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Mit spitzer Feder Ausgabe 11/2010 von Hannes Krois 25.08.2010 Damals in meiner Jugendzeit im Gymnasium in Gleisdorf hatten wir zwei Dicke in der Klasse. Wenn es beim Turnen dann um mannschaftliches Aussuchen für Fußball oder Volleyball ging, dann blieben die zwei Dicklichen nahezu über. Niemand wollte sie. Auch nicht die Mädchen in den Freibereichen der Schullandwochen. Doch für viel Zwischengeschlechtliches war damals in den Gründerjahren von Beate Uhse ohnehin die Welt noch zu schüchtern. In den letzten 40 Jahren hat sich die allgemeine Schüchternheit insgesamt gelegt. Dafür gibt es jetzt auch haufenweise Dicke und zudem auch jede Menge Spindeldürre. In den letzten Jahrzehnten schwappte von Amerika die Unsitte von „Fast Food“ über die ganze Welt hinüber. Früher waren es Kaugummi und Coca Cola. Heute sind es Chips, Burger und Unmengen von Mayonnaise und Ketchup. Dazu ein stundenlanges Sitzen und Liegen der Menschen vor den technischen Götzen der Gegenwart: Fernsehen und Internet. Dazwischen jede Menge Werbespots zur Überwindung des „kleinen Hungers“. Das Ergebnis aus dem unseligen Mix aus Fast Food, Fernsehen und null Bewegung zeigt sich auf der Waage. Hinauf in Kilobereichen, die nicht einmal eine normale Familienwaage packt. Früher mußten die Schneiderinnen die textilen Zelte für die Schwergewichtigen unter den Menschen fertigen. Heute hat sich die textile Industrie schon mit den Dicken auf Tuchfühlung gebracht. Ein gutes Geschäft für einige Konfektionsfirmen. Andere Textilfirmen, die auf Designermode stehen blocken bereits bei Größe 40 ab. Frei nach Heidi Klum stehen hier die menschlichen Klappergestelle im Mittelpunkt der Begierden. Eßstörungen und Erbrechen sind in dieser Liga die Grundlagen für den Magerwahn rund um verdrehte Schönheitsideale. Somit ist Schönheit eine Modeerscheinung lediglich durch ein Diktat des jeweiligen Zeitgeistes. In der Zeit von Rubens war das Mollige das Ideale. In der Zeit von Twiggi waren es die knöchernen Kleiderständer. Schön ist allemal, was speziell individuell gefällt. Wer ewig im Frust des Fastens und Hungerns hängt, dem vergeht jede Lebensfreude. Wer immer nur maßlos ißt, den stellt das Leben auch nicht auf die Sonnenseite. Schon gar nicht mehr in England. In diesem Land, das ohnehin mit seiner nationalen Küche zur absoluten Spitze schrecklicher Gerichte zählt, hat die derzeitige konservativ- liberale Regierung zur regelrechten Hatz auf dicke Menschen aufgerufen. Die dortige Gesundheitsstaatssekretärin Anne Milton ist auf dem guten Weg, daß bislang übergewichtige Menschen nur mehr als „fett“ einzustufen sind. Diese eindeutige Bezeichnung der bislang Dicken als nur mehr „Fette“ soll zum Nachdenken anregen. Eine Schnapsidee ist das. Die Frau Milton sollte lieber schauen, daß die Eltern ihre Kinder nicht mit dem Industrieklump voll pumpen. Aber in Anbetracht der britischen Kochkünste ist halt so ein Hamburger etwas wahrlich Köstliches. |   
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