Süd Ost Journal

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Nach 1956 in Melbourne blickte die Welt für 15 Tage wieder auf den fünften Kontinent - auf Australien, speziell auf Sydney. Der Gedanke Olympias, die Olympiade, war Ursache und Grund des internationalen Interesses. Völkerverbindende Wettkämpfe und werblich durchgestyltes Medienszenario, ein Olympia der Neuzeit.

Olympia, das richtige Olympia, ist auf dem Peloponnes in Griechenland, eine Autostunde von der Hafenstadt Patras entfernt. Olympia, eine kleine Ortschaft, die das ganze Jahr von den Touristen lebt, die außerhalb der Siedlung jene Stätte aufsuchen, der einstens der wohl heiligste Ort im alten Griechenland war.

Die Augustsonne hat die Steinbrokken, die Reste riesiger Säulen, Quader, Stufen, Plateaus und Fundamente aufgeheizt. Heiße Luft umweht die zahlreichen Besucher, die Tag für Tag mit gewisser Ehrfurcht und Faszination dort herumwandeln, wo einstens Olmpia war. Im Schatten eines Baumes vergißt man den heißen, staubigen Windzug, schließt die Augen und versucht, dies alles sich vorzustellen. So, wie es einmal war, vor vielen, vielen Jahren.

776 vor Christi fanden hier die ersten Spiele des alten Griechenlands statt. Wettspiele gab es auch in Korinth und Delphi, doch hier in Olympia war die Stätte der sportlichen Spiele, welche die ansonsten befeindeten Stadtstaaten Griechenlands alle vier Jahre in Frieden verband. Olympia, samt der Wettkämpfe zu Ehren des Göttervaters Zeus, hatte sich so gewaltig in das Leben des antiken Griechenlands eingegraben, daß selbst die griechische Zeitrechnung 776 v. Chr. startete und die Zeitrechnung selbst in Olympiaden eingestuft wurde. Die Waffen ruhten dann zwischen Sparta und Attika und die Athleten und Zuschauer aus ganz Griechenland hatten auf dem Weg nach Olymp freies Geleit - auch wenn Wochen zuvor noch die Schwerter voll Blut waren.

An die 40.000 Besucher trafen in Olymp als Schaulustige für die Wettkämpfe ein. Nur Männer wurden als Besucher eingelassen. Frauen war die Teilnahme bei Todesstrafe verboten. Auch die Wettkämpfer waren nur Männer, die zudem splitternackt im Stadion die Wettbewerbe austrugen. Anfänglich gab es lediglich einen Wettbewerb, den Stadionlauf über eine Distanz von 192 Metern. Dann kamen der doppelte Stadionlauf, ein Langstreckenrennen über 4.600 Meter und der Fünfkampf hinzu. Später folgten Faustkampf und Wagenrennen. Einschließlich bis 472 v. Chr. wurden alle Wettkämpfe an einem einzigen Tag ausgetragen.

Die Spiele waren Zeus gewidmet und so präsentierte sich auch der kultische Mittelpunkt des heiligen Ortes in Form des gigantischen Zeus-Tempels. 36 starke Säulen trugen den Tempel, in welchem eine 13 Meter hohe Zeus-Statue aus Gold, Silber, Elfenbein und Edelsteinen verehrt wurde. Ein bauliches Werk des legendären Phidias, der auch bei der Schaffung des Bildschmucks für den Parthenon-Tempel auf der Athener Akropolis mitwirkte.

Olympia war in der Antike Heiligtum, Ritual und Kult zugleich. Und der olympische Gedanke "Dabei zu sein ist alles!" war in der Antike weniger wert als heute, denn die Verlierer wurden beschimpft und hatten ihre Ehre verloren. Preisgelder gab es für die Gewinner keine, dafür als Siegeszeichen einen Ölzweig und ein Höchstmaß an Ehre.

Der Kult in Olympia vollzog sich seit 472 v. Chr. alle vier Jahre nach dem gleichen Schema. Die Herolde kündigten in ganz Griechenland zur Frühlingszeit die "Olympischen Spiele" und somit den Beginn des "Gottesfriedens" an. Am ersten Tag der Spiele in Olymp wurden auf 70 Altären den Göttern 100 Ochsen geschlachtet. Das Todesbrüllen der Ochsen, die rituelle Musik, der Geruch von Blut und Schweiß und besonders Kot und Urin der 40.000 männlichen Fans lähmten die Sinne und versetzte die Menschen regelrecht in Ekstase. Dazu kam der zunehmend stärker werdende faulige Dunst der Opfertiere, deren Fleisch nicht gegessen werden durfte. Das Fleisch der Ochsen faulte auf den Altären dahin. Unter der brütenden Hitze war die Luft voll von Schmeißfliegen, die im fauligen Fleisch ihre Eier ablegten.

Olympia war ein bombastisches, antikes Ritual und eine Blutorgie. Wahrscheinlich hat der umstrittene "Schüttbildner" Nitsch für seine Blutaktionen hier geschichtliche Anregungen gefunden. Sei es wie es sei. Im alten Olympia war der Gottesdienst mit über 40.000 Männern und Millionen von Fliegen auf einer Fläche von 1.000 Quadratmetern alles andere als ein Honiglecken. Ab dem zweiten Tag der Spiele standen die splitternackten Athleten im Mittelpunkt. Nach dem Wagenrennen im Hippodrom folgten die Bewerbe Pferderennen, Fünfkampf (Diskus, Weitsprung, Speerwurf, 200-Meter-Lauf und Ringkampf). Der dritte Tag war so berechnet, daß er pünktlich mit dem zweiten oder dritten Vollmond nach der Sommersonnenwende zusammenfiel. Es war wieder ein Tag der Rituale, der Priester und der Schlachtopfer. Lediglich der 12- bis 18jährige Nachwuchs hatte seinen 200-Meter-Lauf sowie den Ring- und den Boxkampf. Am vierten Tag folgten die Wettläufe über 200, 400 und 4.800 Meter und die Kämpfe. Den Abschluß bildete der 400-Meter-Waffenlauf, wobei die nackten Männer zusätzlich mit Helm und Schild adjustiert waren. Der fünfte Tag stand im Zeichen der Siegerehrung und eines großen Festmahles.

In diesem Ablauf überdauerten die alten olympischen Spiele die Jahrhunderte und den Untergang der altgriechischen Kultur und des römischen Imperiums. Während der Römerzeit waren alle römischen Bürger zu den Spielen zugelassen. Die Reste römischer Gästehäuser und Bäder zeigen, daß zumindest für die adeligen Zuschauer unter den Römern ein bestimmter Standard der Hygiene eingerichtet wurde.

Nach dem Untergang des römischen Weltreiches verbot der oströmische Kaiser Theodosius im Jahre 395 nach Christus alle heidnischen und nichtchristlichen Kulte. Die olympischen Spiele waren nach rund 1.200 Jahren ihres Bestandes Vergangenheit. Olympia verfiel, und zugleich die großen Tempel von Zeus und Hera. In den folgenden Jahrhunderten überschwemmte ein naher Fluß in Intervallen die einstige heilige Stätte der alten Griechen. Unter einer vier Meter dicken Schwemmschicht versank das alte Olympia. Nur mehr die Spitze des Zeus-Tempels und einige römische Ziegelmauern ragten aus dem Boden heraus. Seit dem Jahre 1875 gräbt das Deutsche Archäologische Institut das frei, was einst Olympia war.

Am 5. April 1896 erfüllte sich der griechische König Georg I. seine Vision und eröffnete vor 77.000 Zusehern in Athen die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit. Das olympische Feuer wird seither für alle Spiele im alten Olympia entzündet und durch Marathonläufer zu den Austragungsstätten rund um die Welt gebracht.

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Sie kam nicht als Eroberin, sondern sie wurde von Korfu erobert. Sie liebte die „Grüne Insel", verzehrt nach der Mystik der Heldensage Ilias und ihrer Sehnsucht nach Tragik und Tod. Gemeint ist Österreichs Kaiserin Elisabeth. Kurzum Sissi genannt, wie sie eben in den zuckerlrosa Kitschverfilmungen mit der blutjungen Romy Schneider auch dargestellt wurde. Die eigene Welt der Kaiserin Elisabeth war eine tragische. Ruhelos und ohne inneren Frieden reiste sie von einem Fleck zum anderen. Abseits vom Kaiser, den Kindern und den erworbenen Pflichten. Ihre krankhaften Allüren kosteten der Monarchie ein Vermögen.

Im Rahmen ihrer strapaziösen Reisen kam Kaiserin Elisabeth samt ihrem Hofstaat erstmals 1861 nach Korfu. Es war eine Sekundenliebe, die sie mit dieser nördlichsten der griechischen Inseln sofort verbinden ließ. Hier wollte sie inneren Abstand finden. Von Wien, dem Kaiser und der Hofordnung. Stattdessen wollte sie hier das Mystische rund um den tragischen Helden Achill in ihr Seelenleben eintreten lassen.

Korfu wurde in den folgenden Jahren die große Sehnsucht der Elisabeth. Immer wieder kam sie hierher und erforschte die gesamte Insel mit all ihrem Liebreiz und Besonderheiten. Südlich von Korfu-Stadt (Kerkyra) fand sich dann in der Nähe des Dorfes Gastouri, hoch über der Ostküste der Insel, der ideale Platz für eine Bleibe der Kaiserin. Hier in der herrlichen Landschaft, mit dem weiten Blick übers Meer, sollte auf dem Platz der einstigen venezianischen Villa Vraila, Sissis Seelenund Lebensstätte werden. Was „Ordentliches" war angedacht.

Und so wurde in der Zeit von 1890 bis 1891 mit Volldampf ein imposanter, klassizistischer Bau errichtet. Der Palast mit zwei Stockwerken, mit Nischen und Statuen und einem wunderbaren Garten, der sich in einer Terrassen bis zur Küstenstraße erstreckt. Ein Meisterwerk des italienischen Architekten Raffaelo Carito. Das bauliche Kunstwerk sollte „Achilleion" heißen. Inspiriert nach Homer's Göttersage Ilias. Diese innere Beziehung zu dem sterbenden und getöteten Achill zieht sich durch das gesamte Anwesen. Im Empfangsbereich das vier mal acht Meter große Gemälde des Malers Franz Math mit der Darstellung Achills, wie er vor den Toren Trojas mit seinem Wagengespann den erschlagenen Hektor nachschleift. In dem Hollywoodschinken Troja lebte das grausame Spektakel neuerdings für Millionen von Kinobesuchern wieder auf.

Über die breite Treppe, die der Pariser Oper nachgebaut wurde, gelangt man in die persönlichen Räume der Kaiserin im Obergeschoß. Dann im Garten wiederum eine Vielzahl von Statuen. Und in all der Tragik der „sterbende Achill". Der Künstler Ernst Herterich hatte 1884 aus Marmor die monströse, liegende Heldenfigur geschaffen. Mit schmerzverzehrtem Gesicht. So wie die Kaiserin von Österreich ihre eigene Welt liebte. Im Jahre 1898 wurde die Kaiserin von ihrer Todessehnsucht eingeholt. Der italienische Anarchist Lucceni ermordete Elisabeth von Österreich am Genfer See. Nicht wie der Tod bei Achill mit einem Pfeil, sondern mit einer Feile.

Sissi kam nie wieder auf ihre geliebte Insel. Dafür kam der deutsche Kaiser Wilhelm II.. Der Preußenkaiser erwarb 1908 den Palast von Sissis Erben. Das Achilleion wurde des Kaisers Sommersitz. Auch er war sehr angetan von der Schönheit der Insel. Weniger allerdings von der martialen Mystik des sterbenden Achills im Garten. Ein Achill, der jämmerlich stirbt paßte nicht in die Heldenauffassung eines Kaisers in der Zeit zum „Vorabend" der bislang allerschlimmsten Kriege der Menschheit. Demnach verbannte Wilhelm den sterbenden Achill von der zentralen Stätte im Garten auf einen Nebenschauplatz. Stattdessen ließ er ein Ungetüm von Achill mit Schild und Speer aufstellen. Tapfer, heroisch, aus Bronze von Johannes Götz gegossen und in einer Größe von unglaublichen 5,5 Metern. Die diplomatische Welt sollte erzittern, wenn sie im Sommern den deutschen Kaiser auf Korfu aufsuchte. Es wurden nur wenige Sommer.

Im Jahre 1914 war das Attentat auf den Thronfolger in Sarajewo. Und der I. Weltkrieg verbrannte Europa. Der deutsche Kaiser Wilhelm kam niemals mehr. Zurück auf Korfu blieben der Palast Achilleion und des „Kaisers Thron" bei Pelekas. Einer der allerschönsten Punkte der Insel und nur fünf Kilometer von Sissis Anwesen entfernt. Im I. Weltkrieg beschlagnahmte dann die griechische Regierung das Anwesen und installierte dorthin ein französisches Lazarett. Durch den späteren Friedensvertrag ging der Palast in den Besitz des griechischen Staates über. Der Glanz und die Mystik des Achilleions erfassen jährlich tausende von Besuchern. Weniger der deutsche Kaiser Wilhelm, sondern die tragische Sissi-Legende ist es, die hier als Touristen-Magnet wirkt. Tag für Tag quälen sich Touristenbusse und Mietautos die bergige Straße zum Traumpalast der Kaiserin von Österreich hinauf. Wenige Kilometer nördlich von hier, schiebt sich die wunderbare Halbinsel Kanoni im Anschluß an Korfu-Stadt in das Ionische Meer. Regelrecht eingerahmt zwischen den Uferhängen und der Halbinsel zeigt sich die Landepiste, auf der täglich die Chartermaschinen aus den nördlicheren Teilen Europas landen.

Kanoni gehört unumstritten zu den beliebtesten Fotozielen der Inselbesucher. Speziell die Kanoni ein wenig vorgelagerte Insel „Pontikonisi", auch Mäuseinsel genannt. Ein kleines Kirchlein aus dem 11.Jahrhundert zeigt die traditionelle Verbundenheit Korfus mit Byzanz auf. Über einen Steinsteg erreicht man das Kloster Vlacherna. Die dunkelgrünen Zypressen, die weißgetünchte Kirche und der romantische Glockenturm gehören zu den schönsten Motiven Korfus. Im Schatten der kleinen Kneipe am Kanoni-Strand warten die Touristen bis zum Untergang der Sonne. Vielleicht sieht man dann den Fels der Mäuseinsel als versteinertes Schiff des Odysseus? Wie es die Sage erzählen

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Wer Griechenland als Reiseziel auserkoren hat, liebt das Ursprüngliche und Rustikale. Wer es noch um Spuren ursprünglicher haben möchte und zudem noch den Hauch der antiken Geschichte einatmen will, sollte im Süden des Peloponnes seine Ferienwünsche "eintauchen" lassen. Sattes golden schimmerndes Olivenöl, große fleischige Oliven, tiefroter Wein, frische Fische, Lammfleisch in allen Varianten, gegrillter Octopus und Ouzo. Das Glas Ouzo, gut gekühlt mit Eis ist schlichtweg in Griechenland das für den Magen, was ansonsten ein Aspro gegen Kopfschmerz verspricht.

Die stille Sehnsucht aller Reisenden liegt immer im Süden. So geschieht es auch auf dem Peloponnes. Vom historischen Mistras führt die Straße über Sparta dann in den Süden nach Githion. Die Hafenstadt Githion ist mit seinen etwa 4.000 Einwohnern das "Tor zum Hades", also das "Tor zur Hölle". War ist, daß Githion auch geographisch das "Tor zur Mani" darstellt.

Mani und Hölle dürften noch vor über hundert Jahren irgendwie ähnlich gewesen sein. Aber davon ahnt man erst, wenn man mit dem Fahrzeug dann noch weiter südlich in die Welt der Mani eintaucht.

In Githion selbst spürt man von der "bizarren Gefährlichkeit" noch nicht die Spur. Das Städtchen liegt romantisch direkt am Meer. Man weiß aus den griechischen Göttersagen, daß die schöne Helena ihre erste Liebesnacht mit ihrem Entführer, dem trojanischen Prinzen Paris, auf der nahen Insel Kranä verbrachte. Blaues Wasser, schmucke Häuser, Reste eines römischen Theaters und kleine Fischerboote direkt in der Bucht. Ein gepflegter Ort.

Aus den kleinen Tavernen am Hafen duftet es nach gegrilltem Fisch, nach im Olivenöl frittierten Tintenfischen und nach gegrilltem Octopus. Githion muß das "Mekka des Octopus" sein. An Schnüren hängen sie in Mengen wie Dekorationsgegenstände vor den Tavernen und schimmern rosa in der Sonne. Riesige Mengen der Kraken aus dem Meer vor der Stadt. Einmal gefangen, wird so ein Octopus auf den Steinen so lange geschlagen, bis der tote Körper mit den zahlreichen Fangarmen einen körpereigenen Schaum abgibt. Dann, so die jahrhundertealte Rezepturanleitung, ist die Krake weich genug und nicht etwa ein "Gummiringerl". Gegrillt, mit Zitrone und Olivenöl beträufelt, ist so ein Octopus eine sagenhafte Spezialität.

Auf den üblichen, sehr kleinen Tischen serviert man sehr freundlich die kleinen Gerichte der Taverne. Es schmeckt vorzüglich, aber der Ouzo ist trotzdem eine Notwendigkeit. Nach so einem tollen Schmaus wird man sicher nicht die Toilette hinter der Küche betreten, denn man will ja den guten Eindruck des kleinen Lokals in Gedanken mit nach Hause nehmen.

Nach etwa elf Kilometern südlich von Githion, in Richtung Areopolis, steht die kleine Festung "Passavas". Das ist der einstige und auch letzte Außenposten der Türken gegen die Mani. Weiter haben es die Türken, die den gesamten Balkan und große Teile des Vorderen Orients und Nordafrikas unterworfen hatten, niemals geschafft. Der schmale, zweite "Finger" des Peloponnes wurde niemals bezwungen.

Wenige Kilometer nach Passavas wird einem deutlich bewußt, was dieses Land Mani bedeutet. Unbezwingbare Berghänge, Steine und darin gelagert die Dörfer der Mani. Nicht nur die Dörfer, sondern jedes Haus für sich ist eine eigene Festung. Die Häuser sind allesamt bis zu 20 Meter hohe Wehrtürme mit ganz kleinen Fenstern und Schießscharten. Niemandem gelang es in der Geschichte der Mani, in dieses Land einzudringen.

Die Manioten selbst waren in erster Linie selbst Freibeuter und Seeräuber. Ehrgesetze und Blutrache waren zudem die alltägliche Ordnung. Bis auf die Waffenstillstände in der Saat-und Erntezeit waren die Familien allesamt untereinander spinnefeind. Kriege wurden gar innerhalb der Dörfer zwischen den Nachbarn geführt. Das findet zwar auch bei uns statt, doch bei den Manioten ging es immer um Leben und Tod. I, den trutzigen Familienburgen mit den bis zu 1,5 Meter dicken Mauern verschanzten sich die Verteidiger. Vielfach lieferte man sich zwischen zwei Wehrtürmen die Feuergefechte mit Musketen und Kanonen. In jedem Dorf, in jedem Haus der Mani spielte sich das gleiche "Spiel um Leben, Tod, Rache und Ehre" ab.

Im kleinen Dorf Kita an der Hauptstraße bekämpften sich noch 1870 zwei Familienclans so lange und heftig, daß gar die griechische Armee einschreiten mußte. Erst die Kanonenschüsse der Soldaten konnten den blutigen Privatkrieg im Dorf Kita beenden. Wenn allerdings Bedrohung von außen, wie viele Jahre durch die Türken drohte, vergaßen die Manioten zeitweilig die untereinander zugefügten Bluttaten. Spätestens bis die Gefahr wieder vorbei war.

Nicht die dauerhaften Kleinkriege und nicht die Türken bewirkten, daß die Bewohner der Mani ihr bizarres Land verlassen mußten. Es war die wirtschaftliche Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg, die einen Schwund der Bewohner einleitete. Viele der Wehrhäuser aus Stein begannen zu verfallen.

Seit den 90er-Jahren wandelte sich wieder das Bild. Alte Türme werden restauriert und manche werden sogar zu Turmhotels ausgebaut. Speziell in Areopolis, der historischen Hauptstadt der Mani, können Touristen in den interessanten Hoteltürmen übernachten.

Der Fremdenverkehr boomt auch in Pirgos Diru, einige Kilometer südlich von Areopolis. Dort in einer wunderschön gelegenen Bucht gibt es auf Meereshöhe einige sehr weitläufige Tropfsteinhöhlen. Die "Glifada-Höhle" kann man in einem Boot erkunden. Über einen unterirdischen Fluß gelangt man in die faszinierenden Tropfsteinhöhlenwelt. Ein Schauspiel der Natur in einer wunderschönen Vollendung. Zudem auch für eine Stunde eine recht angenehme Abkühlung in der Höhle.

Draußen vor dem Höhleneingang glühen die Steine in der Sommersonne. Und noch weiter südlich in der Mani verliert sich das Grün der letzten Büsche gänzlich. Das Tor "zur Hölle" scheint überschritten zu sein!

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Trotz aller Phantasie vermag sich der zeitweilig "im Diesseits Brave" ein Leben im verheissenen Himmel nicht gar so plastisch vorstellen. Mit der Vorstellung der Hölle scheint es da zweifellos einfacher, denn einige Landstriche auf dieser Erde zeigen sehr drastisch auf, wie es in "Luzifers Ländereien" ausschauen könnte.

An der Spitze all dieser verwunschenen Flecken dieser Welt steht die sogenannte "Mani". Der südlichste Teil jenes zweiten Fingers am Peloponnes heißt nicht umsonst das "Tor zum Hades". Durchzogen vom Taygettos-Gebirge bietet sich hier eine Naturlandschaft der rauhesten Art. Steine, Hitze und kaum Trinkwasser sind die Kriterien des Lebens hier.

Südlich von Gythion, dem lieblichen Hafenstädtchen geht die Fahrt in Richtung Süden nach Areopolis. Mächtige steinige Hügel umschließen in sanften Konturen jenes historische Zentrum der Mani, das den Namen des antiken Kriegsgott Ares in vollen Zügen trägt. Dort auf der Platia der Kleinstadt mit ihren 600 Einwohnern wurde 1821 die Rebellion gegen die jahrhundertelange Türkenherrschaft ausgerufen. Hier startete der Freiheitskampf der Griechen gegen die Türken, der schließlich mit der Befreiung ganz Griechenlands endete. Freilich, die Türken hatten ihren Fuß niemals vorher auf dieses Gebiet setzen können - trotz der Unterwerfung ganz Griechenlands und des Balkans bishin nach Ungarn.

Südlich der türkischen Festung Passavas (nördlich von Areopolis) kam niemals ein Türke. Mit einziger Ausnahme gefangene Türken. Aber auch die anderen Eroberer der Geschichte machten um das Land der Mani einen weiten Bogen. Stattdessen kontrollierten die einzelnen Clans der Mani als Piraten den gesamten Seeweg rund um den Peloponnes.

Sie lebten förmlich davon, Schiffe zu kapern und Waren, Tiere und Menschen zu erbeuten. Die dabei gefangenen Menschen verkauften sie als Sklaven an Sklavenhändler. Türken an Christen und Christen an Türken. So wie sich die Gelegenheiten des damaligen Menschenhandels stellten.

Die Menschen hier lebten über die Zeiten hinweg in Wohn- und Wehrtürmen. Jeder Clan für sich, der zudem noch mindestens mit einem anderen Clan in einem blutigen Kleinkrieg stand. Blutrache über Generationen hinweg prägte das ohnehin höllische Leben in der Mani. Als interessante Draufgabe hatte jeweils immer die clanälteste Frau das Sagen über Krieg, Tod und Zerstörung. Nicht unbedingt ein Kompliment über den Liebreiz der Damenwelt!

Als nach der Türkenbefreiung 1833 Prinz Otto von Bayern von den europäischen Großmächten in Griechenland als König eingesetzt wurde, holte sich auch dieser in der Mani eine "blutige Nase". Der bayrische Prinz hatte sich in den Kopf gesetzt, die Manioten zu zähmen und deren Wohnburgen zu zerstören. Sein Ansinnen scheiterte kläglich. Seine Soldaten durfte er als völlig nackt ausgezogene Gefangene wieder freikaufen.

Nach Areopolis in Richtung Vathia schlängelt sich die Straße verstärkt in eine Gegend, die in ihrem Aussehen normal nicht von dieser Welt sein kann. Nichts als Steine, steinige Hügel und steinige massive Bergausläufer des Taygetto-Gebirges. Da und dort ein knorriger Kaktus, so groß wie ein Baum mit gelben Früchten. Dann nach Kilometern der Fahrt wieder ein Baum mit grünen Blättern. Ein Zeichen, daß es doch noch vereinzelt Wasser im steinigen Boden gibt. Und trotzdem immer wieder zwischen all den vielen, in der Sonne nahezu glühenden Steinen steinerne Zeichen menschlichen Lebens - Dörfer an irgendeinem, ehemals strategisch wichtigen Platz an den Hängen der steinernen Hügelketten errichtet. Jedes einzelne Haus, auch innerhalb der Dörfer, ist gebaut wie ein Teil einer Burg. Einzelne Wehrtürme aus massiven Steinen mit Schießscharten und sehr kleinen Fenstern ins Freie. Jeder Wohnturm ist ein Bauwerk in seiner Art für sich. Der eine Wohnturm ist höher, der andere wieder breiter. Kleine Burgen, die die den Menschen vor den Angriffen der jeweils befeindeten Clans sowie der Hitze und der Sonne ausreichend Schutz boten.

Heute sind viele der Wohnburgen in der Mani verlassen und zerfallen langsam zu Ruinen. Doch in der Mehrheit der alten Wohntürme leben Menschen. Einige der Türme wurden gar zu kleinen Hotels umfunktioniert. Ein großartiges Erlebnis für Touristen, die historisch geprägte Atmosphäre bei einer Nacht in der wilden Mani suchen und auch zu finden.

Von weitem wirken die Dörfer wie großangelegte Wehranlagen einer trutzigen Burg. Weiße und bräunliche Türme und als Augenweide auch etwas Grünes in Form von Kakteen, Sträuchern und Bäumen. Zwischen den weißen Steinbrocken sieht man gar einige Kühe in der prallen Mittagshitze, die nach verdorrten Gräsern suchen. Diese armen Geschöpfe kennen nichts anderes. Gerne würden sie wohl träumen von der "Milka-Kuh" und den saftigen Wiesen auf den grünen Almen.

Noch weiter südlich bei Jerolimin wird die Gegend noch bizarrer und unwirtlicher. Tiefschwarz wie riesige Kohlenfelder präsentiert sich alles von der Ebene bis hinauf zu den Berghängen. Der Vorhof zum Teufel ist hier, so möchte man glauben. Die schwarzen, verkohlten Reste eines Baumes zeigen wie Finger zum Himmel. Die wenige Erde verbrannt, schwarze Steine überall und die raren Gewächse vernichtet.

Feuer, ja gewaltige Feuersbrünste, haben hier gewütet. So wie auf dem gesamten Gebiet des Peloponnes brennt es an unzähligen Stellen während der extrem trockenen Zeiten von Juni bis September. Ein Funken genügt, um die trockenen Gräser und Sträucher wie Zunder zum Brennen zu bringen.

Einerseits sind es immer wieder Touristen und Camper, die mit Lagerfeuer oder einer Zigarette die Brände auslösen, andererseits wirken in der Gegend achtlos weggeworfene Flaschen unter der extremen Sonnenbestrahlung wie Brenngläser. Aber auch Grundstücksspekulanten sind es, die Jahr für Jahr in ganz Griechenland gezielte Brände legen, um in der Folge Hotel- und Touristenanlagen an diversen Plätzen zu errichten.

In der südlichen Mani tobten die Brände in voller Stärke. Das Flammenmeer reichte bis zu den Dörfern, bis zu den Haustüren und verschluckte auch manche der alten Wohntürme. Die gewaltige Hitze erfaßte noch weit abseits der Brandherde so manchen Baum. Dürre, goldig-braune Blätter an Bäumen, deren Leben im Inferno ausgehaucht wurde.

Die Straße schlängelt sich in Serpentinen bergauf nach Vathia. Das bekannteste und südlichste Felsendorf in der Mani. Wie eine Burg thront Vathia in der Höhe. Von hier aus kann man auch das Meer und all die Buchten überblicken. Auf den terrassenförmigen Hängen rund um Vathia wurden Bäume und Sträucher in großer Vielzahl gepflanzt. Das Höllenfeuer hat alles verbrannt. Bis auf einige Häuser konnte das sehenswerte Felsendorf Vathia dennoch gerettet werden.

Einige Kilometer weiter bergab eröffnet sich mit Porto Kagio ein völlig anderes Landschaftsbild: Eine nette Bucht mit Sandstrand und Fischtavernen. Hier ist Erholung von der wilden Mani angesagt! Doch missen möchte man die Fahrt durch diese "kleine Hölle" auf Erden keineswegs.

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Einige kommen mit dem Flieger nach Athen, um dann per Mietauto oder Taxi über den Kanal von Korinth in den Süden des Peloponnes zu gelangen. Die Mehrheit landet mit einer der zahlreichen Fähren mit Start in Venedig, Triest oder Ancona nach ein oder zwei Nächten auf dem Schiff in Patras. Hier in Patras ist der Hafen, das Leben und die Hektik.

Menschen, die Ferien auf dem Peloponnes machen, suchen Ruhe, unberührte Natur und urige Gelassenheit. Daher windet sich der "Wurm voller Fahrzeuge" - Autos, Motorräder, Wohnmobile und Wohnwagengespanne - aus den riesigen "Bäuchen" der Fährschiffe von Patras über die kurvige Höhenstraße Richtung Süden. Diejenigen, die ganz dem Massentourismus entfliehen wollen, führt die Hoffnung nach Ruhe und Erholung ganz in den Südwesten Messiniens, auf den "ersten der vier Finger" des Peloponnes.

Westlich von Sparta und südlich von Kalamata ist dieses urige Bauernland, in dem die Menschen über die Jahrhunderte vom kargen Reichtum der Olivenbäume und vom Fischfang lebten. Das Meer ist allgegenwärtig und unzählige kleine Buchten werden vom blau schimmernden Wasser umspült. Auf den Hügeln stehen die knorrigen Olivenbäume, deren Früchte ein dikkes, geschmackvolles Öl liefern und Einkommensquelle für viele Bauern sind. Ein karger Boden, eine unberührte Natur. Im April klettern unzählige Landschildkröten wie von einem Magneten gezogen die Olivenberge hinunter. Für die Buben der Dörfer ist diese Aktion nichts Ungewöhnliches. Im August, wenn der Vollmond das Meer hell erleuchtet, schwimmen die Wasserschildkröten hier an bestimmte Sandstrände, um ihre Eier in Gruben im Sand zu legen. Die geschlüpften Schildkröten retten sich ins Meer, um später, an derselben Stelle der Bucht, wieder die Eier abzulegen. Ein ewiger Kreislauf.

"Dort unten", im bäuerlichen Messenien, drehen sich die Jahre langsamer. Wenngleich auch viele Bauern in den Touristen, von denen es Jahr für Jahr mehr in diese Gegend zieht, eine neue Einnahmequelle sehen. So wachsen die griechischen Tavernen wie Schwammerln aus dem Boden und Familien oder Freunde präsentieren ohne spezielle Kochlehre das, was "familienintern" schon immer gern gegessen und gekocht wurde: Moussaka (Auberginenauflauf), Souvlaki (Fleischspieße), Gemista (gefüllte Tomaten und Paprika), Choriatiki Salata (Bauernsalat), Tsatsiki (geraspelte Gurken mit Joghurt), Giros und Fische in allen Variationen. Dazu den obligaten Ouzo, den immer den Magen versöhnenden Anisschnaps und die Weine der Region. Kräftige, tieffruchtige griechische Weine, so wie sie Udo Jürgens besingt.

So ein bäuerliches Dorf dieser Art ist Chrani, keine zehn Kilometer vom schmucken Fischer- und Einkaufsort Petalidi entfernt. Baugenehmigungen, wie anderswo in der EU, haben hier noch nicht gegriffen. Der Strand ist in Griechenland öffentliches Gut und direkt am Strand etwas hinzubauen, ist eigentlich verboten. Doch da gibt es die tollsten Tricks. Jemand stellt auf so einen markanten Platz einen Wohnwagen und errichtet dann im nächsten Jahr zum Schutz des Wagens eine Mauer, die jährlich in der Höhe und Breite dahinwächst. Irgendwann sind dann die Mauern für ein Haus fertig.

Ulla heißt in Chrani jene blonde, charmante Frau, die 24 Ölbäume, einige Feigenbäume und mit ihrem Gatten Dionysios eine der lieblichsten Wohnanlagen auf dem Peloponnes besitzt. Direkt am Strand gelegen und abgelegen von Straße, Lärm und Welt. Und trotzdem trifft sich hier Österreich. Seit 10 bis 15 Jahren kommen manche Gäste aus Niederösterreich, Wien, Tirol usw. immer wieder jährlich hierher, um unter der Laube oder unter den Strohschirmen direkt am Wasser Erholung pur zu tanken.

Ulla heißt eigentlich Ulrike und ist eine waschechte Grazerin. Sie war Lehrerin in St. Kathrein/Hauenstein. Dionysios Christopoulos ist Diplomingenieur, stammt aus Athen und ist seit 1974 mit Ulla verheiratet. Kennengelernt haben sich die beiden in der Tiefgarage jener Wohnanlage in Graz, in der der Techniker bei Wagner Biro und die Pädagogin wohnten. Ein "Patschen" am Fahrrad der Lehrerin spornte damals den diplomierten Techniker zu Hilfsleistungen an. Ulrike revanchierte sich mit Zwetschkenfleckerln. Zwei Jahre nach dem "Patschenerlebnis" war Ulrike Hausfrau in Athen und wurde zu Ulla. Die Grazerin lernte perfekt griechisch und die Kinder Katerina, Christo und Viktor kamen zur Welt. Urlaub vor der sommerlichen Hitze in Athen suchte die Familie Christopoulos auf dem Peloponnes, und zwar ganz im Südwesten, wo die Hitze nicht steht, sondern ganz angenehme Winde vom Meer die Gegend sanft streicheln.

Ein Kellner eines Hotels sprach damals von seiner Hütte direkt am Strand in einem Bauerndorf namens Chrani, die er verkaufen wolle. Die Hütte samt Grundstück wurde gekauft und zum Haus ausgebaut. Unter der Weinlaube jenes Hauses, keine 20 Meter vom Wasser entfernt, sitzen seit 1985 in der Sommerzeit fast nur Österreicher, spielen mit Dionysios Karten, trinken Bier und Wein und lassen sich von der Grazerin mit ihren griechischen Spezialitäten kulinarisch verwöhnen. Und falls jemand doch mal ein Wienerschnitzel will, ist das auch kein Problem, denn Ulla ist der Geheimtip für die Kochkunst rund um regionale Küche in der ganzen Bucht von Chrani. Zudem ist sie auch eine Fachfrau für Olivenöl. 24 Ölbäume gehören ihr. Aus den Früchten wird dieses weltberühmte, dicke und schmackhafte Olivenöl gepreßt, das die Köche der Welt so sehr schätzen.

Innnerhalb der Jahre wuchs die Ferienanlage mit ihren Appartments und einem paradiesischen Garten heran. (Infos unter Tel. 0030/1-6920674). Seither ist diese Strandmeile fest in rot-weiß-roter Hand. Christo studiert an der Uni in Graz und so kommen auch die jungen Österreicher als Gäste nach Chrani.

Zehn Kilometer südlich von Chrani ist die wunderschöne, liebliche Hafenstadt Koroni. Wenn es hier Abend wird, strahlt die untergehende Sonne gold-rot auf die lange Hafenpromenade mit den zahlreichen Tavernen. Der frisch gefangene Octopus hängt in geordneter Reihe an den Schnüren.

Wieder einige Kilomter weiter ist der beliebte Badeort Finikunda mit Privatzimmern und einem bekannten Campingplatz. Fährt man auf der Straße rund um die Spitze des "ersten Fingers" des Peloponnes weiter, gelangt man nach einigen Kilometern und unzähligen Kurven nach Methoni. Die Geschichte prägte die Stadt: Mächtige Mauern der Venezianer, die bis 1500 hier ihre Burg hatten, Stützpunkt bis 1715 für die Kriegs- und Handelsflotte und Schauplatz eines großen Sklavenmarktes, den die Türken für griechische Gefangene hier abhielten.

Keine zehn Kilometer nördlich auf der Küstenstraße liegt Pilos. Wunderschön und romantisch die Bucht von Pilos, die durch die heute unbewohnte Insel Sfakteria vom offenen Meer abgegrenzt wird. Hier, unweit der Stadt, die auch unter "Navarino" bekannt ist, gab es 1827 eine der größten Entscheidungen im griechischen Freiheitskampf gegen die Türken. Eine Flotte von englischen, französischen und russischen Schiffen versenkte hier 55 von 82 Schiffen der türkischen Kriegsflotte. Der damalige Auslöser für die Vernichtung der Türken-Armada: Ein türkischer Matrose hatte irrtümlich einen Kanonenschuß ausgelöst. Am nördlichen Ende dieser Bucht von Navarino liegt zwischen der Osmanaga Ligune und dem Ionischen Meer eine der schönsten Badestrände Griechenlands, die "Rinderbauch-Bucht" (Voidiokilia-Bucht). Kilometerlange Strände und Dünen mit feinem Sand erbringen Vergleiche an die karibische Wasserwelt. Ein Geheimtip auf einem der wunderbarsten Flecken ganz Griechenlands.

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"Wanderer, kommst Du nach Sparta, verkünde dort, Du hast uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl!" So stand es in einen Stein gemeißelt von einem sterbenden Soldaten des antiken Sparta in einer geschichtsträchtigen Schlacht.

Man zählte das Jahr 480 vor Christus: Die Spartaner kämpften unter ihrem Kriegsherrn Leonidas gegen das übermächtige Heer der Perser bei den Thermopylen. Ein Opfergang der Soldaten Spartas, von denen keiner das Gemetzel überlebte. Der in den Stein geritzte Spruch ging allerdings in die Geschichte ein und ist auch den sprachlich orientierten Gymnasiasten der Gegenwart ein Begriff.

Sparta ist unser Ziel und wir tauchen in die Geschichte des alten Griechenlands ein, wo Sparta als militanteste Stadt der Antike galt. Die Straße nach Sparta führt von Kalamata im Süden des Peloponnes ins Landesinnere. Kalamata ist mit seinen 45.000 Einwohnern die Hauptstadt Messeniens. Eine Stadt, die ihre historische Identität großteils verloren hat, denn am 13. September 1986 verwüstete ein Erdbeben über ein Viertel aller Häuser. Besonders davon betroffen war das alte Zentrum Kalamatas.

In unzähligen Kurven und Serpentinen schlängelt sich die Straße Richtung Sparta über Plateaus, Höhenzüge und Schluchten durch das Taigetos Gebirge. Steine, Disteln und dazwischen immer wieder Sträucher, Bäume und kleine Wälder umsäumen den Weg. Schwarz und bizarr strecken viele der Bäume die verkohlten Reste von Ästen und Stämmen dem Himmel entgegen - als Opfer der zahlreichen Waldbrände, die Jahr für Jahr auf dem Peloponnes wüten. Im Sommer 2000 erreichten die Waldbrände ein Höchstmaß. Grundspekulanten, brennende Zigaretten oder weggeworfene Glasscherben, die unter der starken Sonne wie Brenngläser wirken, führen immer wieder zu Brandkatastrophen in ganz Griechenland.

Wie eine riesige, unbezwingbare Festung trennt das Taigetos Gebirge das bäuerliche Messenien von Lakonien, dem Land der Spartaner. Dann, nach den letzten Serpentinen bergauf, öffnet sich bergab eine Ebene. Lakonien ist erreicht. Von Lakonien abgeleitet ist der Begriff "lakonisch", also prägnant, kurz und klar. Wesenszüge der alten Spartaner, die "spartanisches Leben", ein Leben ohne Luxus, zum Inhalt des Lebens machten. Ganz anders wie die Athener in Attika, führten die Adelsgeschlechter im Sparta der Antike über Jahrhunderte eine gewaltige Militärdiktatur. Während in Athen sich die Demokratie samt der schöngeistigen Bereiche von Philosophie und Dichtkunst in höchster Form entwickelte, waren in Sparta Macht, Krieg und Gehorsam angesagt.

Sparta ist mit Blut geschrieben, denn es war die militanteste Stadt, die das antike Europa je kannte. Es lag an der Hand, daß dieses Sparta mit Athen über Jahrhunderte Kriege führte. Bedingungsloser Gehorsam gegenüber den Herrschern stand in Sparta im Mittelpunkt. Gar schon im Knabenalter von sieben Jahren wurden die Söhne der Spartaner ihren Müttern entzogen. Die Heranbildung für das einzige Ziel der Spartaner, den Kriegsdienst, öffnete sich für das weitere Leben. Zu den Mahlzeiten gab es oft die "Spartanische Blutsuppe" als Lieblingsgericht der Soldaten. Eine schwarze Suppe, bestehend aus sehr scharf gewürztem Schweineragout, Essig, Salz und Schweineblut. Dieses höchst interessante "Schlemmeressen" geriet nach dem Niedergang und der Eroberung Spartas durch die Römer im 2. Jahrhundert vor Christi in Vergessenheit. Heute wird die Blutsuppe in dieser Konstellation nirgendwo in Sparta mehr serviert.

Das heutige Sparta ist mit seinen gut 14.000 Einwohnern die Hauptstadt Lakoniens. Erst 1834 wurde die neue Stadt an einer völlig anderen Stelle gegründet. Vom antiken Sparta gibt es nur inmitten von Olivenhainen Ruinen und Trümmer, denn im 13. Jahrhundert wurde das einstens so dominante antike Sparta von seinen Bewohnern gänzlich aufgelassen. Die Goten unter Alarich unterwarfen das mittlerweile byzantinische Sparta.

Im Jahre 1249 errichtete der fränkische Kreuzritter Guillaume auf einem steilen Berg am Rande der Ebene von Sparta eine riesige Burganlage namens Mystras. In der glühenden Hitze war die Errichtung dieses wehrhaften Monsterprojektes ein ungeheuerlicher Gewaltakt. Zu allem Überdruß eroberten die Byzantiner schon im Jahre 1262 den gesamten Burgberg.

Unterhalb der Burg gründeten die neuen Herren aus Byzanz die Stadt Mystras, die sich zur Metropole des Peloponnes entwickelte. Um 1700 lebten hier noch 42.000 Menschen. Inzwischen hatten allerdings die Türken das Land und alle Städte und Burgen erobert. Heute sind die Burg und die Paläste der byzantinischen Fürsten Ruinen und die einstigen Wohnhäuser sind im Laufe der Jahrhunderte verschwunden. Erhalten blieben nur die vielen Kirchen und Klöster.

Der Aufstieg in die turbulente Vergangenheit von Mystras bedeutet gleichsam auch die Überwindung von 300 Höhenmetern zwischen dem unteren und oberen Eingang von Mystras. Die Sonne bringt die Steine der Ruinen der einst so prachtvollen Stadt nahezu zum Erglühen. Der schmale Pfad führt steil nach oben. Keuchende Touristen mit schwitzenden, roten Gesichtern samt der im Schlepptau ein wenig "maulenden" Kids kämpfen sich bergauf. Das Hineinschnuppern in die Geschichte von Sparta und Mystras fordert eben seinen Preis.

Die ungewöhnliche Anstrengung samt Hitze setzt Visionen und Phantasien frei: Spartaner, Römer, Goten, Franken, Byzantiner, Türken, wie sehr verfluchten und liebten sie diesen Berg. Je nachdem, wer eben die Angreifer oder die Verteidiger waren. Der heillos steile Berg von Mystras sollte immer wieder als Schutz dienen. Die Angreifer schwitzten sich wahrlich die Seele aus dem Leibe und tausende von Menschen verbluteten hier im uralten tödlichen Spiel um Macht, Tod und Leben auf den steilen Hängen.

Trotz all der trotzenden Hürde dieses Berges wechselte Mystras immer wieder die Besitzer. Die lange türkische Herrschaft dauerte bis 1828, nachdem die Griechen nach einem langen und blutigen Befreiungskrieg den Halbmond auch aus Lakonien verbannen konnten.

Die bergige Besichtigung von Mystras dauert mindestens vier Stunden. Besucher der eher unsportlichen Kategorie können auch mit dem Auto den Berg bezwingen und in der Nähe des oberen Einganges zu Mystras ihr Gefährt parken. Der schweißtriefende Rundgang entschädigt allerdings den Geschichtsinteressierten über das Maß: Die Bischofskirche Metropolis samt ehemaligem Bischofspalast; St. Theodoroi Hodeghetria mit wunderschönem Mauerwerk; die Palastruine St. Sophia, die einstige Kloster- und Palastkirche und in der Türkenzeit dann Moschee; das Pantanassa-Kloster, das von den Nonnen immer noch bewohnt wird; die eigenwillige Ruine des Peribleptos-Klosters; die Kapelle St. George, als eine der vielen Privatkapellen der einstigen Metropole Lakoniens. Die kirchlichen Prachtbauten aus der byzantinischen Zeit lassen erahnen, welch hoher Stellenwert der Glaube hier einnahm. Die zweifellos größte Aufgabe der damaligen Mönche war es, für die Finanziers, Gründer und Gönner des Klosters mit voller Kraft zu beten und die Sünden zu vergeben. Die gutbetuchten Bewohner von Mystras konnten sich quasi einen sündenfreien Einstig ins jenseitige Leben erkaufen. Die zahlreichen Kirchenbauten in Mystras konnten demnach mit größtem Prunk errichtet werden. Daran gemessen dürfte das Maß der Sünden im alten Mystras schier endlos gewesen sein.

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