Süd Ost Journal

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Der Louvre, Heimat des Kunstwerkes Mona Lisa


1von Hannes Krois
„The Da Vinci Code-Das Sakrileg“: Wer hat diesen beeindruckenden Film mit Tom Hanks in der Hauptrolle nicht gesehen? Das sollte man wahrlich nachholen. Im nächtlichen Paris höchst attraktiv, präsentiert sich im Film eine phantastische Glaspyramide in das Filmgeschehen. Diese Glaspyramide steht seit 1989 real inmitten des gewaltigen Innenhofes des Louvre. Ein somit sehr junges gläsernes Bauwerk, das nunmehr auch den Haupteingang in das weltberühmte Museum im Louvre darstellt. Über die Gläser der Pyramide treffen die Sonnenstrahlen in das bauliche Herz dieses gewaltigen Gebäudes. Mysthisch, gewaltig und romantisch zugleich. Der Louvre ist ist in seiner Gesamtheit der bauliche Mittelpunkt von Paris. Hier im Stadtteil Tuileries gibt es die gewaltigsten Bauwerke, schönsten Hotels und die teuersten Geschäfte.
Der Louvre wurde im Jahre 1190 als Schutzburg unter König Philippe-Auguste errichtet. Über vier Jahrhunderte bauten die Könige das monströse Bauwerk um. Das Ergebnis ist eine Residenz im Renaissancestil. Ludwig XIV, der Sonnenkönig brachte mit seinen Umbauten noch den schillernden Glanz seiner glorifizierenden Empfindungen in das Bauwerk ein. Unter Napoleon wurde dann später im Jahre 1805 der Arce de Triomphe du Carrousel als Triumphbogen der Siege Napoleons im riesigen Innenhof errichtet. Gegenüber vom Louvre steht der Palais Royal. Der einstige Sitz des berüchtigten Kardinal Richelieus. Nach dem Tod des Kardinals kam der Palast zur Krone. Hier verbrachte Louis XIV. seine Kindheit. Glänzende Feste des Adels fanden in den Prunkräumen statt. Der Palast wurde auch zum Standort der Comedie Francaise, des berühmten Traditionstheaters. Beinahe wäre der Palast während der Revolution zerstört worden. Hernach wurde hier das Spielcasino installiert. Heute beinhalten die historischen Gemäuer das Kultusministerium, das Verwaltungsgericht und den Verfassungsrat. Doch vorrangiges Ziel aller Touristen und Kunstfreunde ist der Louvre. Am schnellsten kommt man mit der Metro von jedem Punkt in Paris zum Louvre. Das allerdings erfordert ein Quäntchen an geographischen und organisatorischen Vorkenntnissen. Und nicht immer kommt man mit Englisch und noch weniger mit Deutsch durch. Schlußendlich ist jeder noch zum Louvre gekommen. Die Metrozüge sind zumeist voll. Spezielle „Metro-Musiker“ spielen für ein paar Cent auf ihrer Harmonika. Dann bei der nächsten Haltestelle ab in den nächsten Metro-Zug. Was bei der Metro stört ist, daß man eigentlich nichts von Paris sieht. Den Anblick der  wunderschönen Straßen, Brücken und Gebäude erfaßt der Paris-Besucher am allerbesten im Taxi.
Der Louvre gehört weltweit zu den größten Museen. Ein Begriff für imposante und auch die teuersten Gemälde dieser Welt. Über vier Millionen Menschen besuchen jährlich den Louvre, um die Kunstwerke zu sehen. Doch Achtung: Der Louvre ist sowas von groß und imposant, daß man schon einen Zeitplan einbinden sollte.  Wer sich allerdings voll in den Bann der Kunstwerke ziehen lassen möchte, der braucht einen Tag oder womöglich auch eine Woche, um alle Bilder und Skulpturen mit entsprechendem Respekt aufzunehmen. Bequemes Schuhwerk ist anzuraten. Auf mehreren Etagen und unsäglich langen und verschlungenen Gängen und Räumen präsentiert sich im Louvre eine der größten Kunstsammlungen dieser Welt. Den Grundstein für dieses heutige Museum setzte Francois I. (1515 -1547). Ein Kunstmäzen, der sich in die Bilder der damaligen italienischen Künstler verliebt hatte. Francois I. kaufte eine Vielzahl von Gemälden für seine Gemächer. Darunter auch Bilder eines gewissen Leonardo Da Vinci. Ein Ölgemälde aus dieser Sammlung sollte es in der Folgezeit zu unvergleichbarem Weltruhm schaffen: Mona Lisa. Italienisch La Gioconda (die Heitere). Das Bild zeigt die Florentinerin Lisa del Giocondo. Geschaffen von Leonardo Da Vinci im Zeitraum zwischen 1503 und 1506. Für seine weltweite Berühmtheit, ein kleines Bild im Ausmaß von 77x53cm. Von Leonardo auf dünnes Pappelholz gemalt. Um dieses Gemälde ranken sich allerlei Mythen und Gerüchte. Auch zahlreiche Kopien der Mona Lisa wurden von anderen Malern fabriziert. Die Mona Lisa blickt in Leonardos Gemälde den Betrachter scheinbar an. Die Augen verfolgen förmlich den, der ihre Augen sucht. Unvorstellbar auch der Wert dieses Bildes. Im Guiness-Buch der Rekorde des Jahres 1999 wird die Mona Lisa als Gemälde mit dem höchsten Versicherungswert angegeben. Dieser wurde im Jahre 1962 auf 100 Millionen Dollar geschätzt. Unter Berücksichtigung der Inflation nunmehr heute ein Versicherungswert von 800 Millionen Dollar. Eine sagenhaft hohe Summe für dieses kleine Kunstwerk.
In den Zeiten der Banken- und Wirtschaftskrise stehen Kunstwerke als wirtschaftlich abgesichertes „Polster“ recht unangefochten da. Das betrifft nur indirekt die Kostbarkeiten im Louvre. In der Zeit des Sonnenkönigs Luis XIV (1643 bis 1715) umfasste die damalige Sammlung an Gemälden gut 200 Exemplare. In den Folgejahren wurde durch Schenkungen und Zukäufe auf die heutige riesige Menge erweitert. Somit stellt das Museum im Louvre einen Gesamtüberblick über die europäische Malerei dar. Die alten und sehr bekannten Meister stehen dabei im Vordergrund. Die Werke von Rembrandt, Hieronymus Bosch, van Dyck, Frans Hals, Dürer, Lucas Cranach, Hans Holbein, Jan Vermeer, Erasmus von Rotterdam, Gregor Erhart usw. reichen sich buchstäblich die Hände. Auch zahlreiche Skulpturen präsentieren sich als Weltkulturerbe im Louvre. Wie etwa die sagenumwobene Venus von Milo, der Sklave, gefertigt von Michelangelo, der Roßbändiger von Coustou oder Nike von Samothrake. Umfassende Sammlungen aus den historischen Hochburgen dieser Welt.
Die Eindrücke der Kunst im Louvre sind überwältigend und in der Menge und Vielzahl einzigartig. Hinter einer Tür ein Bild von Dürer. Nahezu versteckt. Vor der Mona Lisa stauen sich die Besucher. Kaum eine Chance in direkte Nähe des Bildes zu kommen. Da muß man warten können. Auch die Mona Lisa mußte über die Jahrhunderte auf die Besucher warten. Und hat wahrscheinlich deshalb über alle Wirren der Geschichte hinweg überlebt. Die Eindrücke im Louvre halten an. Zum geistigen „Verdauen“ nun über die Pont Royal in den nahen Stadtteil St. Germain-des-Pres. In eines der schmucken Cafes zum Nachdenken. Gott muß dennoch Frankreich lieben......

 

 



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Paris: Zwischen Eiffelturm und "Cafe de Flore"



1von Hannes Krois
Die Seine, der legendäre Fluß, teilt die Riesenstadt Paris in zwei Teile  und formt auch die Stadtteile. Einzig die zahlreichen Metro-Linien unterqueren in ihren Schienen-Tunnels die Seine. So wie wenn dieses Gewässer für die Metro gar nicht da wäre. Unweit vom Stadtteil Invalides (Eiffelturm) und Ile de la Cité (No­tredame) liegt inmitten St. Germain-des-Pres. Dieses Viertel am linken Seine-Ufer inmitten von Paris ist nahezu wie Montmartre einer der intellektuellen und künstlerischen Ecken der französischen Metropole. Elegante hohe Häuserzeilen umschließen ein Gelände mit einer Kirche. „St Germain-des Pres“ heißt diese älteste Kirche von Paris aus dem 11. Jahrhundert. Errichtet damals auf den Fundamenten einer alten Basilika aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. In der Revolution geplündert und gebrandschatzt, wurde diese Kirche im 19. Jahrhundert restauriert. Direkt vor der Kirche die Metro-Station St-Germain-des-Pres. Dieser Stadtteil mit seinen großen Gebäuden aus dem 17. Jahrhundert und den zahlreichen Bistros, Bars und Restaurants war speziell nach dem II. Weltkrieg der große Treff der Gesellschaft. Dichter, Maler, Musiker und Schauspieler fanden sich hier in ihrer Szene. Und dazu die Chansons der legendären Juliette Creco. Victor Hugo, Picasso, Ernest Hemingway, Emile Zola, Salvador Dali, Jean Cocteau, Voltaire, Albert Camus usw. waren mit diesem Stadtteil über ihre einzelnen Lebenszeiten verwurzelt.
Was wäre Paris ohne seine berühmten Cafes? In all den Jahren erlangten nicht die Cafes ihre Berühmtheit wegen des darin serviertem Milchkaffee, sondern ausschließlich wegen der berühmten Stammgäste. Wie eben das Cafe Flore in unmittelbarer Nähe zur Kirche St.Germain-des-Pres und der dortigen Metro-Station. Ein Stammcafé einstens auch von Picasso, Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Es ist nicht leicht im Flore einen der kleinen Tische mit Sicht auf das Straßenleben zu ergattern. Mit Blick auf die Straße konnte ich miterleben, wie seelenlos die Pariser mit ihrem Auto und den abgestellten Fahrzeugen der anderen umgehen. Beim Einparken geht es nicht um Schrammen oder Beulen. Hauptsache, man hat sein Auto in die Parklücke gequetscht. Das Pariser Metronetz ist so perfekt, daß man das Auto getrost in einer Garage verwahren sollte. Gleich gegenüber dem Cafe de Flore ist die berühmte Brasserie Lipp. Eine gesellschaftlich-kulinarische Institution. Hier begeistern sich die Gäste an Elsässischen Spezialitäten wie Bier, Wurst und Sauerkraut. Ein Flüchtling aus dem Elsaß hat im 19. Jahrhundert diese heute so berühmte Brasserie gegründet. Gleich gegenüber das „Les Deux Magots“. Der Hauch der surrealen Kunst entzündete dieses Cafe für Künstler und Intellektuelle in den 20er Jahren. Heute bevölkern immer noch „Geistesmenschen“ wie Philosophen, Schriftsteller, Dichter und Journalisten dieses Lokal. In unmittelbarer Nähe in der Rue de Fürstemberg lebte und arbeitete der begnadete Maler Eugene Delacroix von 1857 bis 1863. Gemälde wie „Grablegung Christi“ oder „Weg nach Golgatha“ sind heute Weltkultur-Erbe. Im Haus Cour du Commerce St-Andre Nummer 9 werkelte ein gewisser Dr. Guillotin sehr emsig an einer Maschine. Im Jahre 1792 wurde dann die Guillotin als Massen-Enthauptungsmaschine erstmals bei einer Hinrichtung eingesetzt. Tausende Köpfe sollten in Folge buchstäblich rollen. Auch der Kopf des deutschen Fürsten von Salm-Kyrburg im Jahre 1794. Dieser Fürst erbaute hier in dem Stadtteil 1782 den letzten Privatpalast, das Hotel de Salm. Unter Napoleon verstaatlicht und seither Museum der Ehrenlegion. Gleich gegenüber das Mueum d`Orsay. Einstens ein stilvoller Endbahnhof der Bahnlinie Paris-Orleans. Seit 1986 Museum für die Kunstrichtungen von 1848 bis 1914. Werke von Rodin (Der Denker), Paul Gauguin, Eugene Delacroix, Edouard Manet (Das Frühstück) und Auguste Renoir (Le Moulin de la Galette) prägen dieses wunderbare Museum im einstigen Jugendstil-Bahnhof. Nach der Erholung im Stadtteil St.Germain-des-Pres ist der benachbarte Bezirk „Invalides“ noch durchaus sehenswert. Ziele sind per Metro die Stationen „Varenne“ oder „La Tour Maubourg“. Kirchen, Gedenkstätten, Museen und großartige Gebäude prägen diesen Stadtteil. Der absolute historisch geprägte Mittelpunkt dieses Stadtteiles ist das sogenannte „Hotel des Invalides“. Kein Hotel im herkömmlichen Sinn, sondern eine riesige Anlage, die Louis XIV in den Jahren 1671 bis 1676 für seine Veteranen errichten ließ. Viele davon waren versehrt oder eben invalid. Daher die Namensgebung. Ein imposantes Bauwerk mit dem baulichen Mittelpunkt des „Dome des Invalides“.  Wesentlich beschaulicher und friedvoller ist das benachbarte „Musee Rodin“. Die Ausstellung beinhaltet das Lebenswerk Rodins und somit all seiner Skulpturen. Auguste Rodin war Frankreichs bedeutendster Bildhauer des 19. Jahrhunderts. Richtungsweisend für die gesamte Kunst in den Folgezeiten.  
Hier steht auch das Wahrzeichen von Paris und von Frankreich: Der Eiffelturm. Der Touristenmagnet schlechthin. Ein gewisser Gustave Eiffel (1832-1923) baute diesen 324 Meter hohen Turm anläßlich der Weltausstellung 1889. Eiffel, der auch in Budapest den Bahnhof konstruierte, machte sich mit dem Eiffelturm unsterblich. Zum Zeitpunkt der Weltausstellung war der Eiffelturm das höchste Bauwerk der Welt. Erst 1931 überrundete das Empire State Building das Pariser Wahrzeichen an Höhe. Insgesamt gibt es 1665 Stufen bis zur dritten Plattform. Hier in einer Höhe von 276 Meter über dem Erdboden ist entsprechender Platz für 400 Personen. In der zweiten Plattform auf 115 Meter Höhe befindet sich auch Restaurant „Le Jules Verne“, das zu den besten von Paris zählt. Auf der untersten Plattform in 57 Meter Höhe befindet sich auch das Postamt. Die Aufzüge haben beschränkte Kapazitäten. Somit ist ein stundenlanges Schlangestehen vorprogrammiert. Touristen aus aller Welt wollen eben auf den Eiffelturm. Immerhin gibt es auf dem obersten Plateau einen wunderbaren Blick über Paris und bei klarem Wetter eine Sichtweite von über 70 Kilometern. Der Eiffelturm hat ein Eisengewicht von 10.100 Tonnen. Rund 2,5 Mill. Nieten sind für die Befestigung des Turmes verantwortlich. Alle sieben Jahre wird der Turm gestrichen. Dabei fallen immer jeweils 60 Tonnen Farbe an. Immer wieder versuchten Abenteurer den Turm zu erklimmen oder mit Fallschirmen von der Brüstung zu springen. Der österreichische Schneider Franz Reichelt stürzte sich 1912 dabei in den Tod. Also nicht nachmachen!

 

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Auf Suche von "Midnight in Paris" in Montmartre

 

Moulin Rouge in Montmartre

von Hannes Krois
In der Zeit von Toulouse Lautrec und all den anderen Künstlern wie Auguste Renoir, Vincent van Gogh usw. war Montmartre ein Dorf. Ein Künstlerdorf mit eigenem Weingarten und Friedhof im nördlichen Teil von Paris. Den Weingarten und den Friedhof gibt es immer noch. Der Friedhof „Cimetiere de Montmartre“ wird seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts mit einer stählernen Brücke für den Straßenverkehr überbrückt. Einzigartig wohl in der Welt. Wenige Meter über den ehrwürdigen Grabhäusern tummelt sich der Verkehr einer Weltstadt. Hier ruhen Jacques Offenbach, Hector Berlioz, Heinrich Heine, Francois Truffaut, Maurice Utrillo usw. Aber auch das Lieblings-Modell von Toulouse-Lautrec, die Tänzerin La Goulue.
Montmartre ist nicht mehr das Künstler- und Bohème-Dorf des 19. Jahrhunderts. Montmartre wurde zum Herzstück von Paris. Speziell für die unzähligen Touristen, die einen Hauch Paris als romantische Vision in sich aufnehmen wollen. Verstärkt noch durch Woody Allens wunderbaren Film „Midnight in Paris“, der das Montmartre der schönsten Epoche  (Belle Epoche)  wiederum höchst attraktiv aufleben läßt. Montmartre ist eigentlich dieses Paris, das man sich nach all den Filmen, Romanen und Erzählungen über diese Stadt so vorstellen mag. Und so sollte man seinen Paris-Trip auch in Montmartre starten. Ein dafür „praktisches“ Hotel ist das Mercure unweit von der Metro-Station Clichy. Der international geprägte „Hotel-Kasten“ hat ordentliche Zimmer und ein recht akzeptables Frühstücksbuffet. Doch das Hotel ist ohnehin nur „Schlafstelle“ und „Beruhigungsstätte“ für die Füße, die Paris in wenigen Tagen erkunden sollten.
Gegenüber vom Mercure befindet sich   der alte Friedhof und auf der anderen Seite eine öffentliche Parkgarage. Für jeden ein „Muß“ in Paris, der mit dem Auto in diese Stadt fahren sollte, ist solch eine Garage. Denn so sehr die Pariser zu Frauen charmant sind, umso weniger haben sie Gefühle für Autos. Nahezu jedes Auto hat einen oder zumeist mehrere Parkschäden. Speziell an den Stoßstangen, Seitenteilen, Kotflügeln. Eigentlich überall. In den alten Gassen von Montmartre sind Autos nicht das Thema. Hier zeigt sich Paris von seiner wohl ruhigsten und beschaulichsten Seite. Mitten in der Nacht im Hotelzimmer des Mercure werde ich aus dem Schlaf gerissen. Bis hinauf in den sechsten Stock ertönt es zwischen den Häuserschluchten. Es marschiert eine Frau im Stakkato mit ihren Stöckelschuhen die Gasse entlang. Gekonnt, gelernte klare und konsequente Schritte. Feminin und dennoch fordernd. Dann eine zweite, dritte und vierte. Der Schall läßt die Schritte zu einem Trommelstück bis hinauf in die 6. Etage ertönen. Es müssen die Tänzerinnen aus dem „Moulin Rouge“ sein. Die Schritte führen zur Parkgarage. Wenige Stunden zuvor erlebte ich die Atmosphäre im wohl berühmtesten Nachtclub der Welt. Zwei Stunden perfekte Tanz- und Akrobatik-Darbietungen. In umwerfenden Kostümen aus Strass, Federn und Pailletten präsentieren sich 60 der schönsten Pariser Show-Girls. Exakt einstudierte Tanzschritte in der Konsequenz höchster Perfektion. Ein Variete-Theater, das quasi ohne Pausen perfekt und präzise die Zuschauer begeistert. Auf den Etagentischen ist jeder Stuhl besetzt. Nach einem eigenen und zudem höchst erfolgreichen Konzept werden die Gäste höflich und konsequent an die Tische geleitet. In Windeseile werden die Sektflaschen von den Kellnern an den Tischen entkorkt. Die Kapelle beginnt zu spielen und die Show startet. An den Tischen versammelt sich allabendlich „die ganze Welt“. Japaner, die ebenso hier nicht fotografieren dürfen, sind vielfach in der Mehrzahl.
Doch „Moulin Rouge“ gehört zu jedem Paris-Trip dazu, wie Eiffelturm, Louvre und Notre Dame. Das „Moulin Rouge“ ist immer ausverkauft. Plätze für die Vorstellungen bekommt man am besten über Internetbuchungen oder über telefonische Bestellungen über die Hotel-Rezeptionen.  Es gibt verschiedene Buchungsangebote auch mit Dinner-Varianten und Sekt inklusive. Die Plätze werden unter dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!“ vergeben. Demnach bilden sich bereits eine halbe Stunde jeweils vor den Vorstellungen lange Menschenschlangen am Boulevard de Clichy. Von diesem tagtäglichen Erfolg des „Moulin Rouge“ hätten sich die Gründer Joseph Oller und Charles Zidler wohl im Jahre 1889 nicht zu träumen gewagt. Nachdem sie damals einen ursprünglichen Nachtclub zur lebensfrohen Variete-,Tanz- und Showhalle umfunktioniert hatten. Und die „Moulin Rouge“-Begründer brachten auch den einstens so verruchten Cancan in dieses Etablissement. Seither sind der Cancan und das „Moulin Rouge“ eine Offenbarung Pariser Tanzeslust. Eine weltweit bekannte Attraktion.
Das einstens ländliche Montmartre hatte insgesamt über Jahrhunderte über 15 Windmühlen zur Verarbeitung von Getreide und Trauben. Eine dieser Mühlen, die „Moulin de la Galette“  gibt es noch in der Rue Lepic. Ein Restaurant ist nun darin untergebracht. Was Essen und Trinken angeht, ist Montmartre ein einzigartiges Mekka kulinarischer Freuden. Bistros, Restaurants, Fischgeschäfte mit Stehtischen aber auch Pizzerien und Sushi-Shops geben sich einander sprichwörtlich die Hand. Der Name „Bistro“ stammt außerdem von russischen Kosaken, die im Jahre 1814 hier stationiert waren. Sie klopften  auf die Tische und brüllten „Bistro“. Heißt auf russisch schnell. Ich konnte für meinen Teil  an den Schnecken, Muscheln und anderem Meeresgetier an einem Bistro-Restaurant nicht vorbei. Und so öffneten einige nette Worte die Tore zum „La Mascotte“, einem hervorragenden Fischlokal vorrangig für Pariser in der Rue de Abbesses. Unweit des „Moulin Rouges“.
Das „La Mascotte“ ist als Bar, Restaurant und Bistro immer vollkommen  ausreserviert. Seit dem Gründungsjahr 1889. Im demselben Jahr wurden auch der Eiffelturm und das „Moulin Rouge“ eröffnet. Ich liebe kleine Hunde. Und so kamen   wir mit dem kleinen Terrier und der zugehörigen Dame am Nebentisch sehr bald ins Gespräch. Die nette Frau delektierte sich an den Miesmuscheln im Topf. Ich sprach vorsichtshalber in Englisch. Sie ebenso. Als wir erfuhren, daß sie vor 40 Jahren aus Deutschland nach Montmartre übersiedelt war, wechselten wir ins Deutsche. Und so erzählte sie, daß das „Mascotte“ in der Hand der Franzosen verblieben sei. Allein die frischen Muscheln, Schnecken und Krebse würden die meisten Touristen abschrecken. Nur spezielle Feinschmecker unter den Touristen würden das „Mascotte“ aufsuchen. Sofern sie einen Platz bekommen.

 

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Der Bikini wurde vor 60 Jahren erfunden. Welch Aufregung, welch Empörung. Mit der textilen Verknappung auf den Frauenkörpern, deuteten Nachkömmlinge der kirchlichen Inquisition den Weltuntergang oder zumindest den biblischen Sündenfall. Saint Tropez, das damalige Fischernest war schon im Jahre 1946 der Motor für den Bikini. Später auch für „Oben ohne", Stringtanga und was auch immer noch kommen wird. Was mondäne gesellschaftliche Trends, Mode oder Skandälchen aus der Glimmerwelt von Film und „gut geerbt" angeht, so ist dafür St. Tropez der Nabel der Reichen und Schönen. Jedenfalls liegt Saint Tropez berauschend schön an der Cote d'Àzur.

Der Name nach der Schöpfung des Dichters Stephen Liegeard mit dem Buch „La Cote d'Azur". Seither ist die Cote d'Azur das Mekka der Wichtigen und der im mondänen Schein sich badenden Voyeure. In seiner geschichtlichen Entwicklung war das Fischerdorf seit dem 8. Jahrhundert ein strategisch wichtiger Stützpunkt. Ein begehrter Platz für die Herrscher im Mittelmeerraum. Auch für die islamischen Sarazenen, die hier nicht nur ihre Eroberungen durchführten, sondern auch im Hinterland etwa die Korkeichen-Plantagen zum Verkorken der Weine aktivierten. Als Zeichen der wichtigen strategischen Lage wurde hier 1592 auch eine Zitadelle errichtet. Heute eine romantische Aufwertung des gut 6.000 Einwohner zählenden Dorfes.

Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert war dann Saint Tropez sogar eine eigenständige Republik mit eigener Gesetzbarkeit. Im Zeitalter der modernen Mobilität ist Saint Tropez während der Sommermonate ein äußerst begehrter Zielpunkt für Touristen aus aller Welt. Nicht allein wegen der Geschichte des Ortes, nicht wegen der Häuser oder dem Meer, sondern speziell wegen des weltweit bekannten Nymphus, den dieses Dorf über Filme, Reportagen und Jet Set-Stars verbreiten konnte.

Bis zum 19. Jahrhundert war das gesamte Dorf ein verschlafenes Nest. Lediglich einige mittellose Maler kamen an die Küste. Die Künstler saßen mit ihrer Staffelei in der Natur und ließen sich von der Landschaft und dem Himmelslicht berauschen. Wie Van Gogh, Monet und Paul Signac. Der Maler Signac war von der speziellen Leuchtkraft des Himmels über Saint Tropez begeistert. Seine Bilder heben sich auch durch speziell leuchtende Optik besonders hervor. Verdient haben die Maler von damals so gut wie gar nichts. Sie malten und tauschten ihre Bilder für Unterkunft und Essen. Dafür mußten sie auch im Winter nicht frieren. Denn an der geschützten Küste der Cote d'Azur ist es gar im Winter erträglich angenehm. Auch der berühmte erotische Schriftsteller Guy de Maupassant ließ sich für seine Inspirationen in Saint Tropez zeitweilig nieder.

Saint Tropez blieb trotz der damals im eher gesellschaftlichen Eck pinselnden Maler ein richtiges Nest. Das ganz große Interesse der Welt samt Erotik, Film, Stars und Geld kam mit dem hier in der Bucht von La Ponche gedrehten Film „ Und ewig lockt das Weib". Mit Brigitte Bardot und Curd Jürgens unter der Regie von Roger Vadim. Saint Tropez und Brigitte Bardot bilden nahezu eine gedankliche Einheit. Brigitte, die Tochter eines Industriellen aus Lothringen, versuchte sich bereits im Alter von 15 Jahren als Hut-Model. Ganz schnell wurde Brigitte zum gefragtesten Mannequin Frankreichs. Die sinnliche, kindliche Unschuld fiel auch dem Regisseur Marc Allegret sehr bald auf. Dessen Mitarbeiter Roger Vadim heirate Brigitte 18jährig im Jahr 1952. „BB" heiratete dann 1959 den Schauspieler Jacques Charriere. 1960 dann ihr erstes und einziges Kind: Ein Sohn, der bei den Großeltern aufwuchs und auch heute abseits von der Mutter in Norwegen lebt. „BB" wurde zum Mythos der Franzosen. Auch die sogenannte „Marianne", die Verkörperung der Grande Nation in Frauengestalt, wurde nach ihren Zügen gestaltet. 1966 heiratete sie den Industriellen und Fotografen Gunther Sachs. Seit 1992 ist „BB" mit dem ultrarechten Politiker Bernard d'Ormale verheiratet. Brigitte Bardot betätigte sich als sehr extreme Tierschützerin und als extreme Sprecherin gegen Einwanderer, Arbeitslose, Homosexuelle usw. Die Villa der „BB" liegt direkt in der Bucht bei Saint Tropez.

Mit dem Boot kann man vom Fischerdorf Ste- Maxime aus, direkt an den Villen der Reichsten, Schönsten und Berühmten vorbeischippern. Auch an jener Villa in der Nähe des alten Seefriedhofes, wo der Kultstreifen „Der Swimmingpool" mit Alain Delon und Romy Schneider gedreht wurde und für Furore sorgte. Die Wienerin Romy Schneider hieß amtlich Rosemarie Magdalena Albach Retty war immer deutsche Staatsbürgerin mit besonderem filmischen Faible für Frankreich und ein sehr unglückseliges Privatleben. Die große Liebe von Alain Delon heiratete Regisseur Harry Meyen. Geburt von Sohn David Christopher 1966. Im heißen Sommer 1968 drehte Romy Schneider „Der Swimmingpool" mit ihrer Lebensliebe Alain Delon. 1975 Trennung von Meyen, der 1979 Selbstmord beging. Einen Tag nach der Scheidung von Meyen, heiratete Romy Schneider ihren um neun Jahre jüngeren Sekretär Daniel Biasini. 1977 Geburt der Tochter Sarah Magdalena Biasini in Saint Tropez. 1982 verstarb Romy Schneider. Ihr Lebensgefährte Laurent Petin fand sie tot in ihrer Pariser Wohnung auf. In Erinnerung an Romy Schneider gibt es seit 1990 in Wien die jährliche Verleihung des österreichischen Filmpreises, genannt „Romy".

Einer der Saint Tropez auf sehr hektisch- humorige Art zusätzlich bekannt machte, ist der quirlige Louis des Funes als Ludovic Cruchot in dem Streifen „Der Gendarm von Saint Tropez" und auch in „Balduin, der Schrecken von Saint Tropez". Gleich hinter dem Hafen steht noch das Gebäude der „alten Gendarmerie". Einzig die Alleebäume davor sind mit den Jahren höher geworden. An den Balken haben Louis des Funes- Fans hundertfach „Louis" eingeritzt. In Erinnerung der hektischlustigen Filme, die auch meine Jugendzeit im Kino des August Pfister in Feldbach besonders verschönern sollten. Welche humoristisch-ironischen Geschenke, die Regisseur Jean Girault und Ober-Gendarm Louis des Funes gemeinsam mit der Kulisse von Saint Tropez der Menschheit übermitteln konnte. Im Sog der Filmwelt rund um Saint Tropez, gerade war George Clooney mit Brad Bitt und Angelina Jolie auf einer Privatjacht zu Gast, besuchen im Sommer gut 80.000 Touristen täglich das einstige Fischerdorf. In den milden Wintermonaten kehrt Saint Tropez wieder ein wenig in die Lieblichkeit seiner natürlichen Ursprünglichkeit zurück.

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Nirgendwo ist französische und deutsche Kultur so tief miteinander verwurzelt wie im Elsaß. Dieses wunderschöne Land, im Osten vomRhein, im Norden von den Vogesen und im Süden von der Grenze zur Schweiz umschlossen, ist eine märchenhafte Schatzkammermittelalterlicher Städte und Dörfer voll geradezu putziger Fachwerkarchitektur und hügelig-lieblicher Landschaft mit unzähligen

Weingärten. Doch hinter all der Idylle steht das Schicksal der Grenze und der europäischen Geschichte. Kriege, Niederlagen und Siegeprägten dieses Land mehr als jedes andere in dem von Zwistigkeiten um Macht und Glauben zersetzten Europa.

Bislang war das Elsaß alemannisch, schwäbisch und somit deutsch. Doch nach dem 30jährigen Krieg traten die Habsburger im Jahre1648 nach den Satzungen des Westfälischen Friedens ihre elsässischen Besitzungen an den König von Frankreich ab. Das Elsaß wurde französisch. 1871, nach der Niederlage der Franzosen im Deutsch-Französischen Krieg wurde das Elsaß wieder deutsch. 1918 war das

Elsaß Schauplatz schwerer Kämpfe und wurde nach Kriegsende wieder französisch. 1940 besetzte Hitler-Deutschland Frankreich und das Elsaß wurde dem Deutschen Reich angegliedert. 1945 wurde das Elsaß nach dem Sieg der Alliierten wieder französisch. 1949 wurde Strasbourg (Straßburg) Sitz des Europarates, was auch eine Art Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland symbolisieren sollte.

Die Elsässer sind geprägt von der Geschichte. Sie sprechen in der Mehrzahl elsässisch, jenen Dialekt, der mit dem Schwäbischen artverwandt ist. Ohne Worte verweisen die Lieblingsspeisen der Elsässer auf die "völkische Herkunft", denn bei aller Liebe zu Schnecken und Gänseleber, ohne das Sauerkraut und die Schlachtplatte geht in den "Winstuben" des Landes gar nichts. Und Sauerkraut ist nun einmal die deutscheste aller Speisen.

Das Elsaß ist übrigens eine einzigartige Schmankerlhochburg. Was für ein Unterschied tut sich da auf, wenn man vom "Spätzleland" Schwaben über den "Highway" von Stuttgart in Kehl über den Rhein ins französische Straßburg gelangt. Hier ist die Luft vor den Winstuben, Restaurants und Bistros durchzogen vom Duft der gratinierten Schnecken (Escargots), Gänsestopfleber (Foie gras), Froschschenkel (cuisses de grenouilles), Pasteten (Patè), Schlachtplatten, Sauerkraut, Terrinen, traditionellen Eintopfgerichten namens "baekkeoffe" und Flammekueche (tarte flambeè). In den Tarte-flambeè-Restaurants ist es vielfach schwierig, einen Tisch zu bekommen. Der dünn ausgewalzte Brotteig, mit Quark, Zwiebeln und Speck belegt, schmeckt einfach köstlich. Serviert wird diese deftige Spezialität zumeist auf großen Holzbrettern.

Die Gänsestopfleber ist eine durchaus elsässische Erfindung. Schließlich war es im 18. Jahrhundert der Chefkoch des elsässischen Militärgouverneurs in Straßburg, dem diese Rezeptur erstmals eingefallen ist. Das traditionelle Sauerkraut ist nicht nur Begleiter der Schlachtplatten, sondern wird zu den allermeisten Speisen wie gebratenes Perlhuhn, geschmortes Rind- oder Schweinefleisch serviert. Das Sauerkraut ist fein, locker, knackig und um Hausecken weniger sauer als die in Österreich zerkochten und mit der legendären Einbrenn versehenen Sauerkraut-Kreationen. Zu den in Butter und mit Knoblauch gratinierten Weinbergschnecken passen vorzüglich die hochklassigen elsässischen Weine: Gewürztraminer, Muscat, Tokay oder Pinot Gris. Hochklassige Weine aus den diversen

Anbaubetrieben sind weiters Riesling, Sylvaner, Weißburgunder und speziell der Edelzwicker.

Dieser Edelzwicker ist ein rustikaler Verschnitt aus Silvaner, Traminer oder Sylvaner und Pinot oder Riesling. Allemal ein Hochgenuß sind all diese Weine. Eine Spezialität ist der Crèmant de Alsace, jener Schaumwein, der nach dem Champagnerverfahren hergestellt wird. Ein Schaufenster aller kulinarischen Adressen ist die Weinstraße, die südlich von Straßburg sich malerisch über die Hügel durch die Landschaft schlängelt. Ein Ort wetteifert hier mit dem anderen. Und würde man sich die Autos von Straßen wegdenken, könnte man sich wohl auch in das Mittelalter gedanklich rückversetzen.

Der Verkehr und die Touristen demonstrieren dennoch hartnäckig die Gegenwart. Andlau, Barr, Dambach-la-Ville, Obernai, Saint-Hippolyte, Rosheim oder speziell Riquewihr und Zellenberg sind die Top-Adressen in Sachen mittelalterliche Städte und Weinverkostungen. An den winkeligen Straßen wimmelt es nur so von Verkostungsmöglichkeiten von Vin de Àlsace, eben Weinspezialitäten aus dem Elsaß. Klar, daß hier die Einheimischen und speziell Touristen mitunter etwas zuviel über der offiziellen Promillegrenze liegen. Was in gesamt Frankreich insgesamt auch nicht verwundert. Schlußendlich gibt es zu jedem halbwegs anspruchsvollen Essen jeweils die dazu passenden Weine. Die Gendarmen kennen den Brauch und halten sich in der Frage der Promille dezent im Hintergrund. Schließlich gebietet es die französische Lebensform, daß man sich keinesfalls am Steuer eines Autos auszutoben hat. Dafür hat man in Frankreich andere Vorlieben auf Lager. Eine davon ist nun einmal sehr gut essen und trinken.

Nahe dem beliebten Ausflugsziel Hochkönigsburg (Haut-Koenigsbourg) liegt Bergheim. Ein malerisches Städtchen mit Befestigungsanlagen aus dem 14. Jahrhundert mit Ringmauer, Römerturm und Hexenturm. Über Bergheim liegen die malerischen Weinberge. Sanft und ruhig, ein Bild der Ruhe und des Friedens. Nur Insider, Einheimische und Verwandte oder Nachkommen der Gefallenen des letzten Weltkrieges kennen die kleine Abzweigung der Straße bergauf. Hoch auf der Anhöhe über den Weinbergen von Bergheim ist der sogenannte "Grasberg". Genau 5.306 gefallene deutsche Soldaten aus den Kämpfen des Zweiten Weltkrieges sind hier begraben. Steinkreuze mit den Inschriften der hier Beerdigten verweisen auf die Einzelschicksale der vielen gar so jungen Menschen, die in einem mörderischen Krieg ihr Leben lassen mußten. Die Toten in Bergheim

sind großteils im Winter 1944/1945 bei den Kämpfen im südlichen Elsaß gefallen. Der Soldatenfriedhof in Bergheim wurde 1975 eingeweiht. Nur 13 Kilometer von Bergheim entfernt liegt der französische Nationalfriedhof Sigolsheim "Blutberg". Die vielen Soldatenfriedhöfe im Elsaß mögen mahnend die Wege der Zukunft "überwachen". Was hilft schon deutsch oder französisch, wenn es um Tod und Leben und um die Zukunft Europas geht?

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Wenige Kilometer ist der Rhein entfernt. Dieser große europäische Fluß hatte hier im Elsaß nicht gerade den „verbindenden Auftrag". Der Rhein war lange die Trennlinie, die Grenze zu den deutschen Landen. Geprägt von vielen Jahren der Erbfeindschaft zwischen Deutschen und Franzosen.

Am Anfang war das Elsaß mit Straßburg schwäbisch-alemannisch und somit deutsch. Seit dem Jahre 406 n. Chr., als sich die Alemannen hier im Elsaß niederließen. Ab 925 wurde das Elsaß ein Teil des Herzogtums Schwaben. Erst 1648, nach Ende des verheerenden 30jährigen Krieges, übergaben die Habsburger ihre elsässischen Ländereien an den König von Frankreich. Das Elsaß wurde französisch. Mit der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 wurden Elsaß und Teile Lothringens wiederum ans Deutsche Reich abgetreten. Nach 1918 wurde Straßburg wieder französisch, um 1940 wieder deutsch zu werden. 1945 wurde aus Straßburg wieder Strasbourg.

In all dem Hin und Her zwischen den auf so viele Jahre befeindeten Nachbarn entwickelten die Elsässer ihre Eigenständigkeit. Mit der Leichtigkeit der Franzosen und der Ordnungsliebe der Schwaben entwickelte sich ein einzigartiger Menschenschlag. In Frankreich werden sie vielfach den Deutschen zugeordnet und die Deutschen wollten den Verlust Straßburgs an Frankreich schwer verwinden.

Die Elsässer können mit ihrer historischen Tradition ganz gut leben. Der eher französische Einfluß für ausgesprochen gutes Essen und Trinken hat Straßburg zu einem Mekka kulinarischer Freuden gemacht. Schnecken, Froschschenkel, Gänseleber, mitunter Pferdefleisch, wunderbare Eintopfgerichte, Schlachtplatten oder der köstliche „Tarte flambeè", der „Flammekueche", sind die Renner in den unzähligen Restaurants oder „Winstubn". Dazu überall das Sauerkraut, das hier leicht und duftig gar zu Perlhuhn oder Lachs serviert wird.

Das Elsaß ist ein kleines Schlaraffenland und Straßburg ist das Zentrum. Die Weine der Region, schöne und duftige Rieslinge, Weißburgunder oder Traminer spielen hier die Hauptrolle. Der billigere Edelzwicker findet bei den Touristen vielfach Anklang. Den „Cremant Alsace", den Schaumwein, der bisweilen manchen Champagner überflügelt, sollte man sich schon als Aperitif gönnen. Dann noch der Münsterkäse als aromatische Duftwolke und lukullischen Abschluß eines faszinierenden Menüs.

Straßburg ist ein kleiner Himmel für Feinschmecker. Denn Mc Donald& Co haben die Stadt keinesfalls „verseucht", wie es in anderen Städten die Norm ist. Straßburg ist in seiner Art Vergangenheit und Zukunft unter einem Himmel. In keiner anderen Stadt Europas, außer Brüssel, leben zeitweilig so viele Politiker wie in Straßburg. Diese alte Stadt an der Ill ist seit 1949 Sitz des Europarates, Standort des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs und natürlich Tagungsort des EU-Europaparlaments, das sich hier zu seinen monatlichen Plenarsitzungen trifft. Nahezu 2.000 Europaabgeordnete, Angestellte und Dolmetscher bevölkern dann die Stadt. Mittags essen die Abgeordneten und EU-Kommissare in den riesigen Speisesälen des Parlaments. International, weit weg von „Flammekueche" und Schlachtplatten, ist hier in den „heiligen Hallen Europas" die Linie der Speisen. Die Parlamentssitzungen dauern zumeist bis spät in die Nacht hinein. Straßburg findet seine EU-Parlamentarier dann eher an den Frühstückstheken der einzelnen Hotels. Dabei fand ich ein sehr konstruktives Gespräch mit dem Südtiroler Parlamentarier und Bergsteiger Reinhold Messner. So ist eben das Leben in Straßburg.

Mein persönlicher Freund ist der steirische EU-Abgeordnete Prof. Dr. Reinhard Rack, der seit Jahren auch Kolumnist des Süd-Ost Journals ist. Straßburg und das Plenum des Parlaments waren für mich auch erlebbare Realität, als das Parlament gegen die Kommission den Mißtrauensantrag einbrachte. Als die Sanktionen von vorwiegend österreichischen Politikern gegen „mein" Österreich gestartet wurden, war ich auch dabei und mitten drin in den Worttumulten, die ganz Europa und einen gewichtigen Teil der Welt betreffen.

Historisches Zentrum von Straßburg ist die Cathedrale Notre Dame oder eben das Münster. Die ab 1176 bis 1439 gestaltete Cathedrale ist ein bauliches Spiegelbild von Spätgotik und Frühromantik. 142 Meter reicht der Turm in den Straßburger Himmel. Eigentlich hätten es zwei Türme werden sollen, doch der maßgebliche Baumeister Erwin von Steinbach wurde bis zu seinem Tod im Jahr 1318 nicht fertig. Also ist es bei einem Turm geblieben, was die Faszinastion dieser wunderbaren Kirche nicht schmälert.

Das damals im Mittelalter konstruierte Mysterium der Tag- und Nachtgleiche erkannte man erst 1984. Am 20. März, vormittags, bildet die Sonne jeweils an einem Fenster der Südfassade einen grünen Strahl, der genau über dem Haupt Christi einen Baldachin aufleuchten läßt. Das ist auch der genau berechnete Zeitpunkt des Frühlingsanfangs.

Eine tägliche Aktivität um Punkt 12.30 Uhr bietet seit vielen Jahrhunderten in der Cathedrale die 18 Meter hohe astronomische Uhr mit ihrem mechanischen Aktionsprogramnm. Rund um die Cathedrale finden sich in den historischen Gemäuern eine Menge von Restaurants und „Winstubn". Das bekannteste Schlemmerlokal ist das mehrfach von Touristen heimgesuchte Maison Kammerzell. In dem 1467 erbauten Gebäude erstreckt sich auf drei Stockwerken ein Restaurant, das nicht billig, aber sehr empfehlenswert ist.

Wer auf der kulinarischen Schlemmerjagd ist, schlendert vom Münster nach Petite France. Die Gegend an den Ill-Kanälen ist das älteste Viertel Straßburgs. Es war das Viertel der Gerber. Die einstigen Gerberhäuser aus dem Mittelalter zeigen sich mit ausgeprägten und einzigartigen Speicherdächern. Hier wurden einstens die Häute zum Trocknen ausgelegt.

Heute geben sich kleine „Winstubn" und Restaurants die Hand. Es duftet nach „Flammekueche", nach Sauerkraut und nach Knoblauchbutter von den gratinierten Schnecken. Eines der interessantesten Restaurants im alten Gerberviertel ist das Maison des Tanneurs. Diese alten Schlemmer-Viertel der Stadt sind fest in der Hand der Fußgänger. Insgesamt ist das Autofahren in Straßburg sehr eingeschränkt. Als Ersatz gibt es hochmoderne Straßenbahnen.

Das Viertel rund ums Münster ist der älteste Teil der Stadt. Hier hatten die Römer 12 v. Chr. ihr Lager Argentoratum gegründet. In den engen Gassen mit ihren alten Fachwerkbauten waren einstens die Handwerker untergebracht. Der Geschichtsorientierte wird in der Rue Brulée wohl nachdenklich. Hier, wo die Renommierbauten der oberen Gesellschaftsschichten stehen, wurden im Jahre 1349 über 2.000 Juden auf den Scheiterhaufen verbrannt. Die Juden mußten darauf über Jahrhunderte jeden Abend über die Rue des Juifs die Stadt verlassen. An diese Zeiten erinnert noch heute die Judenglocke, die täglich um 22.00 Uhr vom Münster läutet. Erst mit der Französischen Revolution erhielten die Juden ihre Bürgerrechte zurück.

Noch ein Satz zum Schmunzeln: Mit 30.000 Flaschen in Gewölben aus dem 14. Jahrhundert hat das Straßburger Krankenhaus einen der schönsten Weinkeller Europas!

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„An einem Sonntag in Avignon", so trällerte es vor vielen Jahren aus den Kofferradios. Die klare Stimme einer schwarzhaarigen Französin mit Pagenschnitt. Mireille Mathieu, 1946 in Avignon geboren. Demnach auch „Der Spatz von Avignon" genannt. Die einstens bekannte Sängerin, die Gast bei Queen Elisabeth, Präsident Ronald Reagan und auch Papst Johannes Paul II. war, kam mir wieder in den Sinn, als der Reisebus von der Cote d'Azur das Rhonetal hinaufbrummte. Die Wegweiser mit Avignon und Chateauneuf- du-Pape waren der Anstoß für längst vergessen geglaubte Melodien. Wie ein Aufblättern bereits abgehakter Epochen. „La Paloma ade", „Hinter den Kulissen von Paris", „So fühlt man in Paris", „Schau mich bitte nicht so an". Alles hochaktuelle Lieder anno dazumal, die bei jedem Ball zu späterer Stunde nachgespielt wurden. Mireille Mathieu ist der heutigen jungen Ballgänger-Generation, sofern sie überhaupt gehen, so unbekannt wie der BMW 2002 TI, das Wunschgeschoß einer ganzen Generation. Irgendwann scheint man alt zu werden.

Im Nachdenken auf der Busfahrt nach Mireille Mathieu glaubte ich an diesen schleichenden Prozeß. Jedenfalls war man dann auch alt genug, um einiges an Wissen über die Rhone-Weine und speziell über die Granden von Chateauneuf- du-Pape im Kopf zu haben. Um allein schon in der Vorfreude an die Weingüter und Weine den plötzlich erfahrenen Frust übers Älterwerden kompensieren zu können. Die spätsommerliche Landschaft „fliegt" am Bus vorbei. Und läßt nichts Positives aufkommen, da ich persönlich, Busfahren ja nahezu abgöttisch hasse. Jedenfalls kam der Bus dann doch irgendwann einmal in Avignon an. Behände und stilvoll fließt die Rhone nahezu mit Würde durch das breite Tal. Ein berühmter Fluß, der auch Namensgeber für den Begriff der „Rhone-Weine" ist. Fruchtige Rotweine mit tiefen Extrakten und als Cuvee zumeist mit einem Teil Syrah verbunden.

Am Fuße von Avignon dann jene weltberühmte Rhone-Brücke „Pont St. Benezet". Eigentlich nur ein Teil einer Brücke mit vier erhaltenen Brückenbögen. Die restlichen 18 Bögen wurden bei der Flut des Jahres 1660 zerstört. Fürs Betreten des Brückenrestes wird Maut verlangt. „Unter den Brücken von Avignon....". Unter diesen Brücken befand sich das einstige „Rotlichtviertel" in der Zeit der Päpste. Denn Avignon war auch zeitweilig Sitz der Päpste. Insgesamt für sieben Päpste und zahlreiche „Gegenpäpste".

Im Jahre 1309 siedelte sich Papst Klemens V. anstatt in Rom in Avignon an. Königin Johanna I. verkaufte dann nach jenem Scheinverfahren am 12. Juni 1348 die Stadt an Papst Clemens VI. Im Jahre 1345 hatte sie ihren Ehemann ermorden lassen und erhielt ihre Begnadigung von den Kardinälen durch den Verkauf der Stadt. In der Folge wurde Avignon zu einer gewaltigen Festung und zu einem Zentrum des frühen Humanismus mit einer damals anerkannten Universität ausgebaut. Kilometerlang fährt man noch heute an einer hohen Stadtmauer entlang. Prächtige Tore und Zinnen deuten auf die damalige Macht und das viele Geld der Päpste hin.

Die tiefe Verbundenheit der damals hier lebenden französischen Päpste zum französischen König ließen für Jahrzehnte Rom als Sitz der Päpste verwaisen. Die tiefe Verbindung der Päpste zum Monarchen der Franzosen rief Rom und das deutsche Kaiserreich wieder auf den Plan, die Päpste wiederum in Rom regieren zu lassen. Papst Urban VI. kehrte demnach wieder nach Rom zurück. Doch in Avignon gab es weiterhin Päpste, die sogenannten Gegenpäpste. Die christliche, abendländische Kirche stand kurz vor ihrem Zusammenbruch.

Dieses sogenannte Schisma der Kirche dauerte bis zum Jahre 1417 an. Mit dem Konzil von Konstanz konnte Rom wiederum als bleibende Stätte der Kirche für den Papst gefestigt werden. Die Zeit der Päpste in Avignon hat die Stadt geprägt. Besonders markant der mächtige Papstpalast, erhoben errichtet über Stadt und Rhone. Nach den Zeiten der Päpste wurde der Palast auch als Kaserne und sogar als Pferdestall verwendet. Immer wieder gab es hier Plünderungen, speziell aber in den Jahren der Revolution. Spielerisch französisch und mittelalterlich romantisch zeigt sich die Stadt. Nette kleine Verkaufsläden überall. Im Schatten der Bäume reizende kleine Cafe-Gärten. Und natürlich Restaurants. Wie etwa „Christian Etienne" gleich neben dem Papstpalast: Schweinefüße mit Roquefort, Hummerscheren mit Schwarzwurzeln! Für die kurze Mittagsrast war im Straßenrestaurant gleich neben dem Rathaus Einfacheres angesagt: Kalte gebratene Hühnerkeulen mit Majonaise und Salat. Mit dem herrlichen Rosé aus der Provence ein „recht interessantes Essen".

Sodann rollt der Bus weiter. Zur Stadt mit der einstigen Sommerresidenz der Päpste von Avignon, nach Chateauneuf-du-Pape. Die Geschichte der Päpste und der damit zudem aktivierte Weinbau sind in dem weltweit bekannten Weinort allgegenwärtig. Auch von Weinguru und Ehrenbürger der Gemeinde Robert Parker (Rechtsanwalt und Weinkritiker) hochgelobt, blickt Chateauneuf-du-Pape auf eine Weinbaugeschichte von gut 2400 Jahren zurück.

Angeblich sollen damals die Griechen die erste Weinrebe an die Rhone gebracht haben. Heute ist die Rebsorte Grenache mit gut 70 Prozent Anteil die wichtigste Rebsorte. Aushängeschild ist der „Chateauneuf-du-Pape". Ein sorgsam gekelterter Cuvee aus bis zu 13 erlaubten Sorten. Davon acht rote und fünf weiße Weine. Als Ergebnis ein tiefroter Wein mit feinen Röstaromen samt einem Alkohol von 12,5 Prozent ist die vorgegebene Auflage. Streng limitiert, streng kontrolliert. Ein Wein, der weltweit Anerkennung findet. Für den amerikanischen Markt werden vielfach auch amerikanische Barriquefässer zur Reife verwendet. Der Chateauneuf-du-Pape verträgt auch eine Lagerung über viele Jahre. Wer jedoch einen neuen Jahrgangswein öffnet, der wird durch die starke Ausdruckskraft des dominanten Grenache nicht enttäuscht sein.

Unter den zahlreichen Produzenten besuchten wir Maison Bouachon ([link] www.maisonbouachon.com). Ein privat geführter, attraktiver Betrieb. Auf diverse Verkostungen, speziell auch von Gruppen eingestellt. Nach der Weinverkostung samt Betriebsführung war der Einstieg in den Bus ausnahmsweise einmal nicht das Dümmste. Und der Chatenauneuf-du-Pape hat zudem das Tiefgründige an Gedanken zudecken können. Deshalb trinken wohl die Menschen Wein?

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Vor weit mehr als 20 Jahren fand ich meine allererste Beziehung zum Elsaß. Es war unsere Hochzeitsreise. Mit dem Auto, einem roten Nissan 280ZX in die Region des Edelzwickers, der Rieslinge und Traminer. Dorthin, wo Escargots (Schnecken), Gänseleber (foie gras), Fohlensteaks , Flammkuchen (La tarte flambeé), Eisbein, Schlachtplatte und speziell Sauerkraut zu jeder Jahreszeit auf die Speisekarten der unzähligen Restaurants gedruckt sind. Damals war das Elsaß noch irgendwie günstiger. Damals, als in der Steiermark seitens einiger Weinbauern Überlegungen angestrebt wurden, doch Wein und nicht Salatessig zu erzeugen. Per Zufall kamen wir nach Barr.

Auf einem kleinen Weingut gab es es ein ganz kleines Winzerhäuschen zu mieten. Ein kleines Brauhaus wäre mir damals lieber gewesen. Aber vielleicht waren Barr, die Hochzeitsreise, der Edelzwicker und das Winzerhäuschen dann schlußendlich auch der Grund für meine folgenden Messiasdienste für so manchen steirischen Wein und Winzer. Etliche Jahre später wurde ich aufgrund meiner Aktivitäten für Europa zum EU-Journalisten akkreditiert. Straßburg, Brüssel und Maastricht waren somit oftmalige Ziele. Nach einer längeren Pause konnte ich nun wieder einmal Zeit „wegschaufeln" für Straßburg.

Eine Autoreise von 913 Kilometern (Feldbach-Straßburg), lange angedacht und dann kurz durchgestartet. Eine Woche mit dem letzten Plenum des EUParlaments und als Draufgabe der Start der „Tour de France". Die Hotels von Straßburg waren bis zum Bersten voll. Und am Samstag unserer Ankunft war ganz Straßburg aus dem Häuschen. Die Franzosen hatten in der WM-Vorrunde gegen Portugal gewonnen. Trommeln und französische Fahnen überall. Auf dem Place Kleber im Zentrum Straßburgs wurden die Bronzestatuen mit Fahnenstoff eingehüllt. Man spürt den tiefen Nationalstolz Frankreichs. Speziell hier im Elsaß, das mehrmals in der Geschichte zwischen Deutschland und Frankreich sich einpendeln mußte. Die Fußballnacht war quasi für ganz Straßburg eine sehr lange.

Der nächste Tag stand dann im Zeichen der „Tour de France". Vor unserem Hotel in der Innenstadt die zahlreichen Organisationsfahrzeuge, diesmal nagelneue Skodas. Umso wichtiger all die „Tour de France"-Begleiter, die in diese Skodas einsteigen durften. Zum Start der gewaltigsten Radrundfahrt dieser Welt. In der ersten Etappe entlang der bekannten Weinstraße im Elsaß. Also raus aus Straßburg und eintauchen in die wundersame Region der Weine und der mittelalterlichen kleinen Städte. Molsheim war für uns der erste Zwischenstopp. Hier besonders attraktiv der historische Rathausplatz samt Renaissancebrunnen und dem „Caveau de la Metzig".

Ein Prachtbau aus dem Jahre 1554 mit eigenem Glockentürmchen an bester Stelle am Rathausplatz. Einstens Sitz der reichen Molsheimer Metzger. Heute das „La Metzig", ein attraktives Restaurant samt Winstub. Mit einer ganzen Palette von Flammkuchen, Pasteten, Braten, Schnecken usw. Hervorragend im schattigen Platz vor dem „La Metzig" das Glas „Cremant d'Alsace". Unter Cremant versteht man im Elsaß den regional erzeugten Sekt. Sehr empfehlenswert! Das „La Metzig" hätte für Essen&Trinken und Ambiente schon gereicht. Doch die Weinstraße hat noch etliche Perlen auf Lager. Dazu an diesem Sonntag noch die „Tour de France".

Also einige Kilometer weiter nach Obernai. Eine sehr touristisch ausgelegte Stadt. Mittelalterlicher Stadtkern mit baulichen Elementen aus Gotik und Renaissance. Mittlerweile haben die Gendarmen für die „Tour de France-Etappe" die Weinstraße abgeriegelt. Das Weiterkommen scheint echt gefährdet. Doch die Hilfe kommt sofort. Eric, der Oberstleutnant vom Eurocorps und seine Frau Anke bitten uns zur Orientierungsbesprechung in ihr wunderschönes Haus nach Heiligenberg. Eric ist Pariser, Anke kommt aus dem Saarland, der Hund aus England. Anke erwischt den Pfarrer am Handy. Der Pfarrer weiß auch die genaue Route der Radler und die Schleichwege zum besten Kreuzungspunkt. Speziell in Barr, der kleinen Winzerstadt, in der wir einstens eine Flitterwoche erlebten. Tausende Menschen säumen die Straßen entlang der Tour. Immer wieder fahren Gendarmen, Betreuerfahrzeuge und auch unsere bereits bekannten Skodas auf der Route dahin. Dann nach fast zwei Stunden Hubschrauber, Hupen, Blinklichter. In einem kleinen Block hetzt die Radler-Vorhut hinweg.

Dann, nach langen Minuten das Hauptfeld. Geschlossen und rasant, blitzen sie wie ein Orkan hinweg. Menschen wie Maschinen auf den leichten Rennrädern. Eine Schinderei der Oberklasse und eine nahezu spürbare Wolke von Endorphinen im Schlepptau der Fahrer. Doch ein Erlebnis für alle Zuschauer. Mit dem letzten Fahrzeug ist die „Tour de France" in Barr vorbei. Unsere Route führt weiter über Andlau, Scherwiller, Bergheim nach Ribeauville und Zellenberg und schlußendlich nach Riquewihr.

Die „Perle der Weinstraße" wird Riquewihr genannt. Und dies nicht ohne Grund. Schließlich ist die voll erhaltene mittelalterliche Stadt gleichsam ein bauliches Museum. Hinter der Stadtmauer und den Stadttoren hat der moderne Verkehr null Chance. Eine Märchenstadt inmitten der grünen Weinberge. Über die händisch behauenen Pflastersteine haben sich Generationen von Menschen und eine Reihe von Jahrhunderten bewegt. Im mittelalterlichen Judenghetto steht der Diebesturm mit Folterkammer und den Verliesen. Nervenkitzel und Zeitgeschichtliches aus der Palette menschlicher Grauenhaftigkeit. Abseits des historischen Horrors die vielen Hinterhöfe der kleinen Weinstuben und Restaurants. Flammkuchen und Schnecken der feinen Art. Dazu ein Cremant zur abendlichen Einstimmung. Wenn dann allmählich die Touristen in den zahlreichen Bussen und Autos abfahren, atmet Riquewihr wieder auf.

Eine Stadt, in der Gottlob der Übergang in die Neuzeit völlig vergessen wurde. Dadurch ist das Städtchen heute der Inbegriff von nostalgischer Romantik. Mittlerweile hat in der Fußball-WM Deutschland gegen Italien unglücklich verloren. Und die Franzosen sehen sich mit dem Gegner Italien als selbstsicheren Sieger. Eine Woche später sollte der WMTraum für Frankreich nicht in Erfüllung gehen. Es gibt immer wieder eine Fußball-WM, immer wieder eine „Tour de France". Doch Riquewihr gibt es nur einmal!

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