Süd Ost Journal

Auf der Suche nach den Kraftwegen der Natur, barocker Lebensfreude, „gestandener Kulinarik" und der legendären „Hirschbirn" ommt man unweigerlich ins Pöllauer Tal. Ein Naturpark-Erlebnis der sinnlich, anderen Art. Auf einer Fläche von gut 122 Quadratkilometern. Ein ruhig schlagendes Herz im östlichen Teil der Steiermark, umrahmt von Stubenberg, Anger und Miesenbach. in Naturpark als Netzwerk von sechs Gemeinden: Sonnhofen, Saifenboden, Rabenwald, Schönegg, Pöllauberg und mittendrin Pöllau. Dem kirchlich-barocken Zentrum mit dem allergrößten Dom der Steiermark. Und dem nicht minder legendären Pfarrer Raimund Ochabauer als Tourismuschef, Buchautor und „Don Camillo" von Pöllau bekannt. Bürgermeister „Peppone", alias Rupert Flicker ist die ommunale Pöllauer „Zugmaschine". Mein persönlicher Reiseführer beim „Herumhirschen" durch die „Wunderwelten" dieses Naturparkes Pöllauer Tal. Und da wären wir wieder einmal bei der „Hirschbirn" . Und weil weder in Pöllau, noch sonst wo in der Steiermark immer die Sonne scheint, war dieser Reportagentermin eher feucht. „Zwecks der Gesundheit" nutzten wir demnach im Berggasthof König in Pöllauberg

gleich einmal vorweg die Gelegenheit, um mit der flüssigen " Hirschbirn" ein wenig näher in Kontakt zu treten. Der wunderbare Schnaps hat

von der Namensgebung nicht im Entferntesten was mit einem Hirsch zu tun. Bis vielleicht auf einige der Jäger, die ohne ihre „Hirschbirn"

keinen Hirschen erwischen würden. Der Begriff „Hirschbirn" hat im Pöllauer Tal eine speziell eigene Form der verwurzelten südbairischen

Dialektik gefunden. „Hirsch" heißt nämlich Herbst. Somit ist dies eine ganz spezielle Herbstbirne. Die „Hirschbirnbäume" werden hier seit über 200 Jahren angepflanzt. Zudem noch viele andere Sorten Obst, wie „runde Birnen", Williamsbirnen, Zwetschken, Marillen, Kirschen und Äpfel. Die Obstspezialitäten aus Pöllau waren schon zu Kaisers Zeiten begehrt. Am Wiener Hof ebenso wie in den Großstädten Deutschlands

und gar in Asien. In Fässern wurde das fruchtige „Gold" aus dem Pöllauer Tal verschifft. Entsprechend der historischen Aufzeichnungen gab es im Pöllauer Tal im Jahre 1829 gleich 518 verschiedene Apfelsorten. Die einzelnen Bauern produzierten rundum Dörrobst oder eben Schnäpse. Nahezu bei jedem Bauern kann man hier selbstgebrannte Schnäpse verkosten. Grandios aromatisch ist halt die „Hirschbirn", das besondere Markenzeichen aus dem Pölläuer Tal. Neue Birnbäume werden mittlerweile wieder gepflanzt. Auch die Dörrobst-Produktion wurde aktiviert und findet gute Absatzmärkte. Besser ein Betthupferl aus Dörrobst von Pöllau, als ein Kaugummi, das ist hier die Devise. Schon vor weit über 100 Jahren war das Pöllauer Tal eine beliebte Stätte für die althergebrachte Sommerfrische. Mit wunderbarer Luft, kristallklaren

Bächen, Fischteichen und einer wunderschönen Pflanzenwelt. Im Berggasthof König in Pöllauberg waren speziell die Wallfahrer und

Pilger angesagt. Neben dem erstmals 1628 als Taverne erwähnten Gasthof befindet sich die gotische Wallfahrtskirche. Errichtet in den

Jahren 1340 bis 1375. Gewidmet der Hlg. Maria für alle Marienwallfahrten, wie zum Bespiel am 17. März. Wallfahrer und Touristen genießen im Blumendorf Pöllauberg jene gewaltige Blumenpracht, die der Gemeinde schon allerhöchste Auszeichnungen einbringen konnten. Die Küche im Berggasthof König präsentiert Carpaccio vom Almochsen (8,60) und den aus „Grundners Kulinarium" bekannten Schweinsschopfbraten, gefüllt mit gedörrten Pöllauer Hirschbirnen und Serviettenknödel (7,90). Weiters aus „ Aufgegabelt in Österreich"

Styria Beef Roulade, gefüllt mit Schwammerln und gedörrten Hirschbirnen mit Sauce und hausgemachten Bandnudeln (13,90). Nach einer weiteren „Hirschbirn" geht es in Richtung der elf Themengärten rund um die Wallfahrtskirche. Wie etwa Fasangarten, Liliengarten, Kräutergarten, Weingarten, Schnapsgarten, Blumengarten, Wassergarten usw. Kurzum ein wunderbares Erlebnis. Weiter führt der Weg ins Pöllauer Tal. Hinein in den unendlich großen Naturkraftpark mit den 22 Erlebnisstationen für die Sensibilisierung der Sinne. Für neue Erfahrungen und Zugänge für Hören, Sehen, Tasten, Riechen und Schmecken. Die Blätter der Bäume bewegen sich im Windspiel. Fleißige Bienen und zarte Schmetterlinge bewegen sich in ihren ungestörten Abläufen der Natur. Pilze wachsen entlang der Pfade. Dazu ein Duft des Waldes, der Pflanzen, der Pilze und der Bäche. Barfuß hier in diesem Naturkraftpark in der sogenannten Hinterbrühl ist Erlebnis pur. Die Füße dann im kalten und klaren Wasser der Pöllauer Saifen oder einem der anderen Bäche hier im Naturpark bringt das Leben wieder in neue Formen. Wer Glück hat, der kann im Bach gar noch einen Steinkrebs beobachten. Forellen und Schleien gibt es genug. Sie zanken sich im Wasser um die paar Krümmel Brot, die von der Speckbrotjause ins Wasser fallen. Nach einer kleinen „Hirschbirn" ist Kultur angesagt.

Nämlich die riesige barocke Stiftskirche aus dem 17. Jahrhundert. Nahezu eine Kopie des Petersdoms im Vatikan. Ein architektonischer

Ausdruck barocker Glaubens- und Lebensfreude des damaligen Chorherrenstiftes. Besonders eindrucksvoll sind neben der mächtigen Kuppel auch die 9.120 Quadratmeter an Fresken im Innenraum der Kirche. Und der barocke Prälatengarten im Schloßpark mit der Hainbuchen-Allee unterstreicht die jahrhundertlange Einbindung der Natur in Klerus, Kunst und Gesellschaft von Pöllau, dieser edlen Perle der Oststeiermark. Diesmal ohne „Hirschbirn" führt der Weg weiter zu einer wunderbaren Stätte aromatischer, nußiger Düfte. Gemeint ist die Ölmühle Fandler, deren Öle weit über die Grenzen bei Feinschmeckern bekannt sind. Die 1926 gegründete Mühle hat sich auf die Produktion

feinster Öle spezialisiert. Sortenreine und kaltgepreßte Öle in 17 verschiedenen Sorten. Vom Kürbiskernöl und Erdnußöl über Walnuß- und Haselnussöl bis hin zum umwerfend feinaromatischen Macadamianußöl. Eine Wunderwelt der nußigen Düfte, durch die Julia Fandler führte. Weiter geht es in die Lebzelterei Ebner inmitten von Pöllau. Hier wird der original Pöllauer Lebkuchen in Handarbeit hergestellt. In allen Formen und Darstellungen. Als Herzerl, Krampus oder Engerl. Aber auch mit Birnen- Kletzen gefüllt und somit im Teig mit einer Extrazugabe an Honig. Dafür aber ohne Spuren eines Konservierungsmittels. Ein toller Familienbetrieb rund um süße Düfte, geführt von Therese und Hermann Ebner. Nagelneu ist in Pöllau das Jugendgästehaus mit 130 Betten. Ideal für Familien zu sehr günstigen Preisen. Mit einer ganz kleinen „Hirschbirn" trenne ich mich dann doch schweren Herzens von Pöllau. Nähere Informationen und Auskünfte erteilt der Tourismusverband Naturpark Pöllauer Tal, Tel. 03335/4210, [link] www.naturpark-poellauertal.at