Süd Ost Journal

Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Zeitreise nach Breslau, das Zentrum Niederschlesiens

 

1Von Hannes Krois
Das „Venedig Polens“ heißt Wroclaw. Auf Deutsch Breslau. Genau dort, wo die Oder in der Schlesischen Tiefebene sich in mehrere Flußarme teilt und somit gleich 12 verschie-   dene große Inseln bildet, dort wurde einstens Breslau errichtet. „Gott hat Breslau den Polen gegeben, darum bewahre es gut!“ Heute zählt Breslau 630.000 Einwohner und ist ein Spitzenreiter in Sachen Kultur und Wirtschaft. Alle internationalen wichtigen Konzerne haben seit der Gründung des demokratischen Polens und dem EU-Beitritt des europäischen „Musterschülers Polen“ sich in Breslau wirtschaftlich verankert. Vor Friedrich dem Großen gehörte Breslau und ganz Schlesien zu den Habsburgern. Der Preußenkönig brauchte diese Kornkammer für Preußens Aufstieg und zündelte mit Kaiserin Maria Theresia einen Krieg an. Und weil die Preußen nicht nur die besseren Gewehre hatten, wurde der Großteil Schlesiens im Jahre 1742 preußisch. Mit Breslau hatte sich Friedrich ein kulturelles und geistiges Juwel gekapert. Am 15.11. 1702 hatte nämlich erst die Universität Leopoldina gestartet. Benannt nach dem deutschen Habsburger-Kaiser Leopold I. Breslau war in diesen Zeiten bereits eine geisteswissenschaftliche Hochburg. Zudem trug der rege Handel soviel ein, daß der historische Kern der Stadt in wunderbarer Fassadenoptik erblühen konnte. Speziell der Marktplatz macht heute Breslau zur kulturellen Top-Stadt Polens. Auf einer Ebene mit Krakau und Danzig. Die original erhaltene Aula der Universität Leopoldina macht in all der Pracht Geschichte lebendig. Im Jahre 1811 wurde diese Wissenshochburg auf Schlesisch Wilhelm-Universität umgenannt. Und am 9. Juni 1946 nach den unsinnigen Kriegen auf Polnische Universität verändert. Dazwischen in den all den Jahren liegt das große Leiden Breslaus. Ich sitze in der September-Sonne in einem der unzähligen Straßencafes am Marktplatz und genieße das wunderbare polnische Bier. Jeder Ziegel, jedes Mauerstück trägt hier seine Geschichte. Die polnischen Mädchen und Frauen wandeln wie Models vorbei. In exkusiven Kostümen, kurzen Röcken und beschwingten Kleidern und hochhackigen Schuhen. Jeans oder sonstige Hosen tragen nahezu nur Touristinnen. Frauen mit Kopftüchern sind hier eigentlich auch nicht vorhanden. Zumal die allermeisten Polen sowieso katholisch sind. Auch organisiertes Betteln ist hier kein Thema. Aber noch einige Gedanken zu Breslaus Geschichte: In der preußisch-deutschen Zeit vor dem I. Weltkrieg wurden die Vorstädte Breslaus aus dem Boden gestampft. In kleinsten Unterkünften lebten die Menschen unter ärmlichsten Verhältnissen. Mit Ende des II. Weltkrieges wurde Breslau zur militärischen Festung gegen die Rote Armee erklärt. Somit wurde die Stadt mit ihren festen historischen Mauern zu einem Bollwerk, das schlußendlich von den Panzern und Raketenwerfern der Sowjets Stück für Stück und Mauer für Mauer zerstört wurde. Breslau glich 1945 einer Schutthalte. Es ist nahezu ein Wunder, daß diese Aula Leopoldina in ihrer Gesamtheit heil bleiben konnte. Abgesehen davon war in diesen Zeiten in menschlichen Tragödien verstrickt. Die gesamte deutsche Bevölkerung ging über Leidenswege. Deportation, Lager oder Tod. Das waren die Möglichkeiten. Breslau wurde wiederum mit Menschen aus der Ukraine und besonders aus Lemberg aufgefüllt. Ein schneller Tausch von Besitz, von Häusern und Wohnungen. Niemand fragte nach Recht und Menschlichkeit. Die Uni-Professoren aus Lemberg starteten am 9. Juni 1946 in der Polnischen Universität Breslau mit ihren Vorlesungen. Die deutsche Geschichte und die Sprache Deutsch waren mit einem Schlag beseitigt. Dann schloß sich für Jahrzehnte der Eiserne Vorhang vor einem Polen in der Sowjet-Diktatur. Überall in der Innenstadt Breslaus gibt es kleine Zwerge-Figuren aus Bronze. Diese Zwerge verweisen auf die Protestaktionen der Studenten gegen das KP-Regime. Als Zwerge verkleidet, protestierten die Breslauer Studenten gegen den kommunistischen Machtstaat. Wie die Danziger Werftsarbeiter haben auch die Breslauer Studenten zu der Befreiung Polens beigetragen. Und auch zwischen Deutschland und Polen stehen alle Zeichen auf Versöhnung. Seit dem Jahr 2003 ist die Universität Köln in einer aktiven Partnerschaft mit der Universität Breslau. Und in Breslau selbst finden tiefe zwischenmenschliche Verbindungen statt. Wie etwa im Einklang der vorhandenen Religionsbekenntnisse: Katholiken, Evangelische, Orthodoxe, Baptisten und Juden. Janusz Witt von der Evangelischen Kirche unterstützt mit all seiner  Kraft die gemeinsame Aktion im „Stadtviertel der gegenseitigen Achtung“ in der Breslauer Innenstadt. Nirgendwo sonst gibt es derart gelebte Dialoge zwischen den einzelnen Kirchen. Man sieht hier die  einzelnen Kirchen wie Stationen, wo Menschen einsteigen können. Der Zug fährt aber insgesamt ab in Richtung Gott. Der Streifzug durch Breslaus Altstadt ist ein wunderbares Erlebnis. Putzsauber die Straßen und Plätze. Die Häuser historisch getreu renoviert, erstrahlt die Innenstadt im Glanz des einstigen bürgerlichen Reichtums der Händler und Handwerker. Anstatt der bei uns verankerten Handelsketten gibt es in Breslaus Innenstadt zahlreiche Restaurants, Kneipen und Biergärten. Klein und fein ist hier die Devise. Hier treffen sich speziell die zahlreichen Studenten, die an den verschiedenen Breslauer Fakultäten studieren. Viele Restaurants in den historischen Häusern bieten ein Übermaß an Atmosphäre und kulinarische Freuden. Wie etwa schlesische Piroggen mit Topfen oder Fleisch gefüllt. In der Art wie heimische Schlutzkrapfen. Leicht in heißer Butter geschwengt und mit geriebenem Hartkäse bestreut. Dazu mindestens ein wundervolles Bier vom Faß. Ein polnischer Wodka als medizinische Verdauung gehört dazu. Das nächtliche Breslau ist so sicher wie Graz. Die großen, neuen Autos der vorrangig deutschen Gäste stehen in den Straßen der Innenstadt. Autos werden heute woanders gestohlen. Empfehlenswert für die Übernächtigung ist das Hotel Tumski (www.hotel-tumski.eu) mit einem eigenem Restaurant-Boot auf der Oder. Eine ruhige Hotellage an der Oder und ein Standort in unmittelbarer Stadtnähe. Breslau und Niederschlesien ist mittlerweile für Österreichs Wirtschaft zu einem extrem guten Partner geworden. Mittlerweile sind rund 50 österreichische Firmen in Niederschlesien aktiv tätig. Die Fahrt mit dem Auto von Österreich ist keine Hexerei. Die Autobahn in Tschechien über Brünn bis weiter über Kattowitz nach Breslau ist bestens ausgebaut. Lediglich die österreichische Bundesstraße von Wien bis zur tschechischen Staatsgrenze ist salopp gesagt, ein „Stück Balkan“.  Info: Polnisches Fremdenverkehrsamt www.polen.travel.

 

 2  3  4
 5 6  7 

 

 

Freigegeben in Polen
weiterlesen ...
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Die Kurmetropole mit dem längsten Holzseesteg

 

1von Hannes Krois
Klaus Kinski, der ewig böse Schauspieler wurde in Sopot geboren. Sein Elternhaus steht in unmittelbarer Nähe der Stadtbahnlinie, die Sopot mit Danzig verbindet. Falls dem Danzig-Touristen trotz aller Sehenswürdigkeiten in dieser bemerkenswerten Stadt noch ein wenig Zeit verbleiben sollte, dann wäre der Besuch von Sopot ein wahrlich guter Rat. Hier in den Ebenen des Weichseldeltas haben sich die Städte Danzig, Sobot und Gdingen (Gdynia) ineinander verschmolzen. Danzig, die große einst deutsche Hansestadt. Sopot die Kurmetropole und Gdingen, das einstige Fischerdorf, das nach dem I. Weltkrieg zum Ostseehafen des damals neu gegründeten Polen in Windeseile errichtet wurde. Seither gelten die Städte als Dreistadt an der Ostsee. Das touristische Umfeld dieser Region zählt zu den Highlights Polens.
Rund um die Halbinsel Hel in der Danziger Bucht liegt ein Fischerdorf neben dem anderen. Früher verkauften die Fischer an jeder Straßenecke Heringe oder geräucherten Aal. Doch die Sowjetdiktatur und der Kommunismus haben die Eigen­initiativen nahezu ausgelöscht. Schön langsam kommt wieder alles in Gang. Sopot ist ein Schrittmacher der neuen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Orientierung und wurde im Jahre 1798 als Seekurort errichtet. Es war damals der polnische Graf Kajetan Sierakowski, der das Kurhaus erbaute. Sopot wurde daraufhin zum mondänen Seebad des Geld- und Hochadels. Mit der Errichtung des Casinos wurde eszum zweiten Monaco.
Sand und auch Sonne prägen wiederum das Strandleben in Sopot. Die klare Prise der Ostsee und dazwischen jede Menge an Strandleben mit Cafe`s, Gaststätten und Nachtlokalen. Speziell am Abend herrscht am langen Sandstrand ausgelassenes Partytreiben. In den Lokalen gibt es herrlich kühle Biere der besten Qualitäten und dazu traditionell den Wodka. Gerne trinkt man hier auch Weine aus Frankreich und Italien. Und die italienische Küche ist mehrheitlich in den Restaurants verankert. Die Polen wollen auch kulinarisch nach den langen Jahren des Kommunismus mit Scholle und Hering nun die Welt von Branzino und Dorade erleben. Wenngleich auch als Tiefkühlfisch. Zumindest bemühen sich die italienisch ausgelegten Restaurants auf sehr gutem Niveau.
Unmittelbar beim berühmten Grand Hotel liegt der gigantische Seesteg inmitten des vier Kilometer langen Sandstrandes. Die Mole aus Holz ist die größte Sehenswürdigkeit von Sopot. Vor 150 Jahren errichtet, geht diese Mole einen halben Kilometer in die Ostsee hinein. Genau gemessen 511 Meter und somit der längste Holzseesteg Europas. Auf diesen hölzernen Planken dieses gigantischen Steges wandelte einstens die noble Welt und später wohl auch ein Klaus Kinski. Und so manches sinnliche Treffen der Begehrlichkeiten fand hier statt. Noch heute ist das ganze Jahr über die hölzerne Mole der Treff. Vom Seesteg aus gibt es den besten Blick auf die Danziger Bucht von Gdingen bis zur Halbinsel Hela und Danzig. Neben dem Grand Hotel und den Verkaufsbuden mit Käse und Zuckerln präsentieren sich Sheraton, Kurhaus, das Südbad von 1907 im norwegischen Stil und die Fischeranlegestelle. Rund um den Steg haben sich riesige Schwäne angesiedelt. Die Vögel haben eine Symbiose mit dem Holzsteg gebildet. Denn irgendjemand auf dem Steg wirft dann doch ein paar Brotkrümel zu den Tieren.
Von der Mole bis hinauf in die Nähe von Klaus Kinskis Geburtshaus erstreckt sich die Monte Cassino Straße. Die zentrale Straße für Cafe`s, Restaurants und Nachtleben pur. Ein Stopp für jeden Fotografen ist das sogenannte „Schiefe Haus“. Ein skurriles Gebäude, das in mehreren Etagen Lust am Essen und Nachtleben vermittelt. Vorbei an etlichen Straßencafe`s dann die St. Georg Kirche und die Skulptur des Regenschirmverkäufers. In Erinnerung eines Mannes, der hier an dieser Stelle Regenschirme verkaufte und zugleich zu einem Medium der Stadt wurde. Sopot ist heute wieder Kurbad-Metropole und ein Zentrum der Kunst. Die Schlagerwettbewerbe haben mittlerweile in Polen Kultstatus. Mit Mariusz Gliwinski und seinem Atelier Ambermoda präsentiert sich Bernstein in höchst modernen Kreationen. Überall auf der Welt werden diese exzellenten Stücke bei Modeschauen präsentiert. Der Bernstein ist das Harz der Danziger Bucht. Schon die alten Römer hatten die legendäre Bernsteinstraße wegen dieses versteinerten Harzes errichtet. Im Atelier Ambermoda gibt es höchst kreativen Bernsteinschmuck, der internationale Beachtung findet. Auf den großen Modemessen dieser Welt werden die stilvollen Bernsteinkreationen aus Sopot gezeigt. Sopot präsentiert sich als eine Mischung aus Sylt, Usedom und Lignano. Einerseits Elegance, andererseits Temperament und überall der kulinarische Hang zum Italienischen. Am feinsandigen Strand werden die Feste gefeiert, wie sie fallen. Und die Danziger Jugend feiert ordentlich mit. Reiseleiter Andreas Kasperski erzählte den Vergleich mit der Schokolade. Man kann von einer Tafel Schokolade täglich nur ein kleines Stück essen. Da hat man auch was davon. Die jungen Polen essen die monatliche Tafel Schokolade auf einen Sitz weg. Das ist noch besser und man hat einmal was gehabt, wovon man träumen kann. In dieser Lebensform finden die Lokale in Sopot  ihre Gäste in Hülle und Fülle. Die jungen Polen finden sich in der Kommunikation und im „Heute und Morgen“. An das Gestern, an den Kommunismus und die Diktatur will man keine Gedanken verschwenden. Das erzkatholische Polen hat seinen Platz in der EU gefunden. Nach der Publizierung der Lüge von Katyn sucht auch das offizielle Polen die Nähe zu den Deutschen und zu den Wurzeln der deutschen Geschichte. Die Dreistadt Danzig, Gdingen und Sopot an der Ostsee hat ihren Geschichtauftrag zu erfüllen. Schlußendlich startete am 1. September 1939 um 4,47 Uhr hier an der sogenannten Westerplatte der II. Weltkrieg. Direkt am wunderschönen Strand in Sopot gibt es jede Menge an Hotels und Pensionen. Für die Süd-Ost Journal-Leser testete ich das nagelneue Spa Hotel Mera (www.merapahotel.pl). Ein kultiviertes und modernes Hotel mit schönen Zimmern, tollem Service und Top-Küche. Natürlich italienisch! Der schöne Saunabereich gliedert sich in getrennte Schwitzkammern für Frauen und alle anderen. Nicht ganz klar ist, warum in Polen jeder in der Sauna mit Badehosen und Badeanzügen sitzt. Inklusive Kleinkinder und Babys. Der helle Wahnsinn! Was alles Kirche ausmacht! Jedenfalls keine wahre Erholung für mitteleuropäische Sauna-Fans, die besinnliche Ruhe suchen.

 

 2 3  4
 5  6 7 

 

 

Freigegeben in Polen
weiterlesen ...
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Danzig, die Bernstein-Metropole ist ein Juwel

 

1von Hannes Krois
Der Mythos lebt! Auch unter grauenvollen Abläufen der Geschichte. Danzig, bis 1945 deutsche, ehemalige Hansestadt an der Ostsee, sucht heute wieder seine Wurzeln. Seine deutschen Wurzeln. In der Versöhnung und Freundschaft der Polen mit den Deutschen wird auch die Geschichte ins richtige Lot gebracht. Nach Kriegsende 1945 wurde Danzig von den Sowjets systematisch zerstört. Die überlebenden Danziger wurden insgesamt vertrieben. Für die „neuen“ Bewohner von Gdansk, vorwiegend Emigranten aus der Ukraine, erstellte man neue Plattenbauten. Danzig sollte niemals mehr sein wie es war.
Doch Glaube, Mut und Hoffnung haben diese Stadt wieder zu einem Stück des legendären Danzig gemacht. Die Werftarbeiter und die Gewerkschaft „Solidarnosc“ mit dem späteren Präsidenten Lech Walesa trugen ihren Teil dazu bei, daß Polen und in Folge der gesamte einstige Ostblock den Weg zu freien demokratischen Staaten finden sollten.
Die Danziger leben diese neue Freiheit heute mit intensiver Lebenslust. In den zahlreichen Lokalen der historischen Innenstadt und am alten Hafen treffen sich die Danziger bei Bier und pommerschen Spezialitäten. Die Ostseesonne durchflutet mit ihren Strahlen die kleinen Gastgärten. Eine nahezu mediterrane Lebensfreude. In den Restaurants gibt es traditionelle Gerichte mit Schwein, Gans und Ente. Dazu Klöße und Piroggen mit Fleisch oder Gemüse gefüllt. Natürlich auch zahlreiche Fischgerichte der Danziger Ostseeküche mit Hering, Lachs, Sprotte, Flunder, Stör, Pomuchel (Kabeljau) und Aal. Hernach für die „Verdauung“ natürlich Wodka oder „Goldwasser“, ein original Danziger Likör inklusive echter Goldspäne darin.
Die allerbesten Biere gibt es in den kleinen Privatbrauereien. Wie etwa das Brau-Restaurant Browar Piwna gleich bei der Marienkirche. Das hier getestete Altbier ist große Klasse. Wer hier unbedingt nicht auf sein Glas Wein verzichten möchte, der bekommt Weine aus Frankreich, Italien oder Spanien in die Gläser geschenkt. Biere in höchster Qualität haben in Danzig den Vorrang. Die Hopfen&Malz-Getränke passen auch besser zur traditionellen Aalsuppe. Aufgrund der Rezeptur mit Birnen und getrockneten Pflaumen in der Konsistenz leicht süßlich.
Aale haben in Danzig Tradition. Bekannt die filmische Szene in der „Blechtrommel“ mit dem kleinen Oskar und den Aalen. Der Schriftsteller, Dramatiker und Bildhauer Günter Grass wurde 1927 in Danzig geboren. Der Vater ein Deutscher, die Mutter eine westslawische Kaschubin. Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat in seinen Werken der Stadt Danzig in ihren schwierigsten Jahrzehnten auch mithin Seelenleben „eingeschrieben“.
Auf dem Wybickiego-Platz (früher Neuer Markt) steht die „Oskarbank“, eine Plastik mit dem trommelnden kleinen Oskar, der Hauptfigur aus der „Blechtrommel“. Zudem berühmte Danziger aus der Weltgeschichte: Der Philosoph Arthur Schopenhauer und der Physiker Daniel Gabriel Fahrenheit.
Nach dem ersten Weltkrieg wurde Danzig von den damaligen Siegermächten zur sogenannten Freistadt deklariert. Mit dem Einzug der ­Sowjet-Truppen 1945 wurde die systematische Zerstörung der Stadt durch die Russen eingeleitet. Aus dem damals angerichteten Ruinen- und Trümmerfeld wurde später mit viel Geld und Mühen der Kern des alten Danzig wieder naturgetreu errichtet. Heute kommen die Russen aus der benachbarten russischen Enklave Kaliningrad (früher Königsberg), um in den Einrichtungshäusern rund um Danzig einzukaufen.
In der antiken Welt der Griechen und Römer stand diese Ostseeregion mit den begehrten Bernsteinfunden schon hoch im Kurs. Die legendäre „Bernsteinstraße“ von Danzig bis Rom war schon damals eine bekannte Verbindung. Mit der geplanten „Baltisch-Adriatischen Achse“ findet die neue Bernsteinstraße ihre Wiedergeburt in Europa. Bernstein, das Gold der Ostsee, ist mit Danzig seit tausenden Jahren verbunden. Bernstein, das versteinerte Harz aus Nadelbäumen bis zurück in die Altsteinzeit, findet man noch immer am Ostseestrand. Mit den Winterstürmen legt die Brandung immer wieder neue Bernsteinlager frei. Bernstein dominiert Danzig. Somit auch das nagelneue „Bernstein-Fußballstadion“ , das in seiner Architektur einem riesigen Bernstein nachemp­funden ist. Überall in Danzig und speziell in der Marienstraße kann man Bernstein-Schmuck kaufen. Doch die interessantesten Bernstein-Stücke findet man im Bernsteinmuseum im alten Gefängnis-turm samt Peinhaus an der Langgasse. In den Mauern dieser Folterstätte sind einzigartige Bernsteinexponate und Kunststücke aus Bernstein ausgestellt. Einmalig ist der Einschluß einer Walzenspinne in Bernstein. Solche Spinnen, die bis zu 15 Kilometer schnell unterwegs sein können, gibt es heute noch in den Tropen.
Die von großen Bürgerhäusern umrahmte Langgasse ist das historische Zentrum von Danzig. Die Fußgängerzone startet beim Hohen Tor und führt baulich durch das Langgassertor in die historische Welt der einstigen Patrizier-Vergangenheit der reichen Hanse-Kaufleute. Hier das bürgerliche Museum im Uphagenhaus. Das Glockenspiel ertönt vom Rathausturm des mächtigen Rechtsstädtischen Rathauses. Gleich neben dem Neptunbrunnen aus dem Jahre 1633 der Artushof der einstigen Kaufmannsgilde. Hier steht auch der weltgrößte zehn Meter hohe Kachelofen aus der Renaissance. Im Anschluß das neue Schöffenhaus. Der Roman „ Das Mädchen im Fenster“ fand hier seinen Ausgang. Das „Goldene Haus“ des einstigen Bürgermeisters Johannes Speymann ist ein Baujuwel. Das nahe „Grüne Tor“ ist heute Teil des Nationalmuseums. Hier befindet sich auch das Büro von Friedens-Nobelpreisträger Lech Walesa.
Entlang der Kai-Promenade an der Mottlau mit den kleinen, bodenständigen Restaurants kommt man zum Krantor. Dieser größte Hafenkran des Mittelalters ist ein Wahrzeichen von Danzig. Ein weiteres Danziger Wahrzeichen ist die Marienkirche. Die größte Backsteinkirche Euro-pas. Vom 82 Meter hohen Kirchturm erhält man einen faszinierenden Blick über die Danziger Altstadt. Besonderheiten in der Kirche sind die astronomische Uhr aus dem Jahr 1470 und die Kopie des Memling-Gemäldes „ Das jüngste Gericht“. Einen ganz besonderen Reiz hat die romantische Marienstraße mit Kunst-Galerien und Bernstein-Manufakturen. Die Straße dient immer wieder als Filmkulisse. Wie auch für den Film „ Die Buddenbrooks“ nach Thomas Mann.  

 

 

 

 2 3   4
 5  6  7

 

 

Freigegeben in Polen
weiterlesen ...
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Historisches Naturerlebnis in der Bierstadt Zywiec

 

1von Hannes Krois
Zywiec ist wegen des dort gebrauten Bieres auch bei österreichischen Bier-Freaks bekannt. Auch die „Vulkanlandler“ aus dem oststeirischen Schinkendorf Auersbach haben seit Jahren engste Kontakte dorthin. Soweit, daß die Feuerwehrmänner aus Zywiec bei den zahlreichen Hangrutschungen speziell im Bezirk Feldbach wertvolle Dienste leisteten. Insgeheim wird eine offizielle Partnerschaft angedacht. Schlagzeilen machte Zywiec in Europas Medien durch den Unfall Bus gegen Lastwagen: Acht Tote, zehn Verletzte!  Ansonsten ist Zywieck mit den alten Nennungen als Saybusch und Saubusch außerhalb Polens nicht wirklich bekannt. Grund genug mit dem polnischen Konsul Dr. Gerold Ortner und seiner Gattin Steffi diese polnische Region der Westbeskiden zu besuchen.
 Eine herrliche Bergregion vor den Toren Österreichs. Lediglich 50 Autobahnkilometer über die Slowakei von Wien entfernt. Über den slowakisch-polnischen Grenzposten Zwardon-Myto ist es noch ein Katzensprung nach Zywiec.
Unter „Beskiden“ versteht man einen Gebirgszug, der sich über Teile Tschechiens, der Slowakei und Polens erstreckt. Eine bewaldete Bergregion, die sich mit ihren Wäldern und Seen als wunderbare Naturlandschaft präsentiert. Das Zentrum der polnischen Beskiden-Region ist Zywiec. Für die Geschichtsinteressierten: Die Region Zywieck (deutsch Saybusch) war in die K.u.K-Monarchie als Kronland Galizien eingebunden. Westgalizien im heutigen Polen und Ostgalizien in der heutigen Ukraine. Galizien auch früher unter dem Namen „Rothreußen“ bekannt, wurde nach der ungarischen Herrschaft im 14. Jahrhundert nach Galitsch (lateinisch Galizia) benannt. Bei der ersten Teilung Polens kam Galizien zu Österreich. Bis schlußendlich 1919. Zywiec selbst hat heute nach all den Jahren des Kommunismus seine Wurzeln zu Österreich und den Habsburgern wiedergefunden und zudem vertieft. Der dortige Erfolgsbürgermeister Antoni Szlagor ist ein praktizierender Fan von Otto Habsburg und natürlich von der Erzherzogin Maria Krystina von Habsburg.
Die betagte Habsburger Erzherzogin ist die Enkelin von Erzherzog Karl Stephan von Österreich (ehemals Anwärter auf die polnische Krone) und die Tochter des polnischen Generalmajors Karl Albrecht von Habsburg-Altenburg. Nach Jahren im Exil wohnt Erzherzogin Maria Krystina in einem Flügel ihres Habsburger-Schlosses in Zywiec.
Immer wenn Konsul Dr. Gerold Ortner mit Delegationen aus der Steiermark nach Zywiec anreist, ist die Erzherzogin als Ehrengast beim Bürgermeisterempfang im Rathaus mit dabei. Zywiec ist wiederum eine entflammte Fackel für Kontakte und Verbindungen nach Österreich. Eine tiefe Sehnsucht nach der „guten, alten Zeit“ und zugleich verbunden mit dem Drang, eben westlichen Standard in die Region einzubringen.
Beste Qualitäten präsentieren die Bier-Brauer in der großen Brauerei. Das Zywiec-Bier ist in ganz Polen höchst beliebt. Größere Mengen werden mittlerweile auch exportiert. Seit einiger Zeit gehört die Brauerei zum Heineken-Konzern. Die  Zywiec-Biere sind ausgesprochen süffig. Bestes glasklares Wasser und wunderbarer Hopfen sind nicht zu verleugnen. Die Brauerei wurde im Jahre 1856 errichtet. Besonders sehenswert ist das Brauerei-Museum, das in detailgetreuer Form eine historische Zeitreise durch die Epochen der Brauerei ermöglicht. Ein Spaziergang samt Zeitreise durch die historische Entwicklung der Brauerei und der damit verbundenen Umschichtungen in Europa. Am Ende des „historischen Weges“ bekommt jeder Besucher ein Krügel Zywiec und ein Bierglas als Präsent.
Zeitgeschichte pur findet man unweit von Zywiec in der Gemeinde Wegierska Gorka. In diesem Bilderbuchdorf für Wanderer und Montain-Biker ist es die sogenannte „Westerplatte Süd“, die tausende Besucher hierher lockt. Unter „Westerplatte Süd“ versteht man fünf Bunker, die im September 1939 gegen eine bayrische Kompanie Hitler-Deutschlands im Einsatz waren. An den Jahrestagen der Kämpfe gibt es alljährlich identische Nachstellungen der Kämpfe, die auch im polnischen Fernsehen übertragen werden. Eben Zeitgeschichte pur!
Im Bunker „Wedrowiec“ ist ein Schaumuseum eingerichtet. In den Wirren des I.Weltkrieges war die Front gegen die russische Zaren-Armee nicht weit. In den Kämpfen kamen zahlreiche Soldaten der Österr.-Ungar. Armee ums Leben. In einem Dokumentationsgrab auf dem Friedhof von Zywiec sind 92 Soldaten der K.u.K-Monarchie bestattet. Die zahlreichen Kranzniederlegungen verdeutlichen die innere Bindung von Zywiec zur gelebten Habsburger-Geschichte.
Die Region Zywiec ist sehr tiefgläubig katholisch. Ein Zentrum des Glaubens ist die Gemeinde Radziechowy-Wieprz. Zahlreiche Kapellen und Kirchen , insbesonders die hölzerne Kirche der Jungfrau Maria, sind schon ein Zeichen der Glaubenskraft. Seit dem Jahr 2000 steht auf dem Berg Matyska das eindrucksvolle Milleniums-Kreuz. Bishin zum Kreuz gibt es den einzigartigen Kreuzweg „Golgada der Beskiden“. In extrem authentischer Weise präsentieren sich die Metall-Skulpturen  im Sinne der letzten Lebensstunden Jesu Christi. Eine Skulpturenlandschaft, die aufzeigt, daß der Mensch seit der Hinrichtung Jesu Christus nichts an Menschlichkeit und Weisheit dazu gelernt hat.
Die zentrale touristische Attraktion im „Saybuscher Becken“ ist der von Waldungen umrahmte See unweit von Zywiec. Ein künstlicher See, der sehr gefühlvoll im Rahmen der Speicherkraftwerksbauten in die Natur eingebunden wurde. Der See ist mittlerweile ein Mekka für Angler und Segler. Die technische Draufgabe erfolgte durch die Errichtung des riesigen Stausees auf der Spitze des Zar-Berges. Ein weltweit einzigartiges Kraftwerk. Mit dem Kabinenlift ist der „Aufstieg“ zur Zar-Spitze höchst problemlos. Von hier eröffnet sich ein wunderbarer Blick auf das Beskidenland. Und wer es sportlicher will, der kann hier mit vollem Herzen (und Hose) Segel-, Drachen- und Gleitschirmfliegen. Im Winter ist hier Wintersport angesagt. Wie überall im Beskidenland und in Schlesien entlang der Karpaten. Auf den „sanften Tourismus“ von zahlreichen Berghütten bishin zu Wellness-Hotels in Verbindung mit einer voll intakten Natur hat man hier gebaut.
Dazu eine etwas deftige Küche. Wild, Lamm, Fisch und Schweinefleisch mit viel Gemüse. Eine besondere Spezialität ist die Sauerkrautsuppe. Dazu ein Zywiec-Bier. Die Region Zywiec ist eine Reise wert!

 

 2 3 
 4 5 

 

 

Freigegeben in Polen
weiterlesen ...
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

 

Pleß (Pszczna) in Schlesien eröffnet historische Zeitreise


In Pleß dominiert der Marktplatz. Im Bild das Rathaus mit der eingebundenen Evangelischen Kirche. Daneben (links) der Eingang zum Schloß.von Hannes Krois
Weltkulturerbe Pleß oder auf polnisch Pszczyna! Eine wundersame kleine Stadt ganz im Süden Polens in der Woiwodschaft Schlesien. Rund 40 Kilometer südlich von Kattowitz und gut vier Autostunden von Österreich entfernt. Eine Stadt, die touristisch in der Entwicklung des neuen Polens in der EU sich wiederum entfalten konnte. Jäger und Musiker kennen alle das sogenannte Pleßhorn. Ein in B gestimmtes Blechblasinstrument, das speziell von den Jägern zum Anstimmen der Jagdsignale verwendet wird. Nicht zu verwechseln mit dem von der Infanterie geführten Bügelhorn. Jedenfalls ist das Pleßhorn samt der Namensgebung eng mit Hans Heinrich XI., Fürst von Pleß und Oberstjägermeister der Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. verbunden. Die Jagdleidenschaft der preußischen Kaiser in Verbindung mit dem gewaltigen Wildreichtum des Forstbesitzes machten Pleß zum kaiserlichen Lieblingsort. Als der Fürst dann auch noch im Jahre 1865 vier Wisenten in seinen Wäldern eine Bleibe für die Aufzucht widmete, war Pleß zweifellos der jagdliche Himmel auf Erden. So ein Wisent ist als Ur oder Auerochs ähnlich dem Bison in Amerika und wiegt im ausgewachsenen Zustand über 1,5 Tonnen. Im Jahre 1869 durfte Wilhelm I. einen sogenannten „Notschuß“ auf einen Wisentstier abgeben. Mit seinem Kaliber 6-Gewehr feuerte der Kaiser sieben Schüsse auf das riesige Vieh. In einer damaligen unzensurierten Jagd-Postille stand, daß der Wisent dann noch ein Gatter durchbrach und dann erst viel später von Jägern und Schweißhunden in den Tod gebracht wurde. Heute würde man diese kaiserliche Jagd-Tat als Tierquälerei bezeichnen. Auch der Habsburger-Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand wurde 1898 zur Wisent-Jagd nach Pleß geladen. Mittlerweile hatten sich die Wisente schon zu einem beachtlichen Rudel vermehrt. Der schießwütige Erzherzog erschoss den ihm zugewiesenen Stier und gleich so nebenbei noch ein Tier ( weibliches Wisent) dazu. In Folge wurde der Erzherzog niemals mehr nach Pleß eingeladen. Der Fürst von Pleß war der reichste Mann mit all seinen Ländereien, Industriebetrieben und Gütern von ganz Schlesien. Der Pleß-Besucher der Gegenwart bekommt ein Stück dieses Reichtums auf dem Gelände des Schlosses zu sehen. Das Schloß selbst steht im Anschluß an den gepflegten Marktplatz. Hinter dem Schloß eröffnet sich der gewaltige Park wie in einer Bilderbuchwelt englischer Gärten. Voller Romantik und Erinnerung an andere Zeiten, als hier der europäische Hochadel ständig Feste feiern konnte. In den Zeiten vor dem I. Weltkrieg. Als die Welt in Pleß noch eine ganz andere war. Zur Attraktion der gewaltigen Jagden gesellte sich mit der Engländerin „Daisy“ von Pleß ein weiterer Aspekt der gesellschaftlichen Hochblüte ein. Des Fürsten Sohn Hans Heinrich XV. heiratete im Jahre 1891 die erst 17jährige britische Schönheit Mary Theresia Olivia Cornwallis-West. Kurzum „Daisy“ genannt. „Daisy“, nunmehr Frau  des reichsten Fürsten Deutschlands, organisierte große gesellschaftliche Anlässe in Pleß und im weiteren Schloß Fürstenstein. Zu ihren engsten Freunden zählten Kaiser Wilhelm II., König Edward VII, die Königin von Rumänien, der superrreiche Duke of Westminster Hugh Grosvenor usw. Ihre soziale Ader brachte „Daisy“ auch bei der Verbesserung der Lebensverhältnisse der arbeitenden Menschen ein. Fürstin „Daisy“ brachte drei Kinder zur Welt. Die Ehe selbst war nicht unbedingt die Romanze und wurde schlußendlich auch im Jahre 1922 geschieden.
Während des Krieges war „Daisy“ als Krankenschwester des Deutschen Roten Kreuzes auf diversen Bahnhöfen im Rahmen der medizinischen Truppenbetreuung tätig. Ein faszinierendes Leben einer ebenso faszinierenden Frau! Fragt sich, wann Hollywood sich dieser Geschichte annimmt. Aber Pleß war eben lange Zeit in den „Dornröschenschlaf“ abgewandert. Doch nicht in den Jahren 1914 bis 1917. In dieser Zeit richtete der deutsche Kaiser Wilhelm II. Im Schloß von Pleß seinen Hauptgefechtsstand ein. Pleß wurde somit zum militärischen Nabel der gesamten Ostfront. Hier 555 Kilometer von Berlin entfernt, hatte er auch die entsprechende Nähe zum Bündnisbruder der Österreichischen k.u.k.Heeresleitung im nahen  Teschen und zu den Kampfhandlungen in Gorlice. Sowie auch den idealen Platz, seinem Lieblingshobby, der Jagd, in vollen Zügen frönen zu können. Als dann der I.Weltkrieg verloren war, verdunkelte sich auch über die riesigen Fürstlichen Forstgebiete die Sonne. Wilderer, diverse Banden und Soldaten schossen blindwütig alle Tiere ab, die vor die Läufe der Karabiner und Maschinengewehre kamen. Es kam auch unter den Wilderer-Banden zu heftigen Kämpfen, wobei zahlreiche Männer ums Leben kamen. Mit dem Edikt von Versailles wurde Oberschlesien geteilt und die Region Pleß fiel an Polen.
Pleß ist eine Reise wert. Für Geschichtsinteressierte sowieso. Gleich neben dem Rathaus ist die neobarocke evangelische Kirche, die eine sehr große Kirchengemeinde zählte. Der total in Weiß gehaltene Innenraum ist in der emporenhaften Sitzgestaltung wie ein Theater ausgelegt. Höchst interessant! Am Marktplatz präsentieren sich Bierstände und kleine Restaurants. Ein wenig Zeit bei einem Glas Zywiec eine entsprechende Besinnung der Gedanken über die Region Pleß: Die Stadtgründung dürfte 1276 erfolgt sein. Die Handelsstraße nach Krakau, Teschen und Auschwitz erbrachte den Aufschwung. Pleß war für seine Karpfenzucht und Textilien der Tuchmacher sehr bekannt. Später folgte die Produktion von Strümpfen und Druckereiprodukten. Ganz Schlesien war noch vor 1748 österreichisch. Der Preußenkönig Friedrich II. kämpfte gegen Maria Thersesia in drei Schlesischen Kriegen um diese so reiche Provinz zu bekommen. Schlußendlich erhielt Preußen nahezu fast ganz Schlesien. Der oberschlesische Landkreis Pleß war somit in Folge Teil des Deutschen Reiches. Im Jahre 1922 wurde der Landkreis Teil des polnischen Staates. Ab 1939 wurde der Landkreis unter Hitler-Deutschland als Provinz Oberschlesien ins Deutsche Reich eingebracht. Im Februar 1945 wurde das Kreisgebiet Pleß von der Roten Armee erobert und als Teil der Volksrepublik Polen wieder polnisch. Das schmucke Städtchen entwickelt sich als touristisches Ziel vieler Deutscher und Österreicher wieder prächtig. Viele sind auf „Spurensuche“ nach dem alten Oberschlesien, nach Kaiser Wilhelm oder nach der Fürstin „Daisy“. Pleß öffnet diesbezüglich interessante Einblicke.

 

 

 Den Flair einer vergangen Zeit demonstrierten die beiden Mädchen. In den fürstlichen Räumen ist eine gigantische Trophäensammlung. 
Zahlreiche Geweihe schmücken die Arkaden des Schloßes.   Blick über den weitläufigen Park hinter dem Pleßer Schloß.

 

 

Freigegeben in Polen
weiterlesen ...
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Die berühmten Tuchallen in der Mitte des Hauptmarktes

Krakau - Polens tausendjährige Stadt

von H. Dorian Krois

Krakau ist das kulturelle Zentrum Polens. Die historische Stadt ist eine der bedeutendsten UNESCO-Weltkulturerben, hat eine der ältesten Hochschulen Europas, und eine nicht zuletzt durch den Film „Schindlers Liste“, weltbekannte Altstadt. Jahrhunderte lang war Krakau Sitz der polnischen Könige und ein Ort, der bedeutende Gelehrte und Künstler aus der ganzen Welt anzog. Auch heute noch hat Krakau einen ganz besonderen Charme und ist die „heimliche“ Hauptstadt Polens. Umso unverständlicher ist es, dass diese bedeutende Stadt nicht als Austragungsort bei der kommenden Fußball-Europameisterschaft auserwählt wurde. Der Schmerz sitzt in der Bevölkerung tief. Würden die Krakauer natürlich gern dieses Mega-Event in ihrer Stadt erleben wollen. Wenigstens werden die Nationalteams von Italien, England und den Niederlanden während der EM in Krakau residieren, auch wird es aufwendig gestaltete „Fan-Meilen“ geben. Auf besondere Einladung von Konsul HR Dr. Gerold Ortner ging es zusammen mit einer kleinen Auswahl steirischer Journalisten mit der polnischen LOT in diese bezaubernde Stadt. Nach dem Check-In im neu erbauten und sehr empfehlenswerten Hotel „Galaxy“, das, wie der Name schon andeutet, im modernsten Stil errichtet wurde und sehr praktisch in der Nähe des jüdischen Viertels liegt, ging es in die alte Salzmine „Wieliczka“, ungefähr 15 Kilometer vor den Toren Krakaus. Etwa um 1275 hat man hier bereits mit dem Abbau von Steinsalz begonnen. Die Salzmine von Wieliczka ist eine der ältesten Europas und garantiert eine spektakuläre Besichtigungs-Tour. Gänge und Abbauhohlräume sind auf neun Ebenen angelegt. Die tiefstgelegenen sind 327 m unter der Erdoberfläche zu finden. Die Gänge sind ca. 300 km lang und sie durchqueren fast 3000 Kammern. Die Touristenroute befindet sich von 64 bis 135 m unter der Erde. Besonders die wunderschönen Kapellen bezaubern, sowie die unterirdischen Seen, die originellen alten Vorrichtungen und Geräte. Die Bergleute aus Wieliczka hinterließen zahlreiche Skulpturen und Reliefs. Unter der Erde werden interessante Veranstaltungen und Events organisiert (Konferenzen, Feste, Konzerte, Sportveranstaltungen, Hochzeiten, Silvesterpartys). Heute wird hier kein Salz mehr aus dem Berg geholt. Dafür kommen am Tag manchmal bis zu 6000 Besucher, im Jahr sind es rund eine Million. Die UNESCO hat das Salzlabyrinth im Jahre 1978 gewürdigt und zum Weltkulturerbe erklärt. Neben dem Stadtzentrum von Krakau entwickelt sich das ehemals jüdische Viertel „Kazimierz“ zunehmend zum zweiten Zentrum des nächtlichen Lebens. Zahlreiche kleine Bars laden hier zum Verweilen ein. Unterhaltung bietet die authentische Live-Musik besonders am Wochenende. Die engen verwinkelten Gassen, die alten Werkstätten und kleinen Läden, die Mischung aus alten, baufälligen und frisch sanierten Gebäuden macht den besonderen Reiz des Viertels aus. Hier geht es noch sehr viel ruhiger zu als im touristischen Zentrum Krakaus rund um den Hauptmarkt. Neben den jüdischen Kulturstätten gehören die gotische Fronleichnamskirche, sowie die ebenfalls gotische Katharinenkirche zu den touristisch interessantesten Punkten in Kazimierz. Die jüdische Geschichte macht Kazimierz ebenfalls zum interessanten touristischen Viertel. Viele Zeugnisse der jüdischen Vergangenheit sind in dem Viertel vorhanden und Star-Regisseur Steven Spielberg konnte hier seinen mit sieben Oscars prämierten Film "Schindlers Liste" an den Originalschauplätzen drehen. Heute umfasst die jüdische Gemeinde Krakaus nur noch ca. 200 Mitglieder. Vor dem zweiten Weltkrieg waren es um die 65000. Von den sieben noch erhaltenen Synagogen wird nur die kleine Remuh-Synagoge heute für die Gottesdienste der jüdischen Gemeinde genutzt. Zwei weitere dienen als Museen, in denen Dokumente, Filme und Fotos aus der jüdischen Geschichte präsentiert werden. Die Tempel-Synagoge wurde in den vergangenen Jahren mit Hilfe zahlreicher Stiftungen und Spenden aufwändig saniert. Die Arbeiten wurden im vergangenen Jahr fertig gestellt. Heute finden dort Konzerte und viele andere Kulturveranstaltungen statt. Mittelpunkt der Altstadt ist der 200 mal 200 Meter große „Rynek Glowny“, wohl einer der schönsten Marktplätze Europas. Im Juni 2010 wurde die ehemalige Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Schindlers Liste“ löste in Krakau eine gewaltige Touristenflut aus, die seitdem nicht abreißen will. Viele kommen auf einer Art Wallfahrt zu Ehren Oskar Schindlers, der etwa 1200 Juden vor dem sicheren Tod in Konzentrationslagern bewahrt hat. Später versuchte sich Schindler weiter als Unternehmer, sollte jedoch nicht mehr erfolgreich sein und starb 1974 völlig verarmt. Nach dem Krieg wurde Schindlers Emaillefabrik verstaatlicht und 1947 übernahm ein Telekommunikations-Ausrüster die Anlagen. Im Jahr 2002 gab das Unternehmen die dortige Fabrikation auf. Drei Jahre später kaufte die Stadt Krakau das Fabrikgelände und der Stadtrat beschloss, die Fabrik in ein Museum umzuwandeln. Mit Hilfe von Geldern der Europäischen Union wurde das Gebäude renoviert. In dem neuen Museum sollen Besucher durch die modernen Exponate zurück in die Vergangenheit versetzt werden: Lebensgroße Wandbilder, so genannte „Voice-Overs“, große Displays und Multimedia-Touchscreens sollen dabei helfen. Das Museum hat auch eine „Halle der Entscheidung", eine Installation, die noch einmal das gewaltige Dramavon Bürgern während des Krieges aufgreift. Dabei war die Eröffnung unter den Krakauern sogar umstritten. Es wurde argumentiert, dass Schindler einer unter vielen Helden des Holocaust in Polen war und dass damit ein Museum ausschließlich einem Mann gewidmet würde, der durch einen Hollywood-Film bekannt geworden ist, was eine Geschichtsverfälschung wäre. Eine besondere Ehre war die Audienz bei Stanisław Dziwisz, dem Erzbischof von Krakau und ehemaligen Sekretär von Papst Johannes Paul II. Er diskutierte mit uns unter anderem die Rolle der Katholischen Kirche in Polen und seine Zeit mit Papst Johannes Paul II., dem er bis zu seinem Tod zur Seite gestanden ist und der in den Herzen der Polen natürlich unvergessen bleiben wird. Krakau ist wirklich immer eine Reise wert. Selbst ein noch so kurzer Wochenend-Trip lohnt sich sowohl kulturell, als auch kulinarisch.

 

 Für romantische Fahrten stehen zahlreiche Kutschen zur Verfügung Die Heilige Kinga-Kapelle in Wieliczka ist wirklich spektakulär   Konsul HF DR: Gerold Ortner überreichte Erzbischof Stanislaw Dziwisz ein Steiermark-Buch
 Im jüdischen Viertel Kazimierz befinden sich zahlreiche Kneipen  Die Marienkirche am Hauptmarkt zählt zu den Wahrzeichen  Salzfiguren im Salz-Labyrinth von Wieliczka

 

 

Freigegeben in Polen
weiterlesen ...
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Hohe Tatra und Zakopane sind eine Reise wert

 

von Hannes Krois
Verwunschen mystisch, nach Polanskis Kultstreifen „Tanz der Vampire“, so präsentieren sich die Karpaten. Ein Bergmassiv, das sich von ihren westlichen Ausläufern in Österreich über Tschechien und Slowakei bis Polen und weiter nach Rumänien und Serbien hinzieht. Sozusagen als Grenze zwischen der Slowakei und Polen erstreckt sich die sogenannte „Hohe Tatra“ als einzigartige Faszination der Natur in grandiose Höhen. Die „Hohe Tatra“ ist die höchste Bergkette Polens. Und Zakopane ist die „Winterhauptstadt“ ganz Polens. Hier im äußersten Südwesten Polens ist die Luft glasklar. Man spürt wahrlich die riesigen Wälder voll Nadelgehölz atmen. Der schwere Duft nach Holz, Fichten, Tannen und nach Moos liegt in der Luft.
Klar und erfrischend kalt trennt der Gebirgsfluß Dunajec Polen und die Slowakei. Die Flößer auf dem Fluß sind heute besonders aktiv. Denn nun sind es die Touristen, die flußabwärts auf den Flößen die herrliche Natur auf vielen Kilometern genießen können (www.flisacy.com. pl). Ein unglaubliches Erlebnis, wenngleich es mittlerweile zu regnen begonnen hatte und der Körper die Feuchtigkeit zu spüren beginnt. Gegen die erwartete Verkühlung hilft sehr schnell der Slivovitz. So ist das hier Brauch. Früher war der Fluß eine Lebensgrundlage für den Transport verschiedenster Waren. Heute ist es der Tourismus.
Zakopane ist ein touristisches Ganzjahresziel. Ideal für Wanderer, Kletterer, Naturliebhaber und Erholungssuchende. Im Winter, wenn Berge von Schnee die „Hohe Tatra“ zudecken, dann entfalten sich alle Arten des Wintersports in der gesamten Region. Besonders begehrt ist die Seilbahnfahrt auf den hohen Kasprowy Wierch. Im Jahre 1935 wurde die Seilbahn auf diesen Berg errichtet. Hier oben kann es gar im Sommer recht stürmisch sein. Allein der Blick über die Karpaten entschädigt für alles. Zakopane ist auch für die Skispringerfans zu einem weltweiten Begriff geworden. Seit dem Jahr 1980 werden hier alljährlich auf der Großen Schanze die Weltpokal-Sprünge ausgetragen. Die besten Skispringer aus aller Welt machen Zakopane immer wieder zum weltweiten Mittelpunkt der Skispringer mit den allerweitesten Sprungweiten. Der polnische Lokalmadator Adam Malysz trug mit seiner Erfolgsserie zu einem Besucheransturm bis zu 45.000 Fans im Skisprungstadion bei. Auch aus Österreich reisen verstärkt Skisprungfans und Wintersportler an. Schnee in Hülle und Fülle und schöne Abfahrten und Langlaufloipen zum günstigen Preis sind in der „Hohen Tatra“ angesagt. Ab Wien sind es mit dem Auto rund 370 Kilometer durch die Slowakei bis Zakopane. Davon 300 Autobahn-Kilometer.
Im Rahmen einer Pressereise übernachtete ich im Grandhotel Stamary. Ein stilvolles Hotel mit gediegenem Luxus samt Spa- und Wellnessbereich (www.stamary. pl). Auch kulinarisch kann dieser südliche Teil der Region Malopolska einiges bieten. Herrlich süffiges polnisches Bier. Deftig sind die regionalen Spezialitäten. Würzig und sehr herzhaft schmecken die Würste. Eine typische Spezialität sind die verschiedenen Schafskäseprodukte. Der salzige Bryndza (Brimsen) oder Bundz (frischer Schafskäse) und besonders der Oscybek (geräucherter Schafskäse). An allen Ecken in Zakopane verkaufen die Bauern ihren ganz speziellen Schafskäse. Weiters auch Honig, der mit den Nüssen und Mantelkernen in den Gläsern ganz besonders attraktiv „herüberlacht“.
In den regionalen Gasthäusern beherrschen gebratene Ripperln, Stelzen und auch Karpfen das Angebot. Unbedingt verkosten sollte man die Sauerkrautsuppe (Kwasnica), die Rote Rübensuppe und die Piroggen auf russische Art. Die wunderbaren Cremeschnitten gehören als Abschluß jedenfalls dazu. Und natürlich ein naturgebrander Slivovitz. Nach solch einem deftigen Essen ist eine Kulturwanderung durchaus angebracht. Entlang der Straßen fallen besonders diese wunderschönen und dennoch eigenartigen Holzhäuser mit ihren Kuppeln und Dachspitzen auf. Auch zahlreiche Kirchen sind nach dieser ganz speziellen Holzarchitektur errichtet worden. Orthodoxe und katholische Kirchen gleichermaßen. Die kleinen Holzkirchen, die in ganz Malopolska vorkommen, wurden mehrheitlich im 15. und 16. Jahrhundert errichtet. Gedeckt mit Holzschindeln, weisen diese Kirchen im Inneren prächtige Wandmalereien auf. Diese „Blockhaus-Kirchen“ sind eng mit der Kultur der sogenannten Lemken verbunden. Insgesamt leben in Malopolska 19 verschiedene ethnische Gruppen. Darunter die Lemken, Lachen, Goralen, Krakowiaken, Ruthenen usw. Stämme, die aus dem Osten sich hier als Hirten, Bauern und Handwerker angesiedelt hatten.
Ein ganz spezielles historisches Herrschafts-Holzhaus ist das Koliba-Haus in Zakopane. In diesem Haus spürt man den Atem der Vergangenheit. Voll eingerichtet, wie man hier einstens lebte. Das Koliba-Haus ist mittlerweile auch das Museums-Haus für den Zakopaner Baustil und somit für Besucher und Interessenten geöffnet. Die slawische Seele, die bis in die Ukraine und Russland reicht, hat sich in diesen Häusern manifestiert. Man hätte „Doktor Schiwago“ hier drehen können. Mit der Zahnradbahn fahren wir auf den Ausflugsberg aller Bewohner von Zakopane. Ein Erlebnis für Kinder und Familien. Vor der Abfahrt hängt mir ein Folklore-Schäfer ein weißes Lamm über die Schulter. Für ein Foto und ein wenig Kleingeld. Gottseidank hinterläßt das Lamm keine „Duftmarken“ auf meiner Jacke. Weiter geht es mit dem Kleinbus zur nächsten Reisestation. Wenige Kilometer zum „Hotel Bukovina“ in Bukovina Tatrzanska (www.hotelbukovina.pl).
Hoteldirektorin Anna Gorecka, fesch und perfekt, präsentiert das nagelneue Wellness-Hotel inmitten der Karpaten. Ein viersterniges Top-Hotel der Spitzenklasse. Was die Küche angeht, war Anna Gorecka einige Zeit zuvor für ein Top-Restaurant in Frankreich zuständig. Und diese Ansätze von Qualität und Deko aus dem Französischen wird nun im „Hotel Bukovina“ auf die Teller gebracht. In der einzigartig schönen Bar ist der Barkeeper auf alle erlesenen Drinks ideal programmiert. Nahezu wie in der Harrys Bar in Bella Venezia. In diesem „Hotel Bukovina“ könnte man ausschließlich Urlaub machen. Doch diese Region rund um die „Hohe Tatra“ hat so viele Sehenswürdigkeiten, daß man dieses schöne Hotel leider auch verlassen muß ...

 

 

 

Freigegeben in Polen
weiterlesen ...
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Krakau20.6.2011 181

Was man sich so von Märchen, Sagen und kindlichen Traumbildern über die Zwerge im Bergbau phantasievoll zusammenreimen mag, das ist an einem Punkt dieser Erde Realität. Bis hinunter auf eine Tiefe von 327 Metern unter der Erde. In einer Gesamtlänge an Stollen von über 300 Kilometern. Alles Bergwerksstrecken unter der Erde mit 3000 sogenannten Kammern. Dieser einzigartige Ort auf dieser Welt ist das Salzbergwerk Wielicka im südlichsten Polen. Keine zehn Kilometer vom Zentrum Krakaus entfernt. Ein historisches Kulturgut erster Klasse. Ein Besuchermagnet, der jährlich von gut einer Millionen Touristen besucht wird. Eine Welt des Salzes abseits von der üblichen Welt unter unserer Sonne. In einem nuklearen Ernstfall hätten die Stollen und Säle wohl ausreichend Platz für die sichere Unterbringung aller Krakauer. Aber aus diesem Grund wurde dieses Salzbergwerk einstens nicht gebaut. Der geologische Ursprung für Wieliczka startete vor 13,5 Millionen Jahren. In jenem Erdzeitalter Miozän. Damals begann die Kristallisation des Meerwassers. Eines Meeres, das ganz Europa überflutet hatte. Mit der Hebung der Erdoberfläche und der Geburt der Karpaten lagerten sich diese Salzkristalle in der sogenannten vorkarpatischen Senke ab. Hunderte Meter unter der Erde in Form von gigantischen Blöcken von Steinsalz. Da Salz für die Menschen so teuer wie Gold war, begann man in Wielicka bereits 3500 Jahre vor Christus mit der Gewinnung von Salz. Die erste Salzgewinnung erfolgte durch das Sieden der Sole aus den salzhältigen Quellwässern. Als dann diese Salzsole auf der Erdoberfläche versiegte, begannen die Menschen erstmals unter die Erde zu graben.

Es war tiefstes Mittelalter im 13. Jahrhundert nach Christus, in welchem der älteste bekannte Schacht, der sogenannte Goryszowski- Schacht gegraben wurde. Von da an gruben die Bergleute ununterbrochen weiter in die Tiefe und in die Länge tief unter der Erde. In den 900 Jahren des ununterbrochenen Grabens wurden neun Solen in Tiefen von 64 Metern bis zu 327 Metern angelegt. Diese gewaltigen Steinsalzblöcke im Inneren der Er-de wurden in mühevoller händischer Schwerstarbeit ausgehöhlt. Der Abbau dieser gewaltigen Salzblöcke zog sich vielfach über mehrere Bergbaugenerationen hinweg. Über hölzerne Hebegeräte wurden auch Pferde in die Stollen herabgelassen. Diese armseligen Vierbeiner waren somit zum Transport der Salzstücke unter Tag „verdammt". Im 17. Jahrhundert gab es bereits über 100 Pferde in dem langen Stollensystem. Das permanente Sickerwasser führt bis in die Gegenwart immer wieder zu zahlreichen Überflutungen. Auch Brände durch das oftmals auftretende Methangas gehörten zum Grubendasein. Im Unglücksjahr 1644 wütete das Feuer in den Stollen gleich acht Monate lang. Immer wieder gab es auch Aufstände der Bergmänner gegen die Besitzer des Salzbergwerkes. Im Jahr 1690 wurde der größte Aufstand vom Heer niedergeschlagen. Prügel- und Todesstrafen wurden damals verhängt. Und immer wieder kam es zu Unfällen, wobei Bergmänner starben. Der gefährliche Beruf der Bergleute erbringt, daß diese Menschen traditionell gottgläubiger und frömmer sind als andere Zeitgenossen. Es ist seit jeher Sitte, daß an jedem Unglücksort unter Tag, ein Kreuz aufgestellt wird. So baute man unter Tag auch Kapellen für die Abhaltung von Gottesdiensten.

Neben dem Abbau des Steinsalzes gestalteten die Bergleute in den 900 Jahren der Bergbautätigkeit in den einzelnen Kammern und Höhlen die verschiedensten Skulpturen aus Steinsalz. Am imposantesten ist die Kapelle der sogenannten Hlg. Kinga, die ab 1896 in einer Tiefe von 101 Metern unter der Erde entstand. Eine riesige Höhlenhalle mit zahlreichen Skulpturen aus Salz. Auch der Mosaikboden ist wie alles andere auch zur Gänze aus Steinsalz gefertigt. Die Hlg. Kinga ist die Schutzpatronin der Salzbergmänner. Insgesamt wurden in diesem Salzbergwerk über all die Jahrhunderterund7,5 Mill. Kubikmeter Salz gewonnen. Nur drei Prozent aller Stollen, Seen und Kapellen beinhaltet die sogenannte Touristenroute, welche die prunkvollsten Bereiche beinhaltet. Über hölzerne Treppen geht es einmal in eine Tiefe von 64 Metern. Sommer und Winter hat es hier immer konstant 14 Grad Celsius. Auf Sohle I gelangt man in den Schacht Danilowicz. Auf nahezu zwei Kilometern der speziellen Touristenstrecke durch ein hell erleuchtetes Stollensystem geht es weiter bis in eineTiefe von nahezu 140 Metern. Dabei werden 22 Kammern mit einem Führer durchwandert. Überall in den einzelnen Kammern gibt es kunstvolle Skulpturen aus Steinsalz. Gefertigt in all den Jahrhunderten von den Künstlern unter den Bergleuten. Dazwischen immer wieder auch historische Darstellungen und Modelle betreffend der einstigen Bergbauarbeit hier in diesem Bergwerk. Jede einzelne Kammer ist nach historischen Ereignissen und nach Personen benannt. So auch die Kammer „Weimar" als Erinnerung an das Jahr 1790, als Johann Wolfgang von Goethe den Fürsten von Weimar hinunter in diese salzige Stollenwelt begleitete. In einer Tiefe von 123 Metern gibt es die Kammer des Witold Budryk. Hier wurde ein Restaurantbetrieb mit perfekter Küche installiert. Ein Ort zum Ausruhen und zugleich für ein herrliches schlesisches Bier.Um den Salzgeschmack „wegzuschwemmen". Schlußendlich hat man während der Stollenwanderung ja oftmals vom Salz an den Wänden verkostet.

Gleich neben dem Restaurant befindet sich die gigantische Kammer Warschau mit einer Länge von 54 Metern, einer Breite von 17 Metern und einer Höhe von 9 Metern. Das Resultat des Abbaues von gut 20.000 Tonnen Salz. Diese Kapelle Warschau ist seit Jahren Austragungsort von Konzerten, Sportveranstaltungen und Bällen. Ein einzigartiges Ambiente in einer Salzwelt. Auch in der Jan Haluszka Kammer in einer Tiefe von 135 Metern werden Bankette, Konferenzen und Bälle zelebriert. Wohl tiefgreifende Veranstaltungen mitten im Salz und so weit unter der Erde. Nicht nur imposant, sondern auch gesund. Ein ideales Klima gegen Asthma, Allergien und alle Bronchialerkrankungen. Demnach wurde hier auch ein einzigartiges Heilzentrum in den Salzkammern Wessel und Stall Ostberg 135 Meter unter der Erde eingerichtet. Für Heilaufenthalte über einen Tag, eine Nacht oder eben länger. Tag oder Nacht ist hier unten sowieso gleich. Mit einem Bergwerkslift geht es dann wieder in Richtung Sonne.

Info unter [link] www.kopalnia.pl.

Freigegeben in Polen
weiterlesen ...
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Gut fünf Millionen Menschen aus 80 Ländern der Welt kommen jährlich nach Tschenstochau, dem polnischen Czestochowa. Um die weltbekannte Schwarze Madonna zu sehen und zu beten. Gebete gegen Krankheiten, Unheil und Tod. Gut 200.000 davon sind „richtige" Pilger. Menschen, die auf Wanderwallfahrten bis zu 20 Tage unterwegs sind und gut 600 Kilometer zu Fuß zurücklegen. Diese „unendliche Zeit fürs Ewige" habe ich noch nicht. Demnach kam ich kurzfristig gemeinsam mit dem steirischen Landeshauptmann Mag. Franz Voves und dem Mariazeller Bürgermeister Helmut Pertl samt Delegation nach Polen. Genau an jenem dritten Todestag von Papst Johannes Paul II., Karol Wojtila nach Tschenstochau. An diesem verregneten Gedenktag dürften wohl noch mehr Menschen das Paulinerkloster auf dem Berg Jasna Gora bevölkert haben, als an „normalen Tagen". Mariazell und Tschenstochau verbindet seit Jahren eine sehr intensive Partnerschaft im Rahmen der „Shrines of Europe". Speziell der Mariazeller Bürgermeister Helmut Pertl engagierte sich über die „Partnerschiene" Tschenstochau, daß der heutige Papst Benedikt nach Mariazell kam und nun in diesen Tagen auch per Dekret „Ehrenbürger von Mariazell" wurde. Wenngleich der Papst ohnehin als irdischer „Stellvertreter" automatisch ja zumindest Ehrenbürger aller christlichen Gemeinden sein könnte.

Jedenfalls hat die kleine Gemeinde Mariazell mit ihrem mehr als rührigen Bürgermeister Pertl dies geschafft. Die kirchlichkommunalen Verbindungen zwischen dem Steirer Helmut Pertl und dem polnischen Kollegen Stadtpräsident Tadeusz Wrona laufen bestens. Demnach hatten wir auch bei unserer Tschenstochau-Visite jegliche Präferenzen, so schnell und nah wie nur möglich, an die Schwarze Madonna heranzukommen. Aus den Reihen der Tschenstochau-Besucher hört man viele deutsche Dialekte heraus. Ansonsten wurde das „Deutsche" in der heutigen Woiwodschaft Schlesien nach dem letzten Krieg „vergessen". Im Jahre 1526 kam Schlesien unter die Habsburger- Herrschaft. Dann 1675 wurde das Gebiet österreichische Provinz. Kaiserin Maria Theresia brachte es dann fertig, nicht nur mit „ihrem" Preußenkönig einen Krieg zu führen, sondern diesen auch zu verlieren. Im Frieden von Breslau 1742 "wanderte" sodann Schlesien von Österreich nach Preußen. Nach weiteren zwei „schlesischen Kriegen" und dem Frieden von Hubertusberg verblieben die schlesischen Kreis-Regionen Trypo und Teschen bei Österreich. Im Jahre 1849, nachdem Österreich ohnehin die Vorherrschaft im Deutschen Reich verloren hatte, wurde dieses Österreich-Schlesien zum eigenen Kronland erhoben. Das ist alles Vergangenheit. Mit der totalen Slawisierung Schlesiens hatte das damalige kommunistische Polen nach 1945 einen restlosen Schlußstrich mit der „germanischen" Vergangenheit gemacht. In friedlichen Gedanken erfährt man in Tschenstochau wiederum kriegerische Geschichte.

Im Jahre 1220 wurde Tschenstochau erstmals erwähnt. Im 14.Jahrhundert war die nach deutschem Recht errichtete Stadt ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Der nahe Berg Jasna Gora wurde von Paulinermönchen besiedelt, denen Prinz Ladislaus von Oppeln die Pfarrkirche der Hlg. Jungfrau Maria überließ. In Folge wurde das Kloster errichtet, das mit gewaltigen Befestigungsanlagen versehen wurde. In den kriegerischen Jahren 1655 gegen den Schwedenkönig, 1702, 1704, 1705 gegen die Schweden, weiters gegen die Russen und gegen Napoleon. Nach Napoleons Niederlage wurde die Festung von russischen Truppen eingenommen und die Wehranlagen demoliert. Das Gnadenbild der Muttergottes von Jasna Gora wurde mit dem Schicksal Polens eng verknüpft und mehrfach gekrönt. Erstmals durch König Jan Kazimierz, der die Mutter Gottes zur Königin Polens ernannte. Im Jahre 1717 wurde das Gnadenbild erstmals und 1910 zum zweiten Mal gekrönt. 1920 erklärte man das Gnadenbild wieder zur Königin Polens. Die Gelübde wurden 1956 durch Kardinal Stefan Wyszynski und 1979, 1983, 1987, 1991,1997 und 1999 durch Papst Johannes Paul II. erneuert. Das Gnadenbild brachte jedenfalls den Polen ausreichend Kraft für den Aufstand gegen den Kommunismus und für die Freiheit in Danzig. Tschenstochau ist somit in den Herzen der Polen die „geistige Hauptstadt ihres Landes". Das Gnadenbild selbst ist eine byzantinische Ikone aus der Zeit des 6. bis 8. Jahrhunderts n. Chr. Nach einer alten Legende wäre das Gnadenbild auf ein Türblatt der Hlg. Familie gemalt worden. Hauptablaßfeiern gibt es am 3. Mai, 16. Juli, 15. August, 26. August, 8. November und 12. November. Aufgrund der Initiative des Tschenstochauer Stadtpräsidenten Dr. Wrona wurde Mariazell in die Arbeitsgemeinschaft der großen europäischen Wallfahrtsorte aufgenommen. Neben diversen Kooperationen auf dem medizinischen Sektor wurde in Tschenstauchau auch eine österreichische Bibliothek eingerichtet, wobei in letzten Jahren 800 Bücher aus der Steiermark dieser Bibliothek zur Verfügung gestellt wurde. Eine politische Delegation hat es immer eilig. Demnach lenkte uns der polnische Busfahrer in Richtung Norden nach Lodz. Hier war immer Polen. Hier war nie Schlesien.

Lodz war einstens die europäische Textilmetropole. Riesige Textilfabriken im Zentrum der Stadt schafften Geld und Brot. Apropos Brot! Das kulinarische Angebot in den zahlreichen Restaurants bezieht sich vielfach auch auf traditionelle regionale Gerichte. Perfekt die Pastete mit Waldpilzen nach altpolnischer Art. Die extrem kleinen schlesischen Kartoffelklöße, etwas ungewohnt aber dennoch zur Rindsroulade recht lecker. Polen hat insgesamt den Wiederaufbau nach dem Kommunismus recht bitter nötig. Etliche Jugendstilbauten aus der Zeit vor dem I. Weltkrieg blieben vorm kommunistischen Plattenbau-Wahn gottlob verschont. Eine Jugendstil-Fabrik im Herzen von Lodz bekommt nun neues Leben durch den Einbau eines 5-sternigen Hotels. Mit dabei im gewaltigen Umbau österreichische Firmen. Schließlich wird Polen als neues EU-Land „gesponsert". Investoren und Ideenträger werden von den polnischen Regionalpolitikern derzeit umschwärmt. Besonders wenn sie aus Deutschland und Österreich kommen. Weil es geht immerhin um Leistung, Arbeitsmoral und Geld. Dazu spricht man auch gerne wieder deutsch.

Freigegeben in Polen
weiterlesen ...
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

Die polnische Fluglinie Lotnicze, kurz „LOT" fliegt zweimal täglich die Strecke Wien-Warschau. Als Umsteigflughafen auch für Flüge mit der „LOT" nach Minsk, Kaliningrad und speziell Hanoi präsentiert sich das Drehkreuz Warschau. Seit 2003 ist die „LOT" Mitglied im Luftfahrtbündnis „Star Alliance" gemeinsam mit Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines. Für die „LOT" ein Zeichen höchster Qualität bei Technik, Kundenservice und Logistik. Der Heimatflughafen der polnischen Fluglinie „LOT" ist der internationale Flughafen in Warschau. Der sogenannte „Frederic- Chopin-Flughafen" in der polnischen Hauptstadt. Hier im Osten Europas ziehen die Wolken schneller über den Horizont. Dazwischen immer wieder eine Sonne, die wärmt. Wie die Epochen der Geschichte Polens. Von den schwedischen Königen bishin zu den vielen Kriegen, Tod und Zerstörung. In Folge NSHolocaust, Sowjet-Terror und Auflehnung gegen den Kommunismus. Mithin als Start für eine neue Ordnung in Europa. Getragen von Kräften, die wohl in jenen Wolken über Polen liegen. Durch den tiefen Glauben an Gott durch die katholische Kirche und die Bewunderung an die Klavierklänge von Frederic Chopin. Breit und majestätisch zieht sich die „Krakowskie Przedmiescie" durch die Warschauer Altstadt. Hier stehen in beeindruckender Vielfalt die multimedialen Chopin-Bänke. Steinerne Bänke mit eingezeichnetem „Spazierwegtatoo" und einem Metallknopf für den akustischen Start einer originalen Chopin-Serenade. Die Klänge von Chopin und die Gebäude rundum lassen die Gegenwart vergessen. Weitaus mehr als in jeder anderen Stadt auf dem Globus durchstreifen ausgesprochen hübsche Frauen auf ausgesprochen hohen High Heels (Stöckelschuhen) die Warschauer Innenstadt. Anmutig, stolz und mit unverklemmter Lebensfreude. Chopin hat schon damals gewußt, warum er so gerne in Warschau lebte und komponierte. Heute und mehr denn je ist Frederic Chopin der Star in Warschau.

Die Menschen im Jahre 2011 sitzen auf den steinernen Bänken, drücken die Metallknöpfe und lassen sich in die musikalische Welt von Frederic Chopin entführen. Die Gegenwart verschwindet und kürzt sich ein in die Vergangenheit. In die Zeit, in welcher die Familie Chopin nach Warschau kam. Frederic Chopin wurde offiziell am 1. März oder inoffiziell am 22. Februar 1810 in Zelazowa Wola unweit von Warschau geboren. Die Mutter Justyna Chopin, eine polnische Landadelige überbrachte jahrelang ihrem Sohn immer am 22. Februar die Geburtstagswünsche. Offiziell war als Geburtstag der 1. März 1810 eingetragen. Der Vater Mikolaj Chopin war Franzose und Französischlehrer. Dessen Vater wiederum war aus Lothringen nach Polen ausgewandert, kämpfte gegen die Russen und verdingte sich als Hilfsarbeiter auf einem Landgut. Dort konnte sich eben sein Sohn Mikolaj durch die Tochter des Hauses, Justyna gesellschaftlich „hinaufheiraten". In jenem Jahr 1810 zog also die Familie Chopin nach Warschau. Der Vater erhielt nämlich an einem Warschauer Gymnasium eine Stelle als Französischlehrer. Frederic Chopin begann im Alter von sechs Jahren mit dem Klavierspielen. Noch vor dem achten Lebensjahr startete Frederic mit dem Komponieren. Musikalisch so perfekt, daß dieses Wunderkind Chopin sehr bald in den Salons der Warschauer Aristokratie und bei Konzerten auftreten mußte. Hier im Zentrum der Stadt erlebte und liebte Frederic Chopin sein Warschau. Als überaus bekannter „Pop-Star" in seiner Zeit. Die Chopin-Bänke aus Stein stehen gerade dort, wo dieser Musik-Star einstens ganz besonders oft verweilte. Das Drücken der Metallknöpfe an den Bänken läßt die Warschauer Altstadt zu einer kleinen Klangwolke werden.

Die Warschauer Innenstadt ist somit mit Frederic Chopin und seiner Zeit verwoben. Und Frederic dürfte mit den überaus hübschen Mädchen und Frauen der Stadt so manche Liebesabenteuer gepflogen haben. Sein Herz hat Chopin sprichwörtlich in Warschau gelassen. Es ruht in der Heilig-Kreuz-Kirche. Zahlreiche Touristen und Chopin-Freunde nutzen den Audio-Führer in zahlreichen Sprachvisionen auf Chopins Spuren unter [link] www.um.warszawa.pl/chopin2010. Gleich 14 Objekte sind dabei angeführt. Nur mehr ein Fragment der Arkade erinnert an den Saski Palast. Hier wohnte die Familie Chopin vom Herbst 1810 bis 1817. Frederic erlebte hier die ersten Jahre seiner Kindheit als Wunderkind. In diesem Jahr 1817 zog die Familie Chopin in den Kazimierowski- Palais. Mittlerweile hatte Frederic neben der älteren Schwester Ludwika auch die jüngeren Schwestern Izabela und Emilia. Frederic Chopin wohnte hier bis 1827. Das Musik- Genie Chopin studierte mittlerweile am Konservatorium. Im Jahre 1827 zog die Familie Chopin im Czapski- Palais (früher Krasinski-Palais) ein. Ab 1829 bis 1831 pendelte Frederic Chopin zwischen Warschau, Wien und Paris und wurde zum europäischen Musikstar seiner Zeit. Im Jahre 1831 gab es in Polen die großen Aufstände gegen die russische Vorherrschaft. Demnach verblieb Chopin in Paris. Dort gab er zahlreiche Klavierkonzerte. Zwischen all den Erfolgen fand er 1837 einen Lebensknick durch die unglückliche Liebe zur 18jährigen Maria Wodzinska. Es war dann die weitaus ältere Schriftstellerin George Sand, die ihn aus diesem Tief emporholte. Der an Tuberkulose erkrankte Frederic Chopin verweilte auch einige Monate mit George Sand und deren Kindern in der Kartause von Valdemossa auf Mallorca. Über diese Eindrücke veröffentlichte George Sand den Roman „Ein Winter auf Mallorca". Die Verbindung zwischen George Sand und Frederic Chopin endete 1847.

Am 17. Oktober 1849 verstarb Frederic Chopin an der Tuberkulose in seiner Pariser Wohnung. Chopin wurde in Paris begraben. Seine Schwester Ludwika brachte das Herz ihres Bruders in einem Gefäß nach Warschau. 1878 wurde die Urne in einem Pfeiler der Warschauer Heilig-Kreuz-Kirche eingemauert. Frederic Chopin „lebt" im heutigen Warschau nach der kommunistischen Zeit mehr denn je. Im herrlichen Lazienki Park gibt es jeden Sonntag von Mai bis September jeweils von 12 bis 16 Uhr Chopin- Klänge. Ein gewaltiges Fundament rund um das Genie Frederic Chopin präsentiert das neu adaptierte Frederic Chopin-Museum. Unter Einbindung modernster Technik lebt hier Frederic Chopin auch akustisch voll auf. Einzig im stillen Umfeld zeigt sich die Totenmaske dieses Mannes, den die Menschen schon zu Lebzeiten als Genie bezeichneten.

 

Freigegeben in Polen
weiterlesen ...