Süd Ost Journal

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Sommer, Sonne, Sand und besonders viel Wind. Mit „Moin, Moin" begrüßt man sich hier im Norden. Was soviel wie „guter Wind" bedeutet. Sylt heißt jene Insel vor den Küsten Schleswig-Holsteins und Dänemarks. Einzig verbunden mit dem deutschen Festland über den sogenannten Hindenburgdamm, einem 11,2 Kilometer langen Eisenbahndamm zwischen Festland und Sylt.

Am 1. Juni 1927 eröffnete der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg dieses Bauwerk. In der vierjährigen Bauzeit hatte man über drei Mill. m3 Sand und Lehm sowie 120.000 Tonnen Steine verarbeitet. Heute transportieren die Autozüge der Bundesbahn Fahrgäste und Blechschlitten vom Edelsten. Nirgendwo in Deutschland fahren auf engstem Raum so viele Porsche, Ferrari und Bentleys herum.

Sylt ist die Insel der Reichen, der Schönen und Berühmten. Nichts erinnert auf dieser einzigartigen Insel an die jahrhundertelange Armut der hier seit über 1000 Jahren ansässigen friesischen Bevölkerung. In den großen Sturmfluten versanken viele Dörfer auf Meeresgrund. Land war unter oder wurde weggespült. Die Insel wurde mit dem Anstieg des Meeresspiegels regelrecht zusammengeschnipselt. Wie das restliche Knochenstück eines TBone- Steaks ragt Sylt zwischen Nordsee und Wattenmeer heraus.

Auf Sylt fristeten die Menschen vor wenigen 100 Jahren noch ein wahrlich erbärmliches Leben. Erst mit dem Aufbau der holländischen Walfangflotte sollten sich das Einkommen und die Lebensqualität ändern. Wunderschöne idyllische Reetdachhäuser beglücken wahrlich Auge und Seele der Besucher. Reet nennt man im nordischen Deutschland das Schilfsstroh. Dieses wird auf Sylt im Winter bei Frost geerntet. Reet ist die traditionelle Bedeckung der schmucken Friesenhäuser. Dieses Schilf als einstens billiges Baumaterial wächst heute noch am Sylter Wattufer. Heute herrscht eine riesige Nachfrage nach Reet. Deshalb wird das Schilfstroh mittlerweile auch aus Polen und Ungarn importiert. Die Europäische Union macht vieles möglich. Dennoch werden all die neuen Friesenhäuser makellos nach den alten Bauvorbildern errichtet. In der farblichen Gestaltung der Friesenhäuser spielen die Farben weiß und blau eine große Bedeutung. Irgendwie griechisch direkt! Blütenweiß weil eben dieses tolle Reizklima auf der Insel nicht nur für Haut und Seele ideal ist. Es gibt auch praktisch keine Luftverunreinigungen. Die Chemie, die Industrie und der Smog sind weit entfernt. Dafür gibt es Winde von der Nordsee bis zur unglaublichen Stärke 8. Erfrischende Luft mit hohem Sauerstoffanteil und Salzgeschmack. Nahezu ein gutes Drittel der 100 km2 großen Insel besteht aus Dünen. Der Strandsand wird dabei bis in Höhen von 35 Metern aufgeweht. Seit dem 18. Jahrhundert pflanzen die Bewohner von Sylt Dünengras, auch Strandhafer genannt, gegen die Zerstörung von Acker- und Siedlungsflächen gegen den Sandflug der Dünen. Dieses biologisch höchst interessante Gras hat die Dünen gefestigt. Eine einzige Pflanze kann übrigens im Netz ihrer Wurzeln eine Länge von 35 Kilometern erreichen. Nur im Süden der Insel hatte man auf die Bepflanzung verzichtet. Dort befinden sich nun auch die einzigen Wanderdünen Deutschlands. Die größte Düne ist 400 Meter breit und gut zwei Kilometer lang. Die Natur und das gesunde Reizklima machten bereits im Jahre 1855 Westerland zum Seebad. Insgesamt 98 Kurgäste wurden in diesem Jahr in diesem damaligen Dorf gelistet. Über die Verpflegung und die Unterkunft in den ersten touristischen Jahren wurden keine Lobeshymnen aufgezeichnet. Ganz im Gegenteil. Aber die Entwicklung lief schlußendlich im Sinne für Sylt. Im Jahre 1903 gründete der Berliner Unternehmer Otto Busse das Kulthotel Miramar in allerbester Strandlage von Westerland. „Miramar" benannt nach dem Habsburg- Schloß Miramare in Triest. Das auch heute nicht weniger unglaublich elegante Hotel verzeichnete als Gäste Gerhard Hauptmann, Minister Gustav Stresemann, Hans Albers, Max Schmeling usw. Heute sind es Udo Lindenberg, Boris Becker oder Robby Naish, die dieses Kulthotel immer wieder als Gäste aufsuchen. Insgesamt waren und sind es gerade die Reichen, Schönen und Berühmten, die Sylt zu dem machten, was es heute ist. Vor dem I. Weltkrieg war Westerland gerade deswegen das eleganteste Bad an der deutschen Nordsee. In den 20er Jahren waren die Verleger Ernst Rowohlt und Peter Suhrkamp Stammgäste. Nach dem II. Weltkrieg waren es Axel Springer und auch Oswald Kolle, der seine „Aufklärungsfilme" in den Sanddünen drehen ließ. Sylt wurde zum Mekka der Freikörperkultur. An jedem Strandabschnitt jedes Ortes entwickelte sich quasi überlappend zum Textilen pure Nacktheit. Da blieben die Playboys dann auch nicht mehr gerne fern. Gunther Sachs und seine Clique interessierten sich für „Natur pur" auf Sylt. Der Jet Set Deutschlands hatte ihre Insel gefunden. Auch Air Berlin hat Sylt für seine Passagiere entdeckt. Und so landen die Flieger von Düsseldorf, München und Berlin auf dem winzigen Sylter Flughafen unweit von Westerland. Zahlreiche Touristen, die keinen Billig-Urlaub erwarten. Sylt ist in der Gesamtheit nicht günstig. Aber Sylt ist einfach toll! An Bord von Air Berlin gibt es natürlich auch Essen. Allerdings nicht kostenfrei. Wer dennoch mehr als die obligatorische Brötchen mit Käse oder Schinken auf den Kurzflügen vernaschen möchte, der bekommt einige Gerichte nach dem Catering der „Sansibar". Nicht etwa die ostafrikanische Insel vor der Küste von Mombasa, sondern eine „Strandbude" in den Dünen bei Rantum. Wohlbemerkt mit eigener Bushaltestelle und einem Parkplatz, der immer voll zu sein scheint. Hinter der „Strandbude" verbirgt sich Deutschlands berühmtestes Restaurant. Vom Gault Millau wurde Sansibar-Chef Herbert Seckler zum Restaurateur des Jahres 2009 gewählt. Die Holzbänke im Sand sind auch wochentags randvoll. Es gibt regionales Fischiges aber auch anderes. Lecker und attraktiv zubereitet. Auf Holzlatten sitzen die Wartenden bis irgendwo ein Tisch frei wird. Der Traum eines jeden Restaurant- und Gasthausbetreibers. Die „Sansibar" wurde durch den Medienrummel rund um die Schönen, Reichen und Berühmten zum Kulttempel. Und all die anderen wollen an dieser Aura teilhaben. Das ist das Rezept der „Sansibar" und auch von Sylt insgesamt.

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Wie der Steireranzug zum Steirer, gehört der Bierkrug zum Bayern. Nirgendwo auf der Welt dreht sich so viel um den Gerstensaft wie eben im „Boarischen". Überall, in den Städten, Klöstern und dörflichen Wirtshäusern wird Bier gebraut und auch ordentlich getrunken. Wunderbare Biere der verschiedensten Art, die allesamt extrem süffig sind. In der Zeit rund um die einzelnen Kirchweihen gibt es spezielle Festbiere. Etwas würziger eingebraut und mit ein bißchen mehr an Alkohol hebt man bei derlei Anlässen so manches Maß. Bayern ist sozusagen die Bierhochburg der Welt und fest in der Hand der Brauer und Biertrinker.

Fast, könnte man sagen, denn im idyllischen Gebiet rund um die Mainschleife in der Nähe von Würzburg ist Weinland in vollster Prägung. An den Hängen zum Mainufer wachsen wunderschöne Rieslinge, Grüne Silvaner und Kerner (Weißburgunder).

Volkach und Sommerach sind die Zentren dieser Weinkultur in Bayern. Was auch nicht ganz richtig ist, denn ab der Gegend um Ingolstadt in Richtung Norden legen die Einwohner bis über Nürnberg, Bamberg, Würzburg und Hof den größten Wert darauf, als Franken eingestuft zu werden. Man hat jenes Jahr 1805 nicht vergessen, in dem die Bayern das Frankenland unter die Hoheit ihres Löwen stellten.

Diverse Bestrebungen zur Gründung eines Freistaates Franken gibt es seit Jahren. Das wollen die heutigen Münchener Landesherren heute genauso wenig wie vor 200 Jahren, doch der fränkische Lebensstil als Lebensform in Kultur und Dialekt erlebt heute eine Hochblüte. Mitsamt der tiefgreifenden Kulinarik dieser Region.

Das Frankenland ist ein Schlaraffenland, was Essen und Trinken betrifft. Regionale Schmankerln wie diverse Würste, „Schäufele", „Knöchla", gebratene Enten und Gänse und Wild samt der wunderbaren Karoffelklöße. Oder in der kälteren Jahreszeit der Karpfen in Bierteig. Dazu fränkisches Bier oder ein Schoppen Wein.

Beim Stichwort Wein machen wir einen Abstecher zu dieser idyllischen Mainschleife, wo der Main in Mäander seine Wasser flußabwärts treibt und somit für ein wunderschönes Landschaftsbild sorgt. Der schnellste Weg führt über die Autobahn Nürnberg in Richtung Würzburg. Wer es etwas ländlicher haben möchte, kann über das breitgefächerte Netz mittlerer und kleinerer Landstraßen ausweichen. Wer diese Zeit investiert, wird durch eine Unzahl von schönen Dörfern, Häusern und urigen Wirtsstätten belohnt. Sauber und gepflegt, so wie es die fränkische und ohnehin deutsche Art ist.

Das Land abseits von der immer überfüllten Autobahn zeigt sich hügelig und grün. Die Dörfer und kleineren Städte haben ihr geordnetes Ortsbild. Vielfach mittelalterliche Bauten sind darin eingebunden. Es dominieren die Fachwerkbauten nach dem spezifischen Muster alter Baukunst.

Unweit von Volkach breiten sich große Weinberge in die Landschaft und unterstreichen das milde Klima, hier an den Ufern des Main. Dazwischen auch Spargelfelder, die auf den kulinarischen Verstand der Bewohner schließen lassen. Wie vielfach in Europa waren es einstens die Römer, die überall mit der Weinkultur starteten. Hier allerdings nicht. Wenngleich die Römer damals die halbe Welt unterjochten, galt dieses Germanien damals für sie als unbesiegbar. Die für die Römer vernichtende Schlacht im Teutoburger Wald war Lehre genug, Germanien in Ruhe zu lassen.

Demnach lebten im einstigen Fränkischen vorerst Kelten, Markomannen, Burgunder und Alemannen. Im Zuge der Völkerwanderung ließen sich hier um 500 nach Christi die Franken nieder.

Seit dem 11. Jahrhundert bestimmt der Weinbau das Leben. Heute sind es allein in Sommerach 190 Winzerfamilien, die gut 260 Hektar an Weinbergen bewerkstelligen. Seit 1901 gibt es den Winzerkeller der ersten Winzergenossenschaft Frankens. Zusätzlich werden in den zahlreichen eigenständigen Weingütern exzellente Weine gekeltert.

Doch vorerst nach Volkach, dem Ausgangspunkt unserer Reise. Ein wunderschönes mittelalterliches Städtchen, das den Reichtum der Bürgerschaft über die Jahrhunderte hinweg auszudrücken vermag. Die Fürstbischöfe von Würzberg hatten die Macht und vielfach auch den Wein, was auch der einstige Sitz der Würzburger fürstbischöflichen Amtskellers dokumentiert.

Vorrangiges Ziel ist das Rathaus. Jenes Volkacher Rathaus, das ich schon als Kind kannte. Als „Faller-Modell" für die Modelleisenbahn hatte ich es aus den Einzelteilen zusammengeklebt. Das Original übertrifft das Modell bei weitem. Erbaut im Jahre 1544 ist es ein Prunkstück der Architektur. Die Wappensteine verweisen auf die Landesherren, die Fürstbischöfe von Würzburg. Diese edlen Herren wußten, wo es besten Wein gibt.

Der Wein spielt auch heute noch in Volkach die tragende Rolle. Weinstuben und Gasthäuser mit heimischen Weinen und fränkischen Schmankerln gibt es an jeder Ecke. Die fesche, blonde Wirtin in der Weinstube Torbäck servierte im Römerglas einen „Schoppen" Kerner (einen exzellenter Weißburgunder in der Menge eines Viertels in einem speziellen Römerglas). Auch der Riesling schmeckte hervorragend. Fruchtig, mit feiner Säure, bedingt durch den Muschelkalkboden der Weinberge. Als 7/10-Flasche wird überall der „Bocksbeutel" gereicht. Eine Flaschenform, die in ihrer Originalität nur mit dem Frankenwein auf den Markt kommt.

In Volkach wäre ich noch gerne geblieben, doch der Job und diese Reisegeschichte verlangte nach Sommerach, ein paar Kilometer südlich. Der Besuch von Sommerach sollte kein Schaden sein. Ein wunderschönes, schmuckes Städtchen mit Fachwerkbauten und einer Winzergasse, wo sich ein Weinbauer an den anderen reiht.

Die Weinreben wachsen dekorativ über die Vorderfassaden der einzelnen Häuser. Eine alte Winzerstadt mit Wehrmauern aus dem 15. Jahrhundert. Irgendwie erinnert alles an Rust oder Mörbisch. Der Wein und die Namen nach den Lagen (Katzenkopf, Engelsberg, Rosenberg usw.) sind der Mittelpunkt. Man vergißt auf das Bier und man vergißt, daß man sich eigentlich in Bayern befindet.

Auf der Gasthausterrasse beim Brunnen wird zu einer fränkischen Bratwurstsulz ein Schoppen Katzenkopf serviert. Niemand an den Nebentischen trinkt Bier. Das ist wohl die späte Rache der Franken an die Bayern. Eigentlich könnte man hier einen wunderschönen Urlaub machen. Schmucke Hotels und Gasthäuser gibt es zahlreich. Sogar einen Campingplatz.

Infos unter This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. bzw. Tel. +49(9381)40112.

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Wo Hasen "Hosn" und Hosen "Husn" heißen, dort ist Nürnberg. Aber die fränkische Metropole Nürnberg ist auch die Stadt der Bratwürste, der Lebkuchen, der Kaiserburg, der ersten deutschen Eisenbahn, der Künstler Albrecht Dürer, Veit Stoß, Peter Henlein und Hans Sachs, des Nürnberger Trichters, der NS-Reichsparteitage, der Nürnberger Prozesse, der Spielwarenmesse usw.

Nürnberg ist auch die Stadt meiner Mutter und somit in gewisser Weise auch meine Stadt. Seit frühester Kindheit ist mir der Duft der Lebkuchen und der kleinen Bratwürste geradezu heimatlich vertraut. Gleich vertraut wie dieser fränkische Dialekt, der selbst eine Eigenheit darstellt, so wie eben Franken, Nürnberg und die Nürnberger. Ich meine die richtigen Nürnberger, die hier zumindest eine Mutter haben.

„Liaber an Necha, als an Preiß!" („Lieber einen Neger, als einen Preußen!") lautet eine Nürnberger Aussage. Was allerdings nichts genützt hat, denn Nürnberg ist nun mal auch eine Hochburg der Technik, der Wirtschaft und der Messen. Somit ist die Stadt nahezu überschwemmt von den „Preißn" aus nördlichen Regionen - von Düsseldorf bis zur Preußen-Hochburg Berlin. Diese Menschen sprechen kaum einen Satz Fränkisch. Genausowenig wie die tausenden Türken, die wiederum vielfach keinen Satz Deutsch sprechen.

Nürnberg ist heute ein multikultureller Schmelztiegel der Nationen. Nicht einmal der „Christkindlesmarkt" ist den Nürnbergern geblieben. Dieser ist fest in der Hand der Touristen, zumindest an den Wochenenden. Von Österreich, Holland, Italien, Tschechien, Polen, Frankreich, der Schweiz und natürlich von überall sonstwo in Deutschland kommen die Menschen mit den Zügen, Autos oder Bussen hierher. Kinder mit leuchtenden Auge voll der Freude und Erwachsene mit leuchtenden Augen nach einigen Bechern Glühwein. Nürnberg hat den allerschönsten, größten und ältesten Christkindlmarkt der Welt.

„Christkindlesmarkt" sagt man mit fränkischen Worten zu dieser vorweihnachtlichen Institution. So viele Jahre und Jahrhunderte vergingen zu jenen Anfängen des „Christkindlesmarktes" in der Nürnberger Stadt. Dort, wo die Frauenkirche, der Schöne Brunnen und zur Adventszeit auch der Christkindlesmarkt sind, ist der Hauptmarkt. Ein großer Platz inmitten einer durch und durch historisch geprägten Stadt, die bislang in jede einzelne Gasse vom Hauch des Mittelalters beseelt ist. Alte Fachwerkbauten, wie sie in Franken und auch in den französischen Kleinstädten üblich sind, prägen das mit einer gewaltigen Portion Romantik ausgestattete Stadtbild.

Kaum zu glauben, daß Nürnberg am 2. Jänner 1945 durch ein Bombeninferno der Alliierten zu 90 Prozent zerstört wurde. Bis zur Kaiserburg und den Stadtmauern samt der Türme wurde die Nürnberger Stadt wieder nahezu autentisch nach den historischen Vorgaben aufgebaut. Über viele Jahre zeigte die Stadt bis in die Gegenwart die Wunden dieser gewaltigen Zerstörung.

Doch zurück zum Hauptmarkt, wo das Christkindl in der Adventszeit im Mittelpunkt steht. Während damals im Mittelalter auf der Kaiserburg alle Kaiser über viele Jahre (1050 bis 1571) die Reichs-und Hoftage abhielten, war das Gelände des Hauptmarktes im 12. Jahrhundert buchstäblich noch Sumpfgebiet. Dieses hatte man den Juden überlassen. Als um 1320 der Ring der Stadtbefestigung geschlossen wurde, lag plötzlich das Judenviertel mitten im Stadtzentrum. Unter Zustimmung Karls IV. wurde die dortige Synagoge abgerissen und an die 600 Juden ermordet. In der Folge bauten hier die Patrizier ihre Häuser und an der Stelle der Synagoge wurde 1358 die erste gotische Hallenkirche Frankens, die Frauenkirche errichtet. Am anderen Ende des Hauptmarktes steht als vielfotografierte Touristenattraktion der Schöne Brunnen. Im Jahr 1396 fertiggestellt, zeigt sich dieser Brunnen als 19 Meter hohe Steinpyramide in der Form einer gotischen Kirchturmspitze. Zwischen Schönem Brunnen und der Frauenkirche breitet sich der älteste Christkindlmarkt aus, in den Wochen vor Weihnachten der absolute Mittelpunkt Nürnbergs.

Wie für alles im Leben, gibt es auch für den Nürnberger „Christkindlesmarkt" einen historischen Hintergrund, denn das weihnachtliche „Kindleinsbescheren" wurde laut Ratsherren-Beleg aus dem Jahr 1559 noch am Neujahrstag durchgeführt. Im Soge des Einflusses der Veränderungen durch Kirchenreformator Martin Luther wurde sodann diese Bescherung auf den Weihnachtstag vorverlegt. Diese mittlerweile gültige Tradition läßt sich seit 1564 nachweisen. Die Nachfrage nach Geschenken wie Spielwaren und speziell Puppen sowie anderem „Tand" wurde in Nürnberg alsbald sehr groß. So wurden im Anschluß an den gewöhnlichen Markt am Hauptmarkt in der Vorweihnachtszeit an den Ständen auch Geschenksartikel angeboten. Um 1630 hatte sich dieser vorweihnachtliche Verkauf an den Buden schon zu einer Art „Christmesse" entwickelt. Aus dem ganzen Nürnberger Umland kamen die Menschen auf diesen ersten „Christkindlesmarkt" - ebenso die Studenten der Universität Altdorf, die Bürger und die Bauern, speziell am 21. Dezember, dem „Thomastag", der lange Zeit als Feiertag begangen wurde. Am Thomastag des Jahres 1527 zählte man allein 1512 nach Nürnberg einfahrende Karren und Wagen.

In der Folge gab es am „Christkindlesmarkt" auch Christbescherungsspiele mit dem Auftritt des Christkindes. Der Weihnachtsengel wurde geboren, der als Nürnberger Rauschgoldengel seither zum Sympol der deutschen Weihnacht wurde.

Was das „Nürnberger Christkind" angeht, handelt es sich hierbei um ein hohes Ehrenamt. In jedem zweiten Jahr findet die Christkindl-Wahl schon im Oktober per Ausschreibung in den Nürnberger Tageszeitungen statt. Grundvoraussetzung: Das Mädchen muß Nürnbergerin, 16 bis 18 Jahre alt, ledig und schwindelfrei sein. Schließlich muß das Christkindl nach Tradition von der Empore der Frauenkirche herab den „Christkindlesmarkt" eröffnen. Eröffnet wird der weltberühmte Markt jeweils Freitag vor dem ersten Adventsonntag, pünktlich um 17.30 Uhr, und dauert bis einschließlich 24. Dezember.

Buden mit Lebkuchen, Süßigkeiten, „Zwetschgenmännla" (Figuren aus getrockneten Zwetschken), Blech- und Holzspielzeug, Rauschgoldengel, Christbaumschmuck, Kerzen usw. stehen Jahr für Jahr und gewähren einen Rückblick in die eigene Kindheit, in der man selbst mit gläsernen Augen Weihnachten, diesen Duft von Weihnachten so tief für die Seele, förmlich inhalierte. In reiferen Jahren sind es dann die zahlreichen Buden mit dem „Fischbrötla" (Matjes-, Lachs- oder Bismarck-Semmel) und die wundersam guten „Bratwurstweckla" mit Senf. Und wenn es kalt ist, wärmt der Johannisbeer-Glühwein.

Über zwei Millionen Menschen besuchen jährlich den Nürnberger „Christkindlesmarkt". Vielleicht haben einige davon Weihnachten und das Christkind gefunden?!

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Die bundesdeutsche A 9, die Autobahn München-Berlin, umrandet sanft jenes wunderschöne Land, das innerhalb des Städtedreiecks Bamberg-Nürnberg-Bayreuth selig liegt. Die Idylle heißt „Fränkische Schweiz".

Es ist das Land der 4.000 Kilometer Wanderwege, der 1.000 Höhlen und der gut 100 Brauereien. Ein Land ältester deutscher Geschichte mit unzähligen Burgen und Ruinen. Aus all der Lieblichkeit der Landschaft strotzen bizarre und mächtige Gesteinswände hervor und verleihen der Landschaft einen einzigartigen Reiz.

Vor gut 200 Millionen Jahren im Jura war hier alles Meer. Aus den geologischen Schichten des einstigen Meeresbodens prägten sich die heutigen Landschaftsformen in schwarzem, weißem und braunem Jura-Gestein. Gigantische, bizarre Gesteinsblöcke, umspielt von grünen Wiesen und Wäldern. Ein Land wie aus dem Bilderbuch. Die klaren, frischen Wasser der Bäche betreiben alte Mühlräder und lassen Zeit eben Zeit sein. Sie drehen sich über Jahre und Jahrhunderte. Monoton wie der Pulsschlag des Lebens.

Für die Bauern und Müller früher eine Existenzgrundlage, begeisterten sich Dichter, Maler, Romantiker und Höhlenforscher für diese beschauliche Landschaft mit ihren Mühlen, Burgen und Gesteinsbrocken. Viktor von Scheffel, Jean Paul, Fürst Pückler, Ludwig Tieck, Karl Immermann, Ludwig Richter und auch Cosima und Richard Wagner fühlten sich vom Zauber der Fränkischen Schweiz angezogen.

Andere Menschen aus der Gegend sollten mit ihren Erfindungen Weltgeschichte schreiben. Wie etwa Löb Strauss aus Buttenheim, der mit dem Namen „Levi" nach Amerika auswanderte. Diesem Levi, in Franken Sohn eines Hausierers, verdankt die Welt eine legendäre Hose, die Jean. Heute erinnert das Levi-Strauss-Museum in Buttenheim an den hier in Armut geborenen Buben. Aus Gasseldorf stammt ein Kleinbauernsohn namens Georg Lahner. In Frankfurt erlernte Lahner das Metzgerhandwerk und eröffnete 1803 in Wien eine Selcherei. Dort erfand er eine Wurst, die in Österreich unter „Frankfurter" und in Deutschland unter „Wienerle" oder Wiener Würstl allerhöchste Bekanntheit bekommen sollte.

Die Fränkische Schweiz ist ein Eldorado für Feinschmecker. Schmankerln, natürlich original fränkische, gibt es in den unzähligen Gasthöfen und Wirtsstuben. Würste, Brotzeitteller, Preßsack, Schlachtplatten, Knöchle, Schäuferle und andere Bratengerichte samt köstlicher Kartoffelklösse werden hier überall angeboten. Dazu Forellen aus den heimischen Bächen und wunderbare Karpfen im Bierteig in der Winterszeit. Eine Faszination sind natürlich die Nürnberger Bratwürste, entweder vom Rost oder als „Saure Zipfel" in Essigsud gekocht.

Dazu eine Sortenvielfalt an Bieren wie sonst nirgendwo auf der Welt. Immerhin hat die Wunderwelt der Fränkischen Schweiz die allerhöchste Brauereidichte dieser Erde. Auf diesem Fleckchen Land zwischen Bamberg, Bayreuth und Forchheim gibt es über 100 Brauereien. Jedes Dorf hat hier seine eigene Brauerei und das eigene Bier.

Besonders attraktiv sind die traditionellen Gasthausbrauereien. In den traditionellen, alten Fachwerkbauten der Braugaststätten rinnt das frisch gebraute Bier zu den heimischen Schmankerln wie von selbst die Kehle hinunter. Und weil hier am Wegesrand fast hinter jeder Ecke eine Brauerei ist, das Bier so phantastisch schmeckt, die Landschaft so herrlich ist und das Autofahren dann so eine Sache ist, hat man eine sprichwörtliche Königsidee gefunden. Unter den Aspekten von Bier, Schmankerln, Luft und Bewegung gibt es hier organisierte Bierwanderungen. Von der 2-Tages-bis zur 4-Tages-Tour wird eine einzigartige Wandertour durch eine wunderschöne Landschaft angeboten. Gerastet und übernachtet wird natürlich jeweils in einer Gasthausbrauerei. Prosit, wenn das kein Erlebnis ist! (Info: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it. ).

Seitdem die damaligen Berliner Studenten Ludwig Tieck und Wilhelm Heinrich im Jahre 1793 mit einer Pfingstwanderung durch das „Muggendorfer Gebirg" starteten, ist die Fränkische Schweiz das traditionelle Wanderparadies. 4.500 Kilometer an Wanderwegen sind in dieser smogfreien Region bislang erfaßt. Wer auf den schönsten Wegen der Fränkischen Schweiz wandern möchte, kann problemlos ein Wanderpaket einer bestimmten Route inklusive Übernachtung und separater

Gepäcksbeförderung jeweils zum nächsten Etappenziel buchen.

Info: Tourismuszentrale +49(9194)797779

Eine andere Art der Wanderfreude haben die Pilger, die in dreitägigen Fußmärschen nach Gößweinstein gelangen. Weil ich wohl weniger Sünden begangen habe, erlaubte ich mir, Gößweinstein mit dem Auto anzufahren. Gößweinstein ist das klerikale Zentrum der Fränkischen Schweiz. Gut 50.000 Pilger kommen über das Jahr hierher. Ziel ist die berühmte barocke Wallfahrtsbasilika „Zur Heiligen Dreifaltigkeit" - erbaut zwischen 1730 und 1739 nach den Plänen von Balthasar Neumann. Die Ausmalung der Kirche stammt aus dem Jahr 1928. In den Jahren vorher reichte dafür niemals das Geld.

Hoch über der Basilika, den Andenkengeschäften und den traditionellen Gasthäusern thront die Burg Gößweinstein aus dem 11. Jahrhundert. Die Burg war jahrhundertelang Amtssitz der Bamberger Bischöfe. Später war auch Richard Wagner oftmals Gast auf der Burg. Inwieweit Gößweinstein als Motiv-Vorlage für seine Oper „Parsifal" diente, ist unklar.

Unweit von Gößweinstein liegt das reizende Städtchen Pottenstein. Hoch auf den Jura-Steinblöcken überragt die 1.000 Jahre alte Burg Pottenstein die wundersame Landschaft. Eine blutige Geschichte mit Einfällen der Slawen, unzähligen Fehden, Bauernkriegen, 30jährigem Krieg mit den Schweden, Pest und Feuersbrünsten steht mit Pottenstein in direkter Verbindung. Die Burg hat alles überlebt.

Ziel für über 300.000 Menschen jährlich ist die Teufelshöhle, keine zwei Kilometer von Pottendorf

entfernt im idyllischen Weihersbachtal. Es ist die größte Tropfsteinhöhle Deutschlands. Neben den wunderschönen Tropfsteingebilden findet auch das Skelett eines Höhlenbären größtes Interesse. Die konstante Luftfeuchtigkeit von 98 Prozent, die Temperatur von immer Plus 9 Grad und die völlig keim- und staubfreie Luft sind ideale Voraussetzungen für die Kur von Asthmabeschwerden. Demnach werden in der Teufelshöhle erfolgreich „Höhlenkuren" durchgeführt. Die Fossilien aus Stein, die man in Pottenstein auch kaufen kann, zeugen von der Zeit, als die Fränkische Schweiz ein tropisches Meer war.

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Sonne, Wind und Schatten spielen auf Sylt für Touristen und Einheimische geradezu die erste Rolle. Die Sylter grüßen wie sonst auch auf den Inseln und Küsten Norddeutschlands mit „Moin, Moin". Was nicht guten Morgen sondern „Guten Wind" bedeutet. Und weil Schatten und Wind mich an diesem Spätnachmittag vom legendären „Gosch" in Westerland vertrieben hatte, wurde die innere Erwärmung bei Eiergrog in einem Cafe auf der Friedrichstraße gesucht und schließlich auch gefunden. Der emsige und pfiffige Kellner vokalisierte das Wort „Bittschön" direkt nordischkärntnerisch und ich fragte: „Sie sind ein Kärntner?!" Der irgendwie sprachtechnisch Ertappte redete mich beim Servieren des Eiergrogs an: „Wo kommen Sie her?" „Aus der Steiermark." Dann erzählte dieser, daß er eine Oma in Feldbach hatte. Die Frau Wunderl aus der Grazerstraße und wie er hinterm Hof beim Gasthaus Deutsch bei der Wehr immer in die Raab baden gegangen ist. Beim zweiten Eiergrog erzählte der Kellner, daß er seine Frau samt Kind an einen Nebenbuhler mit mehr Freizeit in Fürstenfeld verloren hatte. Seither will er nicht mehr in die Oststeiermark. So treibt auf Sylt die Kommunikation einher. Die Kellner und die allermeisten Hotelangestellten kommen ohnehin vom Festland.

Auch Sylts kulinarische Legende, Jürgen Gosch, kam einstens von Tönning von der Halbinsel Eiderstedt auf die Insel. Gosch ist mittlerweile mit seinen zahlreichen Fischrestaurants der absolute Kulinarik- König auf Sylt. „Heute schon gegoscht!???" ist der gängige Vermarktungsspruch auf der Insel. Was so viel bedeutet, ob man heute schon guten Fisch gegessen hat. Matjes, Austern, Lachs, Krabben usw. Dazu Bier und Wein.

Die „Fischbuden" von Gosch sind wahre Touristenmagneten. Hinter der breitgefächerten Theke im Fischbistro Anna Gosch in der Westerlander Friedrichsstraße drängt es sich besonders rund um Stehtische und Bänke. Der Chefkoch zelebriert wie ein Muezzin lautstark diverse Zahlen. Denn jedes bestellte und im Voraus bezahlte Gericht hat eine Zahl per Bon. Hat man die herausgeplärrte Zahl, dann aber nichts wie hin zur Speisenausgabe. Die Kellner servieren höflich und kompetent die Getränke.

Firmenikone Jürgen Gosch ist ein wohl einzigartiger Erfolgstyp. Der gelernte Maurer fand im Jahre 1966 seine große Liebe zu Sylt. Um seinen Lebensunterhalt auf der Insel zu verdienen, nahm Gosch einige fette Aale unter den Arm und startete seinen Fischverkauf. Ohne Firmenlogo und ohne Dach über dem Kopf. 1972 wurde der erste Verkaufsstand eröffnet. Es folgten weitere Verkaufsstände und das Lister Fischhaus mit eigener Fischräucherei, Verarbeitung und Kühlung. Speziell das Fischbistro Anna Gosch in der Westerlander Friedrichstraße 15b wurde der Renner. Hier „nervten" die begeisterten Gäste die Kellner alsbald: „Können Sie mir einen guten Fisch auch nach Hause schicken!!??" Für Jürgen Gosch kein Problem. Heute gibt es einen gewaltigen Versandhandel mit Räucherfisch- Spezialitäten und zahlreiche Filialen auch auf dem Festland in Hamburg, Bremen, Berlin und Frankfurt.

Das attraktive Firmenlogo mit dem roten Hummer ist mittlerweile überall drauf. Auf Suppentassen, Kochschürzen und auf Tellern. Mit dem großen Jubiläumsfest rund um die alte Tonnenhalle in List setzte Gosch im Juni 2009 einen gewaltigen Impuls seines gigantischen Lebenswerkes.

Die Gemeinde List steht in der Dünenlandschaft ganz im Norden der Insel. Hier gibt es die letzten Wanderdünen Deutschlands. Kräftige Westwinde sorgen für permanente Bewegungen der gigantischen Sandberge, die kontinuierlich im Windspiel nach Osten „wandern". Bis zu 35 Metern schaufeln sich die Dünen mit Sand auf. Die Breite der Wanderdünen beträgt bis zu zwei Kilometer. Die Lister Dünenlandschaft ist mittlerweile ein Naturschutzgebiet mit viel Sand und viel Wind. Das ehemals völlig abgeschiedene List war bis 1866 übrigens dänisch.

Die dänische Insel Römö mit dem allergrößten Sandstrand Europas ist von List nur wenige Kilometer entfernt. Das Lister Land selbst gehört den wenigen Familien, die hier im Norden seit Generationen verankert sind. Einen wirtschaftlichen Impuls gab es bis 2007 durch den Betrieb einer Kaserne. Nach der Kasernenauflassung wäre es für List ein wenig „zappenduster" geworden. Doch auch hier startete Jürgen Gosch mit seiner riesigen kulinarischen Bootshalle. So etwas wie eine Art Hofbräuhaus des Nordens.

Auf dem kleinen Lister Friedhof liegt das Grab des deutschen Flugpionier Wolfgang von Gronau. Er überquerte 1930 mit einem alten Flugboot den Atlantik und vollzog 1932 eine Weltumrundung. Von List geht es mit dem Inselbus bequem über Westerland auf die äußerste Südspitze nach Hörnum. An der rechten Sylter Seite die zahlreichen Badestrände an der Nordsee. An der linken Seite das Wattenmeer mit wärmeren Wassertemperaturen und zahlreichen Naturschutzgebieten.

Die Wasserqualitäten zählen an den Stränden Sylts zu den besten der gesamten Nordseeküste. Mit der sogenannten Kurkarte hat man Zugang zu allen Stränden, die auch bewacht werden. Textile und FKK-Bereiche wechseln sich dabei ab. Wie Schwammerln stehen die Strandkörbe in der vorrangig blau-weißen Optik an den Stränden. Für die Strandkorbbenutzung ist natürlich Miete zu bezahlen. Trotz aller Geruhsamkeit an den Stränden ist die Nordsee kein Planschbecken. Gefährliche Strömungen tauchen immer wieder auf. Strömungen, die auch geübten Schwimmern regelrecht Probleme verursachen.

Mittlerweile ist der Inselbus im Süden in Hörnunm angekommen. Idyllische Einkaufsgassen mit Café, Bäckerei und Gaststätten. Hornum war ehemals als Militärstützpunkt aktiv. Die alten Kasernen wurden zu Jugendheimen. Das neue Luxushotel Budersand zählt mittlerweile zu den 25 weltbesten Hotelanlagen. Dazu im Umfeld die FKK-Strände und auch die „Hundestrände" für die Strolchis und deren Besitzer. Voll Charme präsentiert sich auch der kleine Hörnumer Hafen. Von hier geht es mit kleinen Schiffen nach Amrun, Föhr, Helgoland und auf die Halligen. Im Hafenbecken ist „Willi" die Sensation. Willi ist eine schlaue Kegelrobbe, die sich auf die Fütterung durch die Touristen eingestellt hat. Da gibt es Heringe und Krabben für Willi, der sich durch Posieren für das Urlaubsfoto bedankt. Der kleine Fisch- und Krabbenstand gleich daneben bietet die kleinen frischen Nordseekrabben in Papiertüten. Hier eine günstige Spezialität. Aber um das Krabbenpuhlen kommt man dabei nicht herum.

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Es ist etwas nach 22.00 Uhr. Die langsam untergehende Sonne strahlt noch in voller Stärke und versetzt die tiefgrüne Weidelandschaft in sattes und warmes Licht. Herden schwarz-weiß gefleckter Kühe stehen in den Wiesen. Dazwischen in der Landschaft vereinzelt Baumreihen und die "Haubargen", jene bäuerlichen Burgen mit den riesigen vermoosten Reetdächern.

Ein exakt errichteter langer Wall beendet die grüne ebene Weite der Landschaft. Dieser Wall ist der Deich und dahinter liegt, mitunter höher als all das grüne Land hier, das Wattenmeer der Nordsee. Auf dem gepflegten Weg grüßt ein Radfahrer freundlich "Moin, Moin!". Das bedeutet "Guten Wind" und ist die nordfriesische Form von "Griaß Di!".

Um 23.00 Uhr ist es immer noch hell. Direkt beim Deich sitzen die Leute bei Wilhelm Andresen, dem knorrigen Schankwirt bei hausgemachtem Eier-Grog, dem traditionellen "Pharisäer", oder bei Krabbenbroten und Bier. Wir befinden uns im Kattinger Watt nahe der Stadt Tönning auf der Halbinsel Eiderstedt in Nordfriesland.

Hier, ungefähr zwei Autostunden nördlich von Hamburg, ist ein ganz besonderes Stück Erde. Einstens war hier mehr Wasser als Land. "Nordsee ist Mordsee", so der Titel eines Films. Wer Storms Novelle "Schimmelreiter" gelesen hat, der ahnt, was eine Sturmflut bedeutet. Statistisch alle zehn Jahre setzt der gefürchtete "Blanke Hans", so die Bezeichnung für die Sturmflut, das Land unter Wasser.

In den bislang verheerendsten Sturmfluten 1362 und 1634 gingen große Teile Nordfrieslands in der Nordsee unter. Als Reste der einstigen großen Insel Strand entstanden die Inseln Nordstrand, Pellworm, Sylt und auch die Halligen. Die einstige Insel Eiderstedt wurde 1489 mit der Errichtung des Dammskoog mit dem Festland verbunden.

Eiderstedt wuchs aus insgesamt drei Inseln zusammen. Holländische Einwanderer errichteten im 16. Jahrhundert die ersten Deiche und sicherten das Land von der ewigen Landgier der zumeist wütenden Nordsee ab.

Immer wieder kam und kommt es zu Flutkatastrophen, wie zuletzt 1962, 1976 und 1981. 3,85 Meter über dem Normalhochwasser betrug die Februarflut des Jahres 1962. Über die Eider, den Fluß ins Watt der Nordsee, stauten sich die Wassermassen bis tief ins Innere des Marschlandes zurück und setzten Städte, Dörfer und Weideland unter Wasser. Mit der Fertigstellung des Eidersperrwerkes wird nun das gesamte Eider-Flußgebiet vor den stürmischen Fluten der Nordsee abgeriegelt. Fünf mächtige Schleusentore wie aus einem Science-Fiction-Film tun ihr Bestes. Das Meer kommt niemals zur Ruhe, schon durch die Gezeiten nicht.

Nirgends sonstwo merkt man die Anziehungskraft des Mondes stärker. Diese Anziehungskraft der Wassermassen läßt bei Flut sechs Stunden das Wasser ansteigen und gleich darauf bei Ebbe wieder sechs Stunden lang sinken. Dieses mathematisch genau festgelegte Schauspiel findet nach der Genauigkeit eines Uhrwerkes statt.

Bei Ebbe wandern die Menschen auf dem mehr oder minder festen Schlick hunderte Meter hinaus ins Wattenmeer. Kleine Krebse, Unmengen von Miesmuscheln oder auch Bernstein sind das Beutegut. Doch beim Wattwandern ist größte Vorsicht geboten Übersieht man den Zeitpunkt des Flutbeginns, haben sich die Priele, jene Rinnen, in denen das Wasser in die Nordsee abfließt, bereits wieder voll gefüllt. Plötzlich ist man vom Wasser umgeben. Der Sog in den sich füllenden Prielen ist so gewaltig, daß beste Schwimmer größte Mühe haben, sich aus der gefährlichen Strömung zu retten. Immer wieder kommt es vor, daß das bei Ebbe harmlose Wattenmeer seine Opfer findet. Trotz der überall an den Stränden stationierten Wasserwacht ertrinken im Watt zahlreiche Menschen.

Das Wasser der Nordsee hat im Sommer an die 20 Grad. An den langen und weiten Sanddünen gibt es regen Badebetrieb. Wer nicht Wassersport betreibt oder den Sprung ins kühle Naß wagt, genießt die sauerstoffreiche Meeresluft, den feinen Sand und schützt sich vor dem immer wieder aufkommenden Wind in einem typischen Strandkorb. Speziell St. Peter-Ording besteht aus wunderbarem Strand, Strand und wieder Strand. An die zwölf Kilometer ist der Strand und zugleich großer Treff der Surfer und Strandsegler. Das einstige Fischerdorf hat den Sprung zum größten Nordsee-Bad mit rund 12.000 Betten geschafft. Ein Tourismuszentrum inmitten des Naturschutzgebietes mit einer Vielzahl von Seevogelarten. Im fruchtbaren Marschland von Eiderstedt, also jene Erde, die einstens dem Meer abgerungen wurde, wachsen die schönsten Sorten Gemüse in höchster Qualität. Die Karotten und der Kohl sind eine Wucht. Nirgendwo zuvor habe ich derart bekömmliche und geschmackvolle Kartoffeln gegessen, wie von den Bauern bei Garding. Das tolle Gemüse, aber auch Eier und Handarbeiten kauft man in kleinen, schmucken Verkaufsläden an der Straße. Von Verkaufspersonal ist hier keine Spur. Auf Eiderstedt wird auf Ehrlichkeit gesetzt. Da gibt es eine Preisliste und eine Kasse. Diverse Diebstähle oder "Kavaliersdelikte" sind hier nahezu unbekannt.

Eine große Delikatesse ist auf Eiderstedt das Salzwiesenlamm. Von bis zu sechs Monaten alten Tieren stammt dieses wunderbar zarte und aromatische Fleisch. In Tönning gibt es am Fischereihafen täglich frisch Scholle, Heringe, Kabeljau, Aaal, Dorsch, usw. Allerbester Matjes, Bismarck- und Bratheringe und geräucherte Fische bieten ein Schlaraffenland für Feinschmecker. Frisch geräucherter Rollmops, eine Spezialität, die ich bis dato nur in Tönning finden konnte. Dazu noch die Nordssekrabben direkt von den Fischern. Die Kurzschwanzkrebse sind eher klein und es mag lustigeres als "Krabbenpulen" geben. Doch die Krabben auf dem gebutterten Schwarzbrot, nach Nordfriesenart noch ein Spiegelei drauf, lassen die "Pulerei" schnell vergessen.

Wer die totale Ruhe sucht, ist im, zehn Kilometer von St. Peter-Ording entfernten Westerhever bestens aufgehoben. Nordseeküste, überall Salzwiesen und Schafe und das Wahrzeichen von Eiderstedt auf einem aufgeworfenen Hügel, einer "Warft".

Der Leuchtturm ist es, jener rot-weiß gestreifte Stahlkoloss, der durch die Jever-Bierwerbung im Fernsehen bekannt ist. An die Zeiten der Bauernrepublik erinnern die großen bäuerlichen Burgen, die "Haubargen". Die mit den großen Reetdächern versehenen Bauernhäuser demonstrieren die einstige Macht des hier herrschenden freien, protestantischen Bauerntums. Die "Rote Haubarge" bei Witzwort ist der größte Bau in dieser Art. "Moin, Moin, wunderbare Erde Eiderstedt!"

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Der Tegernsee, eine wunderbare Idylle."Donauprinzessin", "Kaisermühlen-Blues", "Schloßhotel Orth" oder der "Bulle von Tölz". Immer wieder versuchen die Fernsehmächtigen, über Seren ein Seherpotential zu binden. Quotenkampf der TV-Stationen erstrahlte der "Bulle von Tölz" trotz beleibter 160 Kilo Lebendgewicht wie eine Sphinx gegenüber den zum Erbrechen "gscherten Produktionen" etwa eines Kaisermühlen-lues. Und weil im "Bullen von Tölz" der Bulle der humorige Ottfried Fischer und Tölz eben Bad Tölz in Oberbayern ist, gab es keinen Halt mehr vor der Erkundung dieses bayrischen Schatzkästchens rund um Schliersee, Tegernsee und Bad Tölz, dieses Herzstück des "Boarischen".

Rund 50 Kilometer vor München geht es bei der Autobahn-Ausfahrt Holzkirchen über Miesbach (Miasboch) in eine Landschaft der Glückseligkeit. Tiefgrüne Wiesen auf geschwungenen Landschaftshügeln, geordnete und geschlossen erbaute Dörfer, dazwischen riesige "Burgen von Bauerngehöften" ­ traditionelle Herrschaftsbauern und auffallend viele Zeichen auf einen tief verwurzelten Katholizismus und den mittlerweile historischen Sieg über den Protestantismus in der Gegenreformation. Gewaltige barocke Zwiebeltürme sind es immer wieder, die zwischen den Mulden aus den weichgeformten Hügeln herausblicken.

Hier ist Bayern pur und hier würde man König Ludwig noch jetzt umarmen, wenn er nicht selbst oder mittels fremder Hand damals am Gestaade des Starnberger Sees den Wassertod gefunden hätte. Geblieben ist in dieser altbayrischen Ecke der Menschenschlag, der alles gern "gradraus" reden will, "gach" in der Höh' ist und auch gern "raffa" (raufen) tut. Je nach Anzahl der Maß (1 Liter) und der Qualität des Bieres ist so ein gestandener Oberbayer lustig, rabiat oder auch ein bißl müde.Und da wären wir auch schon im vermeintlichen Herzstück am Tegernsee, dem herzoglich bayrischen Brauhaus Tegernsee.

Da Weißwürste prinzipiell vorm "Zwölfeläutn" samt Süßsenf verzehrt werden, drängt es sich hier schon am späten Vormittag. "Ka Plotz", hört man die um sofortigen Respekt bedachte mit mehreren Maßkrügen bestückte Kellnerinnen weniger einladend dahinrufen. Irgendwem dürfte man dann doch ein wenig sympathisch sein und die Kellnerin räumt ein Reserviert-Schild von einem der freien Tische weg. Am Stammtisch selbst darf man als "Zuagroasta" nicht einmal anstoßen. Dafür entschädigen der würzige Preßsack, die frischen Laugenbrezen, der angemachte Frischkäse "Obatzda", die wunderbaren Weißwürste und das herrlich dunkle Bier. Der Maßkrug ist bald leer, denn dieses Bier hier im Brauhaus Tegernsee ist Weltspitze. Bei so einer süffigen Höchstqualität können Österreichs Industriebrauereien einpackenTegernsee ist aber noch viel mehr als das Brauhaus im alten Schloß direkt am See.

Das wußte schon Ludwig Thoma, der literarische Erfinder der legendären Lausbubengeschichten, der hier lebte, arbeitete und 1921 starb. Das Tegernseer Tal ist eine kleine liebenswerte Welt für sich. Zentrum ist der wunderschöne See, der im Sommer zum Baden und Segeln einladet. Die staatlich bairische Schiffahrtslinie befährt pünktlich und herzlich die einzelnen Anlegestellen Tegernsee, Rottach-Egern, Kreuth, Bad Wiessee und Gmund. Überall an den Seeufern zeigen schmucke Hotels und Pensionen den enormen Stellenwert eines pulsierenden Tourismusaufkommens.Mit einem Vollangebot an diversen Einrichtungen, von der Kur bishin zu Golf und Spielcasino gibt es hier einfach alles. Man ist auf den Fremden voll eingestellt, auch wenn er strenggenommen kein ordentlicher Ausländer, sondern nur "a Preiß" ist.

Unbestrittener Platzhirsch ist das traditionelle "Bachmair", in dem die Shooting-Stars aus Film, Sport und Politik absteigen. Hier ist, damit sich die Gäste nördlich der Weißwurstgrenze ein wenig leichter tun, das Personal vom Kofferträger bis zum Empfangschef streng preußisch. Nur der Restaurantchef stammt aus Montenegro. Da kommt es schon vor, daß auf die Bitte nach üblichem Gebäck zum Essen nach langem Warten ein Teller voll Weihnachtsgebäck serviert wird. Auch für die Preußen ist die deutsche Sprache nicht immer einfach!Der in der unmittelbaren Nähe Miebachs gelegene Schliersee ist um einiges kleiner und weniger mondän. Dafür um eine Spur heimeliger und gemütlicher. Auch hier gibt es alle Möglichkeiten für schöne und erholsame Urlaubstage.

Österreicher sind hier äußerst rar. Die zieht es wie magnetisch in den Süden, nach Bibione oder "Tschaorle". Auch "Weaner" sind nicht hier, was das Ganze angenehmer macht. Unser Weg führte im geraden Wege sodann nach Bad Tölz, um die filmische Heimat des Bullen Ottfried Fischer aufzusuchen und auf der Straße diesen Dialekt zu hören, der gar so urig und so biertrocken ist. Zu ulkig, wenn Fischer als Kommissar seine Filmmutter fragt: "Mama, was is mit da Nahrung?"Es war Sonntag und sonntags ist in Bad Tölz einfach nichts los. Ein paar junge Burschen hörte ich türkisch sprechen und wegen des just fallenden Regens waren die Bad Tölzer kaum unterwegs. Auch der "Bulle von Tölz" dürfte an diesem Sonntag nicht Dienst gehabt haben. Vielleicht klappt es das nächste Mal?

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"Butterinsel" oder "Rote Insel" sind die Bezeichnungen für Helgoland, Deutschlands einzige Hochseeinsel. Rund 70 Kilometer von der deutschen Festland-Küste entfernt, war die Insel über Jahre Deutschlands strategischer Vorposten in der Nordsee. Naturgemäß war Helgoland den Briten ein Dorn in "ihrer" Nordsee.

Im Europa der Vereinigung hat Helgoland seine ehemals strategischen Funktionen aufgelassen. Man setzt erfolgreich auf eine intakte Natur, beste Umwelt- und Klimabedingungen, Zollfreiheit und den Tourismus. Helgoland ist einfach ein Muß für jede deutsche Nordlandfahrt. Zudem für Österreichs Geschichtskundler interessant: War es doch im Jahre 1864 Österreichs Admiral Graf Tegethoff, der in Sichtweite zu Helgoland gemeinsam mit den Preußen die dänische Kriegsflotte besiegte. So wurde Schleswig Holstein deutsch.

Helgoland ist die jod- und sauerstoffreichste Stätte Deutschlands und steht heute im Spitzenfeld der europäischen Seeheilbäder. Ausgeglichene Temperaturen zu allen Jahreszeiten, eine durch Wind und Brandung mit heilkräftigen Aerosolen angereicherte Luft bieten beste Bedingungen gegen Rheuma, Atemwegs- und Hauterkrankungen. Weiters gibt es einen Nullwert an Pollen und ein zehnmal niedrigeres Maß an Staubpartikeln wie etwa auf der Zugspitze, dem höchsten Berg Deutschlands. Also eine Luft, welche die Lunge bei jedem Atemzug freimacht.

Ein gewisser Jacob Andresen Siemens gründete bereits 1826 den ersten Seebadebetrieb auf Helgoland. Feine Damen und Herren der Hamburger Gesellschaft waren damals die ersten Kurgäste auf den weitläufigen Sanddünen. Heute tummeln sich dort im feinen Sand auch viele Badegäste, die Luft, Sonne und ein sehr erfrischendes Bad in der Nordsee suchen.

Das Wasser hat hier rund um Helgoland, abgesehen vom Salzgehalt, Trinkwasser-Qualität. Wer es will, kann hier gerne textilfrei baden. Kein Problem auf Helgoland!

Dafür verlief die Geschichte rund um Helgolands Vergangenheit nicht unproblematisch. In der eiszeitlichen Geschichte entrissen die ansteigenden Fluten die "Rote Insel" dem Festland, indem das grüne Marschland unter Wasser gesetzt wurde. Urkundlich erwähnt wurde Helgoland um 700 n. Chr., als der Bischof von Utrecht vergeblich versucht hatte, die Helgoländer zum Christentum zu bekehren. Es folgten Jahre der Seeräuberei. 1402 wurde der berüchtigte Seeräuber Klaus Störtebeker von den Hamburgern bei Helgoland gefangen genommen. Ab 1655 arbeiteten die Helgoländer als Lotsen und Fischer. Die Insel kam unter die Herrschaft der Dänen. Im Jahre 1807 wurde Helgoland von den Engländern erobert. Mit der Ansiedelung englischer Handelshäuser wurde Helgoland ein wichtiger Schmuggelplatz. Schließlich konnten von hier aus die Engländer die Kontinentalsperre gegen Napoleon unterlaufen. Ein wirtschaftlicher Reichtum erfüllte gleichzeitig die Insel. Als geschichtliche Kuriosität wurde Helgoland 1890 von den Engländern gegen Kolonialrechte in Deutsch-Ostafrika eingetauscht und somit in das damalige Deutsche Reich eingegliedert. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges mußten alle Helgoländer ihre Insel verlassen und 4.000 Mann deutschen Marinesoldaten weichen.

Im Zweiten Weltkrieg war die "Rote Insel" Flottenstützpunkt und Ziel permanenter alliierter Fliegerangriffe. Am 18. April 1945 wurde Helgoland von der Royal Air Force dem Erdboden gleich gemacht. Um die Insel regelrecht wegzusprengen, brachten die Engländer am 18. April 1947 6.700 Tonnen Sprengstoff zur Detonation. Es war die bislang größte nichtnukleare Sprengung. Die noch vorhandenen militärischen Anlagen wurden zerstört, doch Helgoland hielt der gewaltigen Sprengung stand. 1952 starteten die Helgoländer den Wiederaufbau ihrer Insel.

Ein neues Helgoland voll der Annehmlichkeiten für den Gast konnte seither entstehen. Neben den Menschen fühlen sich auch die vielen Vogelarten hier pudelwohl. Auf dem sogenannten Lummenfelsen lassen sich während der warmen Monate an die 5.000 Vogelpaare zum Brüten nieder. Ein spektakuläres Schauspiel ist dann im Mai und Juni der Lummensprung, wenn die jungen, noch flugunfähigen Trottellummen vom Felsen stürzen und sicher im Nordseewasser landen. Interessante Führungen gibt es seitens der bereits 1910 gegründeten Vogelwarte. Besondere Lieblinge auf den Dünen sind die Seehunde, die sich hier immer wieder in der Sonne aalen.

Tiefe Bezüge zur Kultur gab es schon immer auf Helgoland. Von Kafka und Heine, Strindberg, Hebbel bis Kleist und Lichtenberg, wollten sich viele der zeitgenössischen Schriftsteller nicht der Anziehungskraft des roten Sandsteinfelsens entziehen. Mit dem Ruf nach "Einigkeit, Recht und Freiheit" wurde auf Helgoland auch der Text für die deutsche Nationalhymne von Hoffmann von Fallersleben geschrieben.

Auch für Feinschmecker hat Helgoland einiges zu bieten. Da gibt es als Spezialität fangfrischen Hummer, Seezunge, Steinbutt, Heilbutt, Scholle, Steinbeißer, Angeldorsch und Taschenkrebs-Scheren. Rund 2.000 Gästebetten in allen Kategorien und auch Camping-Zeltplätze gibt es mittlerweile auf Helgoland, doch die allermeisten Besucher sind Tagesausflügler. Sie kommen nicht nur, weil eben Helgoland die "Sonneninsel Nummer eins" in Deutschland ist. Sie kommen, weil Helgoland nicht zum Zollkodex der EU gehört und somit Zollfreigebiet ist. Die Zollfreiheit stammt noch aus der Zeit, als die Engländer hier das Sagen hatten. Speziell in der Zeit des deutschen Wiederaufbaues war hier der zollfreie Einkauf von fünf Kilo Butter oder Käse vorrangig.

Von den Tagestouristen in ihren kurzen Hosen, die in weißbesockten Sandalen Helgoland mit den Tüten voll Käse und Butter ablatschten, stammt sodann der Begriff "Butterinsel".

Heute ist es weniger die Butter, dafür Parfüm, Rauchwaren, Kleidung, Uhren, optische und technische Geräte, was in den Zollfreigeschäften angeboten wird. Täglich gibt es "Schiff ahoi" von 15 Standorten an der deutschen Küste in Richtung Helgoland. Vor Helgoland werden die Passagiere unter kräftiger Hilfe der Seeleute in kleine Fährschiffe umgeladen. Von zwölf Startbahnen an der Küste wird zudem der Helgoländer Dünen-Flugplatz angeflogen. Die Flugzeit von Hamburg beträgt 45 Minuten.

Helgoland ist ein Erlebnis, auch wenn der Besuch nur für Stunden ist. Dann, wenn die abendliche Sonne die "Lange Anna" blutrot färbt, dann klingt die Unendlichkeit Helgolands im Rauschen der Brandung rund um den "Roten Felsen".

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In den Sommermonaten, wenn gegen 22.00 Uhr in Europa die nächtliche Dunkelheit einbricht, steht hier auf diesem Eiland zur selben Zeit die Sonne noch ziemlich hoch. Es ist heller Tag. Der entgegenkommende Radfahrer grüßt mit "Moin Moin", was soviel heißt, wie "Guter Wind". Da hier im Norden Deutschlands, hart an der dänischen Grenze, alles mit dem "guten Wind", mit dem Wetter und den Gezeiten Ebbe und Flut zu tun hat, ist "Moin Moin" einfach anstelle von Grüß Gott, Guten Morgen, Guten Abend und Auf Wiedersehen der offizielle Gruß.

Das Wetter ist hier am Wattenmeer besser als sein Ruf. Freilich, der Wind bläst einen manchmal fast um, doch dafür gibt es reichhaltig Entschädigung durch eine wunderbare, gesunde Luft und auch zeitweilig tiefste und schönste Sonnnenstrahlen. Auf den Kilometer langen und gewaltig breiten feinsandigen Stränden stehen dann die Strandkörbe. An besonders warmen Sommertagen erreicht das Nordseewasser hier in Nordfriesland eine Temperatur von bis zu 22 Grad. Dann sind die Strände von St. Peter/Ording bis nach Nordstrand, Amrun, Föhr und Sylt überfüllt. Ganz Hamburg, Husum und Flensburg scheint auf den Beinen zu sein, um die herrlichen Stunden in den Dünen, an den Sandstränden oder den ausgedehnten FKK-Bereichen zu genießen.

Wer Besinnlichkeit, Ruhe und eine Schiffsfahrt quer durch das Wattenmeer und vorbei an den Seehund-Bänken vorzieht, läßt sich auf eine Hallig bringen. Halligen sind die letzten Überreste einstigen Festlandes, nachdem gewaltige Sturmfluten diesen Landstrich zerstört hatten. Der tägliche mehrmalige Wechsel der Gezeiten, von Ebbe und Flut, zeigt stündlich diesen immerwährenden Kampf der Nordsee um dieses Land in Nordfriesland.

"Der Schimmelreiter" des Husumer Dichters Theodor Storm scheint allgegenwärtig zu sein. Einstens in der Eiszeit waren das Wattenmeer und große Teile der Nordsee Festland. Mit dem Ende dieser Epoche und der Erwärmung tauten viele Eisberge und die Nordsee überflutete das Land. Über Wasser blieben weit in die Nordsee hinausragende Landreste. Mit den Sturmfluten von1362, 1634 und 1825 zerbrachen diese Landzungen und versanken im Meer. Übriggeblieben sind kleine Inseln im Meer, die sogenannten Halligen, wovon es noch zehn an der Zahl gibt. Das Wort Hallig kommt vom germanischen "Hall", was soviel wie "Salz" heißt. Und salzig sind die Wiesen auf so einer Hallig wohl. Schließlich heißt es für die Hallig bis zu zehnmal im Jahr "Landunter". Dann füllen sich die Priele und die Nordsee braust mit ihren Fluten über die Wiesen hinweg. Der Sturm peitscht die Wellen und die weiße Gischt der wütenden und nach Land hungernden Nordsee reißt alles mit, was nicht gesichert ist.

Auf der Hallig Hooge leben nahezu 120 Einwohner in der immerwährenden Angst, daß die Sturmfluten die zehn Warften zerstören. Diese Warften sind aufgeworfene Erdhügel, auf denen die Häuser, die Kirche und die Schule im Laufe der Jahrhunderte erbaut wurden. Bei "Landunter" wirken die Warften wie kleine Inseln, die vom Wasser buchstäblich bis zu den Haustüren umspült werden. All das, was hier den Menschen gehört, wie Tiere oder Gerätschaften, werden bei den Sturmfluten auf die Warften gebracht.

Die täglichen Fährschiffe mit den Touristen legen an der Hallig Hooge an, wenn Sturmfluten ausgeschlossen sind. Dann gehen die Hallig Hooge-Besucher vorerst ins "Sturmflutkino", um Filme über das "Landunter" auf Hooge zu betrachten. In den Stunden des Tagesaufenthaltes auf Hooge überquert man die saftig-grünen Salzwiesen zu den einzelnen Warften. Kutschfahrten werden angeboten. So gelangt man bequem zur Kirchwarft mit der alten Kirche aus dem Jahr 1624 und über die Lorenzwarft zur Hanswarft. Auf der Hanswarft ist natürlich der Besuch des historischen "Königspesels" (des Königs gute Stube) ein Muß. Hier, in dem mit den friesischen Kacheln ausgelegten Haus, übernachtete im Jahre 1825 der dänische König Frederik VI. Hallig Hooge gehörte damals wie ganz Nordfriesland noch für einige Jahre zum Königreich Dänemark. Zu dieser Zeit waren so ziemlich alle Männer von Hooge als Seefahrer auf den dänischen und holländischen Walfängern im Nordmeer unterwegs.

Heute lebt man auf Hooge von den Touristen, die wegen des wunderbaren Reizklimas, der Ruhe und der herrlichen Natur des Wattenmeeres auf die Hallig kommen. Mittlerweile gibt es in den Gästehäusern auf den zehn Warften mehr Gästebetten als für die Einheimischen zur Verfügung stehen.

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Im sogenannten Frankenwald vereint sich der Weiße Main aus dem „Fichtelgebirge" mit dem Roten Main aus der „Fränkischen Schweiz". Genau dort wo der Main als „Ganzes" startet, steht Kulmbach. Diese wunderschöne Stadt mit ihrer interessanten Geschichte liegt unweit von Bayreuth. Wasser gibt es hier wahrlich genug. Sauberes und kristallklares Wasser ist der Hauptbestandteil von Bier. Gerade deshalb und weil die Kulmbacher und die gesamten Oberfranken urgemütlich sind, ist Bier hier nicht nur ein Getränk.

Bier ist Kult, Lebensfreude und zugleich die Existenz zahlreicher Brauereien. Daß es aufgrund der zahllosen Braustätten und der langjährigen Braukunst in Oberfranken und speziell in Kulmbach die besten Biere der Welt gibt, ist wahrlich keine Übertreibung. Daß es bei solch einer Anzahl von traditionellen Biergasthäusern und imposanten Burgen hier auch eine Bier- und Burgenstraße ([link] www.bierundburgenstrasse. de) gibt, ist naheliegend. Diese süffige Straßenverbindung ist gleich 500 Kilometer lang und beginnt in Bad Frankenhausen in Thüringen und endet in Passau. Mittendrin als die heimliche Hauptstadt der Biere eben Kulmbach. Und mitten in Kulmbach dann der Start für diese Reportage.

Gemeinsam mit der Touristikerin Andrea Dierl und „Tourismusguru, Nachtwächter und Geschichtslexikon" in der Person des Erich Olbrich treffen wir uns am Stammtisch im rustikal-reizenden Brauerei-Wirtshaus „Kulmbacher Kommunbräu" ([link] www.kommunbraeu.de). In diesem Wirtshaus wird jedes Monat ein neues Spezialbier gebraut. Anstich ist jeweils jeden 1. Mittwoch im Monat. Das Dezember-Bier namens „Delirium" (7,4%Alkohol) rinnt wie von selbst die Kehle hinunter. Die weiteren Biere aus der Zapfleitung sind nicht minder famos. Herrlich schmecken dazu die fränkische Schweinsbratenspezialität „Schäufele" und die original Kartoffelklöße mit den „Brockale" drinnen (in heißer Butter gebräunte Semmelwürfel). Bei solcher Art bierseliger Wirtshausgemütlichkeit erzählt das Kulmbacher „Geschichtslexikon" Erich Olbrich die Kulmbacher Geschichten. Und beginnt gleich mit der Geschichte rund um das Braue rei-Wirtshaus „Kulmbacher Kommunbräu".

Um 1900 gab es in Kulmbach noch rund 100 Braustätten. Vor 20 Jahren machten auch die Kulmbacher die Internationalisierung der Speisekarten mit. Was bedeutet, daß anstatt des Schäufele samt Kloß und Soß sehr bald Pizza und Sushi auf den Tellern in den Wirtshäusern gelangen könnten. Diese Horrorvision wollte man in Kulmbach nicht hinnehmen. Wenn's ums Bier und die fränkische Kost geht, dann sind sich die Kulmbacher gnadenlos einig. So taten sich gleich 450 Kulmbacher zusammen und gründeten eine Genossenschaft. Mit der Geldeinlage von € 2.400.- pro „Genosse". Und so konnte vor Jahren dieses herrliche Brauerei-Wirtshaus als „Kulmbacher Kommunbräu" vor dem Zusperren gerettet werden. Als Wirtsfamilie und Pächter konnten Peter& Sonja Stübinger samt Sohn Frank gewonnen werden. Peter Stübinger ist der im Fränkischen berühmte „Telstar-Peter". Gründer der Rock-Gruppe „Telstars".

Für die 450 „Brauereibesitzer" gibt es einmal jährlich eine Hauptversammlung mit ordentlich Freibier als Belohnung. Zwischen den Bierproben erzählte Geschichtslexikon Erich Olbrich vom Thomas Gottschalk. Die Gottschalks (Vater Rechtsanwalt) flüchteten aus Oberschlesien und sind katholisch. In Nachbarschaft zum Kulmbacher Pfarrhof wuchs der blonde Jüngling heran. War Jugendbetreuer in der Katholischen Kirche, drehte in der Schule einige „Verlängerungsrunden" und wurde sehr früh DJ in einem Kulmbacher Tanzlokal. Immer schon stiefelte er schon mit exzentrischer Kleidung durch Kulmbach. Gleich nach der Matura startete Thomas mit dem Lehrerstudium und als freier Mitarbeiter beim Bayrischen Rundfunk. Der Höhenflug zu Fernsehen, Film und „Wetten daß" war gezündet. In seine Frau Thea verliebte sich Thomas 1972 bei einer Münchener Faschingsparty. Bei seinen Kulmbachern ist Gottschalk insgesamt der Thomas, der einfach dazugehört.

Vom Kulmbacher Geschichtslexikon Olbrich hört man vor dem letzten Bier im Brauerei-Wirtshaus noch von Karl Theodor zu Guttenberg. Auch ein Kulmbacher. Mächtig stolz sind die Kulmbacher auf den CSU-Minister und nennen ihn als die Hoffnung Deutschlands. Das Schloß der Guttenbergs liegt einige Kilometer vom Ortszentrum entfernt. Das Rattern seines Hubschraubers ist unüberhörbar und man freut sich: „Der Karl Theodor ist wieder da!" In die Politik ging der Minister in seiner kleinen Ortschaft Guttenberg. Bis Ende Dezember 2008 war er somit dort CSU-Ortsvorstand. Erich Olbrich erzählt mit Stolz von weiteren Kulmbacher Persönlichkeiten: Karl Linde, der Erfinder der Kühlgeräte. Oder Hans Wilsdorf, der Gründer der Rolex- Uhren AG.

Die alte Markgrafenstadt Kulmbach ist eine historische Bilderbuchstadt. Dazu Brauereimuseum, Bäckereimuseum, gemütliche Wirtshäuser und eine wunderschöne Natur rundum. Für Radfahrer und Wanderer ein idyllisches Fleckchen. Bis zu 30.000 Motorradfreaks kommen seit Jahren jeweils im April nach Kulmbach. Dann steigt hier die große Motorradsternfahrt. Bis aufs letzte Bett ist in dieser Zeit jeder Gasthof ausgebucht. Das Wasser ist ein Element in Kulmbach. Aus strategischen Überlegungen wurde die Stadt im Mittelalter in die Gewässer rund um die „Wiege des Mains" eingebunden. Rundum der Sandsteinfelsen. Hier sind die Stadtgewölbe zu finden. Lange miteinander verbundene Stollen im Stein. Kilometerlange Verbindungen quer durch den Fels. Für ein bekanntes Delikatessengeschäft reift der Weihnachtsstollen auf Stellagen. Früher wurde hier überall Bier gebraut. Die Frauen trugen die Hopfenwürze in die langen Keller.

Hoch über der Stadt Kulmbach trohnt die Hohenzollern-Festung Plassenburg. Hier in dieser Burg ist das größte Zinnfigurenmuseum der Welt untergebracht. Die Geschichte dieser Welt wird in diesem Museum mit 300.000 Einzelfiguren in 150 Dioramen lebendig gemacht. Historische Schlachten sind bis ins Detail nachgestellt. Mit dem „Plassenburg- Expresss" läßt sich die Steigung zur Plassenburg leicht „derfahren". Zum Abschluß noch die leckere Kulmbacher Bratwurst und natürlich ein Bier. Diesmal eins vom Mönchshofbräu. Einfach herrlich!

Weitere Infos unter Telefon 0049/9221958840; E-Mail: This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it.

 

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