schweiz dauerhaft wohnten. Die haben es dann arrangiert, dass ich nach der Schule in einem Grand Hotel in Luzern anfangen durfte. Das war dann der Schritt in die Internationalität. Mir hat es dann sehr gefallen, mein eigenes Leben zu führen und natürlich auch eigenes Geld zu verdienen. Das war der Anfang einer 17-jährigen Karriere im Ausland. Quer durch die Schweiz, England, Oman, einem Kreuzfahrtschiff und diverse Stationen in Deutschland.
SOJ: Was hat Sie dann dazu bewegt, von der Weltstadt Hamburg zurück in die Oststeiermark zu gehen?
Philip Borckenstein-Quirini: Ich wollte schon seit vielen Jahren zurück. Als ich im Oman war, hatte ich schon ziemlich „die Nase voll“ von der Arabischen Welt. Das war nicht so mein Ding. Zu der Zeit war ich für die Intercontinental-Hotelgruppe tätig, die aber leider keinen Job in Österreich frei gehabt haben. Ich hätte eine hohe Strafe zahlen müssen, hätte ich nicht innerhalb der Gruppe gewechselt. So bin ich notgedrungen nach Deutschland und da nach Frankfurt. Ich wollte weiterhin nach Österreich zurück, wurde aber immer weiter befördert und weggeworben und so hat sich Österreich nie ergeben. Letztes Jahr haben mir Freunde über WhatsApp geschrieben „du, die Therme Loipersdorf sucht einen neuen Geschäftsführer“ und so kam es dann. Ich freue mich sehr, wieder zu Hause zu sein. Ich war sehr gerne in der Stadt, aber in meiner derzeitigen Lebenssituation mit zwei kleinen Kindern ist natürlich dieses Fleckchen Erde ein Traum. Die Therme Loipersdorf ist schon sehr beeindruckend und aufgrund der Größe eine sehr komplexe Aufgabe. Als Thermen-Geschäftsführer ist man mitverantwortlich, dass es auch im Umfeld gut läuft. Mache ich einen schlechten Job, betrifft das sicherlich eine ganze Reihe an Betrieben in der Region. Das ist eine neue Art der Verantwortung, die ich so vorher nicht hatte. Wenn du jetzt in Hamburg ein Hotel schlecht betreibst, freuen sich die anderen, weil sie im Prinzip davon profitieren. Dort ist man nur für seinen Laden verantwortlich. Hier ist die Strahlkraft und die Bedeutung ganz eine andere. Das ist es auch, was mich inhaltlich extrem angetrieben hat, herzukommen. Dass es dann funktioniert hat, unter all den Bewerbern ausgesucht zu werden, ist natürlich umso erfreulicher.
SOJ: Haben Sie schon Zeit gefunden, alle Rutschen durchzutesten?
Philip Borckenstein-Quirini: Sie werden lachen – nein! Tatsächlich steht es aber diese Woche auf dem Plan, dass ich in Badehose die Therme erkunde und dann jeden Bereich aus Gästesicht reflektieren kann.
SOJ: Ist die Therme Loipersdorf auch in Hamburg bekannt?
Philip Borckenstein-Quirini: Hamburg ist sicher schon zu weit weg, auch wenn Loipersdorf eine enorme Strahlkraft hat. In Österreich ist die Marke sehr stark manifestiert, im Ausland ist sicher noch Bedarf. Bei Hamburg kommt auch dazu, dass es keine direkte Flugverbindung nach Graz gibt.
SOJ: Wie kann man sich Ihren Arbeitsalltag als Thermenchef vorstellen? Beginnt der Tag im Thermalbecken?
Philip Borckenstein-Quirini: Das wäre schön. Mein Arbeitstag beginnt zwischen 8 und halb 9. Das Ende ist offen, je nachdem ob man eben einen Bürotag hat oder unterwegs ist und auch noch Abendtermine hat. Also nein, man sitzt nicht den ganzen Tag im Becken und führt daraus die Gespräche. Der Arbeitsalltag besteht aus vielen Gesprächen mit Mitarbeitern, Partnern und Wirtschaftstreibenden. Ich versuche auch, die Therme so gut wie möglich kennen zu lernen und auch die Mitarbeiter. Ich habe da so elegante blaue Überzieher für die Schuhe, mit denen ich dann durch die Therme spaziere und mit den Mitarbeitern spreche. Sie bekommen ja auch das direkte Gästefeedback – die DNA unseres Schaffens.
SOJ: Wird es unter Ihrer Führung wieder Pommes Frites geben?
Philip Borckenstein-Quirini: Die sind bereits wieder eingeführt! Ich habe schon in meinem Vorstellungsgespräch das Thema Pommes behandelt, es ist wichtig! Ein Thermenaufenthalt ist etwas Besonderes. Ein Tag, an dem man sich und seiner Familie etwas gönnen möchte. Ein zartes Steak, eine leckeres Eis oder eben auch Pommes. Für unsere Küchenchefs Ewald & Markus ist ein ausgewogenes Angebot wichtig. Dazu gehören zum Beispiel auch genauso vegetarische Gerichte. Es ist unser Anspruch, jeden Gast zufrieden zu stellen.

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