Süd Ost Journal

Mit spitzer FederIn den Zeiten der Überflutung halb Europas und der noch immer lodernden Banken- und Wirtschaftskrise scheint die Frage in ersten Ansätzen nahezu banal, ob nun „Wetten dass...“ nach all den erfolglosen Versuchen nach Ruhm und Quoten schlußendlich dennoch am Ende angekommen ist.
Jede Sache der Welt hat ihre Zeit. Und so erzählte mir die ausgesprochen charmante Tourismusbeauftragte Andrea Dierl in der wundersamen oberfränkischen Bierhauptstadt Kulmbach von Thomas Gottschalk, der mit ihr in diesem Städtchen in dieselbe Schule gegangen war. Die Eltern von Thomas Gottschalk waren ehemals aus Schlesien geflohen. Gleich neben dem Pfarrhof wuchs der blonde und eigenwillige Junge auf. Noch bevor er bei Bayern 3 „blödeln“ durfte, stolzierte in seinen höchst auffälligen Klamotten durch das biedere Kulmbach. Seine Thea angelte er sich auf dem Medizinerball. Statt eines Mediziners bekam Thea einen Gottschalk. So sollte alles in Richtung Erfolg gehen.
„Wetten dass....“ und Thomas Gottschalk wurden zum Quotenhit. Die Familien „hockten“ sich vor die Glotze und konsumierten Promis, Hits, Gottschalk und Wettkönige. Dazu Salzstangerl, Bier oder Weißwein. Von Helgoland bis Bad Radkersburg und Genf. „Wetten dass...“ vereinte Deutschland, Österreich und die Schweiz zu einem Gemeinschaftserlebnis.
Mittlerweile zerbröckelten über die Jahre die Familien wie auch die Quoten. „Wetten dass....“ als gemeinschaftliches Familienerlebnis hatte lange funktioniert. Und dann war Schluß. Die einst kindlichen Gottschalk-Fans waren mittlerweile in ihren virtuellen Welten unterwegs. Da juckten weder Familie noch Samstag-Abend mit Gottschalk. Und der Thomas Gottschalk wußte genau, daß „Wetten dass...“ ausgereizt war und konnte mit Glück & Krampf die Teenager-Idole noch einmal in die Sendung bringen. Dann versuchte der sympathische Südtiroler Markus Lanz sein Glück bei „Wetten dass...“.
Im krampfhaften Quotendruck sollten die Jungen wieder begeistert werden. Was in der Gesamtheit das traditionelle, ältere und treue „Wetten dass....“-Publikum  ab­schreckte und schlußendlich zum Abschalten animierte. Somit dürfte „Wetten dass...“ nach dem „sommerlichen“ Event auf Mallorca im medialen Koma liegen. Schade um diese Sendung, die schlußendlich so vielen Menschen Freude und Unterhaltung ins Wohnzimmer bringen konnte. Eine nachhaltige Entspannung pur.
Doch die Jungen sind weder an Lanz noch an Gottschalk interessiert. Da geht es um Hier & Heute. Das Handy ist mittlerweile Hirn & Herz und schneller Wissensbringer für aktuelle Anfragen. Grundwissen ist nicht mehr gefragt. Bücher sind zumeist behinderlich und schwer.
In dieser virtuellen Welt fühlt man sich heute sauwohl. Auf nahezu jede Frage der Begehrlichkeiten gibt das Handy die Antwort. Das Handy als Hirn-Ersatz? Faszinierend, doch das Wahre liegt anscheinend im Verborgenen....

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