FrauenLeben/Im Blickpunkt Ing. Angelika Ertl-Marko (Ein Leben voll Duft und Inspiration)

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Temperamentbolzen Angelika ist auch erfolgreiche Buchautorin. Temperamentbolzen Angelika ist auch erfolgreiche Buchautorin.

Zukunft gibt es, solange sich eine Rosenknospe öffnet

Manche Menschen sind Zeiten- und Weltenreisende. Immer auf der Suche, immer mit dem Erlebbaren unzufrieden. Nicht ausgefüllt, nicht erfüllt. Angelika Ertl-Marko hat von Kind an der Geruch von Erde und der Duft der Blumen sowie der Geschmack von selbstangebautem Gemüse erfüllt. Diese Faszination einen warmen Sommerregen zu spüren und gleichzeitig das Leben zu beobachten. In der Natur, im Garten hat Angelika schon sehr früh die „Schöpfung“ der Welt erkannt. Dieses Rüstzeug für Bodenständigkeit und Bodenhaftung. Die  vielfach „unweibliche“ Gabe der schnellen Entscheidung, brachte Angelika immer wieder in andere Sphären. Völlig unverkrampft und spielerisch, aber mit bodenständigen Gedanken. Angelika ist mehr fasziniert vom Duft einer einzigen Rose als vom Anblick eines duftlosen Rosenstraußes. Wenngleich auch nicht alle Rosensorten die Gnade haben, duftend zu Betören. Als dynamische Frau schneller Entscheidungen startete die Blumenkönigin Angelika ab 2001 für zahlreiche Sendungen zum Thema Blumen, Gemüse und Garten durch. Fesch, klug, fleißig, ja einfach sympathisch ist diese blonde Frau mit dem ausgeprägten „Grünen Finger“. Eine Erfolgsreise ist wie eine Leiter. Man steigt unwillkürlich aufwärts. Eine Gartenreise nach Italien erbrachte den Impuls für die Gründung von „Olivia Reisen“. Speziell die Gärten Marokkos haben es Angelika angetan. Das erste Buch von Angelika mit dem unglaublichen Namen „Jetzt haben wir den Salat“, wurde vom Start weg ein Bestseller. Doch die Krönung all dessen ist ihre „taufrische Ehe“ mit ihrem Alexander.

von Angelika Ertl-Marko
Der Garten ist mein Elixier, ich kann mich davon ernähren, bin glücklich wenn ich etwas säen und ernten kann.  Voller Genuss koche ich und alleine schon die Tätigkeit an sich,  führt mich zurück zu meinen Wurzeln. Gartenarbeit und Ernten ist etwas archaisches. Das nährt mich.
…ich schlug die ersten Wurzeln des Lebens als mich meine Mama Rosi  in Graz zur Welt brachte - Vati brachte laut Angaben meiner Mutter zu meiner Geburt einen riesigen Strauss roter Rosen. Danach  ging er dann wieder in die Gärtnerei gießen. Es war ein warmer September. Ich wuchs inmitten der Gärtnerei auf und lernte das Gärtnern als Unternehmerstochter in 3ter Generation von klein auf an kennen. Die Schwierigkeiten und die Erfüllung in diesem Beruf ebenso.
Die Gärtnerei wurde 1947 als    Gemüsegärtnerei gegründet und wandte sich schon in den 1950er Jahren der Zierpflanzenproduktion und Floristik zu, mit damals so modischen Nelken, Strelitzien und Strohblumen für Trockensträuße. Meine Geschwister und ich  schnitten  als Kinder noch Schleierkraut, geizten Nelken im Freien aus und brockten Strohblumen, die wir zum Trocknen für die Allerheiligengestecke auflegten. 1979 übernahmen meine  Eltern den Gartenbaubetrieb und erkannten sehr früh: „Unsere Angelika wird einmal Gärtnerin“. Denn obwohl ich als Kind alles ausgerissen habe, wie meine Eltern berichteten, setze ich jetzt umso mehr wieder ein. Ich besuchte die Höhere Bundeslehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Gartengestaltung in Wien . Gerne erinnere ich mich dabei an meine Praktika im Ausland wie z.B. Irland, wo ich mit 17 Jahren in einem Schlossgarten als Gärtnerin arbeitete. Ich war es  gewohnt, schnell und zügig zu arbeiten, doch die Garten-Briten lehrten mich auch eine andere Seite: Angelika, take your time, drink tea and rest yourself….was so viel heißt wie: Angelika - runter vom Gas …… In diesem Schlossgarten wuchs auch meine totale Liebe für Birken und Gehölze heran. Lord Ross, der Besitzer mit blauen Blut,  hatte eine riesen Sammlung der wunderschönen Bäume und ich verabschiedete mich an meinem letzten Tag im Schlossgarten von jedem einzelnen Baum. Das dauerte ein Weilchen….., den Flug retour erwischte ich noch.
Nach meinem Abschluss in Wien machte ich die Ausbildung zur Meisterfloristin in Innsbruck und Zürich. Im Jahr 2000 kehrte ich statt eines sehr verlockenden Angebots aus Melbourne/ Australien heim, um als frisch gebackene Floristenmeisterin voller Energie und Kreativität nicht nur die herrlichsten Sträuße zu zaubern, sondern um in Alter von nur 23 Jahren die Verantwortung für den elterlichen Betriebs zu übernehmen. Es war gerade die Zeit, in der die großen Märkte aus dem Ausland mit Billigware uns mittelständischen Betrieben das Leben schwer machten. Für mich war das schier unverständlich! Meine Rosen aus meinem Glashaus in Feldkirchen waren teurer, als jene die aus Südamerika kamen…es war eine schwierige Zeit für kleine Unternehmen und  Produzenten.  Wir standen im Ring des Preiskampfes.  Den Kampf haben wir verloren. Die Blumenprodukte aus dem Ausland überrollten uns und somit mussten wir Jahr  für Jahr  Blumenkultur um Blumenkultur ausreißen. Das war zum Teil schmerzhaft. Ganz schlimm war der Verlust des Rosenhauses mit den Duftrosen. Einige Kunden weinten, als ich Ihnen sagen musste, dass es die Duftrosen nicht mehr geben wird…Umso wichtiger ist es mir jetzt, dass wir regional einkaufen und die Nachbarn unterstützen, wenn sie noch produzieren.

Das Garteln im Hochbeet mit Gemüse und allen Salatsorten ist für Angelika Marko-Ertl pure Entspannung und allerhöchstes Vergnügen.

Parallel zu der geschäftlich schwierigen Zeit nach dem EU Beitritt, tat sich für mich eine andere (Garten) Türe auf. 2001 wurde  ich zur Blumenkönigin ernannt und kurz darauf hatte ich zum ersten Mal die Chance  in der damaligen Sendung „Willkommen Österreich“ mein Können auf den Bildschirmen  zu zeigen. Ich wurde einfach gefragt, ob ich das machen möchte. Ich antwortete mit „Ja, sicher“. Mit 7 kunstvollen Blumenkreationen im kleinen Auto fuhr ich  ins Studio nach Wien. Die Angst vor dem ersten großen Live-Auftritt  schminkte meine Visagistin weg und ich präsentierte meine florale Handwerkskunst mit der damaligen Moderatorin der Sendung, Riccarda Reinisch. Um die  700.000 ZuseherInnen hatte ich an jenem Abend. Dies war der Beginn meiner TV-Karriere und bis heute moderiere ich  regelmäßig verschiedene Sendungen. „Heute Leben“, österreichweit und in der Steiermark die Gartentipps - jeden Dienstag. Als  Gärtnerin und Meisterfloristin liebe ich den Spannungsbogen zwischen rustikaler Gartenarbeit mit Spaten und Gummistiefeln und dem filigranen Kunsthandwerk aus der Natur.  Auch bin ich gerne unter Menschen und teile mein Wissen gerne. Jedes Jahr im Frühjahr halte ich viele Vorträge und Kurse über den Biogarten. Das Interesse daran wird immer größer. Wie schön! Die Themen Humusaufbau, Lebensgrundlage Humus und der Biogemüsegarten sind meine Leidenschaft.
Vor 10 Jahren begleitete ich zum ersten Mal eine Gartenreise nach Italien. Es war eine große Herausforderung, denn 45 Personen gingen mit mir mit und wir besuchten die schönen Gärten Italiens am Lago Maggiore. „Reisen ist die beste Art sich zu bilden“: Das wußte ich schon immer. Nach und nach gesellten sich mehr Gartenreisen dazu.  Vor 5 Jahren habe ich mit meinem Kollegen „Oliva Reisen“ gegründet.  Wir bieten Gartenreisen mit Gärtnern an und fahren zu den schönsten Gärten weltweit. Auch Wander- Pilger und Aktivreisen findet man in unserem Katalog. (www.olivareisen.at) Es ist klein, fein und familiär, obwohl wir mittlerweile 180 Reisen jährlich in unserem Angebot haben und 17 wundervolle Guides beschäftigen. Wenn ich zuhause bin, dann koche ich mittags für mein Team.  Unsere Reiseleitertreffen sind ebenso immer wieder eine Freude.
In den Frühjahrsmonaten bin ich mit unseren Kunden  in den Gärten des Orients unterwegs, wie Marokko und im Iran. Ich liebe den Orient. Er ist bunt und die Gewürze einfach gut. Genussvolle Medizin für den Körper. Die unterschiedlichen  Gärten sind eine Inspiration. Im Mai und Juni bin ich in England, Spanien, Holland, Österreich und Deutschland usw. unterwegs. Sehr oft genieße ich selbst den weiten Blick über den eigenen Gartenzaun.
Auf den Reisen wurde ich oft angesprochen, wann ich denn endlich ein Buch schreiben würde. Denn man könne sich das nicht alles merken, was auf der Reise und in den Kursen besprochen wird.  Das Jahr 2015 wurde zum Schreibjahr ausgerufen und mein frisch angetrauter Mann war mehr als geduldig mit mir. Texten, Fotografieren, bis spät in die Nacht korrigieren und und und …ich bin ihm sehr dankbar, dass er mich hier unterstützt hat. Da ich ein quirliger Typ bin, der nur ungern hinterm Computer sitzt, war das für mich schwierig …aber es ist dann doch gelungen. Umso größer war die Freude, als das Buch dann letztes Jahr Nummer eins Bestseller, mehr als 2 Monate lang war. „Jetzt haben wir den Salat“ …ein lustiger Titel, den mein Mann und ich bei  Rotwein und Salat im Garten beschlossen.  Dieses Jahr ist mein Werk  auch am Deutschen Markt erhältlich. Eine Freude, dass der „Salat“ auch über die Grenze hinaus gerne gelesen wird. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit habe meine Berufung zu leben und dies auch teilen zu können. Nachdem ich die Blumengärtnerei geschlossen habe  und mich mehr und mehr dem Gemüsebau, den Gartenvorträgen und Gartenreisen widmete, spürte ich, dass alles seine Zeit hat. Der Blumenbetrieb und auch die schwierigen Zeiten. Wichtig ist es immer wieder alles zu hinterfragen, selbstkritisch zu sein und sich der Zukunft zu öffnen. Mit gutem Bauchgefühl, Herz und Hirn die nächsten Schritte zu tun und immer wieder kritische Stimmen in der Familie und dem Freundeskreis zulassen und einfordern. Oft erkennen wir das Hamsterrad  nicht, weil wir zu schnell selbst darin laufen. Das Gärtnern ist definitiv meine Berufung. Mein großer Gemüsegarten ist unser Lebensmittellieferant auch im Winter. Die eigene Apotheke vor der Haustüre zu haben, ist ein großes Geschenk. Meine Devise ist es - je mehr ich autark in punkto Lebensmittel sein kann, umso glücklicher bin ich. Ich vertraue den Märkten und den darin verkaufen Produkten selten. Meist sind die Produkte vielleicht Nahrungsmittel,  aber zum Leben brauche ich Lebensmittel.
Apropos Lebensmittelpunkt:
Seit Dezember bin ich verheiratet und habe mich getraut. Mein Mann Alexander Marko unterstützt mich vollen Herzens, mag meinen Garten und Küche. Er ist mein Reflexionspartner und es ist ein wunderschönes Erlebnis und Gefühl, den Mann an meiner Seite zu wissen, mit dem ich wachsen und blühen kann, der mich versteht und zur richtigen Zeit mir auch einen Baum vor die Nase stellt und mich einbremst. Dafür bin ich meinem Mann Alexander sehr dankbar.
Dankbar bin ich auch, wenn ich auf mein Leben zurückblicke . Da ich ein impulsiver Mensch bin, habe ich mich immer wieder neu erfunden. Was mich begeistert hat, habe ich vertiefend weitergesponnen oder Neues ausprobiert. Auch  bin ich immer wieder hingefallen und das Aufstehen war ebenso wichtig und lehrreich.
Neugierig blicke ich in die Zukunft und bin gespannt, welche Aufgaben und Erfahrungen und Erlebnisse das Leben für mich bereit hält ….
www.angelikaertl.at, www.olivareisen.at

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