Süd Ost Journal

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Nehmen wir an, da baut irgendein Staatsmann in einem Land der Welt ein Casino. Die Schönen und noch mehr Reiche kommen. Sie gewinnen, aber unter dem Strich verlieren sie so viel, daß das Casino zur tragenden Staatseinnahme wird. Daraufhin setzt der Staatsmann für all seine Untertanen die Steuern aus. Das Finanzamt wird quasi für alle Staatsbürger geschlossen und niemand zahlt mehr Steuern. Welch grandioser Traum, welch Wunsch für ein Märchen oder eine Idee für eine andere Welt. Mitnichten. Diese Wunschwelt hat auch auf unserem Planeten ihre Wirklichkeit gefunden. Allerdings nur gültig für 32.000 Menschen, für die Einwohner von Monaco. Auch Monegassen genannt. Vielleicht kommt von hier spaßhalber auch das Wort „Moneten?" Sonne das ganze Jahr, schönste Eindrücke von der Cote d'Azur mit dem herrlich tiefblauen Wasser des Mittelmeeres. Das allein wäre ja schon für Lebensglück und Zufriedenheit genug. Doch das Gute bekommt noch immer was dazu. So spielt es sich halt auf dieser Welt.

Jedenfalls schuf Fürst Charles II. im Jahre 1869 die Besteuerung seiner Untertanen ab und ließ dafür das Casino errichten. Vom berühmten Architekten Charles Garnier, nach dessen Plänen auch die Pariser Oper errichtet wurde. War der Casino- Bau damals eine Vision oder Verrücktheit? Jedenfalls war dann noch jener Milliardär Francois Blanc und dessen Gattin Marie, die vom Casino- Projekt restlos begeistert waren und mitfinanzierten. Mit all dem Prunk der damaligen baulichen Vorstellungen wurde das Casino samt dem Opernsaal in Monte Carlo errichtet. Mit den schweren Bronzeleuchtern, den bunten Glasfenstern und den in Gold gehaltenen Wandelementen. Faszination und Magie, wie aus einer anderen Welt, spielten sich in das Casino ein. Dazu gegenüber das legendäre Cafe de Paris, die Gärten und Springbrunnen. Jahre vorher standen hier noch Olivenbäume.

Zum Auftakt der „wilden 20er Jahre" wandelte der Architekt Henri Schmit die Räumlichkeiten in den Stil der sogenannten „Belle Epoque" um. Mittlerweile hatte auch die Künstlerwelt das Casino in Monte Carlo voll entdeckt. Unter Aristokraten, Politiker, Kriegsgewinnler und Industrielle mischten sich oft und gerne Picasso, Cocteau und Diaghilev. Die reiche Welt hatte mittlerweile die Cote d'Azur, eben Monaco und Nizza voll erobert. Um die Wintermonate in angenehmen Milde an der Küste zu verbringen.

Nach dem II. Weltkrieg bekam das Casino einen weiteren Quantenflug. Ab 1950 stellte sich auch hier die Filmwelt ein. Der französische Film hatte die Cote d'Azur als Lieblingsdrehort entdeckt. Und die Schauspieler errichteten an der Küste ihre privaten Domizile. Im Casino oft und gerne gesehene Gäste auch Marlene Dietrich, Coco Chanel, Josephine Baker, Salvador Dali usw. Und der Erfolg des Casinos in Monte Carlo geht in steigenden Emotionen weiter. Freude und Leid, Tränen der hellsten Begeisterung und des tiefsten Unterganges flossen hier über all die Jahre in Bächen. Inmitten der großen Säle die traditionellen Roulette- Tische mit den Croupiers und den Spielern. Ein wenig im Abseits, Reihen von Automaten, die gierig Euro um Euro „fressen". Von irgendwoher klingelt dann wieder der Euro-Regen musikalisch-metallisch aus der Spielmaschine heraus. Der klingelnde Gewinn ermutigt dann wieder all die anderen, es noch einmal zu versuchen. Bis dann wahrlich alle Taschen leer sind. Viele kamen als reiche Männer, viele gingen als arme Schlucker nach Stunden dann das Portal hinab. Das Casino hat auch tagsüber geöffnet. Zehn Euro beträgt der Eintrittspreis pro Person in die „heiligen Hallen" von Geld, Gewinn und Verlust. Bevor es Abend wird, sind es vorrangig Touristen aus aller Welt, die hier Atmosphäre schnuppern wollen. Die einstige Krawattenpflicht ist mittlerweile gefallen. Gut ein Drittel der Spieler sind Frauen. Chetons im Einzelwert von 500 Euro wechseln im Minutentakt die Besitzer. An einen anderen Tisch hat in der kurzen Zeit unseres Aufenthaltes ein Mann gerade 70.000 Euro gewonnen. So schnell geht das hier. Es geht, wie immer im Leben, nur um die richtige Zahl. Für das Casino und schlußendlich Monaco passen die Zahlen.

Das knapp zwei Quadratkilometer große Fürstentum zwischen Seealpen und Cote d'Azur steht zur Gänze hinter den Grimaldis. Mit Fürst Rainier bekam der Zwergstaat einen zusätzlichen Investionsansturm. Es wird über und unter dem Berg und Fels gebaut. Der Bahnhof liegt Etagen unter den Häusern. Der Fußballplatz wurde im Obergeschoß eines Bauprojektes errichtet. Der Hafen wird weiter ins Meer hinaus gebaut und neue Stadtteile entstehen auf einstigem Meeresgrund. Die Grundstücke, falls überhaupt noch vorhanden, sind eine wahre Goldgrube. Thronfolger Louis II. hatte 1906 den Startschuß für den ersten Grand Prix von Monaco gegeben. War es eine Verrücktheit oder eine Vision? Es war und ist zumindest ein Riesenerfolg. Auch für die Vermieter von Wohnungen, Fensterplätzen und Booten rund um die Rennstrecke. Der Grand Prix beinhaltet 78 Runden mit je 3,34 Kilometer an Länge. Insgesamt also 260,5 Kilometer, die in gut 110 Minuten von den Piloten gemeistert werden. Das einzige Stadtrennen auf dieser Welt. Der mittlerweile verstorbene Fürst Rainier III. brachte mit seiner Heirat mit der Schauspielerin Grace Kelly, Monaco und die Grimaldis in die weltweite Regenbogenpresse. Grace Kelly, als Fürstin Gracia Patricia offiziell genannt, wurde von den Monegassen nahezu wie eine Heilige verehrt. Ihr steinerner Sarkophag im Dom ist heute eine Pilgerstätte auch für viele Touristen. 1982 kam die Fürstin bei einem Autounfall ums Leben. Die weiteren Jahre mit den Kindern Caroline, Albert und Stephanie waren für den Fürsten Rainier nicht leicht. Der 1958 geborene Albert wurde nach Rainiers Tod Staatsoberhaupt von Monaco. 700 Jahre Dynastie mit den Grimaldis feierte man in Monaco im Jahre 1997. Damals vor 700 Jahren waren die Grimaldis in Wahrheit Seeräuber. Am 8. Jänner des Jahres 1297 eroberte ein bestimmter Francois Grimaldi die Burg hoch über dem Meer. Als Mönch verkleidet konnte er sich einschleichen. Ziemlich blutrünstig war er auch, der erste Grimaldi. Jedenfalls haben es die Grimaldis geschafft, alles was sie wirtschaftlich anpackten, zum Erfolg zu bringen. Casino, Briefmarken, Grand Prix, Investitionen, Tourismus und viel, viel Geld. In der Festung aus dem 13. Jahrhundert, dem Fürstenpalast leben seit Generationen die Regenten. Monaco - ein wahr gewordenen Märchen...

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