Süd Ost Journal

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Markt der Sinne und Düfte am Rialto


25.4.2011VeneziaHochschober-314von Hannes Krois
Die Morgensonne durchsticht die nebeligen Schwaden über den Häusern, Palästen und Mauern von Venedig. in den Monaten von November bis Februar hat sich eine dumpfe, naßkalte Aura über die Lagunenstadt gewölbt. Die Wintermonate in Venedig geben der Stadt die entsprechende Atempause vor dem erneuten Ansturm der Touristen vom Frühling bis hinein in den Herbst. eine Atempause auch für die Venezianer. Die wenigen, die insgesamt noch in der Stadt selbst wohnen. Eine Stadt auf hunderttausenden Pfählen, die langsam von der Lagune „verschluckt“ wird. Eine Stadt, die einzigartig auf dieser Welt Leben & Tod in einem monumentalem Schauspiel aus steinernen Bauten zeigt. Das Morbide und der Hauch von Untergang und Tod bestimmen Venedig. Ebenso die Überwindung aller historischen Abläufe und Bauten einer ganzen Stadt hinein in immer neue Zeitalter. auch bis hinein in unsere Gegenwart und womöglich auch in die Zukunft. Venedig ist ein einzigartiges Mega-Spektakel der Geschichte. Die unzähligen Kanäle riechen im venezianischen Winter etwas dumpfer und morbider. Die sonne ist zu schwach, um diese ohnehin „nasse Stadt“ zu trocknen. Die diversen Hochwässer in dieser Jahreszeit überfluten schon traditionell den Markusplatz mit seinen glorreichen Cafes. im Sommer ist es hier wieder heiß und die Gelati-Läden machen ihr Geschäft. vorrangig mit den Touristen. im Winter gibt es nur ganz wenige Touristen. es sind dies die wahren Bewunderer dieser Stadt und seiner Geschichte. Bei einem Ristretto schließt man die Augen und läst sich gedanklich in die Vergangenheit versetzen. Und hinein in das Abenteuer Venedig, das der Welt zeigte, wie man eine Fluchtburg auf Pfählen in einersandigen Lagune zu einer einzigartigen Macht weit über das Mittelmeer hinaus entwickeln konnte. Im Winter stören nicht die Touristen, die in ihrer „Hektik der Lemminge“ sinnenlos und lautstark Venedig durchwandern. Seit dem Hollywood-Schinken „The Tourist“ mit Johnny Depp kommen zudem noch mehr. Den ersten Touristen-Aufschwung nach dem Winter bietet Venedig mit seinem Karneval. Eine einzigartige Demonstration der allerschönsten Masken an jedem Eck in der Lagunenstadt. Die allerwenigsten Gesichter hinter den Masken gehören allerdings richtigen Venezianern. Von überall her, auch aus Österreich, kommen die Masken, um an den Wochenenden vor dem Faschingsdienstag für die Schaulustigen und die Fotographen zu posieren. Ich kenne ein sehr engagiertes Bäckerehepaar aus dem oststeirischen Großsteinbach, das nahezu alljährlich mit wunderschönen Masken den Fasching in Venedig mitgestaltet. Die Aura von Leben & Tod bestimmt jeden Fleck dieser Stadt. Auf jedem Quadratmeter wurde hundertmal gestorben und hundertmal geboren. Und tausendfach geliebt. Denn „Bella Venezia“ war über lange Jahre auch die Hochburg der Konkubinen. Überaus schöne, gebildete und temperamentvolle Frauen. Der rege Handel und somit Geld regierten in all den Jahrhunderten Venedig weitaus mehr als andere Städte. Die Venezianer sind seit jeher Feinschmecker. Der Zugang zu Gewürzen und neuen Rezepten über die Handelswege und die feudalen Lebensformen in den geschichtlichen Palästen, formten eine venezianische Hochküche abseits zu den regionalen Gerichten der Bauern und Fischer. Diese Zugänge zur Vielfalt von Gemüse, Fisch und Fleisch je nach Jahreszeit schätzen immer noch die Venezianer sehr. Sofern man es sich leisten kann! Und der Platz in Venedig, wo diese wunderbaren Lebensmittel nach alten Traditionen seit jeher täglich über das ganze Jahr hinweg verkauft werden, ist der große Marktplatz gleich bei der Rialto -Brücke, die sich in eigenartigem Schwung über den Canale Grande spannt. Der Duft nach Käse, frischem Obst und Gewürzen lassen die altehrwürdigen Bauten „San Giacomo di Rialto“ und „Palazzo dei Camerlenghi“ vor den bunten Standln des Gemüse- und Käsemarktes erblassen. In den Holzsteigen finden sich höchst geordnet die frischen Angebote voller Gemüse und Obst. Artischockenherzen und Spargel sind bereits küchenfertig zugeputzt. Bei diesem wunderbaren Angebot der tollen Lebensmittel kochen bereits die Hobbyköche im Geiste ihre Menüs. „Das halbe Kochen ist ja das Einkaufen überhaupt!“ Hier hat sicherlich auch einstens der legendäre Frauenheld Casanova seine Erdbeeren gekauft. So rot, fruchtig und gereift. Um diese in Schokolade getunkt, der jeweiligen Geliebten zwischen die Lippen des „Kußmundes“ zu schieben. Venedig ist seit jeher eine orgiastische Verbindung zwischen Realität und Phantasie, sowie zwischen Zukunft und Vergangenheit. Und hier auf diesem Marktplatz holt man seit Jahrhunderten sozusagen die „Munition“ für leibliche Lebensfreuden. Und dann die Standln mit den herrlichen Käsesorten. Parmesan so groß wie ein LKW-Reifen. Herrlich duftende Schimmelkäse wie Gorgonzola und Dolce Latte. Weiters Pecorino, Provola, Taleggio, Vezzena, Asiago, Mascarpone, Ricotta usw. An Montagen ist der Fischmarkt leer. Die Fischer fahren an Sonntagen nicht in die Lagune hinaus. Also gibt es keinen frischen Fang und keinen Fischmarkt. Doch heute ist nicht Montag und demnach präsentiert sich auf den Regalen, auf Eis und in Bottichen alles, was es an Fischen und Meerestieren in der Lagune gibt. Seespinnen, Langusten, Krebse, Crevetten, Kaisergranaten, Jakobsmuscheln, Miesmuscheln, Austern, Meerschnecken, Vongole und Calamari, Kraken in allen Größen und alles, was die Fischwelt zu bieten hat. An Schnüren baumeln die getrockneten Stockfische im Wind. Notwendig für das berühmte „Baccala“. In Gefäßen schlingeln sich zahlreiche Aale um ihr begrenztes Leben. Auf den Pulten gibt es Dorade, Branzino, Thunfisch, Schwertfisch, Sardinen, Steinbutt, St. Petersfisch, Drachenkopf, Seeteufel, Sardellen usw. Einfach herrlich. Unweit von den Fischhändlern präsentieren die Metzger all das, was die italienische Fleischküche erfordert: Kalbfleisch, Jungrind, Fohlensteaks, Lamm, Hühner, Wachteln, Tauben und Kaninchen. Ganz Venedig ist Mittags in den Duft von Fisch und Pasta samt der Kräuter Salbei, Rosmarin und Basilikum gehüllt. Nichts wie hin!

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Mit "SeniorenReisen" in den Abruzzen

Die Abruzzen bieten auch kulinarisch so einigesVon H. Dorian Krois
Würdest du lieber am Fenster sitzen, oder doch am Gang? Ungeachtet dessen, ob 100 Personen auf das Einsteigen in den Airbus der Lauda Air warteten, diskutierte ein Pärchen gehobenen Alters die Frage nach dem gewünschten Sitzplatz fröhlich weiter. In ihrer beschwinkt sozialen Heiterkeit blockierten sie den Gang des Flugzeugs nämlich gleich mit. Die Verblüffung war auch meinem steirischen Presse-Kollegen Mag. Mario Fraiss vom „Radio Grün-Weiss“ anzusehen. Doch es war nicht irgendein Linienflug mit eventuellen genervten „Business-Menschen“, die höchstwahrscheinlich über  das „gutherzige“ Senioren-Pärchen drübergefahren wären wie ein Mähdräscher, sondern eine Charter Maschine für die „SeniorenReisen“ mit dem Ziel „Pescara“ in den italienischen Abruzzen. Ältere Menschen haben eben andere Prioritäten, darum haben sich sicher auch die Zwei, welche nach viereinhalb Minuten doch ihren jeweiligen Wunschplatz gefunden haben, eben für „SeniorenReisen“ entschieden.
„SeniorenReisen“ organisiert seit 40 Jahren im Auftrag des Pensionistenverbandes Österreich (PVÖ) für die ältere Generation Gruppenreisen in die ganze Welt. Begonnen hat alles 1972 als bescheidene Gruppenreise mit dem Bus, mittlerweile gibt es ein großes Angebot. Am bekanntesten sind die sogenannten „Treffen“ im Frühling und im Herbst, bei denen während der Vor- und Nachsaison bis zu 30.000 reiselustige Pensionisten an die schönsten Plätze Europas gebracht werden. Seit 1999 wird die Palette laufend mit Produkten wie Baden & Aktiv, Flug-, Schiff-, Kultur und Fernreisen ergänzt. Alle Reisen zeichnen sich durch ein exzellentes Preis-Leistungs-Verhältnis und einem umfassenden Service- und Versicherungspaket aus.
Bei der Ankunft am Flughafen von Pescara galt meine ganze Wertschätzung dem perfekten Abluf der Logistik. Jede Ortsgruppe des Pensionistenverbandes mit Obmann, es waren in dieser Woche Wiener, Niederösterreicher, Steirer und Vorarlberger dabei, war in Nummern unterteilt. Die Teilnehmer waren bei ihrer Ankunft nicht hilflos ihrem Gepäck überlassen, sondern es wurde vom Flughafen direkt ins Hotelzimmer gebracht. Niemand musste warten. Das ist Service. Im Bus, von gewitzten Reiseführern unterhalten, verging die Zeit sowieso schnell. Im Gespräch mit Andreas Wohlmuth, Generalsekretär des Pensionistenverbandes, war klar, das dies eines der wichtigsten Faktoren bei den „SeniorenReisen“ ist. Auch bei den diversen Ausflügen muss sichergestellt sein, dass spätestens eine Stunde nach Beginn ein WC verfügbar sein muss. Weiters ist während der Reise auch gewährleistet, dass rund um die Uhr ein österreichischer Arzt vor Ort ist. Jedenfalls wird speziell auf die individuellen Bedürfnisse eingegangen. Ich denke das ist in Europa einmalig.
„I bin dabei“ lautet das besondere Motto von „SeniorenReisen“. Geschäftsführer Otto Späll sieht darin auch das Geheimnis des anhaltenden Erfolgs: „Heutzutage sind „Pensis“ so reiselustig wie noch nie, es fehlt ihnen aber oft die richtige Begleitung.
Der Wunsch, mit Gleichgesinnten Neues zu entdecken und sich dabei auf eine perfekte Organisation mit bestem Service verlassen zu können, wird bei „SeniorenReisen“ einfach erfüllt. Aus unserer jahrelangen Erfahrung in der Organisation von Reisen für die ältere Generation entstand ein inkludiertes Leistungs- und Versicherungspaket ohne versteckte Kosten, das Seinesgleichen sucht.“ Flexibilität und Verlässlichkeit des Veranstalters eben in medizinischen oder anderen Krisensituationen  stehen für weitere Qualitätsmerkmale. Der Pensionistenverband, der hinter „SeniorenReisen“ steht, vertritt seit 1949 die Interessen der älteren Generation.
Mit seinen österreichweit ca. 385.000 Mitgliedern in 1750 Ortsgruppen ist er die stärkste österreichische Seniorenorganisation. Präsident ist seit 1999 Karl Blecha. Seit elf Jahren gewährleistet der PVÖ im Seniorenrat, dem Dachverband der großen Pensionistenorganisationen, eine starke Vertretung aller Senioren. Themenschwerpunkte sind dabei die Pensionsverhandlungen, die Regelung des Pflegegeldes, Zusatzverdienstmöglichkeiten in der Pension sowie die Gleichstellung von Frauen und Männern. Mitglieder des PVÖ erhalten darüber hinaus kompetente Beratung, Hilfe und Ermäßigungen (z.B. für Reisen, Versicherungen, Kultur- und Sportaktivitäten). Das „Frühjahrstreffen“ am zweiten Tag der Reise zelebrierte sich pompös in der Veranstaltungshalle von Pescara. Militärisch korrekt marschierten die einzelnen Ortsgruppen in die Halle ein und wurden dabei offiziell und freundlich begrüßt. Anschließend gab es ein Unterhaltungsprogramm mit typisch italienischem Flair. Die Abruzzen sind eine von „Ausländern“ bzw. Touristen noch kaum erschlossene Region, obwohl sie so einzigartig ist. Geprägt von Bergen, Hügelland und Küste, besteht die aufregende Region zu zwei Drittel aus Naturpark. Aber auch die Spuren, die die Menschen über die Jahrhunderte in der landschaft hinterließen, sind sehenswert: kleine Dörfer und Städte mit imposanten Kirchen, Burgen, Palästen und Schlössern, Kunsthandwerk nach alten Traditionen und mondäne Strandpromenaden. Auf insgesamt fünf Halbtagesausflügen haben die Urlauber die Möglichkeit, Land und Leute, sowie deren Gastfreundschaft und Spezialitäten kennen zu lernen.
Die sehr schöne Unterbringung erfolgte in den Hotels der Badeorte Silvi Marina und Montesilvano. Weiters buchten viele TeilnehmerInnen den Tagesausflug nach Rom.
Besonders interessant gestaltete sich auch der Trip an die so genannte „Trabocchiküste“, wo besonders der Fischfang forciert wird, und man die diversen Netze, die immer wieder zu Wasser gelassen werden, schon von weitem sehen kann.
Während dieser Reise war es immer interessant, die Verantwortlichen von „SeniorenReisen“, so auch Prokurist und Reise-Guru Okan Toprakci, in Gespräche zu verwickeln und zu erfahren, welch schweißtreibende organisatorische Tätigkeit dahinter steckt, um eben diesen reibungslosen Ablauf nahezu zu 100 Prozent garantieren zu können. Dafür muss Plan B und C schon fertig in der Tasche sein. Andreas Wohlmuth sagte jedenfalls zu mir: „Und wenn es bei dem Ausflug kein WC gibt, dann müssen die halt eines hinbauen!“. Die reiselustigen Senioren können sich bei „SeniorenReisen“ jedenfalls permanent in sicheren und professionellen Händen wissen. Und erleben genau deshalb Reisen, speziell auf sie zugeschnitten. Umfassende Infos unter www.pvoe.at.

 

 

 

Der kleine Ort Civitella mit Festung  Der Aufstieg auf die Festung wurde problemlos geschafft 
 Traditioneller Fischfang an der Küste  Herzliche Begrüßung im Ort "Vasto"

 

 

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In der Osteria Al MUS gibt es besondere SpezialitätenDarf es ein Glas Prosecco sein? Von Sizilien bis Sylt trägt der „Spritzig-Perlende“ zur erfrischenden Heiterkeit bei. Prosecco ist seit Jahren ein Mode-Getränk. Ob als Aperitif oder auch immer irgendwie „Zwischendurch“. Er schmeckt.
Wer ins Italienische über die Auto-Strada Tarvis-Venezia abrauscht, der hat wohl irgendeine Zeit gewonnen und dennoch viel verpaßt. Denn ab dem im Jahre 1976 durch ein Erdbeben total zerstörtem und wieder aufgebautem Gemona ist das Kanaltal wie ein Schnitt durch ein kulinarisches Schlaraffenland. Auf der einen Seite der wunderbare Schinken San Daniele, Top-Weine und Prosecco. Auf der anderen in Richtung Colli und Goriska Brda der sowohl wunderbare Karst-Pro-ciutto und Weine, daß einem Kenner die Ohren klingen. Also rasch noch vor Udine bei der Abfahrt San Daniele weg von der Autobahn und ab auf die Landstraße. Wenn man genug Zeit hat und nicht irgendwo eine Hotelbuchung auf einen wartet, dann öffnen sich die Landschaften von Friaul und Veneto in ihrer vollen Fülle. Es wäre buchstäblich eine kleine Sünde, nicht auf den Hügel „Colle Massimo“ nach San Daniele hinaufzufahren. San Daniele (Sankt Daniel) ist eine historisch geprägte Stadt mit rund 8000 Einwohnern. Eine Stadt der Kunst und der Kultur. Im Jahre 1466 wurde hier die erste Bibliothek von Friaul eröffnet. Die sogenannte „Byzantinische Bibel“ aus dem 12. Jahrhundert ist das Aushängeschild der Bibliothek. All die Fresken, welche die Erdbeben überlebten, zeigen den künstlerischen Stellenwert dieser Stadt auf.
Doch weltweit unter Feinschmeckern ist San Daniele die eigentliche Hauptstadt der Schinken. Und es ist das spezielle Klima, nämlich trockene Winde aus den Alpen und feuchte Luft von der Adria, das gerade hier einen ganz speziellen Reifeprozeß bei den Schinken bewirken. Fein geschnitten, aromatisch leicht süßlich samt weißem Fettrand und dazu in der Farbe rosabräunlich, präsentiert sich dieser herrliche Schinken. Ein Traum, der auf der Zunge spürbar zergeht. Manche wickeln den Schinken rund um ein Grissini. Ich bevorzuge jenes flaumige Weißbrot mit der reschen Kruste, das vom Friaul bis nach Palermo zu den Speisen gereicht wird. Der San Daniele überholt in Feinheit und Aroma den Parma-Schinken. Dazu einen Prosecco aus Veneto oder einen Burgunder oder Chardonnay aus dem Friaul. In den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts startete man in San Daniele mit der größeren Herstellung des Traditions-Schinkens. Mittlerweile sind in San Daniele über 30 Hersteller tätig. Die Jahresproduktion beträgt gut drei Millionen Schinken. Die Schinkenkeulen wiegen jeweils mindestestens elf Kilogramm und beinhalten Knochen und Pfote. Mit Meersalz eingerieben, reifen die Keulen mindestens acht Monate. Und danach kommt der Schinken mit einem Brandzeichen in den Verkauf. Aber auch ohne Brandzeichen würde man diesen herrlichen Schinken als San Daniele herausschmecken. Inmitten von San Daniele auf der Terrasse des „Antico Caffe Toran“ wurde wunderbarer fein geschnittener Schinken gereicht.
Immer im Sommer gibt es in San Daniele das Schinkenfest „ Aria di Festa“. Dann steht die Stadt auf dem Hügel ganz im Duft ihres wunderbaren Schinkens. 1000e Schinkenfreunde sind mit dabei. In Richtung Venezia führt die einfache Landstraße über einige Kurven nach Spilimbergo. Eine ebenso mittelalterliche Stadt mit gut 11.000 Einwohnern. Ein einstiger Lehensbesitz der deutschen Ritter von Spengenberg. Die Burganlage ist ein baulicher Zeuge dieser Zeit. Eine gediegene kleine Stadt. Spilimbergo ist die Stadt der Mosaikleger. Eine spezielle Schule für dieses Handwerk trägt einen weltweiten Ruf. An der Ortseinfahrt schon die erste kulinarische Überraschung namens „Tosoni“. Eines dieser Delikatessengeschäfte, die man mit dem Paradies verknüpfen möchte. Käse und Schinken, Pasta,  eingelegtes Gemüse, Öle, Essig, Weine usw. in besten Qualitäten aus der Region. Vor 60 Jahren war der junge Renato Tosoni mit seinem Vater und dem Eselkarren voll Käse immer zu den Märkten in Spilimbergo gekommen. Heute ist das Familienunternehmen Tosoni mit zahlreichen Geschäften der „Mercedes“ unter den regionalen Verkaufsläden mit den allerbesten Qualitäten. Der Spaziergang ins mittelalterliche Spilimbergo ist sehr empfehlenswert. In der Fußgängerzone präsentiert sich zwischen dem Ost- und Westtor der wunderbare Palazzo Monaco aus dem 16. Jahrhundert. Unter den Restaurants gefiel ganz besonders die Osteria „AL MUS C`AL SVUALE“ Ein Lokal der ganz italienischen Art. Mit herrlichem Ambiente, toller Speisenkarte und zahlreichen Gästen, die sich gleichzeitig lautstark überstimmen. Natürlich gibt es einen Prosecco auf die Einstimmung auf die nahe Prosecco-Straße. Dazu einen feinen San Daniele-Schinken mit herrlichem Weißbrot. Die Pasta mit Krabben aus der Adria und mit Pilzen schmeckt ganz hervorragend. Über die Landstraße nach Maniago, der berühmten „Messerstadt“ geht es weiter nach Conegliano, dem Start der sogenannten Prosecco-Straße, die 33 Kilometer bis zum Weindorf Valdobbiadene führt. Conegliano war in der Geschichte „Venedigs Weinkeller“. Die Straße schäumt förmlich mit Prosecco über. Je nach Produktion fruchtig, perlig, süß oder leicht und extrakttief. Aber immer schäumend. Die wunderbaren Perlen in diesem bis zu einem Maß aufmunternden Getränk wird durch die natürliche, zweite Gärung im Tank erzeugt. Ein Glas Prosecco, der wie ein Filou beschwingte Worte und erotisierende Gedanken erwachen läßt. Ein Getränk zu spontanen Sympathien und Leidenschaften. Der Begriff Prosecco hat zudem nichts mit „Secco“ (trocken) zu tun. Prosecco ist der Name einer uralten Rebsorte Venetiens im Altertum. Mittlerweile wird der Prosecco als Modegetränk von der Billig-Industrie nachgemacht.  Einzigartig sind daher die Prosecco-Schaumweine der Produzenten auf der Prosecco-Straße. Diese Aromen der Traube, verbunden mit dem speziellen Gefühlsakt zwischen Frucht und Kohlensäure machen diesen herrlich prickelnden Schaumwein aus. Die Prosecco-Straße hat ihre einzigartigen landschaftlichen Reize. Auch ohne das Gläschen Prosecco, das man hier sehr oft verkosten könnte. Doch das wäre eine Sünde! Dem DOC-Schaumwein aus dieser Region dürfen höchstens 15 Prozent andere weiße Trauben beigefügt werden. Entweder mit Verdisco, Pinot Grigio, Pinot Blanc und Chardonnay. Das Prosecco-Anbaugebiet beinhaltet insgesamt 15 Gemeinden zwischen Conegliano und Valdobbiadene. Salute!

 

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Der Weg ist das Ziel! So haben es sich die "Werbefritzen" für eine bekannte Automarke ausgedacht. Diese haben vorher wohl niemals Amalfi gesehen, erlebt und erwandert. Die Straßen nach Amalfi zur Amalfitana, der wohl schönsten und auch gefährlichsten Küstenstraße der Welt, sind nicht das Problem. Von der südlichen Oststeiermark sind es knapp 1300 Kilometer nach Kampanien ins südliche Italien. Vorbei an Venedig, Padua, Florenz, Rom und Neapel.

Vor Salerno durch die Keramikstadt Vietri sul Mare geht es dann auf die wohl engste, kurvigste und steilsteKüstenstraße, die es auf dem Erdball zu erfahren gibt. Ein Straßenbauwerk, das der Bourbonenkönig Ferdinand II. im Jahre 1840 anlegen ließ. Eine damals schon gefährliche Straße ihrer Zeit für Ochsengespanne und Kutschen. Nichtsahnend, daß hier einmal Großraumbusse permanent aneinander "vorbeischrettern" sollten. Wahrlich, es gibt hier kein einziges Auto, das nicht zerbeult, gestaucht und verkratzt die engen Kurven zieht. Und weil niemand mehr auf solch ein desolates Fahrgestell dann wirklich nochmals Acht gibt, sind so ziemlich alle Fahrzeuge auf der Amalfitana "rollende Bomben". Man kriegt die Kratzer ab, wie die Schubser beim Auto-Skooter auf den Vergnügungsparks der verflossenen Jugend.

Ist man dann einmal in Amalfi, stellt sich das eigene Auto als das übergrößte Problem dar. Erstens gibt es hier kaum Parkplätze. Sollte man dann einen solchen Glücksplatz dennoch zum Stundenpreis von drei EURO ergattern, wäre es sehr empfehlenswert, die besondere Lage des Parkplatzes zu erörtern. Erstens schmeißt hier jeder nach alter Tradition die Autotüren in die Karosserie des Nachbarfahrzeuges. Zweitens wird traditionell angefahren, was irgendwie ein wenig "raussteht". Deshalb fahren die allermeisten Italos hier kleine oder ganz kleine Autos. Und diese waren dann manchmal immer noch zu groß. Wie man an den zahlreichen Verbeulungen zu sehen bekommt.

An den Karosserien dann etwas herzurichten, ja das findet hier sowieso nicht statt. Es würde sich nicht auszahlen, würde nur an den Nerven ziehen, wenn die nächste Türe schon am nächsten Morgen wieder in die Flan ke des Blechkübels fliegt. Gelassenheit in Sachen Auto ist hier die Devise. Niemand regte sich auf, als ein abfahrender Gast auf einem Restaurant-Parkplatz vor der voll besetzten Terrasse einen nagelneuen Alfa ramponierte. Und der Unglücksfahrer fuhr einfach davon, ohne Bedauern und ohne auszusteigen. Fahrerflucht heißt das in unseren Breiten. Auf der Amalfitana ist das die Norm. Wer also aus unseren Breiten mit seinem Auto nach Amalfi fährt, der sollte sich auf einiges vorab einstellen. Eine Großpackung Nerventropfen gehört zudem ins Reisegepäck!

Wer vorhat über Tage in Amalfi zu bleiben, der hat außerhalb der Hotelanlagen eigentlich keinen Parkplatz. Bei manchen Gästehäusern gibt es kleine Autolifte, um die Fahrzeuge auf Plateau-Parkplätzen in Sicherheit zu bringen. Zwei kleine Garagen gibt es sehr wohl im Zentrum hinter der engen Fußgängerzone beim Dom. Für eine Woche zum herabgehandelten Pauschalpreis von 90 EURO werden dort die Autos wie Sardinenbüchsen eingeschachtelt. Irgendwie schafft man es dann dennoch mit ein bißchen Italienisch und mehr Englisch Lösungen fürs Parken und Entladen des Autos zu finden. Woanders ist dies wohl das geringste Probleme. Aber in Amalfi gehen in der Hinsicht die Uhren anders.

Nach der "Verschachtelung" des Autos in der einige hundert Meter entfernten Garage widmete man sich des Gepäcks, das beim "Blumenladen" bei den Stufen in die Altstadt, wohlgemerkt unter Bewachung noch wartete. Das Ziel sollte eine kleine Ferienwohnung in der Altstadt sein. Diese ältesten Bauten Amalfis ziehen sich wie Wespennester den steilen Hang hinauf. Große und kleinere Bauten, miteinander engstens verbaut. Dazwischen einige Gärten mit kleinen Bäumen voll riesiger Zitronen und Orangen. Alles miteinander baulich mit Mauern, Treppen und Durchgängen verbunden. Stiegenaufgänge mitunter so eng, daß sie gerade noch die Breite eines Erwachsenen erlauben. Wie eine über hundert Meter aufgeschichtete Wohnanlage eines modernen Architekten. Doch Steine und Häuser sind in ihren Grundfesten uralt. Weit über 1000 Jahre.

Schon im 7.Jahrhundert nach Christus war Amalfi eine gewaltige Seemacht und auch die älteste Seerepublik innerhalb des heutigen Italien. Man wetteiferte mit Genua und Pisa und konnte im Jahre 839 auch die Unabhängigkeit von Neapel erringen. Hier wurde das über Jahrhunderte gültige See- und Handelsgesetzbuch verfasst. Hier lebte der Seefahrer Flavio Goia, der im 12.Jahrhundert den Kompass erfunden hatte. Und hier schützten sich die Menschen mit ihrer "Burgsiedlung" vor den Angriffen der Sarazenen und Piraten. Man suchte auf den Hängen der Berge auch Schutz vor den Unbilden des Meeres.

In den großen Sturmjahren im 11.und 14.Jahrhundert wurden große Teile Amalfis ein Opfer der Fluten des Tyrrhenischen Meeres. Also, irgendwo in dieser Häuserburg am Hang wartete diese Mietwohnung. Die Erfindung eines Liftes war an diesem Bereich von Amalfi vorübergegangen. Und so gab es nur eine Richtung und zwar jene nach oben. Die steinernen Doppelstufen entfalteten sich in einer Steilheit einer Hühnerleiter. Ich dachte an Jesus Christus und den letzten Kreuzgang am Karfreitag. Und ob die Gepäcktaschen nicht auch so schwer wie ein Kreuz seien. Dazwischen jede Menge von neuen Wegen, Treppen und Durchgängen und die Angst, sich irgendwie falsch weitergeschleppt zu haben.

Im Prospekt des Reiseanbotes stand etwas von zentraler Lage inmitten von Amalfi. Was ja streng genommen auch nicht gelogen ist. Doch einfach unmöglich für Menschen mit Fußund Herzleiden, Asthma, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Übergewicht usw. Also nur für "pumperlgesunde" Touristen mit stählernen Muskeln. Irgendwie schafften wir es dann doch. Das Tor zur Wohnung war erklommen. Genau 180 Stufen waren es. Allerdings Doppelstufen, die ja doppelt zählen. Schön langsam sickerte wieder Leben in den geschundenen Körper. Ich blickte von der Terrasse hoch über den Dom von Amalfi hinweg. Dachte an die Reportagen, die ich über diese wunderschöne Region schreiben werde und wie oft ich diese 180 Stufen durchsteigen werde müssen. Doch, schließlich, das Ziel des Weges war fürs erste erreicht: Amalfi lag mir in all seiner Pracht und Herrlichkeit wahrlich zu Füssen.

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Urlaub am Meer war in den aufstrebenden 60er-Jahren ident mit "Bella Venezia", Caorle und besonders Jesolo. Der Himmel hang voller Mandolinen und dem Fluidum einer Gina Lollobrigida und einer Sophie Loren. Der Strand roch nach Sonnenöl, Meerwasser und Gelati. Spaghetti, Pizza, Parmesan, Spumante und Espresso wurden bekannt. Auf den Straßen röhrten die kleinen Flitzer der Italiener. Die größeren Autos gehörten den Urlaubsgästen aus Österreich und die noch größeren den Deutschen.

Jesolo, die lange Strandmeile unweit der Lagune von Venedig, wurde zum gehobenen Urlaubsdomizil. Billiger war der Urlaub an der Jugo-Küste oder an einem See in Österreich.Anfang der 70er-Jahre kam dann Leben ins internationale Tourismusgeschäft. Die ersten Charter-Flieger brachten sonnenhungrige Touristen für viel Geld nach Mallorca, Griechenland und Tunesien. Nach Jesolo kamen dafür neue Gästeschichten, welche die Strandmeilen an der oberen Adria zu ihrem "Hausmeisterstrand" machten. Bibione, Lignano, "Tschaorle" (Caorle) und besonders "Tschesolo" ( Jesolo) erfreuten sich in der Vollblüte des "Kaisermühlen- Blues".Anfang der 90er-Jahre kam die Algenplage hinzu. Mittlerweile ist alles anders. Die "Hausmeister" liegen in El Arenal oder Magaluf auf Mallorca oder in All-Inclusive-Clubs in der Türkei, Tunesien oder gar auf der Dominikanischen Republik. Überall dort, wo es viel gibt und es billig ist ­ und "Tschesolo" wurde wieder zu Jesolo.Die Inhaber der über 400 Hotels in Jesolo bemühen sich, mit mehr Qualität, Leistungen und freundlichem Service "Tourismus der Klasse statt Masse" zu vermarkten. Freilich will der rund 15 Kilomter lange Jesolo-Strand von Cortalezzo, Pineta bis nach Centro und Faro (Leuchtturm) gefüllt sein. Schließlich ist die Saison eine kurze. Von Mai bis Oktober haben die Hotels geöffnet. Da sollte also schon einiges in den wenigen Sonnen-Monaten laufen, wenn die Hotels "aperto" sind.Neben den traditionellen Familien-Urlaubern, rutschen immer mehr Manager, Geschäftsleute und sonstige Streßgeplagte das Kanaltal hinunter, um für einige wenige Tage hier Erholung pur zu tanken. Einzelne Hoteliers haben sich auf diese anspruchsvolle Gästegruppe voll eingestellt. Da gibt es neben dem familiären Ambiente und der guten Hotel-Ausstattung Anspruchvollstes in Sachen kulinarischer Verpflegung der Gäste.

Ein Beispiel ist das Vierstern-Hotel Byron Bellavista in der Nähe des Leuchtturms. Gleich im Anschluß an die Hotel-Poolanlage beginnt der Strand mit den hoteleigenen Sonnenschirmen und modernen Liegen ­ ein gepflegter Strand mit dem so typischen feinkörnigen Sand. Auf der schattigen Pool-Anlage gibt es feinstes Frühstücksbuffet und bis 12.00 Uhr täglich einen Brunch der Extraklasse. Abends dann das Wunschmenü in regionaler Spitzenqualität. Fische, Meerestiere und Muscheln aus der Lagune und Gerichte der hochklassischen venezianischen Küche sind hier alltäglich. Dabei bleibt der Hunger nach dem Strand völlig auf der Strecke.Der Strand von Jesolo ist in seiner Konzeption wirklich einzigartig.

Immerhin liegen fast alle Hotels an dieser 15 Kilometer langen Meile. Keine Straße, kein Auto, nichts, was hier stören könnte.Doch allein nur in der Sonne zu braten oder unter dem Sonnenschirm zu liegen, dafür ist ein Urlaub in Jesolo zu schade. Schließlich liegt Jesolo unweit der Inselwelt der Lagune von Venedig. Und nach Venedig selbst ist es nur ein Katzensprung. Über Cavallino und Punta Sabbioni geht es mit dem Schiff quer durch die Lagune zum Markusplatz. Bequemer und schöner geht es gar nicht, "Bella Venezia" zu besuchen. Dazu die interessante Fahrt mit dem Linienboot auf die Laguneninsel Burano mit den dort gefertigten geklöppelten Spitzen der Spitzenmacherinnen oder Torcello mit dem legendären Landgasthof des Gastronomen Cipriani, den selbst Ernest Hemmingway schon erkundete.Bekannter ist die Glasinsel Murano, wo das berühmte mundgeblasene Glas in allen Formen und Farben gefertigt wird. Ein Abstecher der besonderen Art, dafür aber sehr eindrucksvoll, ist die Begräbnisinsel von Venedig St. Michele.Jesolo bietet ein Füllhorn von Möglichkeiten, ein wunderbares Land, dessen Geschichte sowie Kultur und Gastronomie zu erforschen. Zudem eine problemlose und schöne Art der Erholung ­ eben Urlaub in aller Vielfalt in Jesolo.

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Was sind die heutigen TV-Schinken Marke „Sex in the City" gegen das Tiefgreifende, Romantische, Tragische und Verzehrende einer Liebe. Einer Liebe, die einstens ein gewisser William Shakespeare in England niederschrieb und zu einer Tragödie verarbeitete. Er nannte das Stück „Romeo und Julia". Die Stadt dieser unglücklichen Liebe sollte Verona sein. Die tragischtraurige Geschichte von Romeo und Julia wurde über die Jahrhunderte hinweg ein Zeichen für die Kraft der Liebe. Einer Liebe, die gar den Tod zu überwinden vermag. Der Nymphus des Traurig-Schönen, jener großen Liebe von Romeo und Julia weht über der Altstadt von Verona.

Touristen, unglücklich und glücklich Verliebte sowie Liebeskranke suchen seit Jahren jene Stätten auf, wo Romeo und Julia angeblich lebten und liebten. Dabei gab es vor vielen Jahren noch ein Problem. „Romeo und Julia" sind Phantasiegestalten des Tragödien-Dichters Shakespeare und Verona sollte mit seiner Altstadt die romantische Kulisse des Stücks erbringen.

Also wurden bereits im 19. Jahrhundert aufgrund der Nachfrage der Reisenden zwei der romantischsten Gebäude für die Anwesen der Julia und des Romeo auserkoren. Die „Casa di Giulietta", ein wunderschöner, mittelalterliche Palazetto in der Via Cappelo, ist seither das Haus der Julia. Weil die rührselige Balkonszene immer wieder die Frage nach dem Balkon, wo der glückselige Romeo zum Fensterln einsteigen durfte, aufwarf, wurde auch jenes Problem gelöst. Allerdings erst im Jahr 1935, als der entsprechende Balkon errichtet wurde. Für das Haus des Romeo („Casa di Romeo") fand man ein malerisches Anwesen in der Via Arche Scaligere, als Draufgabe gibt es den vermeintlichen Sarkophag der Julia („Tomba di Giulietta") im kleinen Kapuzinerkloster San Francesco in der Via Pontiere.

In Sachen Liebe sind in der „Casa di Giulietta" die Wände voll mit sehnsüchtigen Hilferufen. Tausende Inschriften und unzählige mit vorwiegend Kaugummi an die Fassade geklebte Zetteln zieren hier das „Weltzentrum der romantischen Liebe". Für all die Ratsuchenden hat Veronas Stadtverwaltung gar eine Briefkasten-Julia eingerichtet. Mehrere Mitarbeiter beantworten im Namen Julias die schriftlichen Liebes-Hilferufe aus aller Welt. Verona ist auch jährlich in Sachen Wein in der Riege der allerbesten Weinproduzenten das Ziel. „Vinitaly" nennt sich diese internationale Weinmesse, bei der die Top-Tröpferln bewertet werden.

Hinsichtlich Wein ist das Umland von Verona mit seinen Kalksteinhügeln vom Flußlauf der Etsch bis nach Vizenza Herkunftsstätte klingender traditioneller Weine: Der rote Valpolicella und die Weißweine Soave und Gambellara. Eine besondere Spezialität ist der wundersam erzeugte Recioto, dessen bekanntester Vertreter der bei Kennern hochgeschätzte Rotwein Amarone ist. In der Altstadt rund um die weitläufige Piazza Bra trifft man sich gerne, wenn die Abendsonne die wunderschönen Fresken der historischen Mauern in einen neuen Glanz versetzen. Dann ist es Zeit für einen duftenden Ristretto oder ein Glas Amarone. In den Straßencafés, allen voran im traditionellen Liston, pulsiert das Leben. Besonders, wenn es Nacht wird in Verona.

Schon 1828 hatte Heinrich Heine dies erkannt und schrieb folgende Zeilen:„Auf dem Platze Bra spaziert, sobald es dunkel wird, die schöne Welt von Verona, oder sitzt dort auf kleinen Stühlchen vor den Kaffeebuden und schlürft Sorbet und Abendkühle und Musik". Man blickt zu den Säulen und mächtigen Bögen des nunmehr 2.000 Jahre alten Amphitheaters. Das neben dem Kolosseum in Rom zweitgrößte römische Bauwerk seiner Art umschließt hier die Piazza Bra. Dort, wo sich einstens Gladiatoren gegenseitig erschlugen, Todgeweihte von Löwen und Panther zerrissen wurden und später im gar christlichen Jahr 1278 gleich 166 der Ketzerei verurteilte Menschen verbrannt wurden, ist nunmehr die Hochburg der Tenöre.

Seit dem Jahr 1913 ist diese gigantische Arena das größte Opernhaus der Welt. Im Jahr 1913 wurde hier aus Anlaß des 100. Geburtstages des Komponisten Verdi die Oper „Aida" aufgeführt. Das war der Auftakt für die mittlerweile so berühmten Opernfestspiele, die jährlich ca. 600.000 Besucher aus aller Welt nach Verona ziehen. Trotz des Erdbebens im Jahr 1183 und dem jahrelangen Steinabbau für alle großen Bauten in Verona, mißt die Arena immer noch 152 Meter in der Länge und 123 Meter in der Breite. 22.000 Zuschauer finden in ihrem gewaltigen Inneren Platz. Von Mitte Juni bis Ende August steht Verona im Zeichen von Aida, Rigoletto, Nabucco, La Traviata, Carmen, Turandot usw.

Mit seinen über 250.000 Einwohnern ist Verona ein Schnittpunkt der Verbindungen zum Brenner, Venedig und Mailand. Als Festung und wichtiges Handelsforum errichteten die Römer in der sogenannten Etschschleife ihre damaligen Bauten. In keiner Stadt in Italien, außer natürlich in Rom selbst, gibt es derartig viele bauliche Spuren des einstigen römischen Imperiums. Nach dem Untergang Roms war es der Ostgotenkönig Theoderich selbst, der hier seine Residenz aufschlug. Es folgten Langobarden und Karolinger. Im 11.Jahrhunderet wurde Verona zum Stützpunkt der deutschen Kaiser. Die grausame Ritterherrschaft der Scaliger währte bis zum Jahr 1387.

Im Jahr 1405 unterwarf sich dann Verona freiwillig der Republik Venedig. Nach Venedigs Fall gehörte Verona zum habsburgischen Oberitalien. Im Jahr 1866 wurde das Königreich Italien ausgerufen und Verona italienisch. In all den Jahren mit seinen Bauepochen entstand Verona als eine Bilderbuchstadt der Architektur. Ein Palazzo reiht sich an den anderen. Der älteste ist der Palazzo del Comune, erbaut als Zeichen der Stadtfreiheit Ende des 12. Jahrhunderts. Bombastisch ist auch der Familienfriedhof der Scaliger direkt bei der Piazza dei Signori. Eine romantische Einkaufsstraße mit eleganten Geschäften ist die Via Mazzini, die zu den ältesten Fußgängerstraßen Italiens zählt. Das malerische Marktzentrum beim Piazza delle Erbe erstreckt sich über den Platz des einstigen römischen Forums, dessen Pflaster allerdings nahezu vier Meter unterhalb des heutigen Straßenniveaus liegt. Mit seinen Bauten, seiner Geschichte und seinem Flair verlangt Verona vom interessierten Touristen Zeit, obwohl alle Bauten der Altstadt inmitten der Etschschleife liegen und somit sehr gut zu Fuß erreichbar sind. Wer für Verona die nötige Zeit mitbringt, sollte auch über die Etschbrücke „Ponte della Pietra" zur anderen Flußseite wandeln. Der Hügel San Pietro ist der älteste Siedlungskern Veronas. An Stelle der österreichischen Festung stand in der Römerzeit eine Tempelanlage. Mit Verdi, „Romeo und Julia" und Wein hat sich Verona aus der Geschichte heraus ein Image für die Zukunft errichtet. Wenngleich auch die Liebesgeschichte des William Shakespeare für die Stadt zu einem zusätzlichen Glückstreffer wurde.

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Bella Venezia! Markusplatz, Rialtobrücke, Gondeln. In der warmen Jahreszeit und am letzten Faschingswochende überfluten die Touristen die Stadt. Ein Geschiebe und Gedränge. Für Stunden haken die Touristenscharen die bekannten Sehenswürdigkeiten Venedigs ab. An den Abenden atmet dann die Stadt wieder durch. Die Venezianer lieben die Touristen und misstrauen ihnen. Eine Art von Haßliebe. Schlußendlich wissen die Menschen Venedigs, daß allein der Tourismus die Stadt am Leben erhalten kann. Venedig ist das berühmteste historische Gesamtbauwerk der Welt. Eine Stadt auf hölzernen Pfählen auf 118 Inseln mit über 400 Brücken.

Die Venezianer lieben ihre Stadt und ihre Tauben. Nicht nur in der berühmten venezianischen Taubensuppe. Seit die Tauben in ihrer Vielzahl die wunderbaren Häuserfresken mit ihrem Kot immer stärker ruinieren, hat die Stadtverwaltung das Taubenfüttern verboten. Somit sind auch die „fliegenden Händler" mit dem Taubenfutter vom Stadtbild verschwunden. Gibt es noch Mystik und Romantik in dieser Stadt? Gibt es noch ein Venedig ohne Nepp und ohne nervige Touristen? Einzig Vogelgezwitscher und hie und da das sanfte Motorgeräusch eines kleinen Bootes. So etwas gibt es! Dieser Stadtteil Venedigs betitelt sich Cannaregio.

Eine Art Insel der Seeligkeit im Nordwesten der Stadt, die der Canale Grande vom übrigen Venedig trennt. In unmittelbarer Nähe der Bahnhof Ferrovia und der „Umschlagplatz" für alle Venedig-Besucher „Piazzale Roma". Der Name „Cannaregio" leitet sich vom Schilfrohr (italienisch „canna") ab. Früher wuchs hier Schilfrohr in Massen. Im 16. Jahrhundert wurden die heutigen Kanäle, Handwerksbauten und Wohnungen für die Arbeiter errichtet. Auch das jüdische Ghetto Nuovo als eigene „Stadt in der Stadt" entstand hier. Heute verweist das Kosha-Restaurant Ghetto auf den Hausdurchgang zum historischen Ghetto Nuovo. Gut 100 Meter entfernt, wälzt sich der „Touristenwurm" über die „Ponte delle Guglie". Abseits davon nach Hausdurchgängen, Innenhöfen, einer Brücke samt der anfänglichen Angst, sich zu verirren, präsentiert sich der romantische Eingang in die neue Apartmentanlage Guglie. Top- Wohnungen in einem alten „Chiovere- Komplex". Hier direkt am Kanal wurden einstens die Stoffe für die Dogen und Adelsfamilien Venedigs gefärbt. Jetzt umschließen die sieben ebenerdigen Wohnungen einen romantischen Innenhof mit Blumen und Pflanzen. Zwei Schlafzimmer, Küche, Klimaanlage, TV samt Blick auf den Kanal inklusive. Eines der unzähligen Objekte von „Ville in Italia" [link] www.villeinitalia.at. Der italienische Spezialist für qualitativ hochwertige Ferienwohnungen in ganz Italien. Über 500 Appartements in alten Schlössern und Landgütern sowie Ferienhäuser an den schönsten Plätzen unseres südlichen Nachbarlandes.

Neu im Angebot ist sogar die Villa von Luciano Pavarotti in der Provinz Marken unweit von Rimini. Das Raumangebot der Pavarotti-Villa samt all ihren Einrichtungen samt dem 12 Hektar großen Park faßt bis zu 23 Personen als Gäste. Ein ideales Urlaubsziel für eine Gruppe oder eine nicht allzu kleine Familie. Aber jetzt zurück zum wunderbaren Stadtapartment Guglie in Venedig. Wer mit dem Auto anreist, der sollte sein Auto in einem Parkhaus in der Viale Stazione gleich neben dem Bahnhof (Stazione) in Mestre parken. Die Gebühr für einen Wochentag beläuft sich auf 8 Euro. Dann ein Ticket für 24, 48 oder mehr Stunden kaufen. Damit sind für den gewünschten Zeitraum alle Busfahrten, alle Fähren und alle Schiff- Fahrten in Venedig und auf die Inseln im Voraus bezahlt.

Mit dem Bus geht es von der Stazione in Mestre auf den Knotenpunkt Piazzale Roma in Venedig. Hier bietet die Linie 51 eine Direktverbindung zur Station Guglie. Also mit all dem Gepäck rein ins Boot und an der Bahnhofsstation Ferrovia und einigen Stationen vorbei zur Ankunftsstation Guglie. Dort trifft man sich bei vorheriger Zeitabsprache mit dem Schlüsselwart. So einfach geht es es! Nach der Zeremonie der Wohnungsübergabe atmet man die schon wieder vergessenen leichten Strapazen der Anreise schnell aus. Sehr schnell hat man Lust, das Umfeld zu erkunden. Jenes alte Stück Venedig, das gottlob die Touristen auf ihren Kurztrips nach Venedig noch nicht gefunden haben. Man taucht ein in die Stadt und findet zugleich die Kontakte zu den Einheimischen.

Nach zwei Tagen „Bon Giorno" war der Bäcker freundlicher als die meisten steirischen Bäcker, die ich kenne. Die Geschäfte schließen allesamt mittags und öffnen wiederum am späten Nachmittag oder überhaupt nicht. Und Brot gibt es nur beim Bäcker, der naturgemäß früh startet und somit auch früher sein Geschäft schließen darf. Das sollte man wissen, wenn man auf Gebäck zu Salami, Käse und Schinken steht. Hier in Cannaregio stehen noch die alten Gesetze von Leben und Lebenlassen. Die Brötchen und die köstlichen Mehlspeisen werden in der kleinen Backstube mit Freude und Lebenslust gebacken. Es scheint daß alle Bäcker zugleich auch exzellente Sänger sind. So hört es sich auch an. Im Appartement könnte man problemlos ein abendliches Gericht kochen. Doch keine 100 Meter entfernt gibt es die Osteria BEA VITA. (Fondamende delle Cappuccine). Besitzer Marco Zennaro bietet auf seinen wenigen Tischen direkt am Kanal täglich andere Spezialitäten der Region. „Heute keine Spaghetti, heute Penne!" Und die Gäste sagen beglückt „Si" zur Kellnerin. Dafür bekommt man hausgemachte Penne mit den besten Scampi und einen sehr guten Hauswein mit bester Sitzposition beim Kanal. Ein herrliches Wetter dazu als Kulisse für das Abschalten vom Alltag.

Der nächste Abend dann nochmals 100 Meter weiter im Top-Lokal „40 Ladroni" auf der Fondamenta Della Sensa (Tel. 041715736). Ein einzigartiger Innenhof. Herrliche Pasta und fruchtiger Sauvignon Blanc aus Veneto als kleine kulinarische Einblicke der gesamten Kochkünste. Auf die benachbarten Tische haben es doch einige Touristen geschafft. Wie das? Haben sie sich zu ihrem Glück verlaufen? Wer weiß, wodurch die Menschen nach Cannaregio kommen. Auf der Suche nach den unzähligen Kirchen im Schatten der anderen Prunkwerke Venedigs. Oder auf der Suche nach dem historischen Ghetto der Juden. Oder auf der Suche nach einem Stück Italien, das man ansonsten im heutigen Venedig nicht mehr zu finden glaubt. Cannaregio ist dieses Stück Venedig, an das man sich klammert, wenn man es erst einmal gefunden hat. Grazie!

 

 

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Auf 118 Inseln wurde in der Vergangenheit das Weltkultur-Denkmal Venedig errichtet. Einstens flüchteten die ersten Venezianer auf die Pfahlbauten in der Lagune. Mit dem Verstand von Kaufleuten und dem Herz von Künstlern errichteten die Venezianer ihre eigene Welt. Eine prächtige Stadt auf sumpfigen Fischerinseln. Geprägt von der Architektur von Menschen, die ganz anders waren als alle anderen. Alles was sie schufen, mußten sie erst einmal erfinden. Für Venedig gab es keine Vorbilder und keine Erfahrungswerte. Dann sollte dieses Venedig im gesamten Mittelmeerraum eine gigantische Macht werden. Unter dem Löwen-Banner der Dogen eroberten die Venezianer mit den Kreuzrittern Konstantinopel, das heutige Istanbul. Und im Jahre 1204 teilte sich Venedig mit den Kreuzrittern das gesamte byzantinische Reich unter sich auf. Doch dann kam die Katastrophe mit dem Erzfeind Genua.

In den Jahren 1378/79 vernichteten die Genuesen die gesamte venezianische Flotte. Im damaligen Bündnis mit den Österreichern und den Städten Carrara und Padua wurde die Lagunenstadt Chioggia erobert. Doch das Herz des venezianischen Löwen ließ sich nicht unterkriegen. Unter größten Anstrengungen bauten die Venezianer eine neue Flotte, versperrten die Lagune und den Porto di Lido als einzigen Ausgang zum offenen Meer. Unter ihrem Heerführer Vittore Pisani besiegten die Venezianer die Genuesen. Wie Speere richten sich die beiden schmalen Inseln Lido und Pellestrina auf die Stadt Chioggia, die „kleine Schwester von Venedig". Mit ihren Kanälen ist Chioggia ein kleines Abbild Venedigs. Eben kleiner, billiger und quasi ohne die Touristenschwärme. Dafür mit einem grandiosen Fischmarkt und ausgesprochen guten Fischlokalen.

In der nahen Mündung von Adige (Etsch), der Brenta und dem unweiten Delta des Po herrscht enormer Fischreichtum. Kein Wunder, daß der Fischmarkt in Chioggia eine kleine Sensation ist. Aber nun zurück zu Venedig und zur hochinteressanten Inseltour in der Lagune. Dazu braucht man entsprechendes geschichtliches Interesse, Zeit und gutes Schuhwerk. Als Ausgangspunkt ideal die Apartment- Anlage Guglie von „Ville in Italia" [link] www.villeinitalia.at im nordwestlichen Stadtteil Cannaregio. Von hier ist es ein Katzensprung zur Bootsstation Guglie.

Man fährt mit dem Vaporetto (öffentliches Motorboot im Linienverkehr) zur Station Fondamente Nuove. Wir hatten ein 24Stunden-Ticket gleich bei der Ankunft in der Stazione beim Parkhaus in Mestre relativ günstig erworben. Das Ticket beinhaltet den Busverkehr zwischen Mestre und Venedig, alle Bootsfahrten in Venedig und zu den Inseln innerhalb der Lagune. Von Fonadamente Nuove hat man die Insel St. Michele in unmittelbarer Sicht. Einsteigen in das Boot der Linie 12 und ab geht es direkt nach St. Michele. Im Boot fallen neben den Touristen speziell die zahlreichen schwarz gekleideten Einheimischen auf. Die meisten halten in ihren Händen Blumensträuße. Vorrangig Gladiolen, Lilien und Dahlien. Eine Stimmung nach morbider Traurigkeit und dank der Blumen auch der eingeprägte Duft nach Beerdigungen. Kein Wunder, St. Michele ist die venezianische Toteninsel. Eine rote Ziegelmauer umspannt die ganze Insel. Dahinter all die Gräber der venezianischen Familien. Bei der Kirche die Bootshaltestelle St. Michele. Nahezu überall reich geschmückte Gräber. Wie ein blühender Garten. Das Gezwitscher der Vögel wird einzig vom Motorenlärm eines Caterpillars übertönt. Der Platz ist sehr rar auf St. Michele. Also werden die Gebeine sehr bald exhumiert und in Gemeinschaftsgräber überführt. Platz für die „frischen" Toten in neuen Gräbern. Irgendwie kann man hier „den Tod riechen".

Also auf nach Murano, der nächsten Insel mit dem Boot der Linie 12. Hier auf der legendären Insel der Glasbläser werden die wunderschönen gläsernen Kunstwerke produziert. Trinkgläser, Spiegel und vor allem Luster. Seit Jahrhunderten sind die gläsernen Kunstwerke aus Murano auf der gesamten Welt berühmt. Die ganze Insel dreht sich um die Glasbläserkunst. Entlang der Straßen gibt es überall Geschäfte und Schauräume mit den Kunstwerken. In den Hinterhöfen die Werkstätten mit den Glasbläsern. Abgesehen von all dem Glas sollte man unbedingt die Kirche Santi Maria e Donato besuchen. Eine der ältesten venezianisch-byzantinischen Kirchen aus dem 12. Jahrhundert. Im Cafe bei der Bootshaltestelle geht sich noch ein Ristretto zur Abfahrt zur nächsten Insel, nach Burano aus. Burano ist die Insel der Spitzenmacherinnen.

In der Geschichte der Insel war einstens die geklöppelte Spitze ein exklusives Exportprodukt. Die Frauen und Mädchen fertigten diese textilen Kostbarkeiten, während die Männer traditionell als Fischer arbeiteten. Mit dem Aufkommen der Textilindustrie begann der textile Untergang Buranos. Doch Burano ist einzigartig. Eine Insel für Romantiker, Träumer und Maler. Denn nirgendwo sonst auf der Welt präsentieren sich die Häuserfronten in einer derart vielfältigen Farbenpracht. Die gegenseitigen Kontraste der Farben an den Fassaden erbringen hier auf Burano eine einzigartige farbliche Harmonie. Der Mix von gelb, violett, rot, rosa, grün und blau ist auf Burano ganz normal. Im Zentrum hüllt das Flair von Geschichte und Romantik auch die Touristen ein.

Und kulinarisch präsentieren sich hier zahlreiche Restaurants mit venezianischer Fischküche und natürlich auch Pizzen. Und weiter geht es mit einem Boot der Linie 12 zur nächsten Insel, nach Torcello. Das Ziel der Begierde, besonders bei den Engländern ist das „Cipriani". Hier tafelte bereits die Queen samt aller Mitglieder der königlichen Familie und natürlich auch Ernest Hammingway. Dieser schrieb in der Zeit im „Cipriani" das literarische Werk „ Across the River and Through the Trees". Patrone Guiseppe Cipriani war auch der Begründer der berühmten „Harry's Bar" in Venedig. Gegenüber vom „Cipriani" steht das malerische Restaurant „Villa 600". Ein Top-Ambiente. Torcello hat heute vielleicht zehn oder elf ständige Einwohner. In der Geschichte war einstens Torcello die erste Fluchtinsel der Festlandbewohner vor den Hunnen und Langobarden. Viele Jahre bevor es Venedig geben sollte. Im tiefsten Mittelalter des 10. Jahrhunderts zählte man auf Torcello gut 20.000 Einwohner. Mit dem Aufkommen der Malaria-Epidemien flüchteten die Überlebenden nach Venedig. Die Bauwerke wurden abgetragen und mit den Ziegeln Venedig errichtet. Venedig hatte somit Torcello als Metropole abgelöst.

 

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So bekannt die Toskana ist, so unbekannt scheint Umbrien zu sein. Umbrien ist das "grüne Herz" Italiens. Das Land der Heiligen und der großen, entscheidenden Ereignisse der römischen und frühmittelalterlichen Geschichte. Wegen seiner geographischen Lage umgeben von Toskana, Marken und Latium, abseits der historischen Nord-Süd-Verbindungen, war Umbrien immer ein "Schattenland". Außerhalb der traditionellen Handels- und Touristenstraßen.Wenngleich ein Sprichwort sagt, daß "alle Wege nach Rom führen", wurden die Wege durch Umbrien vielfach gemieden. Die Reisenden der letzten Jahrhunderte hatten weniger Muse für die Atmosphäre einer Landschaft, sondern wie man eben möglichst schnell und bequem etwa von Venedig nach Ancona oder von Livorno nach Rom reisen konnte.

In beiden Fällen brauchte man an Umbrien nicht "anstreifen", was die Reisenden von damals kaum mit Traurigkeit erfüllte. Denn in einem Handbuch für Italienreisende aus dem Jahre 1826 steht geschrieben, daß man nach Umbrien umbedingt bewaffnet reisen sollte. So wurde für diese "gefährliche Gegend" die Mitfuhr eines Dolches empfohlen, den man im linken Ärmel für den Bedarfsfall deponieren sollte. Zudem waren die Straßen schlecht!Nun gut, so übertrieben gut sind die Straßen Umbriens auch im Jahre 2000 noch nicht. Sie lehnen sich an den südoststeirischen Straßenstandard an. Doch das ist kein Problem in Hinblick auf die Faszination dieser Landschaft und dieser gewaltigen historischen Stadtburgen.Ein unglaublich schönes Stück Italien tut sich hier auf. Anders und bodenständiger, grüner und markanter als es die bekannte Toskana bietet. Bis auf das Wallfahrtsmekka Assisi ist Umbrien auch von den Touristenströmen bislang verschont geblieben. Also um Stufen günstiger und preiswerter. Es zahlt sich schon aus, sich von Florenz auf die Autobahn nach Perugia einzureihen, um sich zwei Stunden später im Wunderland Umbrien mit einem Espresso piccolo zu belohnen.Faszinierend sind die historischen Stadtburgen Cubbio, Orvieto, Todi, Narni, Terni, Foligno, Spoleto und natürlich Assisi. Drohend und wehrhaft stehen die Städte auf den Hügeln. Jetzt ein architektonisches Schaustück, früher Bauten der Notwendigkeit des Überlebens.

Faszinierend auch der Trasimenische See, jenes wunderschöne Gewässer, an dessen Ufern die historische Schlacht zwischen Hannibal und den Römern stattgefunden hat. Heute ist die Gegend um den See eher für die wunderbaren Fischgerichte bekannt.Was Essen und Trinken in Umbrien angeht, entfaltet sich sich eine gewaltige Küche voller regionaler Spezialitäten. Bei den Weinen punkten der strohgelbe Orvieto und der rubinfarbene Rubesco. Was die Speisen betrifft, dominieren die speziellen Würste aus Norcia, die hellen Linsen aus Castelluccio und die "Tartuffo nero di Norcia", die schwarze Trüffel.Sehr zu empfehlen für die Nächtigung ist das historische Kastell "La Bastiglia" ( Tel. 0742/651277) in der mittelalterlichen Stadt Spello, keine acht Kilometer von Foligno entfernt. Weil im dortigen Restaurant die kulinarische Versorgung höchste Klasse ist, empfiehlt es sich, Halbpension zu buchen, die das abendliche, mehrgängige Gourmetmenü mit einem tiefen Einblick in die umbrische Regionalküche beinhaltet.Wegen des heiligen Benedikts, aber auch wegen der Würste, der Trüffel und der Linsen führt kein Weg an Norcia vorbei. Die Fahrt führt weg von der lieblichen Welt des Weinbaus und der Olivenhaine in die wilde Bergwelt des Apennins. Hier im Osten Umbriens, vor der 1719 Meter hohen Bergkette mit dem Piano Grande, liegt Norcia. Die Römer nannten die Stadt einstens "frigida Nursa", was "kaltes Norcia" heißt. Die Bewohner Norcias nennt man Norcini, heute in Italien gleichzeitig auch als Synonym für Metzger verwendet. Kein Wunder, denn in Norcia werden die allerbesten Schweinswürste des Landes produziert. Die Stadt duftet wahrlich nach pikanten, gereiften Würsten, den berühmten "Salsicce" und den Schinken vom Schwein und vom Wildschwein.An jeder Ecke ist eine "Norceria", eine Metzgerei, doch unser Weg führt zu Vittorio Ansuini, dem Patrone der Würste von Norcia. Gut 3.000 Stück dieser kleinen schmackhaften Würste werden hier bei Ansuini täglich produziert. Von überall in Italien kommen die Feinschmecker, um diese wunderbaren "Salsicce" zu kaufen. Zart auf der Holzglut gegrillt oder mit den Linsen aus Castelluccio, schmekken diese Würste am allerbesten.

Die hellen, zarten Linsen wachsen auf der Anhöhe, gut eine halbe Autostunde nordöstlich von Norcia.In schneereichen Wintern ist Casteluccio von der Umwelt abgeschnitten. Erst im März können die Linsen ausgesät werden. Der Ertrag im August ist eher bescheiden, doch diese Linsen sind ihr Geld wert: Sie sind einfach toll im Geschmack, wurmfrei, halten im Kühlschrank bis zu vier Jahren und müssen vor dem Kochen nicht eingeweicht werden. Gleich um die Ecke des Geschäftes von Ansuini ist die "Trattoria dal Francese". Ein kulinarischer Geheimtip. Der Besitzer ist zugleich der Cousin des Wurst-Patrone.Hier ist das kulinarische Umbrien in höchster Form angesagt. Schinken vom Wildschwein, Würste, Linsen und Nudelgerichte und Bruchetta mit den berühmten schwarzen Trüffeln. Vittorio Battilocchi, der Seniorchef hilft bei der Menüwahl. Es gibt "Getrüffeltes" in allen Variationen. In der vollbesetzten Trattoria duftet es nußig-moosig nach den Trüffeln, die fein geschabt die Speisen auf eine Höchststufe kulinarischer Freuden emporheben.Eigenartig, daß der Trüffelduft auch jenem Sexualduftstoff entspricht, mit dem der Eber die Sauen lockt. Und so gibt es auch die Geschichte vom Trüffelschnüffelschwein.Da die Schweine im Trüffeleinsatz gar zu ungestüm den unterirdisch wachsenden Schlauchpilz suchen und manches zertrampeln, wurden die Borstenviecher gegen die Trüffelhunde ausgetauscht. "Tartufaio" heißen jene Hunde, die in Italien nach Trüffeln wühlen dürfen.

Mit der speziellen Hundebezeichnung "Lagotto" ist der Trüffelhund seit 1991 in Italien als Rassehund anerkannt.Zu den Spezialitäten in der Trattoria dal Francese wird ein Rubesco von Lungarotti serviert. Der Rubesco besteht, ähnlich wie der toskanische Chianti, aus Sangiovese-und Canaiolo-Trauben, allerdings ohne die Zugabe von weißen Trauben. In Torgiano, unweit von Assisi, produziert Lungarotti die großartigsten Weine aus Umbrien. Qualitativ hochwertig und preislich fast eine Okkasion. Das Lungarotti-Weinmuseum samt Vinothek in Torgiano ist durchaus sehenswert.

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Die Meerenge von Messina. Ganze fünf Kilometer Entfernung zwischen dem italienischen Festland und Sizilien. Messina selbst, die nordöstlichste Stadt auf Sizilien, war immer schon begehrtes Ziel. Für die Römer, Kreuzritter und heute die zahlreichen Frachter und auch für den Verkehr auf der Straße. Wer vom Festland mit dem Auto nach Sizilien will, der kommt unweigerlich mit einer der Autofähren über die „Stretto di Messina" auf diese größte Insel im Mittelmeer. Messina ist heute eine geschäftige Hafenstadt. Mit modernen breiten Straßen und wenigen alten Bauten. Was die Erdbeben in ihrer nahezu restlosen Zerstörung in den Jahren 1783 und 1908 an alten Bauwerken verschont hatten, das zerstörten 1943 amerikanische und britische Bomber. Dennoch bemühte man sich danach immer wieder um die Baustruktur einzelner alter Bauten. Wie etwa den Dom. Die gotische Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert wurde mittlerweile bereits dreimal wiederum aufgebaut. Nur die Statue des Johannes des Täufers aus dem Jahre 1525 von Antonello Gagini war das einzige Kunstwerk, das die Bomben von 1943 ohne Schäden überstanden hat. Die wenigen Kilometer Entfernung zwischen Reggio di Calabria auf dem italienischen Festland und Messina waren über all die Jahrhunderte dennoch so entscheidend, daß Sizilien seine vollkommen eigenen Wege über all die Jahrhunderte gehen sollte. Mit einer riesigen Brücke zwischen dem Festland und Messina wollte Berlusconi nun ein Jahrtausendprojekt errichten. Die neue Regierung unter Romano Brodi will die Milliarden Euro für andere Dinge ausgeben. Egal, ob mit dem Flugzeug in Catania gelandet oder mit dem Auto in Messina angekommen, Taormina ist Anziehungspunkt aller Sizilien- Reisenden. Taormina ist keineswegs typisch für Sizilien. Und doch ist es der bekannteste und am meisten aufgesuchte Ort der gesamten Insel. Hoch über der Meeresbucht liegt diese mittelalterliche Stadt. Mit Idealblick zum Meer und Ätna. Mittelalterlich und romantisch zugleich. Mit engen Gassen, alten Häusern und Stadttoren. Dazu das sogenannte Teatro Greco Romano. Das vorrangige Ziel der gewaltigen Touristenströme in und nach Taormina. Das Theater wurde im 3.Jahrhundert vor Christus von den Griechen errichtet. Ein Wunderwerk, das direkt in den Berg gehauen wurde. Die Römer funktionierten viel später das Theater zu einer Art Arena für ihre Gladiatorenkämpfe um. Heute ist das Theater wiederum eine Stätte der Künste und der Romantik. Speziell im Rahmen des Taormina-Arte-Festval im Sommer mit Musik-, Theater- und Filmvorführungen. Zudem eine der meistfotografierten Plätze dieser Welt. Wegen der gewaltigen Touristenmassen gibt es in Taormina praktisch keinen einzigen PKW-Parkplatz. Am Fuße des Bergmassives allerdings eine moderne Tiefgarage. Und dann einen Shuttle-Bus, der zwischen der Altstadt und der Garage dahinpendelt. Besser geht's nicht! Zwischen den beiden Stadttoren Porta Messina und Porta Catania zeigt sich Taormina von seiner eleganten Seite. Hübsche Boutiquen, Souvenirläden und viel Kunsthandwerk. Dazu jede Menge Cafes und Eisdielen. An der zentralen Piazza IX Aprili die sehr bekannte „Wunderbar". Hat nichts mit dem Mörbischer Serafin-Gesäusel „Wunderbar" bei der TVTanzshow zu tun. Eis, Ristretto und auch Preise sind einfach „wunderbar". Die Ober allesamt sehr galant und die besten Plätze nahezu immer besetzt. Empfehlenswert für jeden „Eisschlecker" ist die sogenannte „Brioche con gelato". Eben eine Art Brioche, bekannt bei uns als Frühstücksgebäck, mit Eiscreme gefüllt. Oder die spezielle Cassata Siciliana, das erfrischende Granite als Fruchteis gleichsam wie Schnee oder überhaupt die unzähligen Sorten, die man aus Bechern löffeln oder von den Tüten lutschen kann. Sizilien ist die Welthochburg des Speiseeises. Und die Sizilianer betrachten sich als die Erfinder des Speiseeises. Allerdings unter maßgeblicher „Geburtshilfe" der Araber, die über lange Jahre auch die Entwicklung Siziliens mitzubestimmen hatten. Speiseeis ohne Strom und Kühlaggregate? Jedenfalls ist auch in Sachen Speiseeis der riesige Ätna des Rätsels Lösung. Nämlich Schnee und Eis vom Ätna, das in einer Höhe von immerhin 3.369 Metern ganzjährig vorhanden ist. Bis in das 19. Jahrhundert wurden mit Eis und Schnee befüllte Strohballen in die einzelnen Städte Siziliens gebracht. Um dort in kalten Kellern und Höhlen für die Speiseeisproduktion zu lagern. Die einzelnen wundervollen Fruchteissorten werden in den traditionellen Eisdielen immer nur mit frischen Früchten zubereitet. Früchte und Obst gibt es ja auf Sizilien wie im Paradies. Die Blütenpracht der Sträucher und Bäume entfaltet sich vorrangig im Frühling. Allein die berauschende Mandelblüte ist eine Reise wert. Wer den Frühlingstrip zeitlich nicht schafft, der kann übers Jahr hier Mandelmilch (latte di mandorla) genießen. Die Weine Siziliens sind voller Fruchtigkeit. Vielfach Malvasia als vollfruchtige Weißweine oder die ebenfalls sehr guten Rotweine mit der Bezeichnung Nerello. Weinsorten, die auch ihre Ursprünge bei den Griechen und Römern finden. Die Region Messina mit der Weinstadt Milazzo ist DOCBereich. Und besonders auch das DOC-Etna-Gebiet. Eine Weinregion im Halbkreis rund um die östlichen Hänge des Ätna mit 1828 Hektar Anbaufläche mit insgesamt 20 Gemeinden. Gelagert zwischen Taormina und Catania. Durch das riesige Weingebiet führen spezielle Weinstraßen mit Start in Taormina und Catania. In Taormina und im weiteren Umfeld bis Catania und Siracusa ist der Tourismus die treibende Kraft. Gleich neben Taormina liegt Giardini Naxos als sogenannte Badevorstadt direkt am Meer. Errichtet auf der einstigen griechischen Siedlung Naxos, der ältesten griechischen Stadt auf Sizilien. Ein eng gebautes Städtchen, zwischen Berghang, Eisenbahn und Hauptstraße eingeklemmt. Mit breitem Sandstrand. Dazwischen mächtige schwarze Lavabrocken und von Wasser und Sand geschliffene schwarze Steine. Gesteinsgrüße vom Ätna. Unser Hotel in Giardini Naxos war das Hellenia Yachting Hotel direkt am Strand. Ein betont nostalgisch renoviertes Haus mit sehr guter Küche, sehr freundlichem Service und entsprechender Atmosphäre. Sizilien ruft!

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Toskana! Seit einigen Jahren für viele Österreicher und Deutsche mehr als nur ein Modebegriff. Die Toskana ist zur realisierbaren Sehnsucht all derer geworden, die auch nur für wenige Tage aussteigen wollen. Aussteigen aus der stressigen Welt von Business, Politik und Marketing. Und einsteigen in jene Welt von "Bella Italia", in der Kultur, Geschichte, Wein und tolles Essen angesagt sind. Da nimmt man gerne die Stunden der Fahrt mit dem Pkw in Kauf.

Ab Tarvis über das Friaulische und dazwischen mit einem Espresso piccolo und einem Hauch von Schinken aus St. Daniele ist das Autofahren ohnehin ein Teil der Urlaubsfreude, gepaart mit der Sehnsucht nach einigen Tagen in der Toskana. Sehnsucht nach den sanften Hügeln, terrakottafarbenen Dörfern und alten historischen Städten, die wie Burgen in die Landschaft integriert sind.

Siena ist das Ziel der Träume. Jene mittelalterliche Stadt, die als die Seele und das Herz der Toskana bezeichnet wird. Viele Feinschmecker und Weinfreunde treibt es hierher, denn nördlich von Siena erstrecken sich die Anbaugebiete des rubinroten Chianti Classico. Südlich von Siena wächst auf der roten Erde, der sogenannten "Terra di Siena" der weltberühmte Brunello di Montalcino. Dazu in den kleinen Lebensmittelläden, den Tavernen und Restaurants die wunderbarsten Dinge regionaler toskanischer Küchenkunst. Ganz Siena ist ein Bollwerk der Sinne und ein lebendiges Schaustück mittelalterlicher Geschichte. 57.000 Menschen leben in Siena, dieser wunderschönen Stadt, die sich auf dem Rücken dreier Hügel erhebt. Weinberge und Olivenhaine und eine üppige Vegetation umgeben Siena.

Die Ursprünge der Stadt gehen auf jene römische Kolonie zurück, die Sena Julia geheißen hat. Im Laufe der Geschichte war Siena immerfort geprägt von einer besonderen Art von Eigenständigkeit. So war die gesamte Stadt über lange Jahre der Geschichte immer dem Kaiser verbunden und treu. Das dem Papst ergebene Florenz führte mit Siena deswegen jahrelange Kriege mit grausamen Schlachten. Bis 1555 dauerte der ewige Krieg mit Florenz. Am 17. April jenes Jahres wurde Siena endgültig geschlagen und die Stadt fiel unter die Herrschaft des Medici-Herzogs Cosimo I. Im Jahr 1859 war Siena wiederum die erste Stadt der Toskana, die dem neugegründeten Staat Italien beigetreten war. Siena ist eben ein Kleinod, ein Unikat der Sinne und der Seele. Kein Hupen, kein Räderkreischen gibt es da in der Stadt. Immerhin ist Siena seit 1959 im Innersten der Stadt völlig autofrei. Wer mit dem eigenem Pkw kommt, hat genügend Parkplätze vor der Stadt. Entschädigt wird der Siena-Besucher durch die wunderbare Silhouette der Stadt, die fast magnetisch auf die Menschen einwirkt.

An der höchsten Stelle der Stadt erhebt sich in majestätischer Form der gotische Dom aus schwarzem und weißem Marmor, den historischen Farben Sienas. Duomo S. Maria heißt das wunderbare Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert. Ganz Siena ist mit jedem einzelnen Ziegelstein ein Bauwerk für sich selbst im Ambiente vollendeter Renesaunce-Baukunst. Und auch die Kultur hat über viele Jahrhunderte in dieser Stadt große Früchte getragen. Über 700 Jahre gibt es eine Universität und mit der Accademia Chigiana ist hier eine der berühmtesten Musikschulen Italiens beheimatet.

[02] Schmale Gassen und enge Treppen führen zu einem der schönsten Plätze ganz Italiens, der Piazza del Campo. Hier stehen die großen Adelspaläste in einer einzigartigen Schönheit. Jetzt sind auch die schicksten Läden im Erdgeschoß der monströsen Bauten untergebracht. Auf der Piazza del Campo trifft sich die Welt. Wenn die Sonne unter den Wolken hervorlugt, sitzen schon die Menschen auf dem Plaster des Campo und versuchen inmitten all der wunderbaren Renaissance die Gegenwart stückchenweise zu vergessen. Auf den Tischen vor den Cafés stehen winzige Tassen mit aromatischem Espresso und in den silbernen Bechern duftet die Eiscreme nach Vanille, Erdbeere oder Stracciatella. Einzig die kleinen Touristenkinder sind von dem Charisma rund um den Campo weniger angetan, wenn dann die Eiscreme aufgegessen ist. Die meisten Menschen auf dem Campo sitzen stundenlang bei einem oder mehreren Espressi, um das Fluidum dieser Stadt einzuatmen. Hier ist eben eines der allerschönsten Stücke Italiens, ein Wunderwerk mittelalterlicher Baukunst in höchster Vollendung.

Rund um den Campo präsentieren sich die typisch kleinen Lokale, in denen so großartig gekocht wird. Nicht die Pasta, nicht Nudeln sind in der typisch regionalen Küche der Toskana angesagt. Wer ursprünglich auf toskanisch speisen will, der kommt an der Vielfalt der Suppen nicht vorbei. Gemüsesuppen, Tomatensuppe, Paprikacremesuppe usw. sind die einfachen und wunderbar schmackhaften Speisen. Dazu ein toskanisches Landbrot und wunderbare Bohnengerichte. Und dazu als Draufgabe der obligate Wein. Ein Chianti von einem der vielen Weinbauern der Region.

Der wunderbare Chianti besteht je nach Weingut aus bis zu 90 Prozent aus der Sangiovese-Traube mit dem restlichen Anteil von Canaiolo-Trauben und den weißen Rebsorten Trebbiano Toscano und Malvasio del Chianti. Das Ergebnis dieser Mischung ist ein rubinroter Chianti, der als Chianti Classico seit 1924 mit dem "Gallo nero", dem schwarzen Hahn als Symbol geschützt ist. Nicht ganz billig ist der Brunello, jener Kultwein, der vor gut 100 Jahren in den Weingütern südlich von Siena erfunden wurde. Mit einer Abart der größeren und dunkleren Sangiovese-Traube, der "Sangiovese Grosso" fand der Brunello seinen Aufstieg in die mondäne Weinwelt. Ein Glas Brunello ist ein Einstieg in die Höhen des Rotwein-Himmels dieser Welt. Das ist Entspannung, Erholung und Oase für die Streßgeplagten nördlich der Dolomiten. Da reicht es bei Gott nicht, diese wunderbaren Kultweine Chianti und Brunello in einem Weinladen in Deutschland oder Österreich einzukaufen. Es ist halt der ewige Reiz Italiens, der Sonne, der parmesangeschwängerten Luft und der Musikalität in der Sprache der Italiener maßgebend.

Bei "Prego Signore" des charmanten Kellners am Campo in Siena beginnen unwillkürlich die Saiten der Mandolinen zu schwingen. Stil ist hier in höchster Vollendung angesagt. Die temperamentvolle Italienerin am Nebentisch rückt ihre Sonnenbrille zurecht und zeigt die neuesten Schuhe, die elegantesten Strümpfe und die hinreißendsten Kleider. Daneben wälzen sich die Touristen auf Tennisschuhen durch die Masse der anderen Touristen. Na gut, auch das ist Siena! Aber das übersieht man einfach, wenn man Seele tankt im Herzen der Toskana.

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Steinerne Landschaft in der Gallura. Die Luft flimmert und die in der Hitze verdorrten Wiesen glitzern golden in der Nachmittagssonne. Vereinzelt ein Baum, Olive oder Korkeiche. Unter jedem der Gewächse findet eine Herde Schafe Schatten. Das Thermometer zeigt 47 Grad und die Luft steht.

Es ist Anfang August inmitten der Gallura auf Sardinien. Hier, im nördlichen Binnenland der großen Mittelmeerinsel Sardinien zwischen dem französischen Korsika und dem nordafrikanischen Tunesien, ist die Zeit in ihren Abläufen stehengeblieben. Hier, abseits der wunderbaren feinsandigen, weißen Strände ist das Land der Nuraghen. Eine Landschaft wie eine Zeitreise - über 6.000 Jahre in der Zeitrechnung zurück. Ein Spiegelbild der Vergänglichkeit des Menschen und seiner Versuche, Kultur, Glaube und Unsterblichkeit in Formen aus Stein zu bewahren.

Die Gallura in der Provinz Nuoro gehört wohl zu den eigenartigsten Landstrichen der Welt. Unerklärlich und mystisch zugleich sind überall wahllos in der Gegend herumliegende Steinbrocken. In den verschiedensten Formen liegen sie da, von der Größe eines Fußballes bis in die Dimensionen von Häusern und riesigen Gebäuden. Wie von Zyklopenhand spielerisch verstreut oder aufeinandergetürmt, präsentieren sich hier Eindrücke voller Mystik und Verwunderung. Die Straße schlängelt sich in Serpentinen über die Berge der Gallura. Dazwischen immer wieder holprige Wege zu den einstigen Fluchtburgen, den sogenannten Nuraghen und den monumentalen Grabstätten dieser einstigen Helden und Stammesfürsten. Zu Rundbauten aufgeschichtete Steine verweisen in ihrer Vielzahl auf eine einstens starke Besiedelung der Gallura.

Archäologische Funde und Entdeckungen demonstrieren menschliches Leben vor 16.000 Jahren in einer Höhle in dieser Provinz Nuoro. Doch 6.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung spielte sich in der sogenannten Vorgeschichte Sardiniens, hier in den Bergen, schon Gewaltiges ab. Rund um die Nuraghen entwickelte sich eine der bedeutendsten Mittelmeerkulturen. Man baute Türme und Bastionen in megalithischer Großartigkeit als Zeichen der Kultur und der Riten, aber auch für die Sicherheit vor Feinden als Fluchtburgen.

Voll der Mystik und geheimnisvoller und magischer Kräfte errichteten die Nuraghen als Stammeskönige ihre monumentalen Grabstätten. Vieles ist noch im Dunkeln aus dieser Zeit. Doch das Göttliche, das Leben und den Tod sah diese Kultur als einen natürlichen Ablauf. So machte man damals gar den Tod "funktionsfähig", als Teil in einem ewigen Kreislauf und als Ursprung des Lebens. So wie eben ein Samen sterben muß, um vielen Früchten Leben geben zu können.

Einige 1.000 Jahre prägte die Kultur der Nuraghen diese Gallura, Sardinien und Teile des Mittelmeerraumes. Um 1.000 vor Christi kamen die ersten Phönizier in diese Region. 500 vor Christi eroberten die Karthager aus Nordafrika die Insel. 238 vor Christi wurde Sardinien vom römischen Weltreich annektiert und zur römischen Provinz gemacht.

Nach den unzähligen Kriegen und Eroberungen ist Sardinien heute ein autonomer Teil von Italien. Die Sarden sprechen wohl italienisch, pflegen dennoch ihre regionalen, eigenen Dialektsprachen und fühlen sich eigenständig und frei. Speziell in den Hirtendörfern in den Bergen. Und die steinernen Zeugen aus der gewaltigen und langen Epoche der Nuraghen läßt die entsprechende Kraft schöpfen für das Leben und die Zukunft.

Um den Mißmut gegenüber der "fremdländischen Herrschaft" der Italiener aufzuzeigen, ist wohl kein einziges Verkehrsschild, keine einzige Hinweistafel auf den Straßen in den Bergen heil. Sie sind allesamt durchlöchert von unzähligen Gewehrsalven. Und hat irgendjemand etwas gestohlen, meinen die Sarden, daß es natürlich ein Römer gewesen sein muß.

Römer, Touristen aus Rom, sind hier auf Sardinien allgegenwärtig. Sie schätzen die Ruhe, die Landschaft samt Meer und das Eigenständige der Sarden auch in Sachen Essen und Trinken.

Seit historischen Zeiten wird in den verträumten Hirtendörfern Sardiniens als Schafkäsespezialität der Pecorino erzeugt. Er schmeckt sehr wohl auch als Jungkäse, doch gewaltig ist er erst nach Jahren der Reifung. Dazu das papierdünne Brot (pane carasau) und natürlich die wunderbaren sardischen Weine.

So alt wie die Nuraghen-Kultur in der Gallura, so alt ist auch der Weinbau. Fruchtig, duftig und nebenbei noch sehr günstig sind die Weißweine "Vermentino de Gallura" und der "Vernaccia di Gallura". Hochklassig ist der Cannonau, Rotwein voller Kraft und Frucht, gereift unter den starken Sonnenstrahlen in der Gallura. Weiters als Spezialität der Region ist "mirto del contadino", der Likör aus Myrtenbeeren, beliebt. So wie vor vielen Jahren, lange vor unserer Zeitrechnung.

So sind tausende Jahre in der Gallura fast spurlos vergangen. So wie ehemals verweisen die Mythen-Gräber der Nuraghen auf den langen Atem der Schöpfung und auf die Kurzlebigkeit des einzelnen Menschen und daß jeder Mensch, auch wenn er gestorben ist, ein Teil des Universums darstellt - eben eine mystische Kraft der Seelen aus der Gallura auf Sardinien.

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Wenn amerikanische oder japanische Touristen auf einem zehntägigen Sightseeing-Trip durch Europa unterwegs sind, ist immer ein Platz dabei: "Piazza San Marco", der Markusplatz in Venedig. Dieser Platz ist der wohl berühmteste aller Plätze dieser Welt und rangiert weit vor dem Roten Platz in Moskau, dem Piccadilly Circus in London oder dem "Platz der Gaukler" in Marrakesch.

Der Markusplatz ist in der warmen Jahreszeit der "Nabel der Welt" und Treffpunkt der Touristen und der Tauben. In den Wintermonaten, wenn das jährliche Hochwasser die Piazza nahezu kniehoch überflutet, gehört der Markusplatz allein den Venezianern und den Tauben. Aber vom Frühling bis zum Herbst und an den Faschingswochenenden ist der Markusplatz mit Menschen gefüllt.

Viele der Touristen kommen mit den Schiffen, die von Punta Sabbioni bei Jesolo über den Lido und direkt beim Markusplatz anlegen. Trotz all der Menschenmassen strahlt dieser Platz viel an Magie, Sehnsüchten und morbidem Stolz aus.

"Alle Städte sind gleich, nur Venedig is e bissele anders!", pflegte es Friedrich Torberg in seiner "Tante Jolesch" zu vermerken. So ziemlich alle berühmten Menschen dieser Welt waren mindestens einmal schon auf diesem Platz. Ob Flirt, Liebschaft oder Hochzeitsreise, die Menschen sehnen sich auf diesem Platz ihre tiefgründigsten Wünsche herbei. In all dieser unwirklichen und doch realistischen Atmosphäre von San Marco wird man eins mit den Sehnsüchten und Hoffnungen dieser Stadt, die so ganz abseits von der normalen Welt steht. Auch Goethe war von der Atmosphäre überwältigt. Mit Blick zur Basilika saß er auf der Piazza vor dem Café Florian und ließ seine Seele durch Venedig wandern und zum Ursprung, als hier alles begann.

Die Völkerwanderung und die Zerstörung des Römischen Reiches war damals im fünften Jahrhundert nach Christus der Grund für die Flucht zahlreicher Menschen vorwiegend aus der Region Veneto auf die morastigen Sumpfinseln der Lagune. Dort, auf den paar Dutzend kleinen Inseln, wo bislang nur wenige Fischer gehaust hatten, fanden die Menschen Schutz vor den Überfällen der Barbaren aus dem Norden und Osten. Das morastige Schwemmland war ohne festen Grund, zudem war die gesamte Lagune malariaverseucht. Dennoch fanden die Menschen hier Schutz. Von einem gewaltigen Geist wurden die Menschen getrieben, die vorerst zum Schutz des eigenen Lebens als Flüchtlinge die Inseln betreten hatten. Man wollte eine Stadt und einen Staat errichten, der mächtiger und schöner als irgendwo sonst sein sollte.

Unter dem Wappentier des geflügelten Löwen sollte die Macht Venedigs im gesamten Mittelmeerraum vorherrschen. In der Verbindung von 118 schlammigen Inseln mit insgesamt über 400 Brücken entstand Venedig. Um die gewaltigen Bauten zu stützen, wurden Millionen von Baumstämmen als Befestigung in den Morast gerammt. Allein 12.000 Pfähle sollten der Rialtobrücke und gleich 176.627 Stämme der Kirche Santa Maria della Salute Halt geben.

Ganz Venedig steht auf den Baumstämmen, die einst in Istrien und Dalmatien wuchsen. Durch die radikale Abholzung riesiger Landstriche entwickelte sich dort eine Verkarstung der Gebiete. Venedig wurde mächtig und die einstigen Flüchtlinge wurden unter dem "fliegenden Löwen" und verbunden mit der Schutzmacht Byzanz selbst skrupellose Eroberer. Im Jahre 697 wurde der erste Doge als Herrscher gewählt. 1094 wurde der Bau der Basilika San Marco beendet und 1301 mit dem Bau des Dogenpalastes begonnen. 1271 startete der berühmte Venezianer Marco Polo seine Weltreise zum Kublai Khan. In den darauffolgenden Jahren breiteten Pestepedemien und Türkenkriege ihre schwarzen Leichentücher über den Lagunenstaat. 1748 bekam Österreich mit dem "Frieden von Aachen" alle Besitzungen rund um Venedig. 1797 besetzte Napoleon Venedig und der letzte Doge mußte abdanken. Ein Jahr später wurde Venedig von den Franzosen wieder an Österreich abgegeben. 1806 zogen die Franzosen wieder in Venedig ein und im Jahre 1810 ließ Napoleon den Markusplatz neu gestalten. Die Getreidespeicher und die Kirche San Geminiano wurden geschliffen und es entstand der Napoleonische Trakt. 1815 kam Venedig wieder nach Österreich. 1866 gab es dann den Zusammenschluß aller italienischen Regionen zum Königreich. 1902 stürzte der Campanile völlig ein, 1911 war er wieder hergestellt. 1916 bombardierten österreichische Flugzeuge Venedig. Beschädigt wurde dabei die Kirche Santa Maria Formosa.

Vorher, als die Österreicher noch die Herrschaft in Venedig hatten, saß das beste Publikum der österreichischen Monarchie im Café Quadri, gleich neben dem Café Florian. Heute kosten der Cappuccino oder die heiße Schokolade dort wie da ein kleines Vermögen. Doch wer sitzt schon vorm Florian oder Quadri wegen einer Schale Kaffee. Menschen, denen der hier servierte Trunk zu teuer ist, werden San Marco und Venedig niemals verstehen, denn hier, auf diesem wohl berühmtesten Platz der Welt, kann man die Gedanken gleiten lassen, sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft. Ganz Venedig ist ein Theater, ein Spiel der Mystik und der Romantik sowie ein Symbol des Prunks, der Vergänglichkeit und der Zukunft. Hinter den prunkvollen Fassaden spielt der Tod in Venedig sein Lied. Mit den Augen sieht man nur die Touristen und Tauben, die vor den Stühlen des Café Quadri herumwatscheln. Mit der Seele nimmt man diesen Platz, dieses Venedig in sich auf, als wäre es das eigene Leben.

Venedig selbst ist eine Art von Wiedergeburt und ein Schaufenster des menschlichen Leides, der Gelüste und der Macht. Die meisten Touristen, von denen sich nur wenige in den schmalen Labyrinthen der Gassen hinter dem Markusplatz nicht verlaufen, spüren davon wenig. Man denkt vorrangig, wo man relativ günstig einkehren könnte und wo der Nepp sich noch in Grenzen halten könnte. Einige der Venedig-Besucher peilen Harry's Bar an, jenes Lokal gleich neben der Schiffstation San Marco, in dessen Küche auch das traditionelle Carpaccio erfunden wurde. Hier erfreute sich Ernest Hemmingway, was dem Lokal hinsichtlich weltweiter Propaganda sichtlich wohl tat.

Gegenüber vom Café Quadri sieht man direkt auf San Marco, die Basilika des einstigen Dogen-Staates. Hier türmten sich unvorstellbare Reichtümer, Kunstschätze, Beutestücke und Räubergut. In diesem wundervollen Gemäuer wurden auch in der Zeit der Dogen die großen Feste Venedigs gefeiert. Gleich daneben der Dogenpalast, ein einzigartiges Bauwerk in Rosa-Weiß mit massigem Oberbau, der auf dünnen Säulen ruht. Hier war das Zentrum der Macht und der Verkündung der zahlreichen Todesurteile. Gegenüber dem Dogenpalast ist das Gebäude der Sansoviono-Bibliothek (Libreria Vecchia) von 1536. Die Zecca, das einstige Münzamt (1538) steht gleich daneben und ist ebenfalls Bibliothek. Das viele Gold, das hier gehortet wurde, ist längst "versickert".

Umschlossen wird die Piazza San Marco von der Fassade der Prokuratien, dem Sitz der Verwalter von Venedigs einstigem Vermögen. Hinter der Fassade der "Neuen Prokuratien" ist das Museo Correr mit den reichsten Sammlungen der Stadt. Zwischen den Fassadenbauten der Prokuratien ist die "Ala Napoleonica", jener Trakt, den Napoleon für sich als standesgemäßen Aufgang errichten ließ. Die alte Kirche von San Geminiano mußte für diesen Bau zuvor abgerissen werden. Der Campanile, einst Leuchtturm, Glockenturm und auch Ausguck war schon 700 Jahre gestanden, bis er am 14. Juli 1902 in sich sich zusammensank. Der neue Campanile wurde wieder so errichtet, wie er einstens war und bietet den Besuchern einen Ausblick bis zu den Alpen. Die Glockenschläge schallen über den Markusplatz. Die Vergänglichkeit der Zeit bringt die Gedanken in die Gegenwart zurück.

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Mein langjähriger Freund heißt Franz und ist Baumeister. Der hätte in Assisi wohl die größte Freude. Erstens dreht sich in dieser Stadt des heiligen Franziskus so ziemlich alles um den Franz, zweitens ist das sagenhaft schöne Assisi auch voller Baustellen. Gebaut und renoviert wird an allen Ecken und die für Baumeister so schönen Baukräne ragen über die antiken Mauern weit in die umbrische Landschaft hinein.

Dieses Land in der Mitte Italiens heißt Umbrien. Toskana, Marken und Latium umschließen dieses bezaubernde Land, dieses "Heilige Land Italiens" (Terra Santa Italia).

Grün und bezaubernd, so erstreckt sich das Land vom größten See der Halbinsel, dem Lago Trasimeno, bis zu den 2.000 Meter hohen Bergen im Osten hinter Norcia. In der Sonne glänzen auf den Hügeln die einst so wehrhaften Stadtburgen Gubbio, Perugia, Todi, Assisi, Spello, Terni, Orvieto usw. Dazu die unzähligen Franziskaner-Klöster, ein franziskanisches Land voll einer stillen Heiterkeit der Menschen und dem außergewöhnlichen Zauber der Natur. Die lateinischen Worte "umbra" ( Schatten, Einsamkeit) und "imber" (Regen, Wasser) gaben dem Land den Namen. Etwa 1.000 Jahre vor Christus siedelten sich die Umbrier als Verwandte der Kelten in Mittelitalien an. Im permanenten Streit mit den Etruskern wurde Umbrien, das "Land im Schatten", im 3. Jahrhundert v. Chr. von Rom okkupiert. Mit dem Bau der Via Flaminia durch die Römer wurde Umbrien erstmals aus seinem Schattendasein und in die strategische und wirtschaftliche Mitte gestellt. Danach folgten Jahrhunderte weltpolitischer Entscheidungskämpfe auf dem Boden Umbriens. Der Karthager Hannibal vernichtete 220 v. Chr. mit seiner Elefanten-Streitmacht das römische Heer und verschonte dennoch auf unerklärliche Weise Rom. Die Römer bauten Straßen, zerstörten im Zuge der Bürgerkriege umbrische Städte und verfolgten später grausamst die ersten Christen. Gerade in Umbrien gab es viele christliche Märtyrer und seither Heilige, die von den Römern massakriert wurden: Hl. Ruffinus in Assisi, hl. Felicianus von Foligno, hl. Valentinus von Bevagna, hl. Emilianus von Trevi, hl. Felix von Massa. Auch Roms Kaiser Gallus ­ er war kein Heiliger ­ wurde im umbrischen Terni wohl von seinen eigenen Soldaten ermordet.

In der frühchristlichen Epoche Europas war es dann ein gewisser Benedikt von Nursia, dem heutigen Norcia und Hochburg der speziellen Würste in der östlichen Bergwelt Umbriens. Dieser hl. Benedikt riß im südlich gelegenen Monte Cassino das letzte römisch-heidnische Apollo-Heiligtum nieder und errichtete aus dessen Bauteilen im Jahr 529 ein Kloster. Dieses Bauwerk bezog er mit Gleichgesinnten und stellte die ersten Klosterregeln für den Benediktinerorden auf. Der Start für die vielen christlichen Klöster der Benediktiner und später der Franziskaner war somit vollzogen. Der hl. Benedikt wurde übrigens von der Kirche 1964 zum Schutzheiligen Europas erklärt.

Die Grundidee für die Errichtung von Klöstern dürfte aber von jenem hl. Felix ausgegangen sein, der aus Syrien nach Umbrien gekommen war. Auch der hl. Euthicius, ebenfalls ein Einwanderer aus Syrien, wirkte als Mönch in den Bergen der Valle Costoriana nordwestlich von Norcia.

Mit der Abdankung des letzten weströmischen Kaisers im Jahre 476 wurde Umbrien zum Schauplatz der großen weltpolitisch verankerten Kriege. Das oströmische Reich mit Byzanz, die Ostgoten und Langobarden führten in Umbrien viele Entscheidungsschlachten. Theoderich, Kaiser Justinian, Belisar, Totila, Narses und Witigis, die mächtigen Kriegsherren, eroberten, zerstörten und verteidigten sich rund um die Städte Spoleto, Orvieto, Assisi, Perugia, Narni usw. Die Langobarden errichteten das Herzogtum Spoleto. Die Franken mit Karl dem Großen, die Ottonen mit Otto dem Großen und die Päpste sahen Umbrien als Zankapfel der Macht. Kaiser Friederich I. Barbarossa verwüstete 1155 Spoleto, weil die Bürger ihre Steuern mit falschen Münzen gezahlt hatten. Indiesen unzähligen Kriegen, auch zwischen den Städten, wurde 1182 Giovanni di Bernardone in Assisi geboren. Der mit Giovanni (Johannes) getaufte Sohn eines sehr reichen Kaufmannes wurde von seiner französischen Mutter "Francesco" gerufen. Im Alter von 23 Jahren packte den jungen Giovanni bzw. Francesco der besondere Ehrgeiz: Adeliger wollte er werden. Um den Titel offiziell zu erhalten, mußte er als reicher Bürgerlicher an einem Kriegszug teilnehmen. Ein damals sehr kostspieliges Unterfangen. Doch Vater Pietro Bernardone unterstützte seinen Sohn und rüstete ihn mit all dem Nötigen aus. Hoch zu Roß schloß sich Francesco dem Heerführer Walter von Brienne auf dessen Feldzug durch Apulien an, doch drei Tage später war er schon wieder zurück in Assisi. Nachdenklich, verändert und nicht mehr der alte. Francesco versteckte sich in Höhlen in den Wäldern. Er gibt sich mit Bettlern ab, küßte Kranke und Aussätzige. Er hörte eine innere Stimme: "Geh' hin, Franziskus, und baue mein Haus auf, das einzustürzen droht!" Franziskus nahm den Auftrag wörtlich. Er verwendete Teile des väterlichen Vermögens und begann kleine Kirchen zu reparieren und ließ sich auch von den Benediktinern die verfallene Kapelle Santa Maria degli Angeli in Assisi schenken, die er mit eigenen Händen wieder herrichtete.

Sein Vater ließ Franzesco für verrückt erklären und zerrte ihn vor Gericht, um ihn zu enterben. Auf dem öffentlichen Platz in Assisi entkleidete sich Francesco und warf seinem Vater die Kleider vor die Füße. Von da an war der Kontakt zwischen Vater und Sohn gebrochen und Francesco kleidete sich mit der Wollkutte eines Schäfers. Statt des Gürtels nahm er einem Strick. Bald fanden sich weitere Glaubensbrüder rund um Francesco ein. Im Jahre 1210 begab er sich nach Rom zum Papst und erhielt die Anerkennung seiner Gemeinschaft als Orden. Der Franziskaner-Orden war somit offiziell gegründet.

Den Franziskaner-Bettelmönchen schloß sich auch die 18jährige Chira (Klara) gegen den Willen ihrer Eltern an. Für sie gründete Franziskus hernach den zweiten Orden, den Orden der "Armen Frauen", nach Klara auch "Klarissinnen" genannt.

Gestorben ist Franziskus am 4. Oktober 1226 seinem Wunsch gemäß in Santa Maria degli Angeli. Bestattet wurde der Leichnam in der Kirche San Giorgio in Assisi, bevor sein Grab später in die Franziskus-Basilika verlegt wurde. 1228 wurde Franziskus von Papst Gregor IX heiliggesprochen.

Klara überlebte ihren Mitbruder um 27 Jahre. Sie verfaßte selbst die Regeln für ihren Orden und war in ihrer Genügsamkeit beispiellos. Am 11. August 1253 verstarb Klara und wurde 1255 heiliggesprochen.

Bis zum 16. Jahrhundert wurde Umbrien gänzlich Kirchenstaat, wobei die Päpste die weltliche Macht auch mit dem Schwerte darstellten. Als Papst Alexander VI, der Vater der berüchtigten Lucrezia Borgia vor einem Aufruhr in Rom fliehen mußte, betraute er gar zeitweilig seine Tochter mit der Herrschaft über Spoleto.

Als sich Assisi als letzte Stadt Mittelitaliens gegen das päpstliche Besteuerungssystem und die Unfreiheit zu wehren versuchte, ließ Papst Paul III. die Stadt im Jahre 1540 von seinen Truppen einnehmen. Die Privilegien von Assisi wurden für Null und Nichtig erklärt und Umbrien in den Schatten einer Kirche gestellt, die, anders als die Heiligen von Umrbiens, das erste Wohl in der Macht auf Erden sah.

Doch das ist nach all den Wirren der Geschichte rund um dieses wunderbare Land überwunden. Umbrien ist das heimliche Juwel und das Heilige Land in Italien

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Eines vorweg. Derjenige, der seine Liebe zur Amalfitana festigen möchte, der sollte nicht nur gute Nerven, sondern auch eine halbwegs gute Kondition mitbringen. Einerseits die Nervenkraft wegen der chaotischen Verkehrsverhältnisse und die Kondition wegen der unzähligen steilen Steintreppen. Kein Pflaster also für fußkranke und sehr bequeme Erdenbürger.

Die Amafitana ist jene unsägliche Straße zwischen Positano und Vietri sul mare. Also geografisch gesehen, an der nächsten Bucht südlich von Neapel. Die Amalfitana gehört wohl zu den grauenhaftesten Straßen dieser Welt. Doch gleichzeitig ist sie auch eine der allerschönsten. Es ist wohl auch eine Sache der inneren Ruhe und des Nervenzustandes, wie der touristische Autofahrer aus dem „gesitteten" Mitteleuropa diese Amalfitana erleben und (d)erfahren kann.

Wer mit dem eigenen Auto sich in diese süditalienische Region Kampanien begibt, der sollte rechtzeitig die hier vorrangige Frage klären: „Wohin mit dem Auto?" Wo ist ein Parkplatz, der halbwegs vor Kratzern, Abschürfungen und Schlimmerem schützt. In Amalfi, Positano, Ravello, Vietri und Prajano gibt es einige private „Parkhäuser" und natürlich die sicheren Parkplätze der Hotels.

Wenn einmal das Parkplatzplatzproblem gelöst ist, dann eröffnet sich hier die Wunderwelt der Amalfiküste. Das Ziel war diesmal Positano, jenes märchenhafte Küstenstädtchen ein wenig westlich von Amalfi. Von Amalfi dorthin zu gelangen, gibt es vier Möglichkeiten: Mit dem Schiff, dem Bus, dem Taxi oder dem eigenen Auto. Ich wählte die Fahrt mit dem eigenen Auto und somit die allerschlechteste Lösung. Doch, man muß vorerst einmal Positano erlebt haben, um dies auch zu wissen. In Schleifen und unzähligen Serpentinen zieht sich die schmale Straße in diese Bucht von Positano. Ein märchenhafter, einzigartiger Anblick. Über hunderte Meter wurde ein Haus über dem anderen regelrecht an den Steilhang „geklebt". Wie Waben ei nes Wespenstockes. Ein einzigartiger, nahezu berauschender Anblick. Irgendwo ergab sich dann doch ein Parkplatz für das Auto. Um das Auto nach Stunden in den Serpentinen wiederum zu finden, da bedarf es mehr als nur einer Pfadfinder-Vergangenheit. Über die einzelnen Hotellifts „erfuhr" ich die unzähligen Etagen bis zur Serpentinenstraße in westlicher Richtung. Und so wurde auch wieder mein Auto gefunden.

Viel einfacher und nervenschonender wäre es wohl gewesen, wenn der Positano-Trip mit dem Schiff von Amalfi gestartet worden wäre. Wunderschön, problemlos und zudem nicht teuer. Doch diese Feinheiten weiß man eben nur, wenn man dies schon einmal erlebt hat. Oder eben diese Zeilen gelesen hat. Bis zum Jahre 1889 hat man Positano ohnehin nur per Schiff oder über steile Bergpfade erreichen können. Denn damals war das Ansinnen des Bourbonen-Herrschers Ferdinand II. realisiert worden, in die schroffen und steilen Felsen der Küste, einen befahrbaren Weg zu schlagen. Die „Amalfitana" ward damals somit geboren. Positano wurde im Mittelalter als Seefahrerstadt gegründet. Ehemals, als das damals schon übermächtige Amalfi bereits seinen herrschaftlichen Höhepunkt überschritten hatte. Jahrhunderte, bevor der Künstler Hundertwasser seine baulichen Visionen in Bad Blumau und Wien realisieren konnte, wurde hier an den Steilhang des Monte Comune, Haus über Haus erbaut. Ganz dicht aneinander und darüber präsentiert sich Positano als ein wahres Meer von Kuppeln, Fenstern, Dächern, Mauern in seiner kubischen Form. Im Glanz der Sonne zeigt sich die Stadt in all ihrer Farbenpracht von weiß, rot, pastell, gelb und blau. Alle Fenster der einzigartigen Häuser und auch die dazwischen immer wieder errichteten Terrassen haben ihren Blick auf das Meer gerichtet. Jenes Meer, das über viele Jahrhunderte für die Menschen von Positano auch das Leben und Erwerb bedeutete. Aber auch viele Feinde und Gefahren für Positano und seine Bewohner erbrachte. Das Gemeinsame und das Zusammenrücken an einem Steilhang war die Überlebensstrategie hier für die Menschen über viele Jahrhunderte. Für ein sicheres Überleben nahm man hier gerne das ewige Schleppen und Stiegensteigen in Kauf. Spielerisch, ja nahezu tänzelnd bewegen sich die Einheimischen über die hunderten Stufen. Die rotgesichtigen Touristen ringen nahezu überall nach Luft und „hängen" zum Verschnaufen an den Stiegenmauern. Positano sollte man eben mit sehr viel Muse und Ruhe ergründen. Dies hatten in den 50er Jahren schon einige „Aussteiger" aus den nördlichen Breiten Europas erkannt und nutzten Positano vorerst zum Überwintern. In weiteren Wogen kamen hierher auch die Schönen und die „Blumenkinder".

In den 60er und 70er Jahren wurde Positano eine Hochburg der Hippies und auch einer speziellen Mode. Leichte, transparente, flatternde und bunte Stoffe waren es, die in all diesen Jahren in Positano entworfen und zu Kleidungsstücken genäht und auch hier verkauft wurden. Wie die Kanaren-Insel La Gomera wurde auch Positano zu einem weltweiten Mekka der Hippies. Heute erinnern noch unzählige Boutiquen in den engen Gassen von all den modischen Aktivitäten aus diesen Zeiten. Mit leichter Sommermode in Blau und dem Zitronengelb nach den Limonen entlang der Amalfitana. Dazu eine reiche Auswahl an handgemachten Taschen und Sandalen. Abgesehen von den Abstechern der Tagestouristen hat sich mittlerweile Positano zu einem Treff der Schönen und Reichen entwickelt. Luxus und eine mondäne Welt prägen die Hotels. An erster Stelle die „Nobel-Absteigen" San Pietro und das Le Sirenuse. Mit wunderschönem Blick über Positano und dem Feinsten aus der kampanischen Fischküche. Für kleinere Brieftaschen gibt es noch jede Menge einfacherer Hotels, Osterias und Lebensmittelgeschäfte, in denen liebevoll kleine Imbisse angeboten werden. Und Meer, Sand, Strand, Sonne, Atmosphäre und der umwerfende Blick auf Positano kosten gar nichts.

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Sardinien gilt schon sehr lange als Geheimtip für den Urlauber, der das Besondere sucht. Ruhe, Erholung, sehr gutes Essen, schöne Strände und wohl auch das allerschönste Wasser im gesamten Mittelmeer.

Einige gelangten bisher mit der Fähre zu dieser wunderschönen Insel. Wer die Reisezeit um Quantensprünge kürzer haben möchte, dem sei der Flieger ans Herz gelegt. Das Zauberwort heißt "Tyrolean" und ist eine 50-sitzige Dash-8/300, mit der speziell die Steirer und Südburgenländer ihre große Freude haben könnten. Denn ab 13. Mai bis einschließlich 23. September wird dieses Propellerflugzeug der Tyrolian von Graz aus jeden Sonntag in die Lüfte steigen. Das Ziel ist jeweils immer dasselbe: Tortoli auf Sardinien.

Das kleine Städtchen mit seinem Flugplatz liegt im Mittelosten der Insel gleich neben Arbatax, der Hafenstadt mit den bizarren, roten Felsen und dem Anlegeplatz für die Fähren. Zweifellos einer der allerschönsten Plätze auf dieser mystischen Insel. Weiße Strände, idyllische Buchten und blitzsauberes Wasser, aber auch eine bizarre und wundersame Landschaft und gastfreundliche Menschen machen den Reiz dieser Region Sardiniens aus.

Besonders attraktiv sind die kleinen und aparten Hotelanlagen, von denen einige in dieser Region direkt an den Sandstrand anschließen. Wie etwa das wunderbare Hotel "La Bitta", das nicht nur blitzsauber ist, sondern in dessen Küche auch wunderbar sardisch gekocht wird. Das Hotel ist so nahe am Wasser gelegen, daß Wasserratten auch noch vor dem Frühstück auf der Hotelterrasse wohl einen Sprung ins wunderschöne Wasser wagen werden.

Daß ab 13. Mai nun die Steirer derart bequem nach knapp zweieinhalb Stunden Flug in Tortoli gleich neben den Zitronen- und Orangenbäumen aus der Dash steigen können, ist dem Zillertaler Reiseunternehmer Andreas Kröll und dem Grazer Flughafendirektor Mag. Gerhard Widmann anzurechnen. Andreas Kröll, Chef des Reiseunternehmens "Christophorus", ist ja schon aus persönlicher innigster Liebe zu Sardinien einer der allergrößten Fans dieser Insel. Der Grazer Flughafendirektor Widmann wiederum weiß, mit einer Reihe von sehr interessanten Charterangeboten die Attraktivität des Flughafens Graz-Thallerhof noch weiter auszubauen.

Mit Tortuli und anderen attraktiven Charterdestinationen wird ihm eine weitere Steigerung der Passagierzahlen auch sicher gelingen.

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Natürlich fängt Italien an der Grenze in Tarvis an. Mit dem grandiosen Duft eines "Expresso piccolo italiano", dem flaumigen Weißbrot, dem St. Danielle-Schinken und den Massen von Touristen. In der "Fahrtröhre" des Kanaltales geht es dann nach Grado, Jesolo, Lignano oder Caorle. Hier in der achten Reihe der 30reihigen, etliche Kilometer langen Sonnen-Armada ist man bei Gott nicht allein. Tourismus pur ist seit Jahren an der oberen Adria angesagt.

Seit man die Meeralgen-Plage wieder im Griff hat und das salzige Wasser sich sauber anfühlt, ist der Sand rund um das Ufer der oberen Adria fest in deutschsprachiger Hand. Wiener Schnitzel, Würstel, Pommes Frites und natürlich Gelati werden an allen Ecken angeboten und liebend gerne verzehrt. "Da fühlt man sich wie daham, nur daß es a bißl wärma is!" So freuen sich die sonnenhungrigen Touristen aus dem Norden, die in einem Urlaub light alleweil das traditionelle Schnitzel gegen "Engerlinge" (Gambos, Langustinos oder Shrimps) oder "Gummiringerl" (Tintenfisch gebacken) bevorzugen. Die obere Adria, ein Ferienparadies der bekannten Art.

1.500 Kilometer südlich von all dem liegt die Region Brindisi. Hier, an die hundert Kilometer Wasserweg von der albanischen Küste entfernt, am "Sporen des Stiefels", gehört Italien den Italienern. Hier ist Italien pur. Ein seit Jahrhunderten geprägtes Leben ­ von den Familien, der Kirche und den Paten der unsichtbaren Camorra und Mafia bestimmt. Hier zeigt sich ein Italien, wie es aus den alten Filmen mit Marcello Mastroianni, Sophia Loren und Ornella Muti veranschaulicht wird.

Und weil die Menschen hier im Rahmen ihrer Traditionen für sich und nicht für die Touristen leben, herrscht an einem Sonntag in diesen Städten, der sogenannten "Trulli-Region", in der Mittagszeit von 12.00 bis 16.00 Uhr Totenstille. Die leergefegten Städte halten Siesta. Kaum ein Mensch ist zu sehen. Die kleinen Steh-Cafés sind geschlossen, sogar die Hunde und Katzen haben sich verkrochen.

An den kirchlichen Feiertagen trifft sich ganz Apulien bei ihren Mamas und der vielfach noch hausgemachten Pasta. Und da die wenigen Restaurantbesitzer auch Mamas haben, sind eigentlich alle Restaurants auch zu Ostern geschlossen. Gar die Köche meines Hotels Lo Smeraldo hatten ihren Laden dicht gemacht. Ein Glück, daß Scarafile Cedric in Monte Comunali nahe dem schmucken Städtchen Cisternino eine Mutter aus dem belgischen Flandern hat und die Sache mit Mama und Pasta nicht gar so apulisch ernst nimmt. So hatte sein Ristorante "Pavone d'oro" als einziges geöffnet. Damit hatte die einstündigen Restaurantsuche quer durch Cisternino ein Ende. Ein Erfolg auch für den Tankwart der API-Tankstelle, dem ich mein Ansinnen zwecks "mangiare in Ristoranti" beim Tanken mitgeteilt hatte. Von da an war ich sein Stammkunde und er wollte unbedingt helfen. Mit seinem museumsreifen Fiat 850 glühte er voraus in der nächtlichen Dunkelheit Apuliens. Nach dem fünften "chiuso" an diversen Ristorante-Türen hatte er mit dem "Pavone d'oro" noch eine Lokaladresse auf Lager. "Aperto" hieß es hier freundlich. Scarafile Cedric begrüßte in gutem Deutsch und unterhielt sich an den Tischen mit Amerikanern und Engländern in noch besserem Englisch. Daneben, auf mehreren zusammengestellten Tischen, eine italienische Großfamilie beim Osterschmaus. Köstlich, der "Vino de Casa", der weiße Hauswein aus der Region und noch köstlicher die wohl beste Fischsuppe, die mir je in einem Lokal gereicht wurde ­ mit frischen Kraken, Muscheln und Krabben in einem exzellenten Fond. Wunderbar auch die "Cozze alla Marinara", frische Miesmuscheln lediglich drei Minuten im Weinfond gekocht. Kurzum, ein regionales Hochklasse-Lokal mit einer riesigen Speisekarte und absoluten Tiefstpreisen.

Hier, im "Trulli-Land" zwischen Brindisi und dem Städtchen Monopoli, läuft die Zeit ganz anders. Die rote Erde des Landes ist grenzenlos mit Olivenbäumen bestückt. Rund um die knorrigen Bäume gedeihen im Frühjahr die wunderbarsten Kräuter und Blumen in den malerischsten Farben. In der Gluthitze des Sommers vertrocknet die Blütenpracht und die Olivenbäume spenden angenehmen Schatten. Die Luft duftet nach Myrte, Thymian und Rosmarin. Außerhalb der Städte beherrschen die "Masserias", uralte, einst gegen die Sarazenen befestigte Landburgen, die architektonische Pracht der Region. Diese Masserias sind Geheimtips für einen wunderbaren Urlaub in Apulien. Der Aufenthalt in so einer Masseria bietet Atmosphäre, Stil und Luxus und eine regionale hochklassige Küche. Das Meer ist hier überall nahe. Anders als an der oberen Adria gibt es hier Strände ganz für sich allein und dazu die wohl beste Wasserqualität der Adria.

Die Region rund um Fasano, Cisternino, Locorotondo und Martina Franca ist das "Trulli-Land". Zentrum der Trullis ist Alberobello mit nahezu 2.000 denkmalgeschützten Trullis. Hier haben die Trullis traditionelle Verwendung als Wohnhaus, Garage, Scheune, Geschäft, Kirche oder gar als Hotel. Zusammengebaut im Zentrum oder frei stehend mitten in Weingärten und Olivenplantagen. Hier gibt es nur Trullis ­ weißgetünchte, runde Häuser mit dem typisch kegelförmigen Dach mit Schindeln aus Kalkstein-Platten. Sie wurden aus aufeinandergeschichteten Steinen, ohne Mörtel und Holz errichtet ­ traditionell nach den Einwanderern des alten Griechenlands mit den damaligen Hügelgräbern. Von diesen Gräberbauten, genannt "Tholos", leitet sich auch der Name ab. Heute sind die Trullis eine Touristenattraktion. In Wirklichkeit sind sie ein Spiegelbild der jahrhundertelangen Entbehrungen dieses Landstriches weit im Süden Italiens.

Reisetip:

Per Flugzeug nach Bari oder Brindisi.

Per Auto über Autostrada Bologna, Ancona, Foccia, Bari und über die S 16 ins "Trulli-Land".

Empfehlenswert:

Hotel "Lo Smeraldo" in Cisternino

Tel. 0039/804448044.

Höchst empfehlenswert:

Ristorante "Pavone d'oro" in Cisternino

Tel. 0039/ 804449986.

Bemerkenswert: Ferienunterkunft in diversen sehr exklusiven Masserias mit tollstem Komfort in historischem Ambiente und mit regionaler Spitzenküche.

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In meiner Kindheit, in den „wilden 60ern", erfuhr ich an einer von mir „widerrechtlich" getätigten Kostprobe Marsala, daß außerhalb der damaligen südoststeirischen Tristesse noch irgendwo die „große Welt" sich auftun muß. Immer dann, wenn meine Eltern ihre Besuche verabschiedeten, tauchte ich meinen damals kleinen Finger in die Glasreste. Eierlikör, Kakao- Nuß-Likör und dann einmal dieser Marsala. Das war meine erste Bekanntschaft mit Sizilien. Es mußten etliche Jahre und in der Reihe einige Gläser Marsala vergehen, bis ich endlich einmal dorthin gelangen konnte. In den äußersten Westen Siziliens. Dorthin, wo im Normalfall alle Touristenströme von Reiserouten, Reiseagenturen und Reiseleitern vorbeigeführt werden. Voll hinein in jenes Sizilien, das als „Herzstück der Mafia" gelten mag.

Der Flug von Linz nach Catania war ein „Ausflug". Dann die Übernahme eines Mietautos, Marke Fiat, am Flughafen. Und später die gewaltige Unterschätzung der Entfernungen und Straßenverhältnisse auf Sizilien. Immerhin die größte Insel im Mittelmeer. Mazaro de Vallo im äußersten Westen war das Ziel. Über das regional-lokale Straßennetz, durch die wunderbaren Landschaften von Enna und später Agrigento, sowie in Folge an der Küste entlang über Sciacca entpuppte sich die Traveltour zu einer wahren Tortur. In dieser Hinsicht sollten meine Reisefans beinhart die Autobahn Catania-Enna-Palermo-Mazara befahren. Anstatt über Berge, Serpentinen und Schafherden sich ins westliche Sizilien vorzutasten.

Viel später als gedacht war man dann doch in Marzara del Vallo angekommen. Eine Region in Sizilien, vom Tourismus ungeküßt. Nordafrika und im speziellen Tunesien ist hier näher als das italienische Festland und Europa. Phönizier und Araber prägten hier mehr an Einflüssen als Griechen und Normannen. Mazara selbst war früher ohnehin arabisch. Schließlich auch die erste sizilianische Stadt, die von den Arabern im Jahre 827 nach ihrer Landung auf Kap Granitola eingenommen wurde. Noch heute wirkt die Altstadt selbst wie eine nordafrikanische Kasbah.

Das arabische Afrika lebt im Fischereihafen in voller Form. Unweit vom Fischereihafen liegen etliche Schnellboote. Hinter vorgehaltener Hand spricht man, daß einige der schnellsten Boote „der Familie" gehören.

Wenige Kilometer abseits vom Zentrum Marzaras und vom Meer liegt das Hotel&Resort Kempinski. Ein wundersam schönes Hotelprojekt inmitten der sizilianischen Pampa. Eine Luxuswelt der ganz besonderen Art. Kein Familienhotel für die „Rasselbande", sondern ein ausgewogenes Haus mit Ambiente, Stil und einem phantastischen Spa-Bereich. Ausgerichtet auf Erholung pur. Rundum im Resortgarten die reifen Mandarinen und Kumquats für den ganz persönlichen Pflückgenuß. Immerhin produzieren die Sizilianer weit über die Hälfte aller italienischen Orangen und Zitronen. Doch die international geprägte Hotelküchen- Kultur ist nicht ganz meine Welt. Demnach entdeckte ich im Ristorante al Pesciolino d'Oro (www. mazaraweb.com/residencealpesciolino) im nächtlichen Marzara all meinen Vorstellungen der sizilianischen Fischküche. Da konnte nicht einmal das gleißende Neonlicht, der ewig überlaut eingeschaltete Fernseher und der ansonsten sehr einfache Speisesaal der gewaltigen Qualität der Fischgerichte, der Freundlichkeit des Kellners und dem freundschaftlichen Nicken des dortigen Patrone etwas anhaben.

Wegen meiner kindlichen Marsala- Bekanntschaft waren die wenigen Kilometer von Marzara nach Marsala Ehrensache. Ein kurzer Trip zur Heimat des weltweit bekannten Marsalas. Dieser „füllig-süße Zustand" eines Weingetränkes verdankt seine Existenz dem englischen Weinhändler John Westhouse. Derselbe lenkte seine Aktivitäten weniger auf neue kulinarische Errungenschaften, sondern vielmehr auf verstärkte Umsätze. Um eben im Sog der Erfolge von Sherry und Portwein mit ähnlich angepaßten Qualitäten das „große Geld" zu machen. Jedenfalls wurde der Marsala auch ohne Werbung, Fernsehen und Internet zu einem Welterfolg. Ansonsten spielen die sizilianischen Weine heute auf dem italienischen Weinmarkt eine jährlich steigende Bedeutung. Qualität in der Kelterung ist angesagt. Frucht, Sonne und Reife kommen quasi von alleine.

Wieder etwas nördlich von Marsala an der Westküste liegt Trapani als einer der tradionellen Hafenstädte Siziliens. Mit einer Vielzahl barocker Bauten und einem riesigen „Salzgarten" . Historisch geprägte Salinen, in denen früher hunderte Menschen täglich ihr Einkommen fanden. Unweit von hier liegen die der Westküste Siziliens vorgelagerten Ägadischen Inseln (Isolde Egadi). Alljährlich seit hunderten von Jahren findet hier in den Monaten April und Mai die so genannte „Mattanza" statt. Von der Welt bekrittelt und von Tierschutzaktivisten immer wieder jährlich bekämpft. Weil sich an diesen Tagen der Mattanza das Meer rot färbt. Seit ewigen Zeiten ziehen die Thunfischschwärme im Frühjahr an der Westküste Siziliens vorbei. Und seit ewigen Zeiten drängen die Fischer mit ihren kleinen Booten die Thunfischschwärme in die Bucht von Favignana. Alljährlich dasselbe Spektakel. Mit Netzen werden die Fluchtwege für die Thunfische gesperrt. Und dann gehen die Fischer mit Harpunen auf das Thunfischgewühle in der Bucht los. Mit jedem Harpunenwurf färbt sich das Meer in der Bucht tiefrot. Ein Massaker in der Betrachtung der Gegenwart. Ein Überlebenskampf der Sizilianer in all den Jahrhunderten rund um Sein und Nichtsein. Früher waren es immer tausende Thunfische in der „Mattanza". Manchmal auch einige unglückselige Delphine mit dabei. Heute sind es nur mehr einige Hunderte. „Roter Thunfisch" der allerbesten Güte. Für Sushi und Sushimi werden die Thunfischstücke tiefgefroren nach Japan exportiert. Die kleineren Stücke kocht man in Meerwasser und konserviert hernach den Thunfisch in Olivenöl. Herzhaft die traditionellen und vorzüglichen Thunfischgerichte auf Sizilien. Wie Thunfisch „al ragu". Der Fisch wird mit Knoblauch, Minze, Salz in Öl angebraten. Mit Weißwein verfeinert, mit einer Sauce aus Zwiebeln, Tomaten, Knoblauch und Pfefferoni überzogen. Dazu ein Stück Weißbrot und ein Glas mit einem der wunderbaren sizilianischen Weine. „Viva Sicilia!"

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Eine Woche Sizilien ist gerade der Einstieg in die Erlebniswelt dieser größten Insel im Mittelmeer. Denn Ätna, Palermo, Marsala, Mazara, Cefalu, Messina, Catania, Taormina, Siracusa, Corleone, Agrigento und Selinunte irgendwie unter einen Hut zu bringen, bedeuten weit über 2000 Kilometer mit dem Leihauto, einen ausgeprägten Erkundungswillen und allerdings keine Zeit, sich auf die „faule Haut" zu legen. Für einen Ristretto im Cafe „Wunderbar" in Taormina sowie im „Pinguino" in Marinella und für ein wunderbares Eis in Cefalu reicht es trotz aller Reiseplanung alleweil. Eine Woche ist wahrlich nur der Einstieg in diese eigenartig-wunderbare Welt Siziliens. Eine Welt zwischen Afrika, dem Orient und dem Abendland. Das italienische Festland ist gerade fern genug, getrennt durch die „Straße von Messina" zwischen Messina und Reggio di Calabria.

Sizilien konnte sich in den Jahrtausenden völlig eigenständig entwickeln. Rund um den hier alles dominierenden Ätna war Sizilien immer schon ein blühendes Land. Auch ein Land der Begierden der Völker im Mittelmeerraum. Vor mehr als 2500 Jahren waren es die Griechen, die sich auf Sizilien niederließen. Nirgendwo sonst auf all den Inseln des Mittelmeeres wuchs der Weizen so hervorragend, wie auf Sizilien. Die fruchtbare Erde aus den Lavaströmen des Ätna war die Grundlage für die „goldenen Meere" sich im Wind wiegender Weizenfelder. Dazu die Oasen voll mit Orangen, Zitronen und Mandarinen. Und wenn die Mandeln im Frühjahr blühen, liegen süßlich, feine Düfte über den Tälern. Sizilien könnte man auch irdisches Paradies nennen. Trotz des gigantischen Vulkanes Ätna, der immer wieder und unaufhörlich Feuer, Asche und Lava in den Himmel spuckt. Verwüstung, Erdbeben, Zerstörung und Tod einerseits.

So frei die Sizilianer heute sein könnten, so sehr erdrücken sie sich in ihren eigenen Regeln. Wenngleich Sizilien mit solch Schönheit und Lieblichkeit verbunden ist, herrscht hier traditionell die Welt der Männer. Die Frauen sind in sich abgeschottet. Den Männern gelten die Freiheiten, die von der Familie und den Patronen vorgegeben werden. Da gehört es auch durchaus zum gesellschaftlichen Sport, dann und wann auch eine Touristin aus dem kühlen Norden „anzubaggern". Über die Geburt von Söhnen freut man sich auf Sizilien. Weitaus mehr als über Mädchen. Frauen und Mädchen tragen von vornherein die Bürde, daß sie weiblich sind. Eingebunden in die strengen Richtlinien von Familie und Kirche. Mit dem obersten Gebot, eben jungfräulich zu sein, für den der Familie genehmen Bräutigam.

Da waren die alten Griechen und Phönizier schon um Meilen lockerer, als sie 800 vor Christus auf Sizilien ihr Leben starteten. Nach dem 1. Punischen Krieg wurde Sizilien für nahezu 700 Jahre römische Provinz bis 440 nach Christus. Bis 827 nach Christus gehörte die Insel zu Byzanz, dem späteren Konstantinopel und heutigen Istanbul. Für über 200 Jahre war dann Sizilien arabisch. Da kam Abwechslung ins Leben, die Kultur, Architektur und ins Angebot von Essen & Trinken. Dann eroberten die germanischen Normannen 1061 Sizilien. Nach den Herrschaften der Franzosen, Spanier und gar für wenige Jahre der Habsburger fand dann schlußendlich 1860 die Eroberung Siziliens durch den Italien-Begründer Garibaldi statt. Anstatt daß sich in dem neugegründeten Italien endlich Ruhe und Wohlstand sich entwickeln konnte, zeigte halb Sizilien ihrer Insel sprichwörtlich die „kalte Schulter". Amerika war in all den Jahren die Vision. Nahezu jeder Sizilianer wollte nach Amerika auswandern.

Gleichzeitig wurde die Mafia in diesen Jahren gegründet. Die Mafia regelte als die „ehrenwerte Gesellschaft" das gesamte Leben auf Sizilien. Und in den Bezirken und Distrikten von Chicago und New York ebenso. Gesteuert von dem Paten der Paten in Corleone. Um all den Ursprung menschlicher Kulturen auf Sizilien ergründen zu können, der muß zumindest nach Selinunte. Ländliche sizilianische Verhältnisse auf der engen und kurvigen Straße. Hier im westlichsten Teil der Südküste zwischen Castelvetrano und Mazara del Vallo liegt ein riesiges Plateau direkt über dem Meer. Selinunte ist die Mega-Ausgrabungsstätte auf Sizilien. Seit unzähligen Jahren wird hier gegraben und ans Tageslicht gebracht, was einstens eine riesige Stadt und gewaltige Tempelbereiche waren. Zwischen monströsen Steinen und im Schatten einzelner Bäume gedeiht hier wilder Sellerie. „Selinon" genannt. Nach diesem Sellerie hatte man einstens die riesige Stadt als Selinunte benannt.

Damals, als im Jahre 650 vor Christus griechische Kaufleute aus Megara Hyblea die Stadt gründeten. Alles drehte sich hier damals um den Anbau von Weizen. Mit dem Handel von Weizen wurde Selinunte in wenigen Jahren zu einer Hochburg der Macht und des Reichtums. Doch bald kam es zum Krieg mit Segesta und dessen Verbündeten aus dem nordafrikanischen Karthago. Selinunte erlitt eine verheerende Niederlage. Die fruchtbaren Weizenfelder und der damit verbundene Wohlstand Siziliens brachte schon in der Urzeit kein Glück.

Sizilien ist das Paradies, das immer schon mit der Hölle sich messen mußte. Gestern wie heute. Die unzähligen Tempel, die Mauern, die Villen. All das, was nicht durch den Krieg zerstört wurde, rissen heftige Erdbeben in den folgenden Jahren nieder. Heute zeigt sich Selinunte als riesiges Trümmerfeld. Von den Tempeln sind einige Säulen standhaft geblieben. Insgesamt hatte man hier acht Tempel errichtet. Der einst 70 mal 25Meter große Tempel mit Panoramablick übers Meer war der griechischen Göttin Hera geweiht. Bis hinein ans Meer zum einstigen Hafen dieser antiken Großstadt zieht sich das Trümmerfeld. Eine einstens gigantische Stadt, die ehemals einfach zu mächtig, zu schön und zu reich war. Und somit mit dem Neid und Haß auch Gegner und Feindschaften erhielt. Mit der Zerstörung von Selinunte zeigt sich all die Widerwärtigkeit menschlicher Empfindungen und Taten auf. Ich sitze auf einem der großen steinernen Quader im Trümmerfeld einer Stadt, schließe die Augen und lasse Selinunte mit all seinem Leben und Wirken in meinen Gedanken vorüberziehen. Ich sehe die riesigen Felder voll goldenen Weizenähren. Ich rieche einen Hauch von wildem Sellerie und denke an die Göttin Hera. Eine kleine Wolke schiebt sich vor die Sonne und irgendwo bellt ein Hund. Die Weizenfelder haben sich blutrot gefärbt!

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Egal wie oft das Leben einem Venedig vergönnt, der Markusplatz und die Rialto-Brücke sind immer jene Punkte, die selbst „abgebrühte" Venedig-Fans immer wieder aufsuchen. Man braucht keine großartigen Ortskenntnisse zu besitzen, um zu Fuß von San Marco zur Rialto zu gelangen. Das Labyrinth der engen Gassen mag wohl verwirren, doch in den Zeiten touristischer Hochblüten findet man sehr schnell den Weg dorthin. Man braucht sich nur an die Trauben von Menschen anhängen, die zwischen dem Markusplatz und Rialto pendeln.

Fünfzehn Minuten und nicht mehr dauert der wundersame Weg in diesem uralten Häuserdickicht Venedigs. An jeder Fassade Ornamente und Figuren. Zeitzeugen aus einer anderen Zeit und einer anderen Welt.

Heute reiht sich in der Verbindungsstraße zwischen San Marco und Rialto eine Geschäftsauslage an die andere. Eis, Kunstwerke, Kameras, Mode, Meerestiere usw. Vor der Ponte Rialto staut es sich dann zuweilen. Hier haben die „Knipser" unter den Touristen Hochsaison. Besonders die Japaner schießen ihre Filme leer. Auch Taschendiebe lieben diese Stätten menschlicher Drängeleien.

Mit dem Blick zur Rialto-Brücke eröffnet sich auch der Canale Grande in all seiner Lebhaftigkeit. Hier in Rialto zeigt sich Venedig trotz aller Touristen von seiner italienischsten Seite. All das Geschrei der Händler vermischt sich mit den internationalen Lauten der Touristen zu einer Klangwolke der besonderen Art. Besonders war hier in Rialto, benannt nach „Rivus altus" schon immer alles. Hier, an seiner engsten Stelle des Canale Grande, wo er von der Rialto-Brücke überspannt wird, ist der bunteste, fröhlichste und älteste Bereich der Lagunenstadt. Immer schon war hier an den beiden Ufern der Rialto das wirtschaftliche Zentrum der Stadt mit all den Märkten und Verkaufsläden der Händler. Wie auf einer Bühne läuft hier das Leben in seiner ganzen Form einer chaotischen Ordnung ab. Dazu die Gerüche von Fisch, Espresso, Obst, Gemüse und Gewürzen. Eine romantische Stätte trotz all der Menschen - oder vielleicht gerade deshalb. So romantisch, daß viele Liebespaare auf der Rialtobrücke sich das Jawort fürs Leben geben.

Die Brücke strahlt in ihrer stabilen Bauart jede Menge Überlebenskraft aus. So etwas ist angesichts all der Boote und Gondeln, die von der Rialto überbrückt werden, ein gutes Omen.

Die Rialto-Brücke zählt mit Sicherheit zu den meistfotografierten und bekanntesten Brücken dieser Welt. Immerhin ist diese Brücke ein Inbegriff venezianischer Baukunst und ein Wahrzeichen der Lagunenstadt.

Im 11. Jahrhundert verband eine hölzerne Pontonbrücke die beiden Ufer. Gut 200 Jahre später erstellte man eine Holzkonstruktion. Im Jahre 1444, beim Hochzeitsumzug der Markgräfin von Ferrara, drängte sich eine derartige Masse von Menschen auf die Brücke, daß diese in sich zusammenbrach. Über etliche Jahre behalf man sich dann mit einer provisorischen Holzbrücke.

Dann, im Jahre 1507, gab es seitens der Stadtregierung Grünes Licht für den Bau einer neuen Brücke. Nachdem berühmte Baumeister, darunter der Künstler Michelangelo, Vorschläge eingebracht hatten, einigte man sich nach endlosen Streitereien auf den Entwurf von Antonio da Ponte. 1588 startete sodann der Bau der Rialto-Brücke, der 1591 abgeschlossen werden konnte.

Nach dem Prinzip der altrömischen Bogenbrücken errichtete da Ponte eine 48 Meter lange und 22 Meter breite Konstruktion aus Istrischem Marmor. Um der Brücke einen Halt zu geben, wurde die Brückenkonstruktion auf 12.000 Rammpfählen in den weichen Schwemmgrund errichtet. Entsprechend des damaligen Zeitgeistes errichtete er über die gesamte Breite der Brücke Arkaden mit Ladenzeilen für die Händler.

Das Ergebnis ist eine der ungewöhnlichsten Brücken dieser Welt, eben Rialto. Die von den Fähr- und Motorbooten ausgelösten Wellen schlagen unentwegt gegen die massive Marmorkonstruktion der Rialto-Brücke. Das scheint ihr weniger auszumachen, als all den Häusermauern entlang des Canale Grande und der unzähligen Kanäle, die sich durch Venedig winden.

Weitaus weniger Wellen schlagen die Gondeln. Man glaubt, an jeder Ecke all der Kanäle auf eine dieser wunderbaren Gondeln zu stoßen. In Wahrheit gibt es heute nur mehr rund 400 Gondeln.

Im 16. Jahrhundert waren es noch über zehntausend. Bunt waren sie damals und mit vergoldetem Schnitzwerk ausgestattet. Brokat und Samt zierten die Sitze. Im Jahre 1562 gab es einen heute unverständlichen Erlaß des Magistrats gegen den „Gondelpomp" bei Androhung einer Strafe. Naja, und seither müssen die Gondeln „Trauer tragen", weil sie aus Ruß und Firnissen ihr mattes Schwarz tragen. Auch der kleine und für die Gäste sehr praktische Aufbau der Sitzbank, genannt „felze", ist in den Jahrhunderten abhanden gekommen.

Ihre heutige Form bekam die Gondel jedenfalls im 19. Jahrhundert durch die Bootsbauerfamilien Fassi und Casal. In jeder Gondel steckt eine geniale Kenntnis der Balance. Das Boot besteht aus acht verschiedenen Hölzern und zwar aus Ulme, Eiche, Lärche, Nuß, Fichte, Linde, Kirsche und Tanne. Weil der Gondoliere steht und nur ein Ruder benutzt, ist aus Gründen der Balance der rechte Teil des Bootes um genau 24 cm schmäler als der linke.

Die sogenannte „Forcola", jene Gelenkspfanne des Bootes, in der das Ruder ruht, ist auf die Statur des Gondoliere und den jeweiligen Verkehr in den Kanälen angepaßt, damit die Gondeln nicht kentern oder an eine Mauer prallen. Was das „Ferro", jenes 20 Kilo schwere und gezackte Eisen am Bug betrifft, hat dieses Ding Funktion und Symbolik. Erstens hilft es beim Abschätzen des Zielpunktes, zweitens stellen die sechs waagrechten Zacken die Stadtteile San Marco, Castello, Cannaregio, San Polo, Dorsoduro und Santa Croce dar. Die eine bootswärts gerichtete Zacke steht für Giudecca oder auch für Zypern, das ja einstens venezianisch war.

Die Kunst Gondoliere zu sein, geht seit Jahrhunderten immer vom Vater auf den Sohn über. Die Fischer von Burano waren immer schon die Zähesten in der Lagune. Wie geschaffen für den Beruf des Gondoliere.

Im Mai und September findet alljährlich die Gondelregatta statt. Da sind dann die Gondoliere mit ihren Booten die Helden von ganz Venedig. So wie seit vielen Jahren gehört an diesen Tagen der Canale Grande nur den Gondeln.

Welch romantisches Ansinnen, unter der Rialto-Brücke in einer Gondel der Liebsten all das Glück eines Lebens zu schwören. Bei so viel Romantik in der Gondel wird man es wohl auch verschmerzen können, daß der Preis für die Gondelfahrt natürlich übertrieben hoch ist und man eigentlich ein ganz klein wenig „überlöffelt" wird. Doch, so ist eben das Leben.

Wer weiß, ob man solch eine Gondelfahrt überhaupt noch einmal wiederholen könnte? Wenn man es auch wollte!

 

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Wie aus einem Schlot, so dampft es permanent aus der Spitze. Genau 3.343 Meter über dem Meeresspiegel. Die blauen Wogen des Meeres umspielt das glitzernde Leuchten der Sonne. Einer Sonne, die hier über Sizilien all das Leben beherrscht. Über das ganze Jahr. Sizilien ist der wirkliche Nabel Europas. Die begehrteste Insel im Mittelmeer. Besiedelt von Griechen, Arabern, Römern. Tief verwurzelt mit der katholischen Kirche und der Mafia. Eine Insel, auf der sprichwörtlich „Milch und Honig fließen". Eine Insel, die eigentlich das Tor zum Paradies sein könnte. Mit der Blüte von Mandeln, Orangen, Zitronen. Mit all der Pracht der Natur, wenn im Norden Italiens in den Dolomiten noch meterhoch der Schnee liegt. Schnee liegt auch auf Sizilien. Manchmal gar im Sommer. Aber immer nur auf der Spitze.

Auf jener Spitze des Ätna, des größten Vulkans Europas. Irgendwann vor gut 600.000 Jahren tauchte der Ätna durch tektonische Verschiebungen, Vulkanausbrüchen und Explosionen im Erdinneren aus dem Meer auf. Und richtete sich bis in eine Höhe von 3.000 Meter über der Insel auf. Seither ist der Ätna der wirkliche Herr über Sizilien. Nicht die Kirche, nicht die Mafia. Wenngleich es die Sizilianer auch gerne so wollten. Doch der Ätna ist unbestechlich. Seit der Antike ist dieser Vulkan gut 140 mal ausgebrochen. Jedes Mal mit den Szenarien von Weltuntergang, Verwüstung und Tod. Jedes Mal die kilometerlangen Ströme voll glühendheißer Lava. Zudem Erdbeben, Ruß und Rauch. Und der Ätna kommt nicht mehr zur Ruhe.

Was treibt hier die Menschen, was verbindet die Menschen rund um den Ätna. Eine Million Menschen sind es, die direkt mit den Launen des Ätna in Verbindung stehen. Von Taormina über Catania bis nach Syrakus. Allein in Catania leben nahezu 400.000 Menschen. Eine pulsierende Stadt mit einem internationalen Flughafen. Man hat sich in dieser Stadt und im Umfeld mit dem Ätna arrangieren können. Aus der versteinerten Lava baute man Häuser und Straßen. Schwarz die Steine, so schwarz wie die gigantischen Lavabrocken im Meer bis zum Strand von Giardini Naxos bei Taormina. Dort wo einstens heiße Lavaströme den Ätna hinunterflossen, dort hat die Natur neues Leben inszeniert. Feigen, Weintrauben und Blumen wachsen wieder als Kontrast zum pechschwarzen Untergrund der Lava.

Der schlimmste Ausbruch des Ätna war im Jahre 1669. In diesem Jahr verschütteten die glühenden Lavamassen ganz Catania samt der Ostküste Siziliens. Gerade innerhalb der letzten 20 Jahre erwacht der Ätna immer wieder. In immer kürzeren Abständen. Begonnen hat die neueste Aktivität des Ätna im Dezember 1991. Die Eruptionen dauerten in dieser Zeit bis zum Frühling 1993 permanent an. Nach weiteren Aktivitätszeichen, meldete sich der Ätna 2001 mit einem gewaltigen Ascheregen zurück. Drei Wochen dauerte der Ausbruch des Ätna. Lavamassen wälzten sich bis zum Fuße des Vulkanberges. Wegen des Rauches wurde der Flughafen in Catania mehrmals für den Flugverkehr gesperrt. Zudem wurden die Skiliftstation und auch Häuser restlos zerstört.

Weitere Erdbeben und Lavaströme sowie zahlreiche neue Krateröffnungen prägten das Jahr 2002. Weitere Ausbrüche folgten 2004. Im heurigen Jahr 2006 ist der Ätna wieder hochaktiv. Mittlerweile fließen aus drei verschiedenen Öffnungen Lavaströme talabwärts. Zudem erschütterte ein Erdbeben der Stärke 5,7 die Region. Das stärkste Erdbeben seit 30 Jahren und mit einem Ursprung mit 208 Metern unter dem Meeresspiegel. Nach Aussage der Wissenschaftler ist der Ätna nach Jahrzehnten der Ruhe in eine volle Aktivitätsphase gerückt. Mit gefährlichen Druckvergleichen, wie bei einem Sektkorken, schießen urplötzlich Lava- und Gasfontänen bis zu 200 Meter in den Himmel. Dann „spuckt" der Vulkan aus mehreren Flankenrissen Asche und Gestein.

Der Ätna liegt genau inmitten der sogenannten Bruchlinie zwischen der afrikanischen und eurasischen Kontinentalplatte. Und weil sich die afrikanische Platte permanent auf die europäische schiebt, ist der Ätna seit Jahrhunderten durchgehend aktiv. Die Menschen in Catania haben sich daran gewöhnt. Nur die Touristen sind fasziniert von den Rauchschwaden aus dem Krater, die dem Licht der untergehenden Sonne eine Mystik verleihen. Der Reiz des aktiven Vulkans treibt die Touristen auf den Ätna. Über Straßen, die immer wieder von Lavamassen überflutetet werden. Übrig bleiben bizarre, pechschwarze Basaltfelder und mitunter die Reste eines zerstörten Hauses. Aus der schwarzen Lavamasse wachsen feinblättrige Stauden und Gewächse heran. Die Natur nimmt wieder Anspruch über die Materialien aus dem Inneren der Erde.

Auf der Fahrt von Catania nach Syrakus ist der Ätna immer ein Begleiter in Sichtweite. Einstens war Syrakus das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum Siziliens. Eine Millionenstadt in der Antike. Später von den Römern ausgeplündert. In der frühchristlichen Zeit mit all seinen Katakomben ein Zentrum des Christentums. Hier predigte auch der Apostel Paulus. Später in der byzantinischen Epoche Hauptstadt Siziliens. Und dann wieder später der Absturz in ein tiefes Loch der Bedeutungslosigkeit. An der Piazza in Syrakus muß man gesessen haben. Mit sich, der Welt, der Geschichte und einem Ristretto vereint. Die Faszination einer morbiden Stadt.

Gewaltige Faszinationen der Menschheit und das starke Gefühl der totalen Vergänglichkeit ziehen sich durch die engen und muffigen Gassen. Die tiefblauen Wogen des Meeres mutieren sich in der Brandung an den steinernen Mauern von Syrakus zu einer weißen, giftigen Gischt. Laut schlägt das Meer auf die Festung Syrakus. Für die Einwohner nicht mehr merkbar. Doch die wunderbare Altstadt scheint ihr Leben einzubüßen. Praktisch an jedem Haus hängen die Tafeln „Zu verkaufen!" Die Arbeitsplätze, der Fischfang, etwaige Industrie, die Zukunft, alles nicht wirklich vorhanden. Umso mehr findet im Abseits der Altstadt die „Santuario della Madonnina delle Lacrime" Beachtung. Seit 1953 „weint" hier das Madonnenbild aus Gips immer wieder Tränen. Über der Madonna wurde ein riesiger Rundbau mit einem Durchmesser von 90 Meter und einer Dachspitze von 76 Meter errichtet. Und zwischendurch spuckt der Ätna wieder Feuer und Lava!

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Der Golf von Neapel gehört wohl zu den schönsten Gegenden der Welt. Das wußten einstens um 750 vor Christus schon die Griechen und einige Zeit später die Römer, die sich hier ansiedelten. Jetzt sind es Schwärme von Touristen, die neben der wunderbaren "Strada Amalfitana" mit den Perlen Amalfi, Positano und Ravello im nahen Golf von Salerno auch den Golf von Neapel bevölkern.Zwischen dem malerischen Sorrent und dem turbulenten Neapel sowie den der Küste vorgelagerten Inseln Capri und Ischia liegt der Berg, der das Schicksal dieser Region und alles Lebens hier geprägt hat. Auf seinen Hängen mit fruchtbaren Vulkan-Böden gedeihen rubinrote Vulcano-Weine und zahlreiche Obstsorten.Bis zu 20 Meter unter der Erdoberfläche gibt es andere Welten. Fest in Lava-Schlamm eingebettet, haben einstige große Siedlungen und Bauwerke die Epochen überdauert.Der Vesuv war und ist hier das Schicksal als einziger aktiver Vulkan auf dem europäischen Festland. Majestätisch steht er da mit seinen Gipfeln Monte Somma und Vesuvio, die bis in eine Höhe von 1.178 Meter in den Himmel ragen. Wenngleich der Vesuv sich derzeit "friedlich" darstellt, so ist dieser Vulkan seit 2.000 Jahren niemals mehr zur Ruhe gekommen. Im Vesuv-Krater brodeln Millionen Kubikmeter heißen Magmas.

In zeitlichen Abständen gibt es die gewaltigen Ausbrüche, wobei flüssiges Lava rundum alles zerstört. So geschehen in den Jahren 1944, 1913, 1906, 1794, 1631 und 1500.Der gewaltigste Ausbruch war im Jahre 79 nach Christi: Der vernichtende Ausbruch erfolgte an einem 24. August des Jahres 79 nach Christi. Dort, wo heute Ercolano, etwa 8,5 Kilometer südöstlich von Neapel liegt, steht die römische Patrizierstadt Herculaneum, völlig über die Epochen hinweg erhalten. Nur um etliche Etagen tiefer. Schließlich liegt Herculaneum nun 20 Meter unter der Erdoberfläche, eingebettet und völlig konserviert in Lava-Asche und Schlamm. Ein gewaltiger Strom mit Asche und heißem Wasser begrub die Stadt an diesem Tage mit all dem Leben darin.5.000 römische Patrizier und Bürger lebten hier in reich ausgestatteten Villen und wundervollen Anlagen. Über 1.600 Jahre war Herculaneum vergessen. Durch Zufälle erfolgten 1738 erste Ausgrabungen und die Gewißheit, daß 20 Meter unter den Häusern von Ercolano eine völlig intakte Römerstadt steht. Da ist noch alles da, vom Schmuck bis zum Handwerkszeug, Mobiliar und Fresken.Bis heute wurde nur ein Teil der Römerstadt freigelegt. Ein ungeheurer Fundus für die Wissenschaft.

Da die Römer ihre Toten verbrannten, lieferten die unzähligen Skelettfunde von Herculaneum tiefe Einblicke über die Römer. So waren die Männer 1,65 Meter groß und die Frauen wesentlich kleiner. Karies gab es kaum, aber auch keinen Feinzucker. Im Haus des Chirurgen fand man fast neuzeitliche Bestecke, wie Skalpelle, Zangen, Katheder, Scheren, Pinzetten, Klammern usw.Unweit vom heutigen Ercolano liegt südlich des Vesuv das wohl bekannteste Lavafeld ­ die einstige Stadt Pompeji. An diesem 24. August war Pompeji noch eine quirlige Handelsstadt mit einem Hafen an der Mündung des Flußes Sarno. Hier lebten neureiche Kaufleute, aber in der Mehrzahl Arbeiter, Handwerker und Sklaven. Gut 20.000 Menschen waren in dieser Stadt. Allesamt sind sie gestorben an diesem Tag des Untergangs Pompejis.Große Teile der einstigen Stadt sind nun wieder freigelegt und öffnen mit den Läden, Werkstätten, Villen, Freudenhäusern usw. einen tiefen Einblick in den römischen Alltag. Sogar die Fußübergänge auf den gepflasterten Straßen sind noch erhalten. Manches ist so, als hätte der Untergang Pompejis gestern und nicht vor nahezu 2.000 Jahren stattgefunden.Unweit von Pompeji, in Torre Annunziata, wurden 1964 zwei bedeutende Villen ausgegraben. In der einen, der Villa Poppea lebte einstens Neros Mätresse und spätere Gemahlin des blutrünstigen Kaisers. Poppea, die vorerst selbst Nero beeinflußt hatte, starb selbst an den Folgen eines Fußtrittes ihres Gatten.Der alles vernichtende Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 veränderte nicht nur den Berg selbst, sondern auch die umliegende Landschaft.

Neue Täler enstanden, die Wälder gingen im Schlamm zugrunde und die Küstenlinie wurde zwei Kilometer hinaus ins Meer geschoben. Heute, in den Jahren der merklichen Erruptionspause des Vulkans steht der Berg im Interesse der Touristen. Von Ercolana führt die breite "Strada del Vesuvio" in Serpentinen den Vesuv bis in eine Höhe von 1.070 Meter hinauf. Zum Krater gibt es einen Fußweg.Etwas nördlich von Neapel liegt Pozzuoli, Geburtsort der Schauspielerin Sophia Loren, einst schicke Villenregion der Reichen des alten Roms. Unter den "brennenden Feldern" glüht immer noch aggressiv ein Vulkan.Im Jahre 1538 wurde die Region von einer schweren Erdbebenserie heimgesucht. Dabei wuchs hier in Windeseile ein völlig neuer Berg, der Monte Nuovo urplötzlich aus dem Boden. Es ist Europas jüngster Berg.Der bekannteste Krater ist der Vulcano Solfatara, genannt die Schwefelgrube. Ein mit weißer Asche angefüllter, noch grollender Krater mit zahllosen brodelnden Löchern, die Gase und Dämpfe ausstoßen. Es riecht markant nach Schwefel. Hier ist Vorsicht geboten, denn falsche Schritte auf dem dünnhäutigen Kraterboden abseits vom vorgegeben Rundweg "verschlucken" den Unglückseligen in die siedendheiße Unterwelt der Vulkane.

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Sonne, traumhaftes Wasser, bizarre Klippen, wunderbare Buchten, kurvige Straßen, freundliche Menschen und so manches mehr. Das ist kein Werbeslogan, sondern ein lebendiger Traum, und der heißt „Ogliastra". Gemeint ist die bislang unbekannte Region rund um Arbatax und Tortoli an der Ostseite einer der schönsten Inseln der Welt, Sardinien.

Wenn die großen Fährschiffe vom Festland hier in Arbatax vor Anker gehen, bilden die bizarren, roten Porphyrklippen den ersten Eindruck Sardiniens. Ein Eindruck, der keineswegs für die gesamte Insel herhalten kann, denn diese Art von Klippen gibt es nur in Arbatax. Damit gehören sie auch zu den unzähligen Naturwundern Sardiniens.

Weithin sichtbar auf dem Felsvorsprung Bellavista ist der Leuchtturm, sozusagen als Zeichen der Schiffsverbindungen, die es erst seit 1969 mit Genua und Olbia gibt. Mit den traditionellen Fähren dauert die Verbindung Genua-Arbatax gut 16 Stunden. Demnach sind es vorwiegend Italiener vom Festland, die in Arbatax mit ihren Autos von der Fähre fahren.

Seit Mai dieses Jahres sprechen die Touristen hier in der Region Ogliastra vermehrt Deutsch mit betont österreichischem Dialekt. Der Grund dafür sind die Aktivitäten des Tiroler Reiseunternehmens Christophorus, weshalb bis Ende September wöchentlich die Propellermaschine Dash der Tyrolean auf dem privaten „Flughafen" in Tortoli landet (wir berichteten). Der Flugplatz von Tortoli zählt mit Sicherheit zu den kleinsten der Welt. Und so saust man regelrecht durch die Zitronenplantagen, wenn die Dash aus Graz, Innsbruck oder Salzburg bei der Landung aufsetzt.

Tortoli selbst ist mit seinen 8.500 Einwohnern die Hauptstadt der Ogliastra und Arbatax, der 400 Seelen zählende Hafenort ist ein Stadtteil von Tortoli.

Mit den neuen Flugtouristen aus Österreich steigt die Region Ogliastra als einer der mehr oder minder unbeachteten Traumgegenden in die Richtung des sanften Tourismus. Denn in dieser Region zwischen den hohen Bergzügen Innersardiniens, der Ebene von Tortoli und dem Hügelland von Bari Sardo und den unzähligen Buchten an der Küste zeigt sich Sardinien in all seiner Vielfalt und Reiz. Lange, sandige, weiße Strände mit Pinien und Tamarisken säumen die einzelnen Buchten, die im ewigen Kampf des Meeres gegen das Land von einer gnädigen Natur geschaffen wurden.

Hier und da vereinzelt Sonnenschirme, die im warmen Wind ein wenig flattern. Keine Spur von Menschenmassen, dafür Ruhe und ein Wasser, das im Spiel des Lichtes zwischen azurblau, violett und smaragdgrün schimmert. Karibische Ansichten könnte man meinen, nur vielleicht noch abwechslungsreicher und erholsamer.

Von der Reinheit des klaren Wassers ist man schlichtweg begeistert. Ein Teil des Mittelmeeres in einer Qualität, das man nicht erhoffen glaubte. An manchen Buchten wurden hier direkt am Strand kleine und sehr gediegene Hotels errichtet. Auch das ist ansonsten unüblich in den meisten anderen Regionen Sardiniens.

Im Norden der Insel, mit Ausnahme der sündteuren „Costa Smeralda", sind die Ferienanlagen gerade soweit von den Stränden entfernt, daß es ohne Auto und der damit verbundenen Strandpackelei kaum geht. Hier in der Ogliastra stehen vielfach die Strandschirme direkt vor den Hotelterrassen.

In den durchwegs neu errichteten Hotelanlagen in den einzelnen Buchten sind auch die kulinarischen Freuden in den einzelnen Restaurants an die oberste Stelle gesetzt. Von Wildschweinschinken, Spanferkel bis zu den attraktiven Fischgerichten und den mit Pecorino gefüllten Teigspezialitäten zieht sich eine breite Palette sardischer Kochkunst quer durchs Angebot. Wer es besonders deftig und ländlich-urig mag, findet in den ländlichen Gaststätten im Hinterland regelrechte Offenbarungen. Hier hat sich die Pizzamentalität gottlob noch nicht eingeschlichen. Tradition ist auf Sardinien eben höchstes Gebot. Eine bestimmte Form von ausgeprägter Mystik ummandelt diese zweitgrößte Insel des Mittelmeeres.

Die roten Klippen von Arbatax waren damals lange vor der christlichen Zeitrechnung Zeichen der Hoffnung für die vielen Flüchtlinge aus dem einstigen Troja, die hier mit ihren Booten anlegten, um eine neue Heimat zu finden. Der Name Tortoli dürfte von damals her auf das griechische „Illio" als Hinweis auf die Feuerzerstörung Trojas zurückzuführen sein.

Die Insel selbst war schon 6.000 Jahre vor Christi besiedelt. Die wohl ersten Siedler stammten von der Nachbarinsel Korsika. Dann folgten die Nuraghier und als Eroberer und Herren die Punier, Römer, Byzanthiner, Araber, Spanier und für wenige Jahre gar die Österreicher. Im Jahre 1720 ging die Insel in den Besitz der Grafen von Savoia über, die somit den Titel „König von Sardinien" annahmen. Ab 1820 erfolgten über Erlaß die großen Landeinfriedungen. Die Reichen der Insel nahmen einfach von den großen Gemeindeweiden Besitz und wurden demnach Feudalherren. Die Zeit der Padrones auf Sardinien wurde damit eingeläutet.

Seit 1948 ist Sardinien eine autonome Region Italiens. Die Sarden fühlen sich in keinster Weise als Italiener. Überall in der Ogliastra weisen Nuraghenbauten, Gräber und Kultplätze in eine Geschichte, die bis zu 8.000 Jahre zurückliegt. Die in die Felsen geschlagene Gräber, wie etwa „Domus de Janas" oder „Tomba dei giganti" sind heute vielbesuchte Kultstätten. Auch die aus großen Steinen errichteten Nuraghenbauten der alten Stammesfürsten lassen auf eine bewegte Geschichte schließen. Eine Attraktion der besonderen Art ist der sogenannte „Trenino Verde", der grüne Zug, der sich von Arbatax über die Berge bis nach Mandas bewegt.

Als Reisender in diesem Zug erfährt man die Magie dieser Region in all ihrer landschaftlichen Vielfalt. Die Zugfahrt führt auch durch Lanusei, der Verwaltungshauptstadt der Ogliastra und Bischofssitz. Unweit davon ist Jerzu, die berühmteste Winzergemeinde des gewaltigen „Cannonau". Dieser Rotwein ist der Paradewein Sardiniens - voll Kraft, Frucht, voll Struktur und trotzdem unendlich rund im Körper. In Villagrande hingegen wird ein exzellenter Schinken produziert. In Ilbono sind die feinen Stickereien berühmt und in Barisardo, der bekannten Gemüsestadt, steht die schönste Kirche der Region Ogliastra mit einem barocken Glockenturm. Wer abgesehen vom „Grünen Zug" die Gegend des wundervollen Hinterlandes erfahren möchte, benötigt zumindest ein ordentliches Fahrrad oder ein Auto. Mietautos gibt es in einem bescheidenem Ausmaß. Es ist aber dennoch ratsam, ein Auto zu buchen, denn in dieser faszinierenden Region ergeben sich alle paar Kilometer, förmlich hinter jeden Kurve , neue Perspektiven der Landschaft und der Eindrücke.

Eine Region auf Sardinien, die bislang im Verborgenen blieb. Jetzt ist man in zwei Stunden ab Graz mit dem „Turbo-Prop" mittendrin.

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Sonne, Zitronen, Meer, Vulkan Ätna, eben Sizilien. Kaum zwei Stunden benötigt der kleine Tyrolian –Jet ab Linz bis zur Landung in Catania. Eine Stadt im Osten der Insel. Eingebettet zwischen dem Meer und dem gigantischen Ätna. Kilometerlange Rauch- und Staubfahnen ziehen sich über dem schneebedeckten Krater des Vulkans. Flamingorosa gegen das Licht der Sonne schimmernd. Problemlos, schnell und temperamentvoll höflich die Übernahme des Leihwagens bei Hertz am Flughafen. Ein fast nagelneuer Fiat Idea. Der fahrende Untersatz für eine Woche Sizilien. Doch Sizilien ist nicht nur groß, sondern auch gigantisch in seinem Angebot. Eine Fundstätte für Naturliebhaber, Archäologen, Historiker und Feinschmecker. Eine Insel, die den Reisenden nahezu hinter jeder Ecke neu beeindruckt. Zu schade „nur" für einen Badeurlaub. Sizilien fordert die Neugierde, das Interesse. Sizilien ist der Nabel der griechischen Antike, der römischen Städte, der arabischen Welt und der normannischen Rückeroberung zum Christentum.

Deshalb ist Sizilien eine traditionelle Insel für Rundreisen. Anstatt im Kollektiv eines Reisebusses, wählte ich den Fiat Idea. Meiner individuellen Lebens-einstellung entsprechend. Dazu als beste Reisebegleiterin meine Frau. Besser als das ansonsten gewohnte und ans Herz gewachsene Navigationsgerät. Am Ätna südlich vorbei ging es mit dem Fiat über die gewaltigen historischen Stätten Enna und Agrigento nach Mazara del Vallo. Gut fünf Stunden kurvige Straßen über Berge, Pässe in den äußersten Westen der Insel. Mazara hat den größten Fischereihafen Italiens. Eine interessante Stadt, die jedoch völlig außerhalb der touristischen Routen liegt. Wie der gesamte Südwesten. Tankstellen und Cafe's sind rar. Hinweisschilder schon weniger als auf das Wesentliche reduziert. Die Sprache Deutsch ist unbekannt. Englischsprechende findet man mit extremen Zufall.

Das Land im Westen ist einzigartig schön. Reines Bauernland mit zahlreichen Plantagen voll Zitronen, Mandarinen, Orangen, Kumquat, Artischocken und Mandeln. Im tiefgrünen Buschwerk der mittelgroßen Zitronen- und Mandarinenbäume die leuchtenden Früchte und die weißen Blüten. Ein faszinierendes Schauspiel. Die riesigen Artischocken finden überall in der Region ihren Absatz. Auf dem offenen Feuer gegrillt, sind sie hier eine Spezialität. Ein süßer Duft hängt auch über den Mandelplantagen. Mit der traditionellen Mandelproduktion ist Sizilien Zentrum für Marzipan. In allen nur erdenklichen Varianten in den Pasticcerias erhältlich. Der Westen Siziliens ist eine eigene Wunderwelt. Und weil Corleone auch in dieser Region liegt, war ein Pflichtbesuch dorthin vordringlich.

Sizilien ist die Hochburg der Cosa Nostra, kurzum Mafia. Und Corleone ist die geheime Hauptstadt. Die Heimat der großen Bosse, der Paten und ihrer „Familien". Weltweit bekannt auch durch die „Pate"-Bücher und Filme von Mario Puzo. Somit der Nabel der weltweiten Mafia. Corleone zählt immer noch zu den gewalttätigsten Städten der Welt. Allein von 1944 bis 1948 wurden hier 153 Morde verzeichnet. Die Leichen der Opfer wurden vielfach in den Höhlen und Kluften der Anhöhen rund um Corleone für immer versenkt.

Von 1953 bis 1958 wurden 130 Menschen ins Jenseits gebracht. Die „Familie" aus Corleone übernahm nach dem großen Bandenkrieg mit 300 Toten die Vorherrschaft in Sizilien. Als Boß Toto Riina, natürlich aus Corleone. Entgegen aller Andeutungen lebt die Mafia in Sizilien stärker denn je. Das „Gesetz des Schweigens" der Cosa Nostra zieht sich quer durch die Insel. Mit 5.000 Mitgliedern und gut 20.000 Sympathisanten der Mafia.

Am 10. April 2006 startete ich somit den Fiat Idea im Kempinski-Hotel in Mazara in Richtung Corleone. Über Menfi vorbei an Plantagen und Schafherden vorerst nach Caltabellotta. Ein kleines Bergstädtchen hoch über der hügeligen Region. Mit weiter Sicht bis zur Küste und übers Mittelmeer. Ein Festplatz für Fotographen. Von Bernardo Provenzano hatte ich bislang nichts gewußt. Jetzt weiß ich, dass Provenzano am 31. Jänner 1933 in Corleone geboren wurde. Chef der sizilianischen Cosa Nostra war. Rund 50 Morde werden ihm zur Last gelegt. In dem im Jahre 2004 gedrehten Film „ Das Phantom von Corleone" dreht sich alles um die Frage, warum Provenzano niemals gefaßt wurde. Bernardo Provenzano war schließlich seit 43 Jahren auf der Flucht. Am 10. April 2006 immer noch. Bizarr und abgeschottet zeigte sich die kurvige Straße in Richtung Corleone. Die Piazza in der Stadt Bisacquino ist in der Mittagszeit menschenleer. Das hat nichts mit der Mafia zu tun.

Es ist Siesta, überall im südlichen Italien, in Spanien und im arabischen Raum. Ich dachte dennoch an die Cosa Nostra und Corleone. Damals rund um 1850 wurde sie gegründet. Aus bewaffneten Banden, welche die Güter der adeligen Großgrundbesitzer vor den aufständischen Bauern schützen sollten. Die sogenannten „Soldati", eben die einfachen Mitglieder töteten die Feinde. Ohne Bezahlung. Dafür wurden sie und ihre Angehörigkeiten wiederum unter den Schutz der „Familie" gestellt. Heute zahlen gut 70 Prozent aller Unternehmer auf Sizilien Schutzgeld, das sogenannte Pizzo. Insgesamt jährlich sieben Milliarden Euro auf Sizilien und 14 Milliarden in ganz Italien. Der gesamte Mafia-Umsatz wird auf jährlich 100 Milliarden Euro geschätzt. Corleone zeigte sich als eine sattsam friedliche Stadt. Vor dem Friedhof warteten die ersten gesichteten Touristen die Mittagssperre ab, um endlich Fotos von den Gräbern der Familien machen zu können. Kein Carabinieri und niemand, der ein Mafiosi sein könnte, auf den engen Gassen. Irgendwie war alles gar zu ruhig. Einen Tag später, am 11. April wurde der Pate Bernardo Provenzano in einer Scheune in Corleone verhaftet. Zwei Wochen hatte vorher die Observierung gedauert. Deshalb war die Polizei zwar weg von den Straßen aber keineswegs „weg vom Fenster". Irgendwie war ich da mittendrin, ohne es zu wissen. Die Stadt Corleone will jedenfalls den 11. April wegen der Festnahme von Provenzano zum Feiertag erklären. Eine Straße der Stadt soll zudem den Namen „ via 11 aprile" erhalten. Allerdings war ich am 10. April in Corleone. Da muß wohl ein Irrtum vorliegen.

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Costa Smeralda! Der Bond-Streifen "Der Spion, der mich liebte" wurde hier gedreht. Wie ein kleiner Spion kommt sich der Normalbürger auch vor, wenn er dieses Stück Land erforscht.

Die Costa Smeralda ist ein gut 55 Kilometer langer Küstenstreifen im Norden Sardiniens, unweit von der Südspitze der französischen Insel Korsika entfernt ­ eingebettet zwischen Porto Cervo und Golfo Aranchi, Glitzerwelt der mondänen Welt und beliebtes Ferienziel der Berühmten und Reichen im Mittelmeer. Mondän und um das Vielfache teurer als die ruhigen Küsten im Süden Sardiniens, will es die Society rund um den Jet-set der internationalen Film-, Finanz-und Prominentenwelt.

Ehemals war die Costa Smeralda nicht mehr oder weniger als eine unter den unzähligen wunderschönen Küstenstreifen Sardiniens. Nahe der traditionellen Hafenstadt Olbia erfuhr der Norden Sardiniens schon immer mehr Berührung mit Fremden und Touristen als der Süden der Insel rund um die Hauptstadt Cagliari.

Die Costa Smeralda verbindet nicht nur optisch etwas Märchenhaftes, ja Unwirkliches. Auch ihre Entwicklung könnte etwas mit einem Märchen und einem Prinzen zu tun haben. Ein echter Prinz war es auch, der sich Anfang der 60er-Jahre in den Küstenstreifen verliebte. Prinz Aga Khan Karim kaufte 5.000 Hektar Weideland und setzte damit den Grundstein für die heutige Costa Smeralda. In gut 25 Jahren machte Aga Khan dieses wunderschöne Fleckchen zum Treff der Show- und Business-Welt.

Porto Cervo, das einstige Fischer- und Bauerndorf mit 300 Einwohnern, ist in der Hochsaison Tummelplatz für nahezu 50.000 Menschen. Porto Cervo hat dank Aga Khan alles, was seit Jahren den Zeitgeist der Society beflügelt. Mondäne Hotels, Sportanlagen, Jachthäfen und tolle Boutiquen mit den neuesten Designer-Kreationen der jeweils nächsten Jahreszeit. Die Hotelanlagen der Luxusklasse, wie Cala di Volpe, Pitrizzia, Romazzino oder Cervo bieten nicht nur Exklusivstes in Sachen Essen, Trinken und Residieren, sondern haben eigene private Badestrände und Häfen für kleinere Jachten.

Die größeren Jachten des Jet-sets liegen im Hafen von Porto Cervo vor Anker. Keine herkömmlichen Jachten wie in Lignano oder an den Gestaaden der dalmatinischen Küste, hier ist alles größer, edler und teurer. Keine Familienboote, sondern Jachten mit adrett gekleideten Besatzungsmitgliedern, die liebevoll das Relinggeländer aus Treakholz polieren oder im Dinnerbereich an Deck den Tee servieren. Jedes Schiff ist seine eigene Burg. Man lebt in einer eigenen Kaste der Schiffseigner und kümmert sich nicht um jene, die nicht dazugehören: Jene Touristen und Neugierige, die mit Bussen tagsüber nach Porto Cervo herangekarrt werden, um in diese Welt des Reichtums hineinschnuppern zu können. Die Reichen und Schönen auf den Jachten wissen, daß sie ein Teil und Bestandteil der Welt sind, weswegen die Müllers und Meiers zu einem Abstecher an die Costa Smeralda kommen, um zu fotografieren und zu filmen und den Nachbarn zu Hause zu imponieren. Die wunderschönen Jachten haben ihren Preis ­ und auch die makellosen Bikinimädchen, die sich auf den Sonnendecks aalen. Eben die komplizierte und doch so einfache Welt des Jet-sets: Dazugehören oder nicht! Heute in vollen Zügen leben und morgen schon vergessen sein!

Porto Cervo ist mit seinen attraktiven Einkaufsgassen umhüllt von einem Flair von Reichtum. Es riecht nach dem Duft der großen Welt. Ein weltlicher Traum, der rasch verfliegt, wenn die Saison wieder vorbei ist.

Wenn die Menschen, die Porto Cervo im Sommer in das Reich des Jet-sets tragen, im Winter in Kitzbühel, Lech oder St. Moritz ihre Feste feiern, verbleiben in Porto Cervo die 300 Einheimischen und manche denken zurück an die Zeit, als alles noch bäuerliches Weideland war in einer wirklichen Welt realen Lebens. An damals, als alles noch um vieles echter war. Aber das haben die jungen Menschen aus Porto Cervo ohnehin noch nie erlebt. Echt ist einzig das Altarbild in der Kirche Santa Maria. Dort hängt ein wahrlich echter El Greco!

Etwas südlicher von der teuren Meile Costa Smeralda wird es typischer auf Sardinien. Weiße Sandstrände, mitunter mit feinem Sand so wie Weizenmehl. Über diverse Pfade geht es an allen Ecken zu den Stränden in den vereinzelten Buchten. Das Wasser, das Sardinien umspült, ist von einer für das Mittelmeer ungewohnten Sauberkeit. Glasklar, ohne Schmutz, ohne geringste Spuren von Plastiktüten oder Algen. Das Meer hat im August an die 25 Grad Wärme. Wie geschaffen für den Badeurlaub und das Tauchen.

Schon seit Jahren haben die Römer vom italienischen Festland erkannt, daß es an den Stränden von Sardinien wunderschön und noch dazu billiger ist als im übrigen Italien. Die Touristen sind demnach vorwiegend Italiener selbst. Also, "man spricht hier nix deutsch."

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„Klingsors Zaubergarten ist gefunden!" So schrieb es der Komponist Richard Wagner am 26. Mai 1880 in das Gästebuch seines Hotels in Ravello. Wagner sollte in dieser Zeit die Oper „Parsifal" fertig stellen. Aber beim zweiten Akt stürzte der Komponist in eine Art Schaffenskrise. Auf der Suche nach sich selbst und seinem Talent startete er ein Reiseabenteuer zu einem der erklärten Kraftpunkte dieser Welt. Zur Amalfitana, zur wunderbaren Küste zwischen Sorrent und Salerno. Mit den baulichen Prunkstücken Amalfi, Atrani, Positano, Praiano, Vietri und Ravello, in der geschichtsträchtigen Provinz Kampaniens liegend. Gegenüber dieser Bucht der Amalfitana die Insel Capri. Mit seiner Frau Cosima zog es Richard Wagner nach Ravello.

Von Atrani die Serbentinen hoch ins Valle del Dragone, ins Drachental. Dort liegt hoch über der Küste Ravello. Ein verwunschener Ort, ein verzauberter Garten dort in der „Villa Rufolo" . Mit spielerisch angelegten Mauern und Wegen im maurisch- normannischen Stil. Die blühenden Gewächse, die Mauern und Höfe und der einzigartige Blick über den gesamten Küstenstreifen lösten wie durch einen Donnerschlag die Schaffensblockade von Richard Wagner. Hier in der „Villa Rufolo" wurde „Klingors Zaubergarten" gefunden. Der zweite Akt und die Oper Parsifal waren gerettet. In Erinnerung an diesen Ideenblitz des Künstlers fühlt sich Ravello als eine Art Wagnerstadt.

Die Villa Rufolo selbst, ist heute Sitz des Europäischen Universitätszentrums für Kulturgut. Und seit über 40 Jahren finden hier im Juni und Juli Wagner-Veranstaltungen auf höchster Qualitätsstufe statt. Im Rahmen des „Festival Musicale di Ravello", das nunmehr seit all den Jahren ein einzigartiges Erlebnis der Klänge über der berauschenden Küste von Amalfi darstellt. Vom Zauber Ravellos angetan, kamen aber auch neben Richard Wagner andere Künstler hierher, um Inspirationen und Ideen zu tanken. Wie etwa die Maler William Turner und Miro, der Komponist Edward Grieg und die Schriftsteller Tennessee Williams, Gore Vidal und D. H. Lawrence. Und dann kam auch Greta Garbo, die ungekrönte Königin Hollywoods in den 30er Jahren. Auch der Inspiration wegen. In erster Linie aber wegen des Dirigenten Leopold Stokowski, der im Februar 1938 in der „Villa Cimbrone" eine Suite für etliche Wochen mietete. Kurz darauf erschien die Filmdiva und erlebte hier die wohl romantischsten und sinnlichsten Tage ihres Lebens. Eine Plakette am Eingang zur „Villa Cimbrone" soll die Besucher an den sinnlichen Treff erinnern. Mit Ausnahme dieses Liebesaufenthaltes der Garbo, ist man heute in der „Villa Cimbrone" sehr zugeknöpft, was das Tun und Lassen der Hotelgäste betrifft. Denn diese Anlage ist eine Hochburg der Romantik.

Auf diesem Hügel über der Küste mit seiner atemberaubenden Aussicht, hatte man schon im 11. Jahrhundert ein Anwesen errichtet. Das acht Hektar große Gelände samt der historischen Gemäuer erwarb Ende des 19. Jahrhunderts der Millionär Lord Grimthorpe. Dieser verwandelte diesen wohl schönsten Platz Ravellos und der gesamten Amalfitana zu einer baulichen Vermischung der Stile. Insgesamt aber inklusive Panoramablick und Luxushotel eine einzigartige Stätte. Ein Fixpunkt als Besichtigungsziel für jeden Ravello- Besucher.

Genauso auch diese wundersame „Villa Rufolo. Dieser monumentale Komplex wurde im Jahre 1280 errichtet. Genau an dem Platz, wo schon viele Jahre vorher in der Römerzeit eine Siedlung stand. Die Bauherren der Familie Rufolo waren im Mittelalter reiche Kaufleute, Bischöfe und Bankiers des Hauses Anjou. Bis zum Jahre 1588 verblieb die Familie Rufolo als Eigentümer des Projektes mit seinen romantischen Gärten. Nach den Jahrzehnten des Verfalles erwarb 1851 der berühmte schottische Botaniker Francis Neville Reid das Anwesen. 1892 wurde der britische Wissenschaftler Carlo Lacaita neuer Besitzer. Heute ist die „Villa Rufolo" im Eigentum des italienischen Staates.

Ravello selbst erblühte zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert zu einer Metropole der damaligen Wirtschaft. Mit eigenem Hafen zwischen Atrani und Minori bauten von hier aus die Kaufleute Handelsbeziehungen im ganzen Mittelmeer auf. Die rivalisierenden Pisaner zerstörten dann Ravello 1335. Der Traum der wirtschaftlichen Vorrangstellung im Mittelmeer war somit ausgeträumt. Leben und Leben lassen, Gelassenheit und Ruhe strahlt das heutige Ravello aus. Wenn nicht gerade Touristenoder Schülergruppen durch die schmalen Gassen und über all die unzähligen Stufen „gescheucht" werden. Ein wunderbarer Platz der Muse und der Inspiration. Für Geist und Seele und die Einkehr in sich selbst. Das praktizierten schon Richard Wagner und die weiteren Künstler. Viele auch heute noch. Jetzt noch unbekannt, aber vielleicht morgen Stars der Kunstszene. Womöglich geküßt von der Muse in Ravello. Inmitten der Blüten in den Gärten und den Zitronenund Limonenbäumen. Satt gelb leuchten die riesigen Limonen in den Hängen. Und auch die Zitronen, die seit der Reblaus viele der ehemaligen Weingärten bevölkern.

Eine spezielle Besonderheit der Region ist der so genannte Limoncello. Ein Zitronenlikör aus Zitronenschalen, Alkohol und Zuckersirup. Ein Likör, der hier in jedem Haus getrunken und in jeder Osteria als Digestif und in den Geschäften als Souvenir angeboten wird. Die Costa Amalfitana ist die Zitronenküste Italiens. Die Zitronen hatte Alexander der Große von seinen Kriegszügen in Persien hierher gebracht. Vorerst wegen der Säure als Frucht verschmäht, fanden Zitrone und Limone höchste Beachtung, als man den Früchten die Symbole der Fruchtbarkeit „unterschieben" konnte. In Zitronengelb präsentieren sich auch die unzähligen Teller, Platten und Krüge mit Mustern nach Sonne, Mond. Wer von Ravello wieder bergab zur Küste fährt, gelangt automatisch zur Kreuzung mit der „Amalfitana" nach Atrani. Hier ist zumindest eine Rast ein unbedingtes Muß. Inmitten der Arkaden des mittelalterlichen Zentrums von Atrani, einen Espresso zu trinken. Und das Leben in all seiner süditalienischen Mischung von Temperament und Gelassenheit in sich aufnehmen. Die Welt von einer anderen Seite betrachten. Und nachdenken über Wichtiges und Unwichtiges. Und was wirklich wichtig im Leben ist. Das ist das „Atrani- Syndron". Und das hat man in einigen Spielfilmen, die hier auf der Piazza gedreht wurden, auch schon versucht, zu demonstrieren.

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Spätestens seit dem Hollywood- Schinken Troja hat sich die Welt der antiken Griechen ein wenig in die Kurzzeit-Gehirne der Gegenwart eingeprägt. Die alten griechischen Gottheiten Poseidon, Hera, Zeus oder Neptun haben zumindest im Breitband-Filmwerk nichts an Glanz verloren. Und Athen mit seiner Olympiade im Jahre 2004 zeigte zumindest die verklärte Mystik einer ehemaligen Welt der Antike auf. Der Antike der Griechen. Nicht nur beheimatet in der Inselwelt Griechenlands, sondern auch in Italien. Bis nach Neapel (griechisch Neapolis „Neue Stadt") und auch noch weiter nördlich an der Küste Italiens verschlug es einstens Griechenlands Söhne. Auf der Suche nach neuem Land, neuem Leben und neuen Visionen für die Zukunft.

Die vollfruchtigen Weine Kampaniens haben ihren Ursprung aus Griechenland. Damals lange vor Christus und unserer Zeitrechnung von den griechischen Bergen als Stecklinge mitgebracht. Seine Spuren hat das alte Griechenland in Italien vielfach hinterlassen. Insbesondere aber in Paestum. Vorrangig Geschichtsinteressierte treibt es heute auf die Stätte, wo einstens das antike Paestum gestanden war. Trotzdem, mächtig und einzigartig stehen sie noch da. Mächtige Säulen und die Reste der gigantischen Tempel für die alten Götter der Griechen. Der Weg nach Paestum führt von Neapel über Salerno in Richtung Reggio Calabria auf der geradlinigen A3. Über Battipaglia geht es dann auf der SS18 vorbei an Plantagen von Zitronen, Orangen und Artischocken.

Vor einigen Restaurants und Osterias braten zuweilen die frischen Artischocken auf dem Holzofen-Grill. Eine ungewöhnliche Zubereitung einer ungewöhnlichen Spezialität. Hier ist man in Süditalien in den unteren Breiten des „italienischen Stiefels". Die Hitze steht hier im Sommer geradezu in der Luft. Demnach wäre die beste Zeit für diese Zeitreise in die Antike die Jahreszeit rund um Ostern oder Pfingsten. Gut zehn Kilometer von den Fluten des Tyrrhenischen Meeres entfernt, entfaltet sich auf einer Ebene dieses sagenumwobene Paestum. Vor rund 2700 Jahren wurde die Tempelstadt direkt am Ufer des Meeres angelegt. Die Versandung der Bucht hat in all den Jahren Paestum ins Landesinnere „getragen". Inmitten nun von Wiesen, die im Frühjahr die gewaltige Steinlandschaft umsäumen. An den Tümpeln im Umfeld grasen die gewaltigen, schwarzen Wasserbüffelkühe. Die sogenannten „Produzenten" des wunderbaren Büffelmozarellas, der hier besonders sahnig schmeckt.

Über so viele Jahrhunderte vergessen, wurde Paestum quasi erst 1745 wiederum entdeckt. Noch im Mittelalter war die antike Stadt bewohnt. Doch Versumpfung, Überschwemmungen, Sarazenenüberfälle und Malariaepidemien hatten die Bevölkerung bis auf den letzten Bewohner praktisch ausgerottet. Die Natur holte sich alsdann Paestum zurück. Dornen und Gestrüpp und Wälder ummantelten die alten Bauten der einstigen bedeutenden Stadt, die 700 Jahre vor Christus als Poseidonia von den Griechen des Geschlechtes der Sybariten gegründet wurde. Eine damals blühende Stadt mit tausenden Bewohnern. Umgeben von einer mächtigen Wehrmauer, präsentieren sich in gewaltiger Form die Reste dreier großer Tempel. Das älteste Heiligtum wurde der Zeus-Gattin Hera geweiht.

Daneben der gewaltige „Tempo di Nettuno", der nach neuesten Erkenntnissen nicht dem Meeresgott Poseidon sondern der Hera Argiva gewidmet wurde. Gleich 36 monströse, neun Meter hohe Säulen tragen noch immer den vollständig erhaltenen Frontgiebel des Tempels. Der dritte Tempel war der Athene geweiht. Im vierten Jahrhundert vor Christus fiel dann die gesamte Stadt in die Hände der Lucaner. Besonders attraktive Relikte aus dieser Zeit sind die farbenprächtigen Grabmalereien. Wie etwa das weltberühmte Bild des Tauchers aus dem Jahre 480 vor Christus. Jenes Bildnis dem Wasser elegant zuspringenden Jünglings, das wohl das symbolische Eintauchen des Verstorbenen in eine andere Welt darstellen soll. Ein künstlerisch hochwertiges Bildnis und Meisterwerk, das erst im Jahre 1968 entdeckt werden konnte. Diese Grabplatten tragen wohl die einzig erhaltenen Grabmalereien der griechischen Klassik. Die Römer waren es dann, die 273 vor Christus die Stadt übernahmen und ihr den Namen Paestum gaben. In dieser Römerzeit wurde die Stadt zu einem wirtschaftlichen und strategischen Zentrum. Auch die Tempel der alten Griechen wurden den Gottheiten der Römer geweiht. Demnach erhielt der ehemalige Hera-Tempel der Juno geweiht, zudem ein neues Dach. Im Jahre 1931 wurde das ehemalige römische Forum, der einstige Versammlungsort der Händler und Marktbauern, freigelegt.

Das Anfiteatro aus dem 1. Jahrhundert nach Christus war das blutige Zentrum all der Gladiorenkämpfe und Tötungen zur Unterhaltung der „Bürger Roms". In den mittelalterlichen Folgejahren diente ein Teil dieser Mauer als Fassadenfront eines Häuschens, das heute wieder bewohnt ist. Mit dem Untergang Roms verloren auch die Tempel ihre Anbetungskraft. Die Steine und Steinblöcke, die man von den Kultstätten reißen konnte, die wurden für den Bau der steinernen Häuser verwendet. Die mächtigen dorischen Säulen der alten Griechen konnten jedoch all den Zerstörungen widerstehen. Heute werden die antiken Kunstschätze in einem Museum präsentiert. Vieles in Paestum ging in all den Jahrhunderten verloren. Wurde zerstört oder geraubt. Doch vieles ist mit Sicherheit noch unter der Erde verborgen. Zugebettet vom Humus und Sand aus vielen Jahrhunderten. Paestum ist eine wunderbare Reise zurück in die Geschichte der Griechen und der Römer. Und es erzählt in jedem erhaltenen Stein das ewige Leid der Menschheit, ihre eigene Vergänglichkeit nicht zu erfassen. Nicht jene Herrscher und Patrizier hat die Geschichte erfasst. Dafür jenen unbekannten Grabmaler nahezu 500 Jahre vor Christus, der so unendlich schön dieses Bild vom Taucher auf den Stein malte. Das sollten sich auch die Menschen der Gegenwart doch überlegen. Und so ist die Reise nach Paestum nicht nur eine Wanderung in die Geschichte, sondern in die Mystik der Seele der Menschheit. Paestum kann vor 2700 Jahren nicht umsonst erbaut worden sein. Bei Zeus!

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Sie gehört nachweislich zu den schönsten Straßen der Welt: Die "Amalfitana" in Italien. Rund 40 Kilometer lang erschließt diese Traumstraße die Städte Positano, Amalfi und Vietri auf der steilen Halbinsel zwischen Sorrent und Salerno. Hinter jeder der unzähligen Kurven erschließt sich ein neuer, traumhafter Ausblick auf die Landschaft mit ih-ren bizarren Felsen und wunderbaren Meeresbuchten.

Etwas enfernt erblickt man die Silhouette der Insel Capri.Auf dieser Straße verkehren auch die zerschlissensten Autos der Welt. Verbeult und malträtiert. Wohl eine Folge der extrem engen, kurvigen und stark befahrenen Straße. Da bekommt so ziemlich jedes Auto seine Lackabschürfung und seinen Blechschaden mit auf den Weg. Und weil in dieser Gegend darartige Beschädigungen zur Tagesordnung gehören, werden die Schäden schon gar nicht mehr gerichtet.Wenn die Touristenströme hier in dieser Region Kampaniens südlich von Neapel ausschwärmen, dann sind die letzten Parkplätze rund um Positano oder Amalfi schlichtweg ausgebucht. Hier, an dieser malerischen Küste, war man über die Jahrhunderte hinweg nie auf Straßen oder diverse Fahrzeuge eingestellt. Bis 1889 war Positano nur über schmale Bergpfade oder eben mit dem Schiff zu erreichen.Dafür gibt es hier die allermeisten Treppen der Welt. Hunderte Meter hoch wurden die Häuser übereinander an den steilen Bergen errichtet.

Tausende steile Treppenstufen sind zu erklimmen, wenn einer nach Hause will. Die Leute sind es gewohnt. An allen Ecken stehen dafür die Touristen, schwitzend und mit knallroten Köpfen nach Luft japsend.Als berauschende Gegenleistung gibt es wunderbare, historische Bauten, Zitronen-, Limonen- und Orangenbäume und Blumen in vollster Pracht. Die Menschen hier leben seit jeher mit den steilen Bergen und mit dem Meer. Das Meer und die Berge, einerseits Gefahren durch Steinschläge, Vermurrungen, Erdrutsche und Hochwässer, andererseits auch jahrhundertelanger Schutz vor Eroberern. In den Fischer- und einstigen Seeräuberdörfern hier an der "Amalfitana" gehen die Einflüße zurück auf die Griechen und Byzanz. Wen wundert es, daß Amalfi somit die älteste Seerepublik Italiens ist. Neben Positano gleichsam eine Bilderbuchstadt. Natürlich voll mit Touristen, die sich in den Geschäften mit Mitbringseln, wie dem Limoncello, einem Zitronenlikör (schmeckt und schaut aus wie Pril), handgeschöpftem, hier erzeugtem Papier oder Wein aus Ravello eindecken. Der wunderbare Platz am alten Dom (Duomo Sant Andrea) macht auch das wunderbare Eis in unzähligen Sorten etwas teurer als sonstwo.Kaum zwei Kilometer neben Amalfi liegt das Kleinod Atrani. Bislang von den Touristenströmen verschont, lebt sich hier im Innenhof der Piazza das aufregende Schauspiel, das Alltag in Kampanien heißt.

Der Lebensmittelladen mit Spezialitäten, zwei Bars, der Gemüseladen, das Hotel aus einer nachchristlichen Epoche, der Friseur. Hier in diesem Hof trinkt man seinen "Espresso italiano piccolo". Beim zweiten werden zwar etwas ältliche Salznüsse dazu gereicht, wobei der dritte Espresso schon fast für den Fremden die Einbürgerung nach Atrani mit sich zieht.Rund um den Brunnen spielt sich das Leben ab. Dorfgendarm, Bürgermeister und Fischhändler. Einer schaut wie ein Padrone aus. Sie alle sind hier und plaudern stundenlang über irgend etwas. Und das Tag für Tag bis zum Abend. Dann erholen sie sich an der Bar der Piazza von den Strapazen des Tages.Atrani ist wahrlich Balsam für die gestreßte, mitteleuropäische Seele und gewährt einen tiefen Blick in ein Italien, das wir aus den alten Mastroianni-Filmen erahnen können. Kaum zu glauben, daß hier, inmitten dieser historischen Gemäuer, einstens Amalfis Dogen gekrönt wurden.Im alten Fischerdorf Praiano gibt es auch noch eine Portion Besinnlichkeit. Ansonsten hat die Welt eben diese Küste wahrgenommen. Und die Amerikaner, wenn sie einmal nach Europa kommen, haben neben Wien und Rom auch Amalfi und natürlich Capri miteingebunden."Capri sehen und sterben!" Schon die Griechen haben im 7. Jahrhundert vor Christus den Reiz dieser schroffen Insel erkannt. Später richteten es sich die römischen Kaiser Augustus und Tiberius hier häuslich ein. Der deutsche Maler August Kopisch entdeckte 1826 die Blaue Grotte und der schwedische Arzt Axel Munthe ließ sich 1887 auf der Insel nieder und machte mit seinem Roman "Das Buch von St. Michele" Capri zu einem weltweiten Tourismus-Hit. Seither laufen im Stundentakt die Schiffe von Sorrent, Neapel, Positano und Amalfi Capri an.

Kaum am Steg angekommen, belagern die Taxi-Fahrer die Touristen mit ihren Angeboten. Doch Standseilbahn und die kleinen öffentlichen Busse sind um Ecken billiger und auch lustiger. Die Taxler finden aber trotzdem ihre Kunden. Ein Muß ist natürlich der Besuch der Blauen Grotte und zwar für jeden Capri-Besucher. Also geht es mit einem Schiff vor die "Grotta Azzurra". Dort wird man in kleine Ruderboote umgeladen. Dann vorbei an einem Schiff mit einem Kassier, dem ein kleines Vermögen bezahlt wird. Danach geht es Ruderboot hinter Ruderboot zur kaum ein Meter hohen Öffnung zur Grotte. Dort heißt es, Kopf bis an die Bootkante einziehen. Natürlich schwappt das Wasser über die Passagiere und der Ruderer zieht nach System das Boot über eine Kette in die Grotte. Gottlob hat sich niemand den Kopf an der Felsöffnung angeschlagen.Das Wasser in der Grotte schimmert über die Lichtbrechung blau. Ansonsten ist es stockdunkel. 15 Ruderboote befahren gleichzeitig die Grotte. Stille ist hier keine. Nach dieser Aktion geht es mit dem Bus zur Villa San Michele, der wunderbaren Stätte, wo Axel Munthes eigenartiges "Traumhaus" steht. Irgendwie düster und in nordischer Kälte, eingerichtet mit zusammengewürfelten Sammelstükken, vertreibt dieser Bau den Besucher eher in den Garten mit dem wohl einzigartigen Blick über Capri und den Golf von Sorrent.Nach einem Tag auf Capri ist sehr wohl Entspannung angesagt. Diese findet man in der mittelalterlichen Stadt Ravello, ein wenig abseits in den Bergen. Hier, inmitten der Weinberge, liegen wunderschön gestaltete historische Gärten, die schon Richard Wagner inspirierten, als er Gast in der berühmten Villa Rufolo war.

Reisetip:

Per Flugzeug nach Neapel.

Per Auto über Autostrada Bologna, Flornez, Rom und Solerno (Ausfahrt Vietri) auf die "Amalfitana".Empfehlenswert: Hotelanlagen, Pensionen und Ferienwohnungen entlang der Strecke zwischen Sorrent und Salerno.Bemerkenswert: Atrani, Amalfi, Praiano, Sorrent und Ravello.

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Jesolo, Lignano, Caorle, Venezia auf der einen Seite rechts. Grado und Trieste auf der anderen Seite links. So erfüllt sich langsam das mediterrane Fernweh anhand von großen Hinweisschildern auf der Autostrada einige Kilometer südlich von Udine. Das sogenannte Kanaltal von Tarvisio bis Udine ist für über 90 Prozent der Italo-Freaks eine Sprint-Strecke hinab zu Meer, Sonne und Sand. In den automobilen „Familienkutschen" plärren die Kinder bereits ab Tarvisio nahezu immer und überall dasselbe: „ Wann sind wir endlich am Meer????". Dabei würde sich links von Tarvisio die Straße ins alte Historische rund um die Isonzo- Schlachten auftun. Die Straße der österreichisch- italienischen Front über Bovec (ehemals Flitsch), Kobarid (ehemals Karfreit) und bis nach Nova Goriza (Görz). Historisch, militärhistorisch, landschaftlich und kulinarisch ein Himmel auf Erden. Wenn nicht hier geradezu 1 Million Menschen in den 12 Isonzoschlachten des I. Weltkrieges regelrecht „verreckt" wären. Ein dunkler Punkt in der Geschichtsschreibung auch für den seligen Kaiser Karl.

Die Autostrada wiederum im Kanaltal führt auch an Gemona vorbei. Just an diesem Sommertage im Jahre 1976 wollte ich auf der Rückreise von Rimini die Schäden des Erdbebens in Gemona fotografieren. Irgendetwas hinderte mich daran. Ich fuhr dann mit einem großem Umweg über Cortina ins Steirische zurück. Am Nachmittag, genau zu dieser Zeit meiner einstens geplanten Anwesenheit, gab es ein gewaltiges weiteres Erdbeben in Gemona. Weiß Gott, was mir dort passiert wäre? Seither höre ich in allen Bereichen auf meine „innere Uhr" und zwar tagtäglich. Das Ereignis lebt sich jedes Mal in mir auf, so oft ich im Kanaltal hinabfahre. Udine ist zumeist die Stadt als zeitlicher „Gradmesser", wielange die Fahrt zum Meer noch andauert. Eine wahrlich unbegründete Rolle für diese Stadt. Einige fahren nach Udine wegen der hier vorhandenen Supermärkte. Doch die Altstadt von Udine bleibt den meisten Touristen verborgen. Die Sehnsucht nach Mare, Mare steigert sich für den nördlich lebenden Mitteleuropäer hier in dieser geographischen Breitenzone sehr gewaltig. Manche Feinschmecker lassen sich vom Hinweisschild San Daniele vor Udine dann doch von der Autostrada wegleiten. Was durchaus kein Fehler ist. Der hauchzart geschnittene Schinken ist eine Weltspezialität. Sanfter, feiner und pikanter als der Parma-Schinken und der spanische Serano. Ähnlich dem Prosciutto, aber eben feiner. San Daniele ist somit die Welthauptstadt des Schinkens. Wer hier nur wegen der schnellen Ankunft beim Meer vorbeifährt, der ist selbst schuld. Die Schinken reifen hier in der Luft des nahen Meeres. Eine einzigartige Qualität des wohl weltbesten Schinkens. Dazu ein Glas Tocai aus dem Friaul. Hergott, was könnte es noch darüber geben?

Vielleicht Trüffel! Richtige Trüffel, weiße und schwarze in verschiedenen Sorten und Kategorien. Von San Daniele westlich eröffnet sich die Region „Valli Pordenonesi". Die „vergessene" Region Pordenone mit den Städten Maniago und Spilimbergo. Eine wunderbare Region mit gewaltiger Geschichte und hervorragenden kulinarischen Adressen. Wenige Kilometer von Spilimbergo liegt das Städtchen Solimbergo. Für Kenner der Lüfte rund ums „Paraglithing" schon längstens ein Begriff. Hier halten sich Winde und Thermik in Idealbereichen für die „Luftkünstler". Paolo ist hier der Chef rund um das Fliegerische in Solimbergo. Sein Schwiegervater ist der Renato Marescutti. Chef der Agriturismo „Sasso dÒro", via del Capitel 4, I- 33090 Solimbergo/Sequals, Tel. 0039/3355240094. Ein ganz kleiner und schmucker Landsitz mit einigen Gästebetten, einem schönen Gästezimmer und kleinem Restaurant erwartet hier sehr individuelle Gäste. Wahrscheinlich bis zur Erscheinung dieser Süd-Ost Journal-Reportage. Schlußendlich war das Landgut bislang eine Art Geheimtip für Paraglihter und Gourmets oder eben beides gemeinsam. Renato betreibt hier auf seinem Gelände ein wenig außerhalb des Landsitzes eine Trüffelfarm der ganz speziellen Art. Weiße oder schwarze Trüffel in den verschiedensten Sorten. Herrliche Trüffelqualitäten, wie man sie weltweit suchen kann. Leider lassen sich auch die zahllosen Wildschweine der Gegend vom nußigen Geschmack der Trüffeln verführen.

Am 10. Oktober 2007 durchwühlte eine Wildschweinhorte die Trüffelfarm. Die Rüsseltiere erfreuten sich an einigen Kilo Trüffelpilzen. Die Trüffel sind in einer Schicht zwischen 10 und 30 Zentimeter unter der Oberfläche im Wachsen. Rund um die Bäume wachsen unter der Erde die herrlichsten schwarzen und weißen Trüffel. Die schwarze Wintertrüffel spezial von Dezember bis März. Die Sommer-Trüffel wiederum gedeiht von März bis August. Die weiße Trüffel wächst von Jänner bis Juni. Die weiße Trüffel spezial treibt von September bis Jänner. Die höchste Qualität gibt es dabei im März. Dort wo die weiße Trüffel unter der Erdoberfläche heranwächst, ist der Humus ohne Gras. Diese Trüffel entzieht der Erdfläche alle Nährstoffe. Für Trüffeldiebe ist das ein klares Zeichen. Aber Renato ist bei seinen Trüffeln auf der Hut. Der beste Begleiter in Sachen Trüffel ist der Trüffelhund Chira 3. Ein deutscher Kurzhaar- Bracke als idealer „Trüffeljäger". Früher waren es die Trüffelschweine, die für die Menschen die Trüffel ausbuddelten und gleichzeitig auch Mengen von den delikaten Pilzen auffraßen. Die Hunde werden im Alter von drei bis fünf Monaten auf die Trüffelsuche trainiert. Schlußendlich geht es bei der Trüffelsuche um mehr als Gold wert ist. Der normale wilde schwarze Trüffel kostet per Kilo 300 EURO. Die schwarze, kultivierte Trüffel hat einen Kilopreis von 2000 EURO. Die weiße Trüffel ist per Kilo um 4000 Euro zu haben. Ein einzigartiges Erlebnis, wenn Trüffelhund Chira 3 intensiv und prägnant einen Trüffel aufspürt. Dann muß Renato mit einem Spezialmesser den Humusboden abheben. Als Belohnung gibt es dann einen gewaltigen Trüffel. Nußig-fein und himmlisch im Aroma. Eine wunderbare Trüffelspeise ist gesichert. Signora Patrizia Marescutti nimmt den frischen Trüffel entgegen und kocht in der Küche des kleinen Restaurants herrliche Pasta. Darüber schabt sie den frischen Trüffel. Herrgottt, was willst Du mehr!!!!????

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Lange, bevor der Thermenboom Österreich, Slowenien und Ungarn in seiner heutigen Form erfassen konnte, da gab es ein Ziel der „thermalen Begierde", nämlich Abano. Eingebettet zwischen Padua und den einzigartigen Euganeischen Hügeln mit den dort großartigen Weinen. Verona und Venedig sind nicht weit. Also Italien pur in seiner klassischen Form. Die „Kur" in Abano war für einzelne Familien über die Jahre ein Fixbestandteil einiger Tage im Jahr. Heute kommen auch manche Söhne von damals, als heutige Väter samt Familie, um diese alte Tradition auf die „nächsten Gene" rüberzuretten. Das ist allerdings nicht ganz gelungen. Das hat man auch in Abano erkannt. Einige wenige der unglaublich vielen Hotels haben mittlerweile „auf Zeit" geschlossen. In anderen Hotels wird emsig an Neustruktuierungen zu neuen Wegen gearbeitet.

Immerhin gibt es in diesem Gebiet von Abano Terme, Montegrotto Terme und Galzignano Terme gut 130 Hotels. Jedes einzelne Hotel ist mit einer Kurabteilung und mit eigenem Thermalwasser ausgestattet. Die Krone dieser Thermernhochburg ist unumstritten Abano. Wer noch niemals vorher in Abano war, der würde gnadenlos über Stunden sein gebuchtes Hotel suchen. Deshalb gibt es den sogenannten „Hotelring". Bestens gekennzeichnet und nach Farbbereichen auf den Wegweisern vermerkt, findet man auch ohne Navigationsgerät sein Wunschhotel in diesem größten Thermalkomplex Europas. Schon in der Antike badete ein Gutteil der Römer in diesen heißen Quellen. Zur Linderung mancher Leiden. Und der berühmte „Kurschatten" war damals aufgrund anderer Sitten keinesfalls im Schatten. Aber davon zeugen nur mehr vereinzelte Ausgrabungen. Schließlich stehen über der „Antike" all die vielen Hotels. Nach einer „Pause" von vielen hunderten von Jahren hatte man Abano als Kurmetropole erst im 20. Jahrhundert so richtig wiederentdeckt. Nach dem Motto „Morgens Fango, abends Tango!" Anstatt dem Tango haben einzelne Hotels ihre Erfolgsvision in die Richtung exzellenter gastronomischer Genüsse gelegt. Unter Vollpension pur mit italienischen Menüfolgen, die vom Ziel der Entschlackung weit entfernt sind. Aber, was soll es Schlimmeres geben? Vielleicht doch eine Fango-Kur als ultimativen Gegensatz zu den Köstlichkeiten der italienischen Küche. Was steht aber wirklich hinter dem Geheimnis einer Fango-Kur? Fango umfaßt in seinen Grundzügen eine Kur mit täglichen Behandlungen. In der Hauptsache die Auftragung jenes „schlammigen" Fango-Gemisches, der aus Ton, Mineralwasser und Algen besteht. Eine Therapie, die schon im Altertum angewendet wurde. Die Fango-Spezialisten in den Hotels (wörtlich Fanghini) tragen in den einzelnen Kabinen auf die Körper der Kurpatienten jeweils eine fünf- bis zehn Zentimeter dicke Schicht Fango in der Temperatur von bis zu 45 Grad auf. Mit Leintüchern, Wachstüchern und Wolldecken werden die Patienten dann zugedeckt. Bis zu 20 Minuten dauert diese Liegezeit. Dann erfolgt ein gänzliches Abduschen und ein Thermalbad für bis zu zehn Minuten in einer Wassertemperatur von 37 Grad. Der Fango-Schlamm wird für die Therapie nach entsprechenden Rezepturen zubereitet. Demnach wird der Ton für mindestens 60 Tage mit Thermalwasser „berieselt". Die Folge ist das sogenannte „Bioglee", eine gelatineartige Masse mit den Bestandsteilen von Algen und so genannten Protozoen. Schlichtweg einzig nur fürs Wohlbefinden für hunterttausende Menschen jährlich. Abseits von all den Therapien begeistert Abano durch seine milde Klimatik. Blühende Sträucher, Palmen und Hecken mit Oleander. Übers Jahr die Straßencafes, in denen Ristretto mit „mille grazie" serviert wird. Dazwischen jede Menge von Shops und Einkaufsläden. Mit wahrlich schönen Handtaschen, „Dolce" (Süßigkeiten), Schuhen usw. In den Hügeln über Abano wachsen hervorragende „Colli-Weine". Also genug Abwechslung zwischen „Fango und Tango". Wenn nicht dazwischen dieses wahnsinnig gute Essen wäre! Mit Stil das Servieren im Restaurant und mit höchster Kochkunst in den Küchen der sogenannten Therme Hotels Metropole, Trieste& Viktoria, Abano Grand Hotel, Due Torri und La Residence&Idrokinensis ([link] www.gbhotels.it). Es war vor Jahren ein purer Zufall, der mich ins Metropole führte. Einige Hotels und Abano selbst kannte ich schon von früher. Doch das Metropol war sozusagen der Einstieg in ein neues Abano-Erlebnis. Pasta und Sugo, feine Düfte nach Fisch und Meerestieren und auch Hauch von Parmesan durchwehten die Hotelhalle in Richtung Speisesaal. Ein monströser Saal, von dem so mancher steirischer Bürgermeister für die Verwendung als Veranstaltungszentrum träumen möchte. Ein kleiner, aufgeweckter Bub war unter den anderen Kindern, aber auch im Bezug zu den Hotel-Angestellten der absolute, kleine „King". Der Bub heißt nach meinen Recherchen Giovanni und ist augenblicklich der Erbe eines Imperiums. Des Hotel- Imperiums der Familie Borile. Mit fünf hochklassigen Hotels mit insgesamt 750 Zimmern, 1.200 Betten und 600 Angestellten. Das mittlerweile zweitgrößte Unternehmen in der Provinz Padua. Vor genau 25 Jahren hatte Aldo Borile mit der Errichtung des Metropole ein unternehmerisches Abenteuer gestartet. In der Folge wurde das Projekt zur Familienmission. Gattin Tina übernahm die Geschäftsführung, die Töchter Christina und Chiara sowie Sohn Alessandro sind voll in das Imperium eingebunden. Und Enkel Giovanni ist auf bestem Wege, vorerst nur einmal spielerisch, die Thermae Hotels in die Zukunft hinüberzutragen. Jeden Mittag zum Lunch und jeden Abend zum Dinner sitzt „die Familie" im Speisesaal des Metropole. Keinesfalls ein Nachteil für die Qualität der Küche, wie ich hoch erfreut bemerken konnte. Aber auch in den anderen Hotels hat man sich auf die Linie der hochklassigen Kulinarik eingependelt. Mit Dynamik und der Seele einer risikobereiten Unternehmerfamilie. Im Rahmen aller Aktivitäten der Hotel-Familie Borile wurde im heurigen Jahr das La Residence&Idrokinensis als hochtechnologisches Rehab-Zentrum eröffnet. Für die medizinisch überwachte Genesungsphase speziell von Patienten nach chirurgischen Eingriffen. Mit einem Team von medizinischen Fachleuten und einem wunderbaren Ambiente in einem wunderschönen Hotel. Abano ist einen Besuch wert!

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"Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen", sprach Johann Wolfgang von Goethe, als er von seiner Italienreise nach Deutschland zurückgekehrt war. Wahrlich, in Capri ist der Dichterfürst auch nicht angekommen. Nicht, weil er es damals, 1787, nicht gewollt hätte, sondern weil der von Seekrankheit ermattete Schiffspassagier Goethe bei absoluter Windstille vor der Felseninsel dahinschaukelte und der Segler sich mit der Strömung immer näher den schroffen Klippen von Capri näherte. Da war es um mit der Tapferkeit des Dichters aller Deutschen geschen. Als wie durch ein Wunder, kurz vor dem "Crash" ein hilfreicher Wind aufkam, konnte das Schiff der Gefahr entrinnen und Goethe hatte niemals mehr das Bedürfnis, in die Reichweite von Capri zu gelangen.

Der römische Kaiser Augustus hatte mit den bizarren Klippen von Capri weniger Probleme. Augustus war der Schönheit Capris regelrecht verfallen und wohnte von 27 bis 37 nach Christus auf dem "Monte Tiberio". Von hier, von seiner Villa Jovis aus, regierte er das gesamte römische Imperium. Die kaiserlichen Nachfolger lebten nur sporadisch auf dieser Insel, die schon ab dem 7. Jahrhundert von den Griechen bevölkert war.

Nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches wechselten sich die Herrscher auf der Felseninsel in der Reihenfolge ab. Erst 1826 rückte der deutsche Maler und Schriftsteller August Kopisch mit seiner Entdeckung der "Blauen Grotte" Capri in den Mittelpunkt des damaligen Interesses. Vorerst war es die feine Gesellschaft, Adel oder eben Leute mit Geld, die Capri fortan zum Reiseziel ausmachten oder gar Wohnsitze errichteten. Auch der schwedische Arzt Axel Munthe wurde 1887 auf Capri seßhaft und ließ seine Traumvilla direkt am Steilhang des Monte Solaro errichten. Mit seinem Roman "Das Buch von San Michele" gelang Munthe ein literarischer Welterfolg. Das Buch wurde in fast allen Sprachen der Welt gedruckt und millionenfach verkauft.

Spätestens seit der Verfilmung des Romans mit O. W. Fischer ist Capri die wohl bekannteste Insel der Welt. Auf dem 6 x 2,5 Kilometer großen Eiland drängen sich Jahr für Jahr und Tag für Tag die Touristen. Japaner, Franzosen, Deutsche, Amerikaner, Schweden, Engländer usw. Per Schiff kommen sie von Neapel, Sorrent oder Amalfi. Schließlich ist Capri das Fixziel jeder Kampanien- und fast jeder Europa-Rundreise.

Die Touristen haben ihre Vorstellungen von romantischen Schnulzen über Capri, einer Insel voller Mandolinenklängen, Romanzen in der "Blauen Grotte" und sinnliche Weisheiten in Axel Munthes Villa. Eine "Kompanie" Taxifahrer, in allen Sprachen für Taxifahrten werbend, läßt den romantischen Capri-Besucher auf der Realität des beinharten touristischen Marketings aufprallen. Die Taxler erzählen von 100 DM mit eingebundenen Inselrundfahrten samt der Altstadt Capri, dem höher gelegenen Anacapri, Villa San Michelle usw.

Vorerst steht zumeist der Besuch der "Grotta Azzurra", jener so romantisch besungenen "Blauen Grotte" auf der Wunschliste. Mit einem dieselnden Motorboot geht es rund um die Klippen in Richtung der Grotte. Den Eingang zur Grotta Azzurra nimmt man durch die Existenz zahlreicher kleiner Ruderboote wahr. Auf dem Meer, hart an den Klippen, gibt es dann für alle Besucher das Umsteigen in eines dieser Boote. Dann vorbeigerudert beim Ruderboot des Kassiers. Nach der Bezahlung des höchst geschmalzenen Preises geht es in Richtung der Grotte. Die Ruderer warten eine Welle ab, um dann mittels einer Kette das Boot durch eine Felsöffnung in die Grotte zu ziehen. Um nicht an den Felsen mit dem Kopf anzuknallen, liegen die Touristen förmlich in den hölzernen Ruderbooten. Dann plötzlich ist das Boot in der Grotte, in der "Blauen Grotte". Man ist nicht allein. An die 15 Boote kurven hier herum. Es wird pausenlos geblitzt und einer der Ruderer singt "O sole mio". Das Wasser ist hier in der Dunkelheit wahrlich blau. Über eine versunkene Karsthöhle unter dem Meeresspiegel dringt das Licht ein und versetzt die Höhle in diese fantastische Farbstimmung in einem wunderbaren Blau in allen Facetten. Nach einigen Minuten steht das Ruderboot in der Reihe am Höhlenausgang. Nochmals Kopf einziehen und man befindet sich wieder auf dem Meer unter der Capri-Sonne. Nochmals Umsteigen ins Motorboot, Trinkgeld für den Ruderer und ab geht es wieder zum Hafen von Capri.

Dort sind immer noch die Taxler mit ihren exklusiven Taxi-Cabrios. Direkt vom Hafen führt auch eine Standseilbahn wesentlich günstiger in die höher gelegene Altstadt von Capri. Hier ist eine überfüllte Café-Terrasse neben der anderen. Abseits vom Gedränge bietet die Altstadt malerische Bauten, wunderschöne Pflanzen, duftende Blüten und hin und wieder einen wunderbaren Blick über die Felsen aufs Meer. Abseits von den Touristenströmen gibt es auch einige gediegene Restaurants mit akzeptablen Preisen und gediegener regionaler Küche. Empfehlenswert ist "Villa Brunella" mit einem sehr schönen Blick auf die Faraglioni-Klippen und besten Scampi und Muscheln. Mit einem der vielen kleinen Busse geht es dann die tausend Kurven hinauf nach Anacapri und zur Villa San Michele. Das Traumhaus jenes schwedischen Arztes, dessen Roman seither alle Touristen der Welt nach Capri lockt. Das Haus beinhaltet das Sammelsurium eines Kunstliebhabers, der Stück für Stück für sich und nicht für die Außenwelt an diverse Plätze stellte. Wunderschön zeigt sich die schattige Pergola und der Ausblick hoch über den Klippen hinüber aufs Festland, auf die vorgelagerten Städte der "Amalfitana", eben Punta Campanella und Massa Luprense und den Golf von Neapel. Axel Munthe wurde hier, auf diesem "Fleckchen zum Himmel" blind. Welche Ironie des Schicksals, welche Tragik menschlichen Strebens.

Am Abend, wenn die Tagestouristen wieder weg sind, kann Capri aufatmen, ein wenig Luft holen, für den neuen Tag, die neuen Touristen und den seit Jahren gleich alten "Nepp".

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