Süd Ost Journal

Mit spitzer Feder„Wetten dass....“ seit 34 Jahren! Um zwei Jahre länger als das Süd-Ost Journal. Also absoluter Kult in der deutschsprachigen Welt. Mit gleich 215 Sendungen der Straßenfeger an familiären Samstag-Abenden. Zuerst der gebürtige Linzer und „Wetten dass“-Erfinder Frank Elstner, dann der enorme Aufschwung mit dem Kulmbacher Thomas Gottschalk und zuletzt die Sichtlandung mit dem Südtiroler Markus Lanz. Aus und Schluß mit der allerletzten Sendung in Nürnberg. „Wetten dass...“ ist ein Zeitspiegel einer deutschsprachigen Epoche. Deutsch- land West, später Gesamt, Österreich und die Schweiz. Eine länderverbindende Show, die gleichzeitig Millionen von Familien an die Wohnzimmer-Couch fesseln vermochte. Die Familie mit einem Glas Weißwein oder Bier und die sprichwörtlichen Soletti oder Chips in der Tüte fand Gemeinsamkeiten und gemeinschaftliche Unterhaltung speziell dann bei Thomas Gottschalk. Denn der fränkische „Bunte Vogel“ vermittelte eine neue deutsche Lässigkeit, die bislang dem deutschen und österreichischen Durchschnittsbürger fremd war. Mit Thomas Gottschalk wurde das Deutsche wieder zu einer Marke. Durchwoben von all den internationalen Promi-Gästen, die in „Wetten dass“ immer wieder Werbung für ihre neuen Songs, neuen Filme oder neuen Aktionen unterbringen konnten. Irgendwann wurde dann „Wetten dass“ zu einer gewaltigen Werbe-Bühne. Die Harmonie der Familien-Fans begann somit zu bröckeln. Mittlerweile hatten ja die Discos die Zeltfeste in den deutschen Landen abgelöst. Also Action pur immer und überall. Gleichzeitig begannen sich in den Familien die inneren Bande zu lösen. Die Söhne und Töchter stiegen an den Wochenenden aus der Familienidylle aus. Die Ehepaare suchten sich beim Scheidungsrichter und die Geschiedenen suchten neue Partner. Und das  alles wahrlich nicht vor der „Glotze“. Somit begann „Wetten dass...“ an der einstigen Stammseherschaft vorbeizuschrammen. Das mußte auch ein Thomas Gottschalk bitter erfahren. Weswegen er ja auch schlußendlich bei sinkenden Quoten das Handtuch warf. Dann kam der smarte Südtiroler Markus Lanz. Ein sympathischer Typ. Doch schlußendlich immer grinsend und ohne Charisma. Mit Markus Lanz war „Wetten dass...“ dann nur mehr ein U-Boot, das nicht mehr aufsteigen konnte. Eine Nation und eine Generation haben mit „Wetten dass...“ doch einiges verloren. Eine Nation hat aber auch ohne „Wetten dass...“ Familiensinn, Verbundenheit und Wärme verloren. Die Zeiten sind menschlich kalt. Die Mädchen und Burschen sind nicht nur an den Wochenenden irgendwo. Ohne Visionen und Gefühl nehmen sie „Stoff“ und Alkohol. Am Disco-Ende ein Häufchen Elend zumeist für die Notaufnahme. Gibt es in diesen Zeiten noch noch Familie und Familiensendungen? Zuerst sollte man wieder gemeinsam an einem Tisch essen. Das ist ein Sakrileg. Dann finden sich menschliche Abläufe von selbst. Auch wenn es kein „Wetten dass...“ mehr gibt. All meinen Lesern ein besseres neues Jahr...

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