Süd Ost Journal

Mit spitzer FederIn meiner Kindheit „verschlang“ ich die Bücher von Karl May. Bei der heutigen Handy-Jugend ist diese Lektüre eher unbekannt. „Durchs wilde Kurdistan“ war eines meiner Lieblingsbücher. Die Araber schilderte Karl May als die „Ritter der Wüste“. In den wilden Bergregionen zwischen der heutigen Ost-Türkei, Syrien und dem Irak leben die Kurden seit Jahrhunderten.
Mit Ende des unseligen I. Weltkrieges zeichneten die Siegermächte auch die Landkarten im Nahen Osten neu. Schlußendlich zählte das Osmanische Reich im damaligen Bündnis mit Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joseph zu den Kriegs-Verlierern. Die Türkei verlor etliche Gebiete. Und die Briten übernahmen die Oberhoheit über das arabische Wüstenland. Es war das Erdöl, das im Rahmen der Industrialisierung die westlichen Siegermächte so sehr lockte. Und den Kurden wurde ein eigener Staat im steinigen Kurdistan verweigert. So kamen die Kurden in die ungeliebte und verhaßte Minderheitenrolle in der Türkei, in Syrien und Irak. Schlichtweg wurden die Kurden in der Neuordnung des Nahen Ostens einfach vergessen. Von Atatürk bis Saddam Hussein wurden dann die kurdischen Stämme in Randlagen der Existenz gezwängt. Die Kurden gingen als PKK in den bewaffneten Widerstand. Erst im Jahre 2013 konnte ein Waffenstillstand zwischen der PKK und der Türkei errungen werden. Jetzt verbluten die Kurden, Männer, Frauen und Kinder in der Grenzstadt Kobane. Keine 100 Meter von der türkischen Grenze entfernt, findet das Inferno durch die Islamisten statt. Das Nato-Mitgliedsland Türkei hat sehr wohl etliche Panzer auffahren lassen. Aber nicht der Funken einer türkischen Hilfe für Kobane. Im Gegenteil: Die türkischen Kurden dürfen weder Munition, Verpflegung, Arznei­mittel und Verbandsmaterial über die Grenze bringen. Die Türkei schaut zu. Die westliche Welt ist überfordert. Die US-Jets, die auch nicht von den Nato-Stützpunkten der Türkei starten dürfen, verrichten ihre Angriffe gegen die IS-Milizen höchst zaudernd. Der Waffenstillstand zwischen der PKK und der Türkei ist somit geplatzt. Doch in Kobane wird ein Völkermord geduldet. Währenddessen fliegen zahl­reiche Touristen aus Deutschland und Österreich in die türkischen Tourismushochburgen, um in den dortigen All Inclusive Ressorts günstige und erholsame Urlaubstage zu konsumieren. Die Türkei hat sich zum höchst beliebten Urlaubsland entwickelt. Das andere Gesicht der Türkei sieht man in Kobane. Dieser Akt der dort geduldeten Kurdenvernichtung wird der Türkei den Eintritt nach Europa verwehren. Diese Türkei hat auch als Bündnispartner der Nato auf allen Ebenen versagt. Das viele kurdische Blut wird seinen Preis haben. Die bislang unbekannte Stadt Kobane wird als schreckliches Symbol der radikalen Islamisten und der türkischen Hilfsverweigerung in die Geschichte eingehen.

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