Süd Ost Journal

Waren es in den letzten Jahrzehnten die südlichen Gefilde, die der Mitteleuropäer fast ausnahmlos ansteuerte, wächst zunehmend das Interesse für den Norden mit seiner wunderschönen klaren Landschaft und den sauberen und dennoch sehr gemütlchen Städten als Zentren der eleganten Baukunst des Nordens. Ein Glanzlicht unter den nordischen Städten ist Kopenhagen, die Haupstadt Dänemarks.

An die 500 mehr oder minder kleinen Inseln zählen zum dänischen Staatsgebiet. Als Außenbesitzungen der Dänen gelten die Inselgruppe der Färöer ­ bekannt durch ihren vor Jahren spektakulären Fußballsieg gegen Österreich ­ und Grönland.

Auf Seeland, jener Insel, die die Fluten der Ostsee von der Nordsee trennt, liegt Kopenhagen, unweit vom schwedischen Festland und der dort befindlichen Stadt Malmö. Von dort in Südschweden aus besiedelten die damals gefürchteten Dänen, die Wikinger, um das Jahr 800 n. Chr. das heutige Dänemark.

Kopenhagen, was so viel wie "Hafen der Kaufleute" heißt, war dank seiner handelspolitischen günstigen Lage von jeher ein Brückenkopf zwischen Mittel- und Nordeuropa. Nicht umsonst ist die von Bischof Absalon 1167 gegründete Stadt mit 1,4 Millionen Einwohnern heute Skandinaviens größte Stadt sowie Hauptstadt und Sitz der ältesten Königsfamilie der Welt.

Seit 1972 ist Margarete II. in der langen Reihe der dänischen Monarchen Königin. Ein Muß für den Besucher von Kopenhagen ist das Schloß Amalienburg. Große Tradition haben auch die Wachsoldaten, die mit ihren Bärenfellmützen Tag für Tag als eine der beliebtesten Fotomotive herhalten. Befindet sich die Königin in der Stadt, gibt es Schlag 12.00 Uhr die Wachablöse mit Musik und Fahnenschmuck, wobei sich eine gewisse Ähnlichkeit mit der Wachablöse in London nicht von der Hand weisen läßt.

Nach der Wachablöse lohnt sich ein Abstecher zum eigentlichen Wahrzeichen von Kopenhagen: Der Kleinen Meerjungfrau oder wie die Dänen sagen: "Den lille Havfrue." Von Fotos und Plakaten weltweit bekannt, erscheint die Meerjungfrau in Natura fast enttäuschend klein. Berühmte Persönlichkeiten stehen mit der Meerjungfrau unmittelbar in Verbindung. Die Figur selbst enstammt einem Märchen von Hans Christian Andersen. Karl Jakobsen, der einstige Besitzer der weltberühmten Carlsberg-Brauerei, ließ dieses Fabelwesen vom Bildhauer Edward Eriksen errichten. Das Gesicht zeigt die damalige Primaballerina Ellen Price, die die Märchenfigur bei der Premiere des Andersen-Balletts 1909 tanzte. Da die Tänzerin für den Körper der Meerjungfrau nicht nackt Modell sitzen wollte, formte Erikson den Körper der Meerjungfrau nach seiner schönen Ehefrau, den er damit weltweit bekannt und unsterblich machte.

Die Figur wurde 1913 aufgestellt. 1964 sägten Vandalen der Meerjungfrau den Kopf ab. Zum Glück waren die alten Gußformen von 1913 noch vorhanden, so daß das Wahrzeichen von Kopenhagen einen neuen Kopf erhalten konnte.

Unweit der Meerjungfrau befindet sich eine weitere berühmte Stiftung der Carlsberg-Brauerei, der Gefionbrunnen aus dem Jahr 1909. Als weitere Adresse wäre der nahe gelegene "Nyhavn" (Neue Hafen) anzupeilen. Seefahrer-Atmosphäre pur gibt es entlang der Hafenpromenade des 1673 fertiggestellten Kanals ­ zweifellos einer der gemütlichsten und belebtesten Plätze Kopenhagens. Eng aneinandergereiht in schmucken, historischen Häusern, gibt es hier Restaurants, Pubs und "Frohkostläden".

Nichts erinnert mehr an die Zeit, als hier eine sündige Meile als Gegenstück zur Hamburger Reeperbahn eine eindeutige Geschäftigkeit präsentierte. Heute ist die einstige Vergnügungsmeile in Sachen Sex zu einer Stätte der Feinschmecker geworden. "Frohkost" titelt sich das dänische Mittagsbuffet, das hier angeboten wird. Fischliebhaber kommen dabei voll auf ihre Rechnung. Das appetitliche Angebot beinhaltet marinierten Hering, Lachs, faschierte Laibchen, Schweinsbraten, Rinderbrust usw. Ein besonderer Tip für "Frohkost" ist auch das elegante Bistro im Bahnhof mit einem überaus reichhaltigen Angebot ­ extrem gut und preiswürdig.

Vom Billigessen in Kopenhagen kann man ansonsten nicht sprechen. Vielfältig ist das Angebot mit rund 2.000 Lokalen. Die Palette reicht von Cafés und Snackbars bis zu gutbürgerlichen Häusern und Gourmettempeln der Luxusklasse. Weniger Smorrebrod und Labskaus, dafür gediegene dänische Fischgerichte vom Feinsten werden im Spitzenrestaurant "Krogs" am Gammelstrand 38 gereicht. Ein teures, aber unvergeßliches Gourmeterlebnis. Zu den exklusiven Fischgerichten bei "Krogs" zum Beispiel trinken die Dänen duftige Weißweine, speziell aus Frankreich.

Anonsten ist Kopenhagen eine Hochburg des Bieres, der Bierbrauer und Biertrinker. Allein die größte Braugruppe Dänemarks, Carlsberg und Tuborg, produzieren an die 15 verschiedenen Marken.

In den unzähligen Pubs herrscht eine vornehmere Gemütlichkeit als in London, Glasgow oder Dublin. Natürlich werden auch englische und irische Biere vom Faß angeboten. Besucher aus Mitteleuropa wenden sich eher den frischen, dänischen Pils-Bierspezialitäten als dem englischen Ale oder den Porterhouse-Bieren (Guiness) zu.

Eine dänische Bierspezialität ist die sogenannte "Kande", eine bei Kennern hochgelobte Mischung aus zwei Biersorten. Ein fixer Treffpunkt für Bierliebhaber ist die kleinste Brauerei Dänemarks, das Apollo, gleich neben dem weltberühmten Tivoli. Zwischen den Braukesseln lassen sich die Gäste das frischgebraute Bier mit mariniertem Sild, Lachs, Roastbeef oder Spareribs sichtlich schmecken.